DieUnabsichtlicheEntfuhrung-Poster01Dieser Text wurde uns von Filmladen zur Verfügung gestellt, und stammt aus dem Presseheft zum Film!

Die Interviews wurden während und nach den Dreharbeiten von Jacob Groll geführt. Transkription: Sandra Föger


INTERVIEW ANDREAS PROCHASKA

I: WAS HAT DICH AN AUSGERECHNET DIESER GESCHICHTE GEREIZT?

P: Die Geschichte hat ein großes Potential für Chaos, Verderbnis und jede Menge Spaß. Was mich dran interessiert hat, ist, dass es so eine kompakte Situation ist, die jeder versteht – der Titel des Films „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ ist quasi selbsterklärend.Dann war da natürlich die Herausforderung, etwas zu machen, das ich in der Form vorher noch nicht gemacht habe und gleichzeitig eine Geschichte über Freundschaft und Scheitern zu erzählen. Alle diese Figuren in diesem Film wollen irgendetwas und erreichen es nicht. Das hat sehr viel mit dem Leben zu tun und das wiederum in einer sehr zum Teil überdrehten und pointierten Art und Weise. Das Hauptkriterium allerdings ist: Das wäre ein Film, den ich mir anschauen würde. Weil er einfach sehr schräg ist.

I: IST ES EINE GROSSE LIEBE ZUM UNDERDOG, ZUM ANTIHELDEN?
P: Ja natürlich, der Held ist ja in 95 Prozent der Fälle einfach langweilig. Ich schau schon gern Bruce Willis Filme an, aber lustiger !nd ich dann eben so Heinis wie den Horst und den Toni, die einfach allein durch ihre Naivität, Dummheit und aber auch Herzlichkeit Chaos auslösen.

I: WIE ERGING ES DIR DENN MIT DEM DREH UND DANACH DEM SCHNITT EINER KOMÖDIE? DAS IST EINE GANZ ANDERE ARBEIT ALS EIN TEENIESLASHER?
P: Für mich gibt es eine gewisse Parallelität zwischen diesen zwei Genres: Für mich als Regisseur sind es diejenigen, mit denen du eine unmittelbar Reaktion vom Publikum provozieren kannst, musst, sollst. Wenn ich bei der Vorführung eines Horror!lms drinnen sitze und die Leute schrecken sich nicht, dann weiß ich, das funktioniert nicht, und bei einer Komödie ist es im Prinzip das gleiche System: Wenn die Leute nicht lachen, an den Stellen die dafür gedacht sind, dann hab ich ein Problem. Gleichzeitig ist es aber auch so, dass ich natürlich besonders glücklich bin, wenn das dann funktioniert und an den richtigen Stellen gelacht wird. Was ich in der ganzen Beschäftigung damit gemerkt habe, ist, dass man einfach ein noch größeres Maß an Präzision braucht, weil du einen Wortwitz im Schnitt nicht reparieren kannst. Es ist ja immer gefährlich bei einer Komödie, dass man dann anfängt, lustige Leute zu besetzen, die dann lustige Sachen machen. Für mich ist wesentlich, und da gibt’s dann wieder die Querverbindung zum Horrorgenre, dass man Figuren hat, die man mag oder zu denen man eine Form von Nähe empfindet. Mir war das immer sehr wichtig bei dieser Geschichte, dass man in dieser Freundschaft zwischen Horst und Toni nicht nur das Gefühl hat, dass sie sich nur die Wuchteln um die Ohren hauen, sondern dass man merkt, das sind Freunde und die haben halt dann irgendwann einmal ein Problem, das sie versuchen, gemeinsam zu lösen [lacht]. Mit all den furchtbaren Konsequenzen, die das hat. Letztlich glaub ich, dass eine Komödie auch nur funktioniert, wenn man gewisse Emotionalität auch dabei hat. Als Zuschauer sollte man das Gefühl bekommen, dass man es mit Menschen und nicht mit Abziehbildern zu tun hat.

I: WAR DER DREH ANSTRENGENDER ODER LEICHTER ALS ANDERE?

P: Es gab mehrere Faktoren, die da zusammengekommen sind. Das eine ist natürlich die Komödie, die ein hohes Maß an Konzentration und Präzision am Set erfordert. Eine besondere Herausforderung war, dass wir in Graz Ende Oktober ständig mit dem Mangel an Tageslicht konfrontiert waren und für unsere Drehpensen nicht 10 – 12 sondern oft nur 7-8 Stunden zur Verfügung hatten. Wir hatten da aber sehr viel Glück, weil viele Dinge beim ersten Mal funktioniert haben. Dann sind wir von Graz nach Wien übersiedelt, und waren plötzlich drei Wochen lang in einem Studio. Das wurde auf einmal ein ganz anderer Film, zuerst bist außen und bewegst dich immer von A nach B und bist den Elementen ausgesetzt und plötzlich wird es zu einem Kammerspiel. Das ist eine völlig andere Konzentration und eine ganz andere Energie. Wir haben ja mit einer digitalen Kamera gedreht – das war für mich und meinen Kameramann auch was Neues –, da musste man sich auch auf das eine oder andere einstellen. Im Großen und Ganzen war es eine intensive und beglückende Erfahrung. Ich hab beim Dreh Dinge erlebt, die ich vorher nicht erlebt habe und die einfach besonders waren.

I: WIE WAR ES, MIT DER OTT ZU ARBEITEN?
Super! Wenn ich früher irgendwo gesehen hab, Elfriede Ott spielt Theater, hab ich gedacht, das ist eigentlich nichts für mich und das interessiert mich jetzt nicht so wahnsinnig. Dann, als ich dieses Buch bekommen, sie das erste mal getroffen und ihre Biografie gelesen hatte, hab ich erst entdeckt, was für ein spannender Mensch sie eigentlich ist. In der direkten Arbeit gab’s nie den Moment, wo sie gesagt hat, das mach ich jetzt aber nicht oder ich sehe das ganz anders, sondern sie hat sich einfach auf eine super Art und Weise da mit eingebracht. Sie war eine tolle Partnerin. Man geht immer so leicht mit Begriffen wie Ikone oder Mythos um. Sie ist ein besonderer Mensch und wenn du mit jemanden zu tun hast, der über 60 Jahre Theater gespielt hat und einfach eine Legende ist, das ist schon was sehr eigenes. Gleichzeitig auch diese Bescheidenheit zu erleben: Sie war wirklich diejenige, die du am wenigsten gemerkt hast. Sie ist ein Vollpro! und unheimlich witzig. Das war eine tolle Begegnung und wann hat man schon die Gelegenheit mit einer Ikone zu arbeiten, die sich auch noch selber spielt und damit dem Film eine ganz eigene Realität verleiht.

I: ES IST JA VOM GENRE ODER VON DER STILISTIK HER ETWAS SEHR EIGENES. DAS IST JETZT NICHT NUR EINE SCREWBALL-COMEDY ODER KLASSISCHE KOMÖDIE, SONDERN EINE MISCHUNG – UND EIGENTLICH HIERZULANDE ETWAS NEUES. EIN NEUES TERRAIN?
P: So ein Film ist ja immer eine Reise. Man fängt an mit dem Buch und beginnt, sich genauer damit auseinander zu setzen und der Zwang, originell zu sein oder etwas Neues zu machen, steht nicht an erster Stelle. Wenn man aber dann durch die Geschichte auf Ideen kommt – mehr will ich da gar nicht verraten – die man in der Form sicher noch nicht gesehen hat, dann war die Reise erfolgreich. Und das hat in dem Fall viel der Elfriede Ott, dem Theater und mit Österreich zu tun. Ich stehe auf die Filme von den Coens, ich mag die Will Farrell-Filme und es gibt aus der Apatow-Ecke auch ein paar sehr spannende Filme, und in Österreich gibt’s da eigentlich nichts Vergleichbares. Es war den Versuch wert diese Ein"üsse mit einem österreichischen Setup und österreichischen oder, besser gesagt, steirischen Figuren zu verbinden.

I: WAS REIZT DICH ALS NÄCHSTES, EIN MUSICAL?
P: Warum nicht. Musical oder Musik!lm, das ist ja auch ein weites Feld. Ich fand zum Beispiel „Moulin Rouge“ super, aber diese ganz klassischen abfotogra!erten Musicals, die interessieren mich überhaupt nicht. Eine Liebes!lm wäre einmal interessant, vielleicht auch etwas Historisches. Es gibt ja noch genug Dinge, die man erforschen kann.

I: DENKST DU DANN IN GENRES ODER IST DAS EHER ZUFALL?
P: Jetzt bei der Ott, das war einfach ein absoluter Glücksfall, dass ich ein Buch bekommen habe, wo ich mir gedacht habe, das ist super, da ist eine tolle Idee dahinter. Wenn man da ein bisschen dran arbeitet, dann kann das wirklich ein toller Film werden. Normalerweise ist ja mein Weg anders: Ich habe eine Idee, dazu suche ich mir einen Produzenten und einen Autor oder Autorin und dann entwickelt man so etwas gemeinsam. Aber gerade im Kinobereich ist es die Ausnahme, dass du ein Buch kriegst und denkst, ok das kann man nehmen und drehen. Ansonsten ist mein erster Zugang zum Kino der, dass es etwas sein muss, was ich mir selber anschauen würde oder meine Jungs. Das schließt für mich einfach viele Dinge aus. Ich stell mir halt immer die Frage: Würde ich jetzt ins Auto steigen, ins Kino fahren, sieben, acht, neun, zehn Euro für die Kinokarte ausgeben (ohne Popcorn) und mir diesen Film anschauen und das führt dann für mich zwangsläufig oft zu Genregeschichten.


INTERVIEW MICHAEL OSTROWSKI

I: WIE KAM ES ZU DIESEM PROJEKT?
O: Es war so, dass mich zwei Freunde angerufen haben, Uwe Lubrich und Alfred Schwarzenberger, und gesagt haben: „Wir schreiben gerade an einem Drehbuch, komm vorbei, wir erzählen dir die Geschichte“. Ich bin dann hingefahren und sie waren gerade dabei, das Treatment zu schreiben. Es war klar, dass der Andreas Kiendl eine Rolle spielt und ich sollte die andere spielen. Dann haben wir uns immer wieder ausgetauscht und die beiden haben einmal die erste Fassung geschrieben. Ich hab das dann an die Dor Film weitergegeben und war immer am Laufenden. Irgendwann einmal haben wir uns gedacht, wir schreiben das jetzt noch mal ganz neu, weil es schon mehrere Fassungen gegeben hat und da hab ich mich dann wieder mit den beiden Autoren zusammengesetzt und eine neue Fassung geschrieben. Die hab ich dann auch mit dem Andreas Prochaska weiterbearbeitet, bis die Drehfassung fertig war.

I: KÖNNTE MAN SAGEN, ES HAT BEGONNEN MIT DEM TITEL, IN DEM IST JA SCHON VIEL VON DER GANZEN GESCHICHTE DRINSTECKT?
O: Die Frau Ott war von Beginn an da. Wenn sich zwei Freunde eine Oma ausborgen, wenn das die Grundidee ist, dann muss das jemand sein, der die beiden bis an den Rande des Nervenzusammenbruchs treiben kann, nicht nur als Person und Schauspielerin, sondern auch als Prominente, so dass ihnen eigentlich ohne ihr Wissen ganz Österreich auf der Spur ist. Und da war sie einfach prädestiniert. Uwe, Alfred und mich hat auch schon immer das Kammerspielartige, diese Volkstheatertradition interessiert; ein gewisser Stil, den man von Hans Moser über Maxi Böhm bis zur Elfriede Ott kennt, die Teil dieser Volkstheatergeschichte ist. Und wir haben das ja nicht unkritisch angeschaut, aber das hat uns etwas gesagt, das war immer was, womit wir uns auch identi!ziert haben. Da war es eigentlich ganz klar, dass es die Elfriede Ott sein muss, weil sie die letzte verbliebene Ikone aus dieser Zeit ist.

I: DICH ASSOZIIERT MAN SEHR STARK MIT DIESER ART VON SCHRÄGEN KOMÖDIEN. DU KOMMST ABER AUCH VOM THEATER IM BAHNHOF, AUS EINER THEATERTRADITION. DAS GANZE SPIELT IN GRAZ. SIND PERSÖNLICHE SACHEN VON DIR AUCH DRINNEN, IN DEN VERSCHIEDENSTEN EBENEN, DIE DIESER FILM HAT?
O: Ich glaub sowieso daran, dass man nur was schreiben kann, was in irgendeiner Form mit einem persönlich zu tun hat. Und ich glaube, es gibt mehrere Gründe, warum das in Graz spielt: Weil das eine Stadt ist, die noch nicht wirklich !lmisch so erforscht ist, und weil es eine schöne Stadt ist, die von der Herzeige-Altstadt bis zu den komisch abgefuckten Seitenbezirken innerhalb von 10 Gehminuten ein riesiges Panorama bietet. Diese „Nicht ganz Großstadt-Atmosphäre“ war für die Figuren wichtig. Jeder kennt sich von irgendwoher im Film, die Schwester Vroni kennt den Toni ausm Fasching, der Kommissar Kramer den Gerry von früher, der Gerry kennt den Toni übers Autohaus usw. Das ist in Graz so. Wenn du das jetzt in Wien erzählen würdest oder in New York, hättest du eher einen Erklärungsnotstand. Für diese Verwobenheit der Figuren, für das halb-Kleinstadt-halb-Großstadt-artige, da war Graz eigentlich genau richtig. Und die Elfriede Ott hat ja auch in Graz oft Theater gespielt und immer wieder Auftritte gehabt, es steht in ihren Büchern, dass sie sich mit der Stadt sehr verbunden fühlt. Das war etwas, das ich erst während des Schreibens herausgefunden habe, aber was auch in Gesprächen mit ihr immer spürbar war.

I: WIE GEHT ES DIR PRINZIPIELL DAMIT, IN EINEM FILM, DEN DU SELBER GESCHRIEBEN HAST, ZU SPIELEN?
O: Ich emp!nde es als großes Privileg, wenn man ein Drehbuch schreibt und dann auch selber drinnen spielen kann. Das ist schon was sehr besonderes, das schätze ich sehr hoch, weil man gibt einerseits was aus der Hand, einem Regisseur, und gleichzeitig ist man sehr nahe dran als Schauspieler. Wenn du einen Drehbuchautor auch als einen der Hauptdarsteller hast, dann ist auch für den Regisseur klar, dass das ein anderes Verhältnis ist, weil da immer wer am Set ist, mit dem man halt Szenen noch besprechen kann, wenn man will. Und wenn das gut funktioniert, so wie mit dem Michael Glawogger oder mit dem Andreas Prochaska, dann ist das ein total super Zustand. Bei „The Making of Futbol“ haben der Helmut Köpping und ich gemeinsam das Drehbuch geschrieben und haben beide im Film gespielt, wobei dann immer der andere Regie gemacht hat. Das war lustig.

I: WIE WAR DIE ZUSAMMENARBEIT MIT ANDREAS PROCHASKA?
O: Ich mag ihn als Drehbuchautor, weil er genau liest und sehr gut einschätzen kann, wann Dialoge zu lang sind, wann etwas retardiert, wo der Fluss verloren geht usw. Und ich mag beim Andreas sehr, dass er beim Dreh wirklich genau zuhört, genau schaut und einfach nicht aufhört, bevor er nicht den Take hat, an den er glaubt. Ich mag mich auch darauf verlassen können, dass ein Regisseur nicht aufhört mit einem Take, wenn er nicht das Beste hat. Auch mit den Kollegen und Kolleginnen war es eine ziemliche Freude, muss ich sagen. Der Cast ist wirklich gut und ich glaube, es gibt da einiges zu entdecken. Mit dem Andi Kiendl hab ich sehr gerne zusammengespielt. Ich kenn ihn schon sehr lange, auch vom Theater im Bahnhof früher und ich kenn ihn als super Theaterschauspieler. Es war schön, dass wir uns hier wieder begegnet sind.

I: WARUM GEHÖRT EINE KOMÖDIE MIT ZUM SCHWIERIGSTEN GENRE?
O: Du musst den Humor aus der Szene beziehen. Es gibt kein Netz, es gibt keinen doppelten Boden, du musst es so drehen, dass es lustig ist, aus basta. Das heißt, ein Regisseur muss sich sehr einlassen können auf seine Schauspieler und muss ein Gefühl entwickeln, dass das, was er will, auch herüberkommt. Gleichzeitig spielt bei einer Komödie ja ein Drama mit. Ohne die richtige Ernsthaftigkeit entsteht auch kein Humor.

I: WIE WAR ES DENN, MIT DER OTT ZU ARBEITEN?
O: Ich habe mich sehr viel mit der Frau Elfriede Ott beschäftigt, die ich zuerst persönlich nicht gekannt habe. Aber ich hab sie schon 2003 quasi ohne ihr Wissen verwendet, weil ich bei einer Theater-im Bahnhof-Show einen Ausschnitt aus einer CD von ihr eingespielt und so ein Live-Telefonat zwischen uns beiden gefaked habe. Insofern gibt‘s da schon lange eine Verbindung. Später hab ich mir dann ein Stück im Theater in der Josefstadt angeschaut, und sie immer besser kennen gelernt. Die Grundvoraussetzung mit ihr zu arbeiten war, dass sie das Drehbuch lustig !ndet. Das war auch für die Frau Ott wichtig, dass sie das mag und dass ihr Umfeld das mag und dass sie sich nicht verarscht fühlt, sondern einfach die Hauptrolle ist, die durch den Film durchmarschiert und sich immer weiter entwickelt. Und mit welcher Hingabe und Freude sie das gemacht hat, war sehr interessant zu sehen.

I: WOHER KOMMT DIE AFFINITÄT ZU ANTIHELDEN?
O: Loser oder Slacker interessieren mich persönlich deshalb, weil sie einen anderen Lebensentwurf haben, wie der, der eigentlich auch vorherrschend ist in unserer Gesellschaft. Ich will das überhaupt nicht schlecht machen, dass man ein sehr gutes Leben führt, ein solides. Ich versuch das ja auch in meinem persönlichen Leben, aber diese Vorhersehbarkeit und Abenteuerlosigkeit in gewisser Weise, die sich durch einen Rhythmus ergibt, dass man von acht in der Früh bis um fünf am Abend arbeitet, und dann heimgeht und fernschaut oder sonst was macht, und drei Wochen Urlaub hat im Jahr oder fünf, das ist in meinen Augen eigentlich vollkommen verrückt. Schon deshalb interessieren mich Leute, die sich dem ein bisserl widersetzen.

I: KURZ ZUM DREH: GIBT ES IRGENDWELCHE SZENEN, DIE BESONDERS ANSTRENGEND WAREN ODER BESONDERS SCHLECHT ODER BESONDERS GUT FUNKTIONIERT HABEN?
O: Sehr lustig zu drehen waren eigentlich alle Szenen in der Wohnung. Sie war in einem Studio gebaut und Andreas Prochaska hat Andreas Kiendl und mich gebeten, ob wir nicht einmal dort übernachten können und uns die Wohnung einrichten. Das war eine sehr ungewöhnliche aber sehr logische Bitte. Am Abend haben dann die Lichtler die Studio-Deko eingeleuchtet, wir blieben da und haben uns in der Wohnung eingelebt. Wir haben Bilder umgehängt und Sachen umgestellt und mehr Mist in der einen Ecke gemacht und weniger Mist in der anderen. Wir haben uns dann wirklich wohl gefühlt dort und alles, was in dieser Wohnung gedreht worden ist, ist uns dadurch sehr nahe gewesen. Der Dreh war körperlich wirklich sehr fordernd, und am Ende waren wir alle ziemlich am Sand. Aber man hatte eine echte Freude beim Spielen, weil du vom Oberbeleuchter bis zum Tonmann einfach das Gefühl gehabt hat, es taugt denen, die haben eine Freude dran und alle waren voll dabei. Da geht man auch gern weiter als Schauspieler und macht einen Blödsinn, den man sonst vielleicht nicht täte.

I: WAS ERWARTET DEN ZUSCHAUER, DER SICH ENTSCHEIDET, SICH „DIE UNABSICHTLICHE ENTFÜHRUNG DER FRAU ELFRIEDE OTT“ IM KINO ANZUSCHAUEN?
O: Was man vom Film wirklich sagen kann, ist, dass er immer wieder in unerwartete Richtungen geht. Ich denke, es ist eine Komödie, in der viel passiert. Es gibt viele Leute, viele Schauplätze und viele überraschende Wendungen. Und es gibt auch immer wieder Momente, in denen die zwei Helden, Horst und Toni, ganz nahe an der Rettung sind, in denen sie denken, das ist der beste Plan, und wieder geht es sich ganz knapp nicht aus oder es passiert wieder was ganz anderes, unerwartetes. Das habe ich super gefunden, beim Schreiben und beim Spielen, dass einfach immer wieder die Situation stärker ist als der Wille. Das sind Momente, für die es sich lohnt [lacht], ins Kino zu gehen.


INTERVIEW ANDREAS KIENDL


I: DU BIST IN DIESEM GANZEN FILM ZIEMLICH AM LIMIT. DU LEBST DICH DIE GANZE ZEIT AUS, DAS MUSS SEHR ANSTRENGEND SEIN.
K: Man entwickelt auch darin – wie in allem – eine gewisse Kondition oder Ökonomie, aber es fordert einen schon ganz schön, das stimmt.

I: WAS IST DENN DAS FÜR EIN TYP, DER HORSTI?
K: Das ist ein relativ passiver Mensch, insofern hat er was spezi!sch Österreichisches, so das „ewiger Student-Syndrom“, ohne dass er jemals studiert hat, aber halt so ein gutmütiger Typ von nebenan, der es eher passieren lässt, als dass er selber die Initiative ergreift. Dafür hat er ja dann auch seinen Kumpel. Es hat natürlich alles zwei Seiten und grad in der Beziehung zur Karin kann ich mir schon vorstellen, dass der Horst das eine oder andere Playstation-Jahr gehabt hat, das der Beziehung nicht sehr förderlich war. Einen Tritt in den Hintern würd’ er ganz gut brauchen und vielleicht hilft ihm ja die Geschichte insofern, dass er ein bisserl was verstanden hat.

I: ES IST EIN BISSCHEN WIE EINE ALTE FAMILIE HIER – MIT DEM ANDREAS (PROCHASKA) HAST DU SCHON OFT GEARBEITET UND MIT DEM MICHI (OSTROWSKI) IN GRAZ. WIE IST DAS, WENN MAN SO IMMER WIEDER ZUSAMMENKOMMT?
K: Ich !nd das sehr luxuriös und dass es eine große Wahrheit hat, dass man einfach im Laufe des Lebens – trotzdem man sich verändert– immer wieder auf die Menschen trifft, die einen verstehen oder eben nicht. Und eben das ist ein gutes Zeichen für die Synergie zwischen dem Andreas einerseits aber auch mit dem Michi, dass wir völlig problemlos immer wieder zusammenkommen und uns dann auch wieder lösen und jeder seine Sachen macht. In einem Land wie Österreich ist das möglich und ich hoffe, dass sich das rentiert.

I: ES IST JA EINE KOMÖDIE. BISHER HAST DU JA IMMER EHER SPANNUNGSGELADENE SACHEN GEMACHT – WIE TUST DU DIR BEIM KOMÖDIESPIELEN?
K: Es ist eine andere Aufgabe, aber letztlich geht’s ums gleiche wie im sogenannten ernsten oder spannungsgeladenen Film, nur, dass man noch in einem viel höheren Maß Vertrauen in den Regisseur haben muss oder in das Ding, weil man sich ja auf eine andere Art und Weise nackt macht. Ich kann nur glaubwürdig Komödie spielen, wenn ich mich über mich selbst lustig machen darf und dafür brauch ich aber auch ein Außen, das mir das gestattet.

I: MEINST DU DAMIT, DASS JE LEICHTER ETWAS WIRKT, UMSO SCHWERER IST ES ZU SPIELEN?
K: Man muss es immer aus sich holen. Der Regisseur gleich wie der Schauspieler, man muss die Bilder haben und je näher einem diese Bilder sind oder die Figuren oder die Geschichte, desto leichter fällt es einem. Und man hat ja doch auch einen Abdruck von anderen Filmen, von anderen Leuten, die das auch schon versucht haben und man muss sich auf einen Geschmack einigen, wo man sagt: OK, das ist zwar richtig, aber es gefällt mir nicht. Wir haben das im Vorfeld durch Proben und Klausuren gelöst – das war irrsinnig wichtig.

I: EIN NEUZUGANG ZUR FAMILIE, DIE OTT – WIE IST ES, MIT IHR ZU ARBEITEN?

K: [lacht] Irrsinnig klass, sehr spannend. Und sie hat uns ja auch, also mich zumindest, überrascht mit ihrer Geduld und ihrer Konzentration, das ist beeindruckend.

I: ES IST EINE ZIEMLICH SCHRÄGE GESCHICHTE, DIR PASSIEREN SCHRÄGE SACHEN. WIE GEHT MAN DAMIT UM. GIBT ES LACHKRÄMPFE – KANN DAS ÜBERHAUPT FUNKTIONIEREN?
K: Das ist ja das Wunderbare an dem Beruf, dass man Dinge tun darf, die man normalerweise nie tun darf. Du musst dir nur die Dekoration anschauen, das spricht ja alles Bände, und wir haben es auch wirklich gehabt, dass wir einmal einen halben Tag verlacht haben, der Michi und ich. Es muss einfach auch drinnen sein, wenn man sich wirklich auf so einem Grat bewegt –alles Wahnsinn eigentlich, was da passiert. Eben grad haben wir eine Szene gedreht, wo ich der Frau Ott einen Ketamin-Tee geb. Es ist auch die Lust an der Situation da, so ganz knapp vor dem Lachen, und dadurch halt auch gefährlich.

I: STELLST DU DIR MANCHMAL DIE FRAGE: ERWISCH ICH DA JETZT EIGENTLICH AUCH DIE RICHTIGE BALANCE?
K: Die Frage stellt man sich dauernd und deshalb braucht man eben, wie ich vorher gemeint hab, dieses Außen, dem du vertraust.

I: DU HAST ES VORHIN GERADE ANGESPROCHEN: MICHAEL UND DU, IHR HABT EUCH JA VORBEREITET, DAS GANZE SCHON MIT ANDREAS GEMEINSAM VORGEPROBT. WARUM UND WIE SEHR HAT DAS GEHOLFEN?
K: Warum? Einfach weil es die Chance gegeben hat, weil so etwas nicht selbstverständlich ist. Es gibt – wie soll ich sagen – unter den professionellen Schauspielern viele, die das auch nicht mitmachen wollen oder können.

I: WOVON SPRICHST DU VOM PROBEN?
K: Vom Proben und Entwickeln. Wir haben im Vorfeld einmal so eine zweitägige Klausur in Graz gemacht, nur Andreas, Michi und ich, wo wir einmal durch das Buch gegangen sind und überhaupt einmal erforscht haben, was ist da der Common Sense, was können wir gemeinsam machen, was können wir nicht und das hilft ungemein. Das muss man schon gemacht haben, im Idealfall am Schauplatz des Geschehens, dort, wo es dann gedreht wird.

I: WORUM GEHT’S EIGENTLICH IN DIESEM FILM, WAS IST DIE GESCHICHTE?
K: Eigentlich kämpfen zwei Typen ums Überleben und es beginnt noch relativ harmlos, aber es wird dann riesig, und der Film verändert die zwei Typen. Sie sind anders hinterher, beide. Und das ist eigentlich ein kleiner Mini-Faust, ich weiß nicht. Es ist das Leben.

I: WAS HAT DICH ANGESPROCHEN, DAS MUSS ICH MACHEN, DIE ROLLE UND DANN IM FILM?
K: Also in meinem Fall war es so, dass ich schon die sehr frühen Stadien des Drehbuchs gekannt habe und die Horst-Figur eigentlich auch viel mit mir zu tun hat. Das haben Leute geschrieben, die mich kennen und die gewusst haben, wie sie mir das hinschreiben oder vielleicht sogar auch Geschichten verwenden, die von mir einmal gekommen sind. Das grundsätzliche Interesse war, einfach einmal wirklich Komödie zu machen, sich da drüber zu trauen, so gut es nur geht. Mit gut meine ich in dem Fall, dass man eben der Geschichte vertraut, dass man jetzt nicht beim Spielen noch kabarettistisch oder komisch agiert, sondern dass man einfach zwei Typen hat, man setzt die in eine Situation, Stress kommt auf… Bam.

I: SAGST DU UNS EIN BEISPIEL, WO DU GESAGT HAST, DA IST AUCH EINIGES VON DIR AUS DEINEM LEBEN ÜBERNOMMEN?
K: Die zwei Grazer Anarcho-Clowns, die halt in der Stadt versumpert sind, das ist ein Milieu, in dem ich mich fast ein Jahrzehnt bewegt habe und das ist irgendwo zwischen Alternativleben in Graz und halt Sich-Gehenlassen, in jeder Hinsicht.

I: KOMMEN DA SO SENTIMENTALE GEFÜHLE AUCH AUS DEINER VERGANGENHEIT HOCH?

K: Das war eben das Schöne an der Drehzeit in Graz, das war so ein bisschen wie nach Hause kommen, aber halt zu anderen Bedingungen und insofern war die Drehzeit eigentlich wie Urlaub machen.


INTERVIEW ELFRIEDE OTT


I: KAMMERSCHAUSPIELER GIBT’S VIELE, ABER EIN FILM, DER NACH EINEM SELBST BENANNT WIRD...
O: Ja, ich kann’s auch gar nicht fassen. [lacht] Jeder der mich fragt: „Wie heißt denn der Film?“, dem hab ich Hemmungen, es zu sagen.

I: WIE WAR ES DENN IM ERSTEN MOMENT, ALS DU DAS BUCH BEKOMMEN HAST?

O: Das ist schon lang her, das war vor zwei Jahren einmal. Da sind die jungen Leut’ vom Theater im Bahnhof zu mir gekommen und haben mir das erzählt, aber ich hab nicht so richtig dran geglaubt. Dann waren sie alle da, bei mir zu Haus’, haben mir davon erzählt und es hat mir irgendwie gefallen. Die Art, wie wir uns verständigt haben und dann hab ich mir gedacht: Ja, mit denen könnt’ ich arbeiten. Und jetzt ist es plötzlich ernst geworden...

I: WIE IST DENN DIE ARBEIT MIT ANDREAS (PROCHASKA)?
O: Ich !nd ihn prima. Überhaupt nicht prätentiös, wie man sich’s eigentlich wünscht. Man sieht ihm an, dass er ein großer Könner ist. Er hat alles im Kopf, jede Kameraeinstellung, und es geht alles über ihn.

I: WENN MAN SICH EIN BISSCHEN IM TEAM UMHÖRT, MEINEN ALLE: MEIN GOTT, DIE IST SO EXAKT. DA MERKT MAN EINFACH DIE ERFAHRUNG!
O: Exakt muss man doch sein in dem Beruf. Wenn jemand schlampig ist, wird’s ja nichts.

I: DIE ROLLE BIST DU JA SELBER...
O: Ja und nein, nicht ganz. Ich werde verwendet für Situationen, eigentlich bin ich ein Objekt in diesem Film [lacht]

I: WIE GEHT MAN DA RAN?
O: Es ist ein schmaler Grat, auf dem ich wandeln muss. Ich hoffe, dass mir das gelingt. Aber mit dem Andi Prochaska wird das schon funktionieren, wenn ich das zusammenbring’, was er sich vorstellt und was er möchte.

I: ABER ES IST SCHON EINE GANZ EIGENE AUFREGUNG, ODER?
O: Es ist eine andere Welt für mich. Ich mein, ich hab ja immer viel Fernsehen gemacht und viel große Fernsehstücke und so, aber der Film ist doch was anderes. Die ganze Atmosphäre! Man hat wirklich das Gefühl, da ist jetzt eine große Gruppe von Menschen, die alle zusammengehören. Ich beobachte sie ja die ganze Zeit, wie alle arbeiten, das ist von einer Präzision, herrlich. Die gehören zusammen, da ist nicht einer, der von woanders kommt und was anderes tut. Das fasziniert mich. Es ist ja nicht nur, dass ich spiel, sondern es interessiert mich auch das Ganze, wie so etwas entsteht.

Die Interviews wurden während und nach den Dreharbeiten von Jacob Groll geführt.
Transkription: Sandra Föger

Quelle: Filmladen

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