sunshine_poster1Da der Sunshine Start am 20. April immer näher rückt gibt es hier ein Special zu Danny Boyles SciFi - Thriller.

 

Wissenschaftliche Fakten statt Science Fiction

 

Sterne leben nicht ewig.

Jede Sekunde stirbt im Universum ein Stern.

Der uns nächste Stern, die Sonne, ist ein gigantischer Kernfusions-Reaktor, eine Million Mal so gross wie die Erde.

Die Sonne verbrennt pro Sekunde 600 Millionen Tonnen Wasserstoff.

Wissenschaftler schätzen, dass die Sonne noch genug Brennstoff hat, um weitere fünf Milliarden Jahre zu existieren.

Doch falls nicht - was passiert dann mit der Erde?

Was passiert mit den Menschen?

 

ÜBER DIE PRODUKTION

 

„Die Prämisse von SUNSHINE war", so Produzent Andrew Macdonald, „dass 50 Jahre in der Zukunft die Sonne stirbt. Sie hat einfach nicht mehr genug Energie, um das Licht zu liefern, das die Erde zum Überleben benötigt. So tun sich alle Länder der Welt zusammen und schicken ein mit einer riesigen Bombe beladenes Raumschiff zur Sonne, um diese dort zu zünden. Die Detonation soll den sterbenden Stern wieder zum Glühen bringen. Unsere Story dreht sich um die acht Astronauten und Wissenschaftler, die mit dieser Aufgabe betraut sind. Auf ihrer Reise zur Sonne treffen sie auf die Icarus I, die sieben Jahre zuvor mit derselben Mission ins All aufbrach. Von dem Moment an, in dem sich die beiden Schiffe treffen, läuft die ganze Rettungsaktion aus dem Ruder. Von nun an geht es darum, wie die Crew mit dem Druck, die Erde zu retten, fertig wird."

 

Drehbuchautor Alex Garland ließ sich 2004 nach der Lektüre eines Artikels in einem US-Wissenschaftsmagazin zu SUNSHINE inspirieren: „Ich hatte mir immer schon gewünscht, eine Art Science-Fiction-Story zu schreiben. Ich wollte erforschen, was passiert, wenn ein Mensch ins All reist, was körperlich und geistig mit ihm geschieht. Ich hatte lange nach der richtigen Storyline gesucht und fand sie nun in diesem auf purer Physik basierenden Artikel, der darüber spekulierte, was für Folgen das Sterben der Sonne für die Erde hätte. Ohne Sonne gibt es auf der Erde nämlich kein Leben. Was ich dabei besonders spannend fand, war nicht die allge-meine Spekulation über das Aussterben der Menschheit, sondern der konkrete Fall: Wie würde der Mensch

 

sich verhalten, wenn er wüsste, dass er bald sterben muss. Wie würde derjenige, der die Menschheit retten soll, mit dem Druck umgehen, den diese Herausforderung an ihn stellt? Von dieser Überlegung aus brachte ich meinen Plot zu Papier." Acht Monate später verabredeten sich Alex Garland und Regisseur Danny Boyle in einem Pub in Londons West End. Garland gab Boyle das Skript und der rief schon am nächsten Tag begeistert zurück. Keine Frage, der Film musste gemacht werden. „Was ich an Alex liebe, ist der Umstand, dass er stets groß denkt", erzählt Boyle. „Die britische Filmindustrie hat sich eher auf kleinere Produktionen spezialisiert, wovon sich Alex nicht im Geringsten stören lässt. Er hat immer aufwändige Projekte im Sinn, Filme, die schwierig und teuer zu realisieren sind."

 

Produzent Macdonald war von Garlands Skript augenblicklich begeistert. „Ich konnte es nicht aus der Hand legen. Alex versteht es, überaus visuell zu schreiben. Der Plot von SUNSHINE war packend, die Charaktere interessant und das Erzähltempo hoch. Andere Drehbücher sind eher akademisch und umständlich verfasst. Bei Alex hingegen läuft einem beim Lesen schon ein Film vor dem geistigen Auge ab." Das Trio Boyle, Macdonald und Garland zeichnete 2003 schon gemeinsam für den Fox Searchlight Hit 28 DAYS LATER („28 Days Later", 2002) verantwortlich. „Wir haben alle ungefähr den selben Filmgeschmack, legen aber unsere Schwerpunkte vollkommen anders", erläutert Macdonald. „Das ist für unsere Beziehung, für unsere Arbeit jedoch nur gut. Alex denkt als Autor, Danny als Regisseur. Mein Job besteht darin, ihre Vorstellungen zu synchronisieren, das Machbare und das Notwendige sinnvoll miteinander in Einklang zu bringen. Nur so kann man erfolgreich Filme machen."

 

Dazu Boyle: „Wir sind alle drei sehr ehrgeizig, aber aus irgendeinem Grund können wir unsere Egos unterdrücken, wenn wir kooperieren. Ich rede Alex in sein Skript rein, er mir in die Regie. Wir sagen einander offen und ehrlich die Meinung und letztendlich erweist sich das beim Drehen als ungeheuer hilfreich." Boyle mochte die Story von der Reise der Icarus zur Sonne gleich aus zweierlei Gründen: „Der Flug zum Stern stellt visuell eine große Herausforderung dar, aber auch die psychologische Komponente ist nicht zu unterschätzen. Wir wollten so viel Psychologie wie nur möglich einbauen. Was passiert im Gehirn eines Menschen, wenn man im Universum auf den Schöpfer aller Dinge trifft? Für manche Leute ist dies eine rein spirituelle, religiöse Frage, andere sehen das als ausschließlich wissenschaftliches Phänomen. Im Prinzip bestehen wir alle aus Partikeln eines explodierten Sterns. Wie würde es sich also anfühlen, der Sonne nahe zu sein, jenem Stern, der für alles Leben auf der Erde verantwortlich ist? Mir gefiel es, diese intellektuelle Herausforderung in Bilder umzusetzen."

 

Um auf der Leinwand glaubwürdig zu erscheinen, kontaktierten die Filmemacher zunächst die NASA. Ihr Film sollte nicht nach Fantasy aussehen, sondern in der Realität verankert sein. Also sichteten sie neben Spielfilm-Klassikern des Genres zunächst jede Menge Weltraum-Dokumentationen und trafen sich mit einer Vielzahl von Astronauten und Wissenschaftlern. Macdonald schloss sich mit dem jungen britischen Physiker Dr. Brian Cox kurz, den er in einer BBC-Sendung gesehen hatte, und diskutierte mit ihm das Projekt. Anschließend wurde Cox, der in Genf bei CERN (Centre for European Nuclear Research), dem weltweit größten Institut für Teilchenphysik arbeitet, als wissenschaftlicher Berater verpflichtet. Ein kluger Schachzug, wie sich schnell heraus-stellte. Einerseits half er Technikern wie Darstellern dabei, unser Sonnensystem besser zu verstehen, andererseits war er der perfekte Berater für Cillian Murphy, der Capa, den Physiker der Icarus, spielt.

