Filmmuseum.jpgPLAYS ITSELF … LOS ANGELES IM FILMMUSEUM

Unter dem Motto “Eine Stadt im Film” ist die Retrospektive der VIENNALE 08 ausgeschrieben, und Los Angeles ist diese Stadt. Thom Anderson schuf 2003 die viel beachtete Dokumentation LOS ANGELES PLAYS ITSELF, der mittlerweile auch schon ein paar Mal auf der VIENNALE zu sehen war – und heuer wieder. Anderson ist es auch, der diesen Blick auf die zahllosen filmischen Facetten dieser Stadt kuratiert.

Man hätte es sich selbstverständlich leicht machen und ein Best-Of L.A. erstellen können – und schon höre ich die ersten aufschreien, warum dieser und jener Film nicht im Programm sei, wo sie doch so gut passten. Bin ja selbst so einer, der beispielsweise SHORT-CUTS vermisst. Aber es ist ja nicht so, dass es vom 5. Oktober bis 5. November keine anderen Filme zu entdecken gäbe.

Da wären zunächst die Highlights im Programm, Filme des Kanons, wenn man so möchte: DOUBLE INDEMNITY und SUNSET BOULEVARD (wieder) von Billy Wilder, THE SALVATION HUNTERS von Josef von Sternberg, MINNIE AND MOSKOWITZ von John Cassavetes oder auch JACKIE BROWN von Quentin Tarantino. Allesamt mehr oder weniger sympathische Portraits der Stadt und der Menschen, die sie bewohnen.

Und dann gibt es auch noch die Filme, mit denen man vielleicht etwas weniger in so einem Programm rechnet: CISCO PIKE, ein vergessenes Juwel der New-Hollywood-Ära, NIGHT TIDE von Curtis Harrington, ein verstörender Thriller mit Dennis Hopper in seiner ersten Hauptrolle, THE WILD ANGELS von Roger Corman (für alle, denen Vincent Price im September nicht gereicht hat) oder die selten gesehene Originalfassung von GONE IN 60 SECONDS, laut Christoph Huber ein „Straub/Huillet-Film für Straßenrennenfetischisten“ und diese Auskunft reicht zumindest mir, um mir mein Ticket zu reservieren. Selbiges gilt für SWEET SWEETBACK’S BAADASSSSS SONG aus dem Jahr 1971, der „Mutter aller Blaxploitation Filme“.

Einzelne Kurzfilmprogramme stechen ebenfalls nur erfreulich hervor: SLAPSTICK CITY eröffnet die Schau mit Filmen mit Harold Lloyd und Stan Laurel & Oliver Hardy oder ROCK… AND TV mit Kurzfilmen von Kenneth Anger bis hin zu ersten Arbeiten von George Lucas.

Während der VIENNALE (17. – 29. Oktober) finden zudem Publikumsgespräche und Lectures mit Thom Anderson, William E. Jones, Edward Dimendberg und Joseph Strick statt – es lohnt sich also auch in dieser Zeit, das Filmmuseum zu besuchen.

Auch außerhalb des VIENNALE-Programms finden sich im Programm des Filmmuseums wieder „Musts“, wie Hanns Zischlers Vortrag über frühes Kino mit Filmen von Méliès, Zecca und anderen, das Tribute an den Videokünstler Tony Conrad (in Zusammenarbeit mit sixpackfilm) und die FILMDOKUMENTE ZUR ZEITGESCHICHTE, die sich diesmal mit den filmischen Darstellungsformen von öffentlichen Kundgebungen in Österreich im 20. Jahrhundert beschäftigt.

DIE UTOPIE FILM ist dem im August verstorbenen Filmkritiker und Künstler Manny Farber (white elephant vs. termite art) gewidmet – mit Howard Hawks RED RIVER, Godards VIVRE SA VIE, Don Siegels INVASION OF THE BODY SNATCHERS, Fassbinders DIE BITTEREN TRÄNEN DER PETRA VON KANT und anderen.

Auch im Oktober gibt es also wieder jede Menge (wieder) zu entdecken! Man sieht sich im Filmmuseum.

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