Viennale 2010 - Erste Vorschau
Festival Direktor Hans Hurch lud wieder zum traditionellen Sommergespräch der Viennale, bei dem wie jedes Jahr wieder zahlreiche Medienvertreter anwesend waren. Präsentiert wurde ein erster, kleiner Ausblick auf das größte heimische Filmfestival, das dieses Jahr vom 21. Oktober – 03. November in Wien stattfinden wird. Wie letztes Jahr fand die Pressekonferenz am Wiener Badeschiff statt, das erneut auch als Festivalzentrale dienen wird.
Eine Neuerung aus dem Vorjahr soll erneut beibehalten werden: Das Festival wird einen Tag länger dauern, als es bis 2008 der Fall war, was vor allem dazu dient das Programm etwas aufzulockern. Programmerweiterungen sind nicht angedacht. Bei der Pressekonferenz wurden vor allem die Tributes, Special Programms und die Retrospektive bekannt gegeben, aus dem eigentlichen Hauptprogramm wurden nur Auszüge präsentiert. Zwar soll das Programm bereits zu zwei Drittel feststehen, allerdings will man sich (wie jedes Jahr) noch einiges für die Programmpräsentation im Oktober aufsparen.
Gemäß der Tradition wurden auch wieder die Plakatmotive vorgestellt. Sowohl vom Hauptprogramm, als auch von der Retrospektive. Das Hauptplakat ist dabei eine freie Bearbeitung eines Filmstills aus Crime Wave von André de Toth aus dem Jahr 1954. Die Idee hinter dem Motiv ist es durch eine grafische Abstraktion eine konkrete filmische Szene in eine allgemeine Darstellung des Kinos zu verwandeln. Das Plakat der Retrospektive zeigt den mittlerweile verstorbenen Eric Rohmer (dem die Retrospektive gewidmet wird) während den Dreharbeiten zu Pauline á la Plage im Jahr 1982.
Zum Programm:
Es ist Besonderheit und Luxus zugleich, dass sich die Viennale in ihrer Programmauswahl keinen allgemeinen Einschränkungen oder Reglements zu unterwerfen hat. Die Viennale ist weder Wettbewerbsfestival noch ist es ihr Anspruch, internationale Uraufführungen zu präsentieren. Sie ist weder auf spezifische filmische Formate wie dokumentarisches Kino, Kurzfilm oder Experimentalfilm spezialisiert noch ein klassisches Genre- oder Autorenfilm - festival. Sie ist weder dem nationalen oder europäischen Filmschaffen verpflichtet noch auf Kategorien wie Erstlingsfilm, innovatives Kino oder archivarische Entdeckungen eingeschränkt. Die Viennale ist nichts von alledem und dennoch all dies in einem zugleich. Darin besteht der Luxus eines Festivals wie der Viennale, dass man sich frei bewegen kann in all den Formen, Formaten, Ideen und Vorstellungen von Kino. Frei, uneingeschränkt und neugierig. Im Idealfall wäre die Viennale, so wie jedes spannende, gelungene und notwendige Filmfestival, ein mögliches Bild des Kinos, ein genaues, akzentuiertes, spielerisches und riskantes, ein subjektives und radikales. Auch ein mit Irrtümern und Sturheit behaftetes, aber niemals ein zynisches, beliebiges oder berechnendes. Dies ist für uns Luxus und Verpflichtung zugleich.
Hans Hurch
Das Hauptprogramm der Viennale besteht aus 130 aktuellen Langfilmen und will eine Momentaufnahme des Weltkinos bieten, bzw. verschiedene Entwicklungen und Tendenzen aufzeigen. Das Programm wird sich natürlich nach den großen Herbstfestivals Venedig, Toronto und San Sebastian noch erweitern, aber nach den bereits stattgefundene Festivals (darunter Berlin und Cannes) haben sich bereits einige neue Werke von bekannten Regisseuren gefunden. Darunter neue Filme von Jean-Luc Godard, Marco Bellocchio, Mike Leigh, Todd Solondz, Apichatpong Weerasethakul, Woody Allen, Manoel de Oliveira, Olivier Assayas und Frederick Wiseman. Aber auch unbekanntere Namen wie Paz Fábrega, Aaron Katz, Li Hongqi, Gonzalo Castro, Rusudan Pirveli, Pietro Marcello, Renate Costa und Jeff Malmberg bekommen mit der Viennale eine Bühe geboten.
Das noch unfertige Programm der Viennale lässt bereits einige Schwerpunkte erkennen. Einer von ihnen sind die filmischen Portraits, Filme mit oder über wichtige Personen, darunter den „Komponisten und Musiker Phil Spector, den Regisseur Martin Scorsese, bei der Arbeit beobachtet von Jonas Mekas, die sich inszenierende, politisch fragwürdige und rücksichtslose Figur Nicolae Ceausescu, Andy Warhols Superstar Candy Darling, der legendäre Vorläufer und Vorbild aller Paparazzi-Fotografen Ron Galella und nicht zuletzt die alte Orang-Utan-Dame Nénette im Zoo von Paris.“ [Zitiert aus der Viennale Presseaussendung]
Ein weiteres wichtiges Programmelement (dieses Jahr noch mehr als sonst) sind Kurzfilme. Darunter auch viele österreichische Beiträge von Regisseuren wie Martin Arnold, Peter Tscherkassky, Sasha Pirker, Johann Lurf, Siegfried A. Fruhauf und Dietmar Brehm. Aber auch internationale Beiträge von Thom Andersen, Luc Moullet, Redmond Entwistle, Sandro Aguilar, Vincent Moon und Jean-Marie Straub. Ausserdem will die Viennale dieses Jahr Grund zum Lachen geben und setzt einen Schwerpunkt auch auf Komödien, darunter Shinboru, Leaves of Grass, Han Jia, High School, Cyrus oder Life During Wartime.
Ein Highlight der Viennale wurde ja bereits vor einiger Zeit bekannt gegeben: Der Gewinner der Goldenen Palme von Cannes, Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives von Apichatpong Weerasethakul (der auch den Festivaltrailer beisteuern wird) wird gezeigt. Zu den weiteren Highlights zählen You Will Meet A Tall Dark Stranger von Woody Allen, Des hommes et des dieux von Xavier Beauvois, O estranho caso de Angélica von Altmeister Manoel Oliveira, das Terroristenportrait Carlos von Olivier Assayas und das sehr polarisierende neue Werk von Jean-Luc Godard Film socialisme. Zwar noch nicht offiziell genannt, aber da erwähnt wird, dass auch ein neuer Film von Mike Leigh gezeigt wird, kann man annehmen, dass es sich dabei um den in Cannes hoch gelobten Another Year handeln wird. Die Tributes des Festivals gelten Larry Cohen und William Lubtchansky, die Special Programms dem kanadischen Filmemacher Denis Côté und dem experimentelle Kino von Siegfried A. Fruhauf. Die Retrospektive im Filmmuseum wird Eric Rohmer gewidmet.
Auswahl aus dem Spielfilm-Programm:
Alamar Pedro Gonzalez-Rubio, Mexiko 2009
Agua fría de mar Paz Fábrega, Costa Rica/F/E/NL/Mexiko 2010
Cold Weather Aaron Katz, USA 2010
Cyrus Jay Duplass, USA 2009
Des hommes et des dieux Xavier Beauvois, F 2010
Estrada para Ythaca Parente, Pretti, Diógenes, Pretti, Brasilien 2010
O estranho caso de Angélica Manoel Oliveira, P/E/F/Brasilien 2010
Exit Through the Gift Shop Banksy, GB/USA 2009
Film socialisme Jean-Luc Godard, CH 2010
Folge mir Johannes Hammel, A 2010
Guerra Civil Pedro Caldas, P 2010
Han jia Li Hongqi, China 2010
High School John Stalberg, USA 2010
Ilich, histoire de Carlos Olivier Assayas, F/D 2009
Invernadero Gonzalo Castro, Argentinien 2010
Leaves Of Grass Tim Blake Nelson, USA 2009
Life During Wartime Todd Solondz, USA 2009
Lung Boonmee Raluek Chat Apichatpong Weerasethakul, GB/Thailand/F/D/E 2010
M/F Remix Jy-ah Min, USA 2010
Putty Hill Matthew Porterfield, USA 2010
Shinboru Matsumoto Hitoshi, Japan/Mexiko 2009
El verano de Goliat Nicolas Pereda, Mexiko/Kanada 2010
Vincere Marco Bellocchio, I/F 2009
You Will Meet a Tall Dark Stranger Woody Allen, USA/E 2009
Auswahl aus dem Dokumentarfilm-Programm:
Achrey Hasof Anat Even, Israel 2009
The Agony and the Ecstasy of Phil Spector Vikram Jayanti, USA/GB 2008
Apuntes para una biografía imaginaria Edgardo Cozarinsky, Argentinien 2010
Autobiografia lui Nicolae Ceausescu Andrei Ujica, RO 2010
La bocca del lupo Pietro Marcello, I 2009
Boxing Gym Frederick Wiseman, USA 2010
Cuchillo de palo Renate Costa, E/Paraguay 2010
Dansa als esperits Ricardo Iscar, E/Kamerun 2010
Double Tide Sharon Lockhart,
The Forgotten Space Allan Sekula, Noël Burch, NL/A 2010
Japan: A Story of Love and Hate Sean McAllister, Japan/GB 2008
Marwencol Jeff Malmberg, USA 2010
Nénette Nicolas Philibert, F 2010
Notes on an American Film Director at Work: Martin Scorsese Jonas Mekas, USA 2009
Paraboles Emmanuelle Demoris, F/Ägypten 2010
The Pier of Apolonovka Andrei Schwartz, D/Ukraine 2008
Shang hai zhuan qi Jia Zhangke, China/Hongkong 2010
Smash His Camera
Stones In Exile Stephen Kijak, GB 2010
La terra habitada Anna Sanmartí Baró, E 2009
Vapor Trail (
The White Stripes: Under Great White Northern Lights Emmett Malloy, USA/Kanada 2009
Auswahl aus dem Kurzfilm-Programm:
Chef-d’oeuvre? Luc Moullet, F 2010
Dos, por favor Fabian Vasquez Euresti, USA 2010
The Future Will Not Be Capitalist Sasha Pirker, A/F 2010
Gesang der Jünglinge Andree Korpys, Markus Löffler, D 2009
Get Out of the Car Thom Andersen, USA 2010
Jan Villa Natasha Mendonca, Indien/USA 2010
A Loft Ken Jacobs, USA 2010
Monuments Redmond Entwistle, GB/USA 2010
O somma luce Jean-Marie Straub, F 2009
Praxis – 5 (7 Szenen) Dietmar Brehm, A 2009
Shadow Cuts Martin Arnold, A 2010
Tranquility Siegfried A. Fruhauf, A 2010
Veduta Jean-Claude Rousseau, F 2010
Voodoo Sandro Aguilar, P 2010
Warm – Vic Chesnutt Vincent Moon, F 2007
FILME DER RETROSPEKTIVE (Auswahl, Stand 20. August 2010)
Spielfilme von Eric Rohmer
4 Aventures de Reinette et Mirabelle, Eric Rohmer, F 1987
L’Ami de mon amie, Eric Rohmer, F 1987
L’Amour l’après-midi, Eric Rohmer, F 1972
Les Amours d’Astrée et de Céladon, Eric Rohmer, F 2007
L’Anglaise et le duc, Eric Rohmer, F 2001
L’Arbre, le maire et la médiathèque, Eric Rohmer, F 1993
Le Beau mariage, Eric Rohmer, F 1982
La Boulangère de Monceau, Eric Rohmer, F 1962
La Carrière de Suzanne, Eric Rohmer, F 1963
La Collectionneuse, Eric Rohmer, F 1967
Conte d’automne, Eric Rohmer, F 1998
Conte de printemps, Eric Rohmer, F 1990
Conte d’été, Eric Rohmer, F 1996
Conte d’hiver, Eric Rohmer, F 1992
La Femme de l’aviateur, Eric Rohmer, F 1981
Le Genou de Claire, Eric Rohmer, F 1970
Ma nuit chez Maud, Eric Rohmer, F 1969
Die Marquise von O …, Eric Rohmer, F 1976
Les Nuits de la pleine lune, Eric Rohmer, F 1984
Paris vu par …, Jean Douchet / Jean Rouch / Jean-Daniel Pollet / Eric Rohmer/
Jean-Luc Godard /Claude Chabrol, F 1965
Pauline à la plage, Eric Rohmer, F 1983
Perceval le Gallois, Eric Rohmer, F 1978
Le Rayon vert, Eric Rohmer, F 1986
Les Rendez-vous de Paris, Eric Rohmer, F 1995
Le Signe du lion, Eric Rohmer, F 1959
Triple Agent, Eric Rohmer, F 2004
Kurzfilme von Eric Rohmer
Bois ton café, il va être froid, Eric Rohmer, F 1986
Une étudiante d’aujourd’hui, Eric Rohmer, F 1966
Nadja à Paris, Eric Rohmer, F 1964
Véronique et son cancre, Eric Rohmer, F 1958
Dokumentarfilme von und über Eric Rohmer
Cinéastes de notre temps: Le Celluloïd et le marbre, Eric Rohmer, F 1966
Cinéastes de notre temps: Carl Th. Dreyer, Eric Rohmer, F 1965
Cinéma, de notre temps: Eric Rohmer. Preuves à l’appui, André S. Labarthe, Jean Douchet, F 1994
Jean-Luc Godard’s Homage to Eric Rohmer, Jean-Luc Godard, F 2010
Les Jeux de société, Eric Rohmer, F 1989
Louis Lumière, Eric Rohmer, F 1968
Ma dernière interview avec Eric Rohmer, Jackie Raynal, F 2010





























