 

„Die wissenschaftlichen Eckpfeiler des Films stimmen alle", lobt Cox. „Man erkennt gleich, dass Alex sowohl ein Wissenschafts-, als auch Science-Fiction-Freak ist. Es gab nur Kleinigkeiten, Spitzfindigkeiten, die es auszubessern galt. Und die lagen eher im Hintergrund der Geschichte. Beim Plot, bei der Exposition des Stoffes stimmte alles." Boyle fügt hinzu: „Je mehr man sich in so einen Stoff hineinarbeitet, desto mehr legt man Wert auf Details und Genauigkeit. Man will einfach die Gesetze der Physik befolgen und alles richtig machen. Aber letztendlich muss man sich gewissen dramaturgischen Gegebenheiten beugen." Im Zuge ihrer Recherchen besuchten die Filmemacher in Schottland ein Atom-U-Boot. „Ich wollte auf zeitgenössische Art und Weise klaustrophobische Bedingungen erproben," führt Boyle weiter aus, „und das war - über einen längeren Zeitraum - am besten an Bord eines modernen Unterseebootes möglich."

 

Macdonald wiederum flog nach Moskau, um im nahe gelegenen Swjosdny Gorodok die so genannte Star City zu besuchen, wo weltweit die meisten Kosmonauten und Astronauten ausgebildet werden. „Es war hochinteressant, diesen Ort aufzu-suchen", erinnert sich Macdonald. „Im frühen Stadium unseres Projekts überlegten wir sogar, dort zu drehen. Letztendlich nahmen wir davon aber Abstand."

 

AUF DER SUCHE NACH DER PERFEKTEN BESATZUNG

 

Eingedenk der Tatsache, dass China immer mehr zur Supermacht heranwächst, als gesellschaftspolitischer und wirtschaftlicher Faktor rapide an Bedeutung gewinnt, war es für die Filmemacher klar, dass an Bord ihres Raumschiffs auch asiatische Crewmitglieder vertreten sein mussten. „Die Icarus beherbergt eine US-asiatische Mannschaft, weil wir glauben, dass in 50 Jahren die Amerikaner und Chinesen im Weltraum das Sagen haben werden. Diese Nationen werden sich wohl technisch am weitesten fortentwickelt und auch die notwendigen Mittel haben, eine solche Mission durchzuführen", sagt Boyle. „Aber natürlich haben wir über den Tellerrand hinausgeschaut, weltweit zu Vorsprechterminen und Probeaufnahmen eingeladen." In Los Angeles, New York und London wurde gecastet, und so konnte Danny Boyle schließlich ein Ensemble mit Darstellern aus den USA, Japan, Malaysia, Australien, Neuseeland, Irland und Großbritannien zusammenstellen.

 

Der irische Schauspieler Cillian Murphy wurde als Capa besetzt, seines Zeichens Physiker und der einzige, der wirklich weiß, wie die von der Icarus transportierte, hochkomplizierte Nuklearbombe zu bedienen ist. „Anders als die anderen Crewmitglieder des Schiffs besitzt Capa keinen militärischen Background, ist weder Ingenieur, noch Berufsastronaut", erklärt Murphy. „Aber er hat als Wissenschaftler enorme Kenntnisse in Bezug auf physikalische Zusammenhänge. Sie reichen weit über jedes allgemeine Verständnis hinaus und irgendwie verändert dieses Wissen auch seine Seele. Seine zwischenmenschlichen Fähigkeiten sind meines Erachtens nicht sehr ausgeprägt, weshalb er als Außenseiter etwas am Rande der Crew steht."

 

Für Murphy war Garlands Skript sehr reizvoll. „Das Drehbuch fesselte mich von Anfang bis Ende", erinnert er sich. „Ich fand es intelligent und gut geschrieben. Alex verpasst seinem Plot eine Menge unterschwelliger Aussagen über aktuelle Probleme, verpackt diese aber in ein sehr schlaues, sehr intelligentes Genrewerk." Murphy freute sich zudem auf eine neue Zusammenarbeit mit Boyle und dessen Team, mit dem ihm damals der Durchbruch bei 28 DAYS LATER gelang. „Danny gehört derzeit einfach zu den besten Regisseuren", schwärmt er. „Bei der Arbeit mit Danny wird man von seiner Energie gepackt. Er sprüht geradezu vor Tatendrang und Engagement für den Film. Ich fand es toll, nach der Arbeit an anderen Produktionen wieder so etwas zu erleben und mit größerer Reife und Erfahrung an dem Projekt teilzuhaben."

 

„Wir suchten nach einem Schauspieler, auf den das Publikum während des Films seine Hoffnungen und Ängste projizieren konnte. Cillian besitzt genau diese seltene Gabe", bemerkt Boyle. „Das ist zum Teil Erfahrung und zum Teil Selbstvertrauen, aber Cillian hat zudem etwas ganz Besonderes, ohne das ein Film wie SUNSHINE kaum funktioniert. Er hat es wirklich drauf - das kommt von seiner Arbeit mit guten Regisseuren und fähigen Leuten. Alle, die finden, er sei etwas zu gut aussehend für einen Physiker, sollten wissen, dass er unserem wissenschaftlichen Berater Brian Cox erstaunlich ähnlich sieht. Das war aber keine Absicht."

 

Für die Rolle des Schiffsingenieurs Mace besetzte man den Amerikaner Chris Evans, der bereits 2005 in der Comicverfilmung FANTASTIC FOUR („Fantastic Four") einen großen Eindruck hinterlassen hatte. „Mace kommt aus einer Familie mit militärischem Background und ist ein recht korrekter, trockener Kerl, der einfache Werte schätzt", erläutert Evans. „Er ist der Typ an Bord, der genau versteht, wie das Schiff funktioniert. Sein kühler Kopf erlaubt es ihm, auch unter Stress einigermaßen überlegt zu handeln."

 

„Ich finde Chris einfach fabelhaft", lobt Boyle. „Als wir ihn trafen, sahen wir sofort, dass er der richtige Mann war. Ein ernstzunehmender Vollblutschauspieler, der für seine Rolle alles geben würde. Ich mochte ihn auf Anhieb und besetzte ihn dann auch sehr schnell. Er hat Selbstvertrauen und ist für mich jemand, der eine große Karriere vor sich hat."

 

„Danny ist ein geborener Märchenerzähler", bemerkt Evans. „Wenn man sich für einen Film entscheidet, muss man immer bedenken, wer die Geschichte erzählt. Ist es jemand wie Danny, dann stürzt du dich natürlich auf die Chance. Ich finde es schön, mit einem Regisseur zu arbeiten, dem du alle deine Gefühlsregungen anvertrauen kannst, dessen innerer Kompass dich nicht irre leitet, weshalb man sich auch traut, größere Risiken und Wagnisse einzugehen. Es gibt kein besseres Gefühl für einen Schauspieler, als ans Set zu kommen und zu wissen, dass man etwas wagen kann und trotzdem sicher aufgehoben ist."

 

Für die Besetzung des Captain Kaneda, dem Crewmitglied, das auf der Icarus II die meiste Erfahrung hat, schauten sich die Filmemacher nach einem asiatischen Schauspieler um. Der Japaner Hiroyuki Sanada hatte Boyle bereits mit seiner Darstellung in Yoji Yamadas gefeiertem TASOGARE SEIBEI („Samurai in der Dämmerung", 2002) begeistert. „Er spielt mit einer außergewöhnlichen Würde", erinnert sich Boyle. „Bei unserem Treffen strahlte er eine natürliche Autorität aus, dank der ihn die Menschen automatisch respektieren. Und genau das suchte ich für seine Figur." Sanada erkannte in der Rolle des Kaneda in SUNSHINE, seinem zweiten englischsprachigen Film, eine Riesenchance. „Ich liebe Dannys Filme und die Welten, die er erschafft, denn sie sind voller Spannung und Rhythmus", sagt Sanada. „Das Drehbuch steckt voll menschlicher Dramatik. Sobald eine Gruppe Leute für eine längere Zeit in einem Raumschiff eingesperrt verbringt, geht es nicht nur um echtes Entertainment, sondern auch um Gefühle und bedeutsame Themen."

 

Die international viel bewunderte Schauspielerin Michelle Yeoh übernimmt die Rolle der Biologin Corazon, die sich um den Sauerstoffgarten der Icarus II kümmert. „Ich bin fast versucht, Corazon als die Glücklichste auf dem Schiff zu bezeichnen, denn sie ist im Vorteil mit ihrem Sauerstoffgarten", erläutert Yeoh. „Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit ihren Experimenten und der Pflanzenzucht. Aber im Endeffekt ist natürlich niemand auf die tragischen Ereignisse vorbereitet, mit denen die Crew konfrontiert wird. Dieser Film hat mich durch seine psychologische Tiefe und Spiritualität überrascht. Die Crew begibt sich auf eine sehr tief greifende Reise. Was sucht man, wenn man ins All blickt? Sobald man zu lange in den Abgrund schaut, begibt man sich in Gefahr, seine Seele zu verlieren."

 

„Schon beim Lesen des Drehbuchs wollte ich Michelle unbedingt dabei haben", erinnert sich Boyle. „Noch bevor ich CROUCHING TIGER, HIDDEN DRAGON („Tiger & Dragon", 2000) gesehen hatte, fesselte sie mich mit ihrer Performance in TOMORROW NEVER DIES („James Bond 007: Der Morgen stirbt nie", 1997). Sie füllt die Rolle des Bond-Girls mit ihrer ganz besonderen Individualität und Persönlichkeit und dafür liebte ich sie." „Ich halte immer den Regisseur für die Seele eines Films", erklärt Yeoh. „Man kann ein noch so tolles Skript haben, aber sobald der Regisseur keine Vision verfolgt, wird es nur ein ganz gewöhnlicher Film. Danny hat diese Vision und er setzt sie mit Leidenschaft und Dynamik um.

 

Das Arbeiten mit ihm ist wundervoll und er überraschte uns immer wieder. Bei der Zusammenarbeit fordert er dich heraus und gibt dir immer das Gefühl, etwas Neuartiges zu tun, so dass man automatisch nach etwas nie zuvor da gewesenem strebt." In der Rolle der Icarus II-Pilotin Cassie überzeugt die australische Schauspielerin Rose Byrne. „Cassie ist wahrscheinlich die Gefühlvollste in der Mannschaft, sie trägt ihr Herz quasi auf der Zunge", verdeutlicht Byrne.

 

„Ich denke, der Grund für ihre Anwesenheit auf dem Schiff liegt in ihrem ausgeglichenen Gemüt. Sie kennt keine Belastbarkeitsgrenze und das hilft ihr durch die Reise. Meine größten Anpassungsprobleme hatte ich damit, all diese Knöpfe zu bedienen, in Mikrophone zu sprechen und auf leere Bildschirme zu starren, ohne mit einer Person zu interagieren. Man kann nicht aufeinander reagieren und das Problem ist wirklich, sich in technische und dramatische Szenen einzufühlen, in denen alles auf dem Spiel steht. Es geht dauernd um Leben oder Tod."

 

Auch Byrne ist ein großer Fan von Boyle und Garland. „Ich halte sie beide für fantastische Künstler, smart und subversiv, voll interessanter und düsterer Seiten. Die Aussicht, mit beiden zu arbeiten, fand ich ziemlich aufregend." Boyle wurde durch Byrnes Darstellung in TROY („Troja", 2004) auf sie aufmerksam. Ich finde, Rose ist eine außergewöhnliche Darstellerin", bemerkt er. „Sobald die Kamera läuft, vollzieht sie eine totale Verwandlung und zeigt ihre große Präsenz. Von einem Augenblick auf den nächsten kann sie sich in ihre Rolle hineinversetzen, was einen großen Vorteil bei der Arbeit in einem Ensemble darstellt." Macdonald fügt hinzu: „Wir fanden ihre Intelligenz und Intensität genau richtig für den Part von Cassie."

 

Troy Garity übernahm die Rolle des Kommunikationsoffiziers Harvey und ist so etwas wie Boyles große Ent-deckung. „Ich kannte zuvor keine seiner Arbeiten", gesteht der Regisseur. „Aber beim Treffen mit ihm erschien er mir als wunderbarer Zugang für meinen Film. Er bereitet sich äußert sorgfältig auf die Arbeit vor und nimmt sein Handwerk total ernst." „Harvey untersteht nur dem Kapitän. Als Einziger auf dem Schiff vermisst er seine Familie immens, verbirgt das aber vor dem Rest der Mannschaft", erzählt Garity. „Die Wahrscheinlichkeit, diesen Trip zu überleben, ist sehr gering, und jeder auf dem Schiff geht damit unterschiedlich um. Manche mit Ehrgefühl, manche eher spirituell und manche haben sich ihrem Schicksal ergeben. Meine Figur hält sich meines Erachtens für ziemlich mutig, stellt sich aber schließlich als ebenso normal und menschlich wie der Rest heraus. Ich lese viele Drehbücher und SUNSHINE stach einfach aus der Menge heraus. Obwohl es um philosophische Themen geht, ist es dennoch markttauglich und für jeden unterhaltsam. Alex ist sehr gut darin, authentisches Material zu einem Kunstwerk mit kommerziellem Potenzial zu verarbeiten."

Für den Part des medizinischen Offiziers auf der Icarus II, Searle, suchte Boyle jemanden, der die Erwartungen konterkarieren würde. „Eigentlich war die Rolle für einen etwas steifen Briten angelegt", erinnert er sich.

 

„Wir aber haben dann den Neuseeländer Cliff Curtis engagiert, der uns mit seiner frischen und originellen Herangehensweise überzeugte." Curtis schätzte an diesem Engagement insbesondere die Möglichkeit, mit Boyle zu arbeiten. „Danny ist jemand ganz Besonderes, sehr bodenständig und bar jeder Illusion über die Arbeit im Filmbusiness. Meine Figur, der Schiffsarzt und Psychiater Searle, wird im Lauf des Films wahrhaft besessen von der Sonne. Er erkennt, dass bei der vorangegangenen Mission etwas schief gelaufen ist, was genauso bei ihrer Mission passieren kann, und benutzt sich selbst als Versuchskaninchen. Searle spielt mit dem Gedanken, dass die Sonne für manche Menschen das Antlitz Gottes sein könnte. Er beginnt, die Sonne zu studieren und ist schon nach kurzer Zeit total auf sie fixiert, es hat fast den Anschein als würde er mit der Sonne kommunizieren. Haben wir Menschen das Recht, den Lauf der Natur zu ändern, sich gegen sie zu wenden? Die Sonne stirbt, also welches Recht bleibt uns da, die Weisheit der Natur in Frage zu stellen?"

 

Benedict Wong wurde als Navigationsoffizier Trey besetzt. „Ich sah Benedict in DIRTY PRETTY THINGS („Kleine schmutzige Tricks", 2002) und fand den jungen Schauspieler wirklich herausragend", erzählt Boyle. „Das Skript fesselte mich mit seiner glaubwürdigen Story und deshalb wollte ich sofort mitmachen", erinnert sich Wong. „Trey war ein Wunderkind, der sich zu einem quengeligen Teenager entwickelte und einen Computervirus programmierte, der ein Sechstel der Rechner weltweit lahm legte. Damit machte er die Behörden auf sich aufmerksam, die wiederum sein Talent erkannten und es für sich nutzten, indem sie ihn für das Raumfahrtprogramm trainierten. Eigentlich besteht sein Job darin, die Icarus II sicher zur Sonne zu navigieren. Doch er begeht einen Riesenfehler, der ihn schließlich das Leben kostet."

 

Als letztes stieß Mark Strong in der Rolle von Pinbacker, dem Kapitän der Erstlingsmission Icarus I, zum Team. Schon früher hatte Boyle mit Strong am Theater zusammengearbeitet. „Pinbacker sollte so eine Art Michael Schumacher sein, ein Alpha-Tier, das man auf dem Höhepunkt seiner Karriere für das Kommando der ersten Mission rekrutierte - ein brillanter Techniker und gut aussehender Kerl. Diese Beschreibung passt perfekt zu Mark, er ist wie ein 1 Meter 88 großer Anthony Hopkins." Als die Crew der Ikarus II erstmals auf Pinbacker stößt, ist sein Körper bereits seit sieben Jahren den Sonnenstrahlen ausgesetzt. Für den schrecklich vernarbten Look Pinbackers musste Strong jedes Mal fünf lange Stunden in der Maske verbringen, bevor er überhaupt am Set auftauchte. Make-up-Künstler Mark Coulier und sein Team  verpassten Strong eine 37 Einzelteile umfassende Kombination aus Ganzkörperanzug und Prothesen aus Silikon.

 

Eingebettet waren UV-Pigmente, die beim Bestrahlen mit UV-Licht das Make-up zum Leuchten brachten. „Mark musste sich jeden Morgen vor dem Aufsetzen des Kopfteils den Schädel rasieren; anschließend überzogen wir seinen Körper mit Silikon, dann gab's die Hose, die Hände und zuletzt die Füße," erklärt Coulier. „Angesichts der Menge an Make-up und der unangenehmen Prozedur, die Mark jedes Mal über sich ergehen lassen musste, verhielt er sich wie ein echter Gentleman. Er bemühte sich immer, uns zu helfen, beklagte sich nie und es war mir eine echte Freude, mit ihm zu arbeiten."

 

„Ich stellte mir Pinbacker als eine spektrale Erscheinung vor", erläutert Boyle. „Nicht greifbar ... so als ob sich die Partikel, aus denen er besteht, durch die schiere Kraft der Lichteinwirkung neu strukturiert hätten. Ihn zu sehen und sprechen zu hören, sollte so wirken, als verlöre man den Verstand, als könne man sich nicht mehr auf seine Sinne verlassen aufgrund der Begegnung mit diesem veränderten Leben."

 

NASA STATT KRIEG DER STERNE

 

Zu Boyles Strategie gehörte auch ein striktes Trainingsprogramm für die Schauspieler. Drei Wochen lang probten die Darsteller für SUNSHINE, die sich während dieser Zeit auch die spezifischen Fähigkeiten ihrer Tätigkeitsfelder und Funktionen aneignen mussten. Murphy etwa begleitete Brian Cox an seinen Arbeitsplatz am CERN (Centre for European Nuclear Research) in Genf („der liebenswürdige Mann hat alle meine idiotischen Fragen ertragen," lacht Murphy); Michelle Yeoh verbrachte einige Zeit im Eden Projekt in Cornwall; wohingegen Evans den NASA-Astronauten Daniel W. Bursch in den USA traf, bevor er in England zu den Dreharbeiten stieß. „Ich fuhr nach Monterey in Kalifornien und setzte mich mit Daniel Bursch zusammen. Er gehört zu den Leuten, die am längsten im Weltall waren - etwa acht Monate, was einfach erstaunlich ist - und er konnte mir wahnsinnig viel erzählen", erinnert sich Evans. „Ich fand es einfach toll, meine ‚Hausaufgaben‘ über ein Thema zu erledigen, das mich leidenschaftlich fasziniert. So eine Chance bekommt man nicht oft."

 

Boyle zeigte seinen Darstellern außerdem eine Reihe für ihre Recherchen relevanter Filme wie etwa THE RIGHT STUFF („Der Stoff, aus dem die Helden sind", 1983), die Dokumentation FOR ALL MANKIND (1988), DAS BOOT (1979) und LE SALAIRE DE LA PEUR („Lohn der Angst", 1953), aber natürlich auch Science-Fiction-Klassiker wie ALIEN („Alien - das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt", 1979) und 2001 - A SPACE ODYSSEY („2001 - Odyssee im Weltraum", 1968). Zum Trainingsprogramm gehörten aber auch Tauchen, Expertenvorlesungen in Astronomie und Physik, Stuntübungen, Flugsimulationen und ein Schwerelosigkeits-Trip in einem Armeeflugzeug. Murphy beschreibt diese Erfahrung als „gleichzeitig ziemlich interessant, Übelkeit erregend, entsetzlich und lustig." „Dieser Moment der Schwerelosigkeit ist ziemlich phänomenal", fügt Yeoh hinzu, „das raubt dir den Atem. Aber sobald man mehrere G ertragen muss ... das ist kein Spaß. Der Kopf tut weh, der Oberkörper schmerzt und man fühlt sich, als sitze einem die ganze Welt auf dem Brustkorb. Es klingt grauenvoll, aber es ist trotzdem witzig und man gewöhnt sich nach einigen Augenblicken des puren Horrors tatsächlich daran."

 

Zuletzt bestand Boyle noch darauf, das Ensemble für zwei Wochen zusammen leben zu lassen, um vor dem Dreh zumindest ein gewisses Gefühl der Vertrautheit zu schaffen. „Im Film lernen wir die Crew kennen, nachdem sie bereits 16 Monate auf dem Raumschiff zugebracht haben, also musste so schnell wie möglich ein Teamgefühl aufkommen und die Schranken mussten fallen", verdeutlicht er.

 

„Manche Emotionen kann man einfach nicht wirklich spielen", erklärt Murphy. „Es liegt einfach in der Luft oder existiert zwischen den Personen, sei es nun Vertrauen oder Genervtheit. Genau das wollte Danny meiner Meinung nach erreichen, in dem er uns zusammen wohnen ließ und mir hat es viel Spaß gemacht."

 

Also zogen alle acht Besatzungsmitglieder der Icarus II in eine Studentenunterkunft im Londoner East End. „Man schickte uns in ganz normale, karge und nicht sehr opulente Studenten-WGs", lacht Curtis. „Ich dachte ja, wir werden in einem großen Haus zusammen leben, miteinander das Essen kochen und uns amüsieren. Aber nein, wir landeten in einer Studentenbude mit Zellen-artigen Zimmern, Einzelbetten, eigenen Duschen und Toiletten und einer sehr einfach ausgestatteten Küche."

 

„Ich fand all diese Vorbereitungen toll", gesteht Evans. „Es war wie zu meinen Theater-Zeiten. Wir hängten uns richtig rein, um zu verstehen, worum es bei diesem Film geht und was diese Charaktere durchmachen. Es war eine wundervolle, unschätzbare Erfahrung."

 

 

DIE ZUKUNFT GESTALTEN

 

Mit der Aufgabe, Boyles und Garlands Vision der nahen Zukunft der Raumfahrt filmisches Leben einzuhauchen, betraute man Chefkameramann Alwin Küchler (PROOF, („Der Beweis - Liebe zwischen Genie und Wahnsinn", 2005), CODE 46, („Code 46", 2003)), Produktionsdesigner Mark Tildesley (28 DAYS LATER, MILLIONS, „Millions", 2004), Cutter Chris Gill (28 DAYS LATER („28 Days Later", 2002), MILLIONS)), die Oscar®-gekrönte Make-up- und Haar-Künstlerin Christine Blundell (TOPSY-TURVY („Topsy-Turvy - Auf den Kopf gestellt", 1999), THE CONSTANT GARDENER, („Der ewige Gärtner", 2005)) und Kostümdesignerin Suttirat Anne Larlarb (A FOREIGN AFFAIR, 2003). Die in London ansässige Firma Moving Picture Company unter der Leitung von Visual Effects Supervisor Tom Wood verantwortete die Special Effects.

 

Boyle arbeitete eng mit Chefkameramann Küchler am unverwechselbaren Look des Films. „Visuell ist mir wichtig, dass unsere Arbeit cinematografisch hervorsticht", erzählt Boyle. „Bei der Annäherung an die Sonne war die Frage der Lichtregelung ausschlaggebend, und Alwin ist der beste Kameramann für diese Herausforderung."

 

Küchler bemerkte erst bei der Vorbereitung zu SUNSHINE, wie kompliziert die Arbeit mit einem so dominanten, schönen und kraftvollen Element wie der Sonne, tatsächlich werden würde. „Ich konnte niemals wirklich mit der Schönheit der echten Sonne konkurrieren", erklärt Küchler, der den Film in anamorphem Format drehte. „Ich wollte unter anderem die physikalischen Aspekte des Lichts vermitteln", erzählt Küchler. „Das ganze Raumschiff ist schließlich unter dem Aspekt des Schutzes vor dem Sonnenlicht gestaltet worden. Auf der einen Seite besteht also dieser goldene Schild, der die Sonne reflektiert und auf der anderen Seite herrscht absolute Dunkelheit. Wir filmten bestimmte Sequenzen in großer Dunkelheit, an die man sich gewöhnt, so dass das Publikum stärker körperlich reagiert, sobald die Sonne ins Spiel kommt. Nähme man nur einen Teelöffel des Sonnenmaterials und legte es auf die Spitze der St. Paul's Cathedral, würde ganz England verdampfen. Stellen sie sich das mal vor und dann die Aufgabe, diese Kraft auf Zelluloid zu übertragen. Bei der Arbeit mit dieser Naturgewalt wurden mir die Beschränkungen in meiner Arbeit sehr bewußt."

 

Bei der Gestaltung der Außenhaut und der Innenbereiche der Icarus II schloss sich Boyle einmal mehr mit dem preisgekrönten Produktionsdesigner Mark Tildesley zusammen, mit dem er bereits an 28 DAYS LATER („28 Days later", 2002) und MILLIONS („Millions", 2004) kooperiert hatte. „Mark ist eine durch und durch kreative Person und liebt Photobände genauso wie ich. Das bot uns eine großartige Gesprächsbasis, die wir durcharbeiten konnten", verdeutlicht Boyle. „Wir kannten die Parameter und strebten in Sachen Licht-Balance eher NASA als KRIEG DER STERNE an. Die NASA nahm definitiv großen Einfluss."

 

„Sobald das Setting in der nahen Zukunft feststand", bemerkt Macdonald, „ergab sich das Designkonzept quasi aus der Realität. Um diese Realität in die Arbeit zu übertragen, ließen wir uns während der Nachforschungen über Atom-U-Boote, Ölplattformen und natürlich die NASA inspirieren. Wir erfuhren zum Beispiel, dass auf einem Space Shuttle jede einzelne Schraube nummeriert ist und auch nur in genau ein Loch mit derselben Nummer passt. Wir wollten solche Details zumindest im Ansatz auch auf SUNSHINE übertragen."

 

Wie auch bei seinen früheren Arbeiten sammelte Boyle vorab ein Portfolio an Fotos und anderen visuellen Referenzen, das er der Crew und den Schauspielern zugänglich machte. Er instruierte Tildesley, dass er sich das Design der Icarus II als organisches, lebendiges Wesen vorstellte, das auch zusammenbrechen konnte und repariert werden müsse. „Wir wollten das Schiff für das Publikum so real und glaubwürdig wie möglich erscheinen lassen, damit sie uns die Mission auch abkauften", verdeutlicht Tildesley. „Außerdem versuchten wir den Schauspielern das Gefühl zu geben, bereits seit Monaten in diesen beengten Räumen eingesperrt zu sein. Wir einigten uns darauf, keinen „Space Funk" einzusetzen, also Dinge nur um ihrer Schönheit Willen zu verwenden. Stattdessen strebten wir eine Art Ästhetik des Wissens an, also mussten wir das Schöne in diesem Umfeld finden. Außerdem hielten wir uns an die Prämisse, nicht alles neu zu erfinden. Es gibt also - zumindest stellen wir uns das in diesem Sinne vor - immer noch Dinge, die die Leute wieder erkennen."

 

Die Icarus II besteht aus einem massiven, eine Meile im Durchmesser großen Schild aus Goldpaneelen, die das Schiff schützen, indem sie die Hitze der Sonne ablenken. Hinter dem Schild sitzt die Bombe von der Größe Manhattans, genauso schwer wie der Mond. Im Vergleich zu dem Schild und der Bombe sind die Wohnräume sehr beengt und rund um einen Hauptkorridor von der Länge des Schiffs angeordnet. Von diesem Gang zweigen der Gemeinschaftsraum, die Schlaf-quartiere, das Flugdeck, der Beobachtungsraum, die medizinische Abteilung und der Sauerstoffgarten ab.

 

In den im Londoner Osten gelegenen Three Mills Studios okkupierte die Produktion mehr als acht Studiobühnen, auf denen Tildesley alle Innenräume der Icarus II als 360°-Kulissen aufbaute. „Es gibt eine Mischung kontrastierender Größenverhältnisse", erklärt er. „In unserer Wahrnehmung wirkt das Schiff natürlich gigantisch, während die Wohnräume nur einen winzigen Teil davon beanspruchen, ähnlich denen eines U-Boots. Da gibt es Räume mit echten Maschinen, die brauchbar funktionieren. In den Wohnräumen ließen wir die Kabel und Leitungen quer durch die Schlafzimmer und Gänge laufen, damit man das Gefühl bekommt, man sehe die Venen des Schiffs, das lebt und ständig arbeitet."

 

„Ich finde die Sets fantastisch", schwärmt Evans. „Ich meine damit, dass es schön ist, tatsächlich greifbare Dinge um sich zu haben, durch ein Raumschiff zu laufen, das tatsächlich existiert und nicht nur zur Hälfte oder drei Viertel. Man fühlt sich wie in einem Raumschiff im Weltall. Man geht durch Gänge in verschiedene Lebensbereiche, Schlafzimmer und Behandlungsräume. Das half enorm dabei, dem Film Leben einzuhauchen."

 

Suttirat Larlarb hatte man nach ihrer Arbeit im Art Department von THE BEACH („The Beach", 2000) wegen ihrer Erfahrung sowohl in Kostüm- als auch Produktionsdesign ins Team geholt. Nun sollte sie einen völlig neuen Raumanzug sowie die Outfits der Mannschaft entwerfen. „Wir stellten uns den Raumanzug völlig neuartig und anders vor, um von den traditionellen, konventionellen Anzügen wegzukommen, die man sonst immer in Raumfahrtfilmen sieht", erinnert sich Boyle. „Suttirats unfehlbarer Geschmack und die Extravaganz ihrer visuellen Einfälle prädestinierten sie geradezu für diese Aufgabe."

 

„Der Raumanzug musste eine Art Kostüm mit völlig spezifischen technischen Voraussetzungen sein, mehr wie ein Fahrzeug oder eine Maschine", erklärt Larlarb. „Danny sagte mir, dass ich einen auf der Logik basierenden Anzug entwerfen sollte, der nicht allzu fantastisch wirkte. Das Ding musste Bewegungsfreiheit bieten, strapazierfähig sein und so aussehen, als böte es Schutz vor Verstrahlung und der Sonne." Boyle und Larlarb holten sich Inspiration bei zahlreichen und breit gefächerten Quellen, von Issey Miyakes Entwürfen bis zu Samurai-Kleidung, von mittelalterlichen Rüstungen zu Tiefsee-Tauchanzügen und zogen selbst die Kapuze von Kenny aus der Zeichentrick-Serie „South Park" in Betracht, bevor sie sich auf einen Look einigten.

 

Die endgültigen Entwürfe und Stoffmuster des Raumanzugs gab Larlarb schließlich weiter an James Enright und sein Kostümbildner-Team für die Fertigung. „In der Realität bieten Raumanzüge nur wenig Bewegungsfreiheit, aber wir achteten darauf, in dem Outfit so viel Platz wie möglich zu schaffen", erinnert sich Enright. „Wir entwickelten ineinander greifende Ringe rund um die Beine, Arme und Handgelenke, so dass man - anders als in einem echten Raumanzug - darin theoretisch auch rennen könnte."

 

Bei der Suche nach dem geeigneten Material verliebte sich Boyle in eine goldfarbene Substanz namens Mylar, die der Isolierfolie ähnelt, mit der sich Läufer warm halten. „Schon bei den Licht- und Kabelproben wickelten wir das Stunt-Team darin ein", erklärt Enright. „Danny fand die Art, wie das Material das Licht reflektierte und abstrahlte, großartig. Damit wirkten die winzigen Bewegungen beim Gehen im All viel energetischer."

 

Der größte Unterschied zwischen dem SUNSHINE-Raumanzug und konventionellen Modellen besteht - neben seiner goldenen Farbe - in einer großen Schutzhaube, die das Gesicht des Trägers bis auf einen schmalen rechteckigen Sehschlitz vorne am Helm völlig bedeckt. „Wir kamen auf die Idee mit der großen Schutz-Kapuze, denn man musste sich ja vor Licht, Hitze und Strahlung schützen. Man konnte nur noch die Augen des Astronauten sehen, und die mussten vor den Sonnenstrahlen bedeckt werden", erzählt Larlarb. „Die Figur soll noch aus dem Helm herausschauen können, aber von Außen ist kein Blick in den Anzug möglich. Also platzierten wir eine Kamera in den Helm, um zu dem Schauspieler eine emotionale Bindung zu schaffen", verdeutlicht Boyle.

 

„Die Helmkamera gehörte zu den vielen wunderbaren Einfällen von Danny", schwärmt Murphy. „Natürlich war es körperlich anstrengend, weil Helm und Kamera eine Tonne wogen. Aber dafür wirken diese Szenen glaubwürdig, denn die meiste Zeit schwitzten und schnappten wir tatsächlich nach Luft."

 

Während die Innenräume der Icarus II in den Studios entstanden, generierten die Effektespezialisten der Moving Picture Company ihre Außenhaut komplett am Computer. „Normalerweise verbringt man beim Filme-machen zuerst eine Ewigkeit mit dem Dreh, danach folgt der Schnitt und erst dann hat man den fertigen Film vor Augen. Diesmal funktionierte das nicht. Im Endeffekt hatten wir so etwas wie einen dreibeinigen Hund, denn die visuellen Effekte fehlten", sagt Boyle. „Derzeit geht der Trend dahin, sich nicht auf CGI zu verlassen, sondern es mit der Realität zu probieren. Das stand bei uns natürlich gar nicht zur Debatte. Man muss sich einfach den Computerbildern vertrauen und sich an den Freiheiten erfreuen, die diese Technik bietet."

 

„Wir generierten etwa 500 Einstellungen", verrät Visual Effects Supervisor Tom Wood. „Die Schlüsselszenen dabei sind natürlich das Äußere des Raumschiffs und die Sonne. Beide entstehen fast ausschließlich am Computer, was sehr ungewöhnlich ist. In der Regel bestehen Raumschiffe aus einer Kombination von Computerbildern und Modell-Aufnahmen. Wir verlassen uns aber, abgesehen von einer Luftschleusen-Szene, in der wir etwas Action brauchten, auf ein völlig Computer generiertes Äußeres."

 

Die größte Herausforderung für das Effekteteam bestand in der Programmierung der Sonne, die noch nie zuvor aus einer geringeren Entfernung als einigen Millionen Kilometern fotografiert oder gefilmt worden war. „Zu den schwierigsten Dingen gehörte es, die schiere Größe der Sonne zu vermitteln, zu zeigen, wie unglaublich mächtig und unbegreiflich riesig sie ist", verdeutlicht Wood. „Die Sonne verliert in jeder Sekunde vier Millionen Tonnen an Material. Ständig schleudern immense Eruptionen Material mit etwa 1,6 Millionen Stundenkilo-metern von ihrer Oberfläche ins All. Das sind einfach absurde Größenverhältnisse, bei denen wir uns ständig behaupten mussten. Ich denke aber, dass uns die Sonne zumindest Ehrfurcht erregend und wunderschön geglückt ist. Und haarsträubend grauenerregend ist sie hoffentlich auch."

 

„Ich versuche immer, optimistische Filme zu drehen", erklärt Boyle. „Und obwohl manche von ihnen vielleicht etwas härter erscheinen, hoffe ich doch, dass sie immer von einem Lebenswillen durchdrungen sind, so dass man sich nach dem Verlassen des Kinos lebendiger fühlt als vorher."

 

 

Die 15-wöchigen Dreharbeiten zu SUNSHINE begannen im August 2005 und die Post-Produktion fand in London statt.

 

DNA Films ist ein Joint Venture mit dem amerikanischen Verleiher Fox Searchlight.

Das Unternehmen finanziert und produziert britische Filme und ermöglicht den Zugang zu einer internationalen Verleih-Infrastruktur.

 

FAKTEN ÜBER DIE SONNE VON DR. BRIAN COX

 

Unsere Sonne ist ein nuklearer Kernreaktor, eine Million mal so groß wie die Erde. Das Kraftwerk liegt im Kern der Sonne, einem unglaublich gewaltigen Ort, in dem die Temperatur auf 15 Millionen Grad steigt. Ein Würfel Sonnenmaterie mit einem Meter Kantenlänge wöge 150 Tonnen. Innerhalb dieses gigantischen Reaktors kollidieren Wasserstoffkerne miteinander und verschmelzen zu Helium. Könnte man auf der Erde ein Kilogramm Helium auf diese Art erzeugen, entstünde genug Energie, um 600 Amerikaner ein Jahr lang zu versorgen.

 

Jede Sekunde verbrennt die Sonne 600 Millionen Tonnen Wasserstoff. In anderen Worten werden in jeder Sekunde vierhundert Millionen Millionen Millionen Millionen Millionen Millionen Wasserstoffkerne zu Helium verschmolzen (das sind 38 Nullen). Während dieses Prozesses verschwinden über vier Millionen Tonnen Sonnenmaterie in jeder Sekunde und werden, Einsteins berühmter Formel E=mc2 folgend, in Energie umgewandelt. Bei dieser Geschwindigkeit bleibt ihr noch genug Brennstoff für etwa fünf Milliarden Jahre, bevor sie erlischt.

 

Heutzutage besteht die Sonne zu etwa 74 Prozent aus Wasserstoff und zu 25 Prozent aus Helium, den Rest bilden andere, schwerere Elemente. Diese schweren Elemente mögen vernachlässigbar scheinen, und doch sind die Kerne der Sterne die einzigen Orte im Universum, an denen diese Stoffe entstehen können. Gleich nach dem Urknall gab es im Universum einzig die Elemente Wasserstoff, Helium und eine Handvoll leichterer Elemente. Was fehlte, waren die äußerst wichtigen Elemente Kohlenstoff, Sauerstoff oder Eisen. Alle Bausteine in unseren Körpern, den Wasserstoff ausgenommen, wurden in Generationen von uralten Sternen zusammengebraut und ins All zurückgeschleudert, als den Sternen der Hydrogen-Treibstoff ausging und sie als so genannte Supernovae einen spektakulären explosiven Tod starben.

 

Die Sonne gehört zu den Sternen dritter Generation und entstand etwa vor viereinhalb Milliarden Jahren. Damals feierte das Universum bereits seinen neun-milliardsten Geburtstag und hatte schon zwei Generationen von Sternen entstehen und sterben sehen. Die Sonne, die Planeten und alles andere, was wir um uns herum im All sehen, entstanden aus gigantischen Staub- und Gaswolken, die während des Verglühens dieser frühen Sterne in den Weltraum geschleudert wurden.

 

Die Sonne erscheint uns einzigartig und besitzt für uns enorme Bedeutung. In Wahrheit aber ist die Sonne nur einer von etwa 100.000 Millionen Sternen in unserer Galaxie und es existieren allein im beobachtbaren Universum mindestens 100.000 Millionen weitere Galaxien. Also ist die Sonne nichts Besonderes. Im Vergleich zu anderen Sternen erscheint sie sogar ziemlich klein und unscheinbar. Zu den bekanntesten Himmelskörpern, die man von der Erde aus sieht, gehört Betelgeuse im Sternbild Orion (der hellrote, neunt-hellste Stern am Himmel). Ersetzte man die Sonne durch Betelgeuse, würden alle Planeten inklusive des Jupiters in ihr verschwinden! Ihr Radius beträgt das 6.500-fache von dem unserer kleinen Sonne.

 

In SUNSHINE vollzieht sich der unvermeidliche Tod der Sonne nicht in fünf Milliarden Jahren, sondern noch während des 21. Jahrhunderts. Wie konnte das passieren? Auch wenn wir ein relativ fundiertes und oft geprüftes Wissen über das Funktionieren der Sterne besitzen, gibt es doch einige Dinge im Universum, die wir nicht verstehen. An meiner Arbeitsstätte, dem CERN in Genf, wird noch in diesem Jahr eine 27 Kilometer lange Maschine namens LHC in Betrieb genommen. Sie soll die Bedingungen wiederherstellen, die weniger als eine Billionstel Sekunde nach dem Urknall im Universum geherrscht haben. Zu diesem frühen Zeitpunkt könnte eine Menge seltsamer Dinge entstanden sein, die als gänzlich unbekannte Objekte eventuell noch immer im Universum herumfliegen. Und genau diese Objekte könnten, falls sie ins Herz eines Sterns prallen, absolutes Chaos anrichten.

 

Viele Physiker rechnen damit, dank des LHC eine neue Partikelgruppe namens supersymmetrische Teilchen zu finden. Sie scheinen ein heißer Kandidat für die so genannte dunkle Materie zu sein. Aus dieser von Physikern entdeckten mysteriösen Materie besteht ein weit größerer Teil der Masse des Universums als aus jenen bekannten Partikelfamilien, die die Erde, die Sonne und alles weitere Sichtbare inklusive unserer Körper bilden. Viele Supersymmetrie-Theorien ziehen auch die Existenz von Objekten, die man als Q-Ball kennt, in Betracht. Diese kann man sich als gigantische Ansammlungen supersymmetrischer Teilchen vorstellen, die sich beim Eindriften ins Herz eines Sterns wie ein wuchernder Krebs verhalten und ihn schließlich von innen zerstören. Das klingt weit hergeholt, entspricht aber gewissen sub-atomaren Theorien.

 

Wahr ist auf jeden Fall, dass unser Status auf der fragilen Erde alles andere als gesichert ist. Wir leben in einem gewaltigen Universum, ohne es vollständig zu verstehen. Vielleicht sind wir eines Tages gezwungen, eine Icarus Mission zu starten, um das Leben auf unserem Planeten vor der Zerstörung durch eine Naturgewalt zu retten, die wir weder kontrollieren noch verstehen können.

  

DIE SONNE – EIN STECKBRIEF

 

Umfang:   4,4 Millionen Kilometer

Oberfläche:   11.900 mal so groß wie die der Erde

Anziehungskraft:   28 g – das heißt, man wöge auf der Sonne 28 mal so viel wie auf der Erde

   Die Sonne rotiert einmal in 25,38 Erdentagen um ihre eigene Achse

   In der Sonne sind 99,8 Prozent der gesamten Materie unseres Sonnensystems gebunden. Der Planet Jupiter enthält fast den gesamten Rest.

 

Sonnenflecken sind kühlere Regionen auf der Oberfläche der Sonne. Sie sind kälter, weil starke Magnetfelder das Aufsteigen der Hitze an die Oberfläche verhindern. Sonnenflecken können mehrere Tausend Kilometer Durchmesser erreichen und werden oft in Zusammenhang gebracht mit Sonnen-Explosionen („Flares“) und CME-Erscheinungen („Corollar Mass Ejection“), die riesige Mengen an Materie in den Weltraum schleudern. Die Aktivität dieser Sonnenflecken folgt einem Elf-Jahres-Zyklus. Gibt es weniger Sonnenflecken, kühlt das Klima auf der Erde tendenziell etwas ab. Während des 17. Jahrhunderts schien der Zyklus der Sonnenflecken einige Jahrzehnte lang gänzlich gestoppt. Dieses Fehlen der Sonnenaktivität, genannt das Maunder Minimum, überschnitt sich mit der „kleinen Eiszeit“, während der die Temperaturen in Europa so weit sanken, dass die Londoner Themse im Winter regelmäßig zufror. Mittlerweile existieren Beweise auch für die Existenz längerfristiger Zyklen von bis zu 100.000 Jahren. Diese großen Zyklen könnten mit den Eiszeiten der Erde zusammenhängen. Die Sonne scheint also weit weniger stabil zu sein als sie aussieht.

 

Der Sonnenwind besteht aus einem von ihr ausgestoßenen Partikelstrom (hauptsächlich Protonen und Elektronen). Diese Partikel strömen an der Erde mit einer Geschwindigkeit von 200 bis 800 km in der Sekunde vorbei. Jede Sekunde verliert die Sonne dabei eine Million Tonnen Materie mit ihrem Wind.

 

Quelle: 20th Century Fox

 

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