Bewertungsdetails
Zweite Meinung - Red Herring Island
Shutter Island kann mit einer akribisch inszenierten, atmosphärisch umwerfenden Szenerie beeindrucken (Production Design: Dante Ferretti - u.a.: Gangs of NY, Aviator, Casino), des weiteren auch mit einem teilweise geradezu umwerfenden Score und einem durchgehend hochwertigen Darstellerensemble.
Doch wo all der schöne Pomp überwiegt und den Zuseher zu blenden vermag, zeichnet sich bei genauerer Betrachtung die selbe Problematik wie bei Scorseses anderen Post-2000 Werken heraus: So toll eine Vorlage auch sein mag - wenn gravierende Schwächen im Drehbuch vorhanden sind, kann auch ein hübscher Aufputz die Mängel des Gesamtwerks nicht überdecken (siehe etwa bei Camerons Avatar).
Anders sind einzelne Szenen (besonders haarsträubend ist das Gespräch in einer Höhle bei flackernden Lagerfeuer) nicht zu erklären: Wo es die Bildsprache und Iszenierung nicht schafft, dem Zuseher die Handlung zu vermitteln, wird einfach ein Dialogpartner vor die Linse gesetzt, der dem Publikum anschließend einfach erklärt, was es nicht weiß (oder anhand der bisherigen Hinweise kombinieren bzw. schlussfolgern kann).
Gerade bei einem mehr als zweistündigen Film - der dazu mit anfangs noch vielschichtigen bzw. mehrdeutigen Traumsequenzen angereichert wird - bleibt genügend Zeit, um solche deskriptiven Elemente zu vermeiden. Man darf dem Publikum doch eine gewisse filmdramaturgische Restintelligenz zumuten oder einfach durch geschickte Auslassungen einen Hauch von interpretativen Überlegungen Platz einräumen.
Das Ende selbst kann sich mit seiner großen, aber nicht besonders umwerfenden Überraschung gerade noch mit Mühe über das Mittelmaß erheben, so vernichtend für das Gesamtwerk erscheint es mir jedoch nicht - die daraus entstehenden Logikfehler innerhalb der Handlung sowie die Art und Weise, wie die gesamte Leutturmsequenz präsentiert wird, ist hier eher als negativ behaftet anzusehen.
Ebenso wie bei Gangs of NY und The Aviator verlässt sich Scorsese mehr auf die Präsentation seiner episch anmutenden Handlungen als auf die Geschichten selbst, was eigentlich schade ist, da auch Shutter Island ohne weiteres Potential hätte, ein großer Wurf des Regiealtmeisters zu werden.
Schade eigentlich.