peter_kollerWir hatten die Möglichkeit mit dem Regisseur des kommenden österreichischen Kinofilms Auf Bösem Boden, ein Exklusiv-Interview zu führen. Peter Koller erzählt uns von den Dreharbeiten, seinen Weg bis dort hin und wie er denkt dass seine Zukunft aussehen wird. Das Lesen lohnt sich auf jedenfall!

 

Du hast ja nie eine Filmausbildung gemacht. Seit wann schlummert der Wunsch in der selbst Filme zu drehen?

Das war schon sehr früh und lässt sich auf Star Wars festnageln: Ich hab den mit 9 oder 10 Jahren auf Video gesehen und daraufhin hab ich in der Volksschule eine 32 Seiten lange Nacherzählung von dem Film als Hausaufgabe abgegeben. Eigentlich gar keine aufregende Geschichte, es gibt ja genug Filmemacher in allen Bereichen des Films, die genau wegen George Lucas und Steven Spielberg zum Film gegangen sind. Die beiden machten für mich im richtigen Alter einfach die richtigen Filme. Ich glaub, es gibt kaum was Schöneres, als im Alter von 10-12 Star Wars und Indiana Jones sehen zu dürfen. Diese Filme sind wahrgewordene Kinderträume.

Auf welchen besondere Weise inspiriert dich das Medium Film?

Schwer zu sagen. In erster Linie sind es Geschichten, die ich einfach selbst erleben möchte. Was es am Film selbst ist, weiss ich gar nicht wirklich. Für mich sind Filme und Bücher ziemlich gleichwertig. Vielleicht ist es das: Beim Schreiben einer Geschichte oder eines Drehbuchs fühle ich mich der Geschichte genauso nahe, wie beim Lesen eines Buchs oder beim Schauen eines Films. Und Film an sich ist für mich am ehesten die Möglichkeit, meine Geschichten so klar wie möglich zu erzählen. Vielleicht lassen Bilder weniger Interpretationsspielraum, als Worte - jetzt im positiven Sinne von Verständnis gemeint, nicht als Einschränkung. Und Film ist komplett: Bilder, Sprache und Musik bringen mich tiefer in die Geschichte, als ein Buch. Ganz wenig nur, aber das macht für mich den Unterschied zwischen Schreiben und Filmemachen.

Skrypt war nach meinen Informationen dein zweiter Kurzfilm nach Arafat vs. Sharon. Dein erstes Werk hat mir persönlich nicht so gefallen. Wie erklärst du dir den gewaltigen Qualitätssprung zwischen den beiden Kurzfilmen? Was war das auslösende Ereignis, das dich dazu bewogen hat einen Kurzfilm zu drehen?

Generell: Meine Kurzfilme sind Übungen hinter denen immer das Ziel der Langfilme stand. Der Qualitätssprung zu "Skrypt" war meine Maßlatte. Nach "Arafat vs. Sharon" wusste ich, dass ich einen Film mit sehr einfachen visuellen Effekten von A bis Z mehr oder weniger alleine machen konnte. Klar, irgendwie weiss man das eh schon vorher, aber "Arafat" war halt die Bestätigung, dass ich bei meinem ersten Gehversuch nicht voll auf die Schnauze gefallen bin. Das Ziel von "Skrypt" war einerseits, technisch alles rauszuholen, was geht und andererseits, für mich als Regisseur rauszufinden, ob ich, unabhängig von der Geschichte, eine richtige Atmosphäre erzeugen konnte, einen Film, in den man reingezogen wird, ohne unbedingt zu verstehen, was eigentlich vor sich geht. Eine Aufgabe mit höherem Schwierigkeitsgrad, sozusagen. Man muss einfach immer ein wenig mehr wollen, als gerade möglich ist. Und für mich ist "Auf bösem Boden" heute, was "Arafat" gestern war: Ein Gehversuch, um aus Fehlern zu lernen. Das geht noch viel besser. MUSS viel besser gehen.

Während Skyrpt noch auf einem fertigen Drehbuch basierte, hast du für deine erste Kinoproduktion Auf Bösem Boden selbst das Buch geschrieben. Was hat dich dazu inspiriert?

"Skrypt" war eigentlich eine Ausnahme, ich schreibe meine Sachen am liebsten selbst, aber "Skrypt" hat sich so spontan ergeben, dass wir gleich vorgestern zu drehen hatten beginnen wollen. Darum haben wir ein fertiges Drehbuch gesucht und auch gefunden. Die Inspiration zu "Auf bösem Boden" kam von meiner Arbeitskollegin Nancy Noel: Sie hat einfach den Drehort von "Skrypt", dessen Darsteller und sich selbst in eine Idee verpackt, die dann meine persönliche Logline für das Drehbuch war.

Genau wie in Skrypt wird in Auf Bösem Boden wieder Aleksandar Petrovich die Hauptrolle übernehmen. Was ist deiner Meinung nach das Besondere an ihm und wie versteht ihr beide euch, bzw. wie ist die Zusammenarbeit mit ihm?

Ich kenne Sasa (das ist die Kurzform von Aleksandar) seit fast 10 Jahren von der Arbeit am Flughafen. Er ist mit mir immer gut ausgekommen, da er einer der wenigen war, der mich verstanden hat, wenn ich den Mund aufgemacht habe und mir hat gefallen, dass er einfach Talent hatte allen möglichen Leuten, seien es Passagiere oder Kollegen, irgendwas vorzuspielen oder einfach nur den Kasperl zu machen. Insofern kann man unsere Zusammenarbeit gar nicht so sehr als "Arbeit" bezeichnen. Weil wir uns lange kennen, versteht er meine vertrakten Worte schnell, weiss, auf was ich hinaus bin und umgekehrt hab ich keine Probleme, ihm eine reinzhauen, wenn was nicht passt, ohne dass er gleich schmollt. Meistens. Und beim Spielerischen trau ich ihm alles zu. Er muss zwar noch eine Menge Erfahrung sammeln, aber ich habe keine Angst, dass er's nicht bringt.

Wie bist du auf die Idee gekommen einen Kinofilm zu drehen?

Das war immer da. War schon immer fix, dass ich das machen würde. Meine Eltern haben mich brav belächelt und meine Kollegen höflich genickt, wenn ich auf blöde Fragen mit "ich geh eh nach Hollywood" geantwortet habe. Aber für mich war das immer sonnenklar und unabwendbar, dass ich das machen würde. Warum es jetzt passiert ist, war einfach eine Frage von "Alles zu seiner Zeit".

Mit Franz Novotny hast du einen namhaften österreichischen Produzenten für dein Projekt gewonnen. Hättest du damit gerechnet dass euch jemand unterstützen würde?

Nein. Ich wollte eigentlich auch gar keine Unterstützung. Nein, sagen wir, es hätte keinen Unterschied für mich gemacht. Darum wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, um nach welcher zu fragen. Für mich war nur klar, ich mache den Film und da fährt die Eisenbahn drüber. Faris, mein Regieassistent, hat mich davon überzeugt, Produzenten anzuschreiben. Er hat wahrscheinlich Recht gehabt.

Wie hättest du das Projekt ohne Produzenten auf die Beine gestellt?

Alleine. Das muss auch mein langfristiges Ziel sein. Man darf seine Projekte nie von anderen abhängig machen. Franz Novotny ist erst von uns angesprochen worden, als das Projekt bereits so weit im Gange war, dass es kein Zurück mehr gab. Ein früherer Zeitpunkt wäre für mich auch nicht zielführend gewesen. Ich will niemandes Zeit in etwas investieren, das "vielleicht" stattfindet, weil ich das umgekehrt auch erwarte. Entweder macht man etwas, oder man macht es nicht.

Denkst du das Auf Bösem Boden ein künstlerischer Erfolg wird? Wie denkst du werden Kritiker und Publikum auf den Film reagieren?

Ich habe keine Ahnung. Entweder zertreten sie mich oder sie loben mich zu Tode oder irgendwo dazwischen. Aber das ist eigentlich unwichtig. Für mich zählt, dass ich alle Fehler, die ich bei "Auf bösem Boden" gemacht habe, kein zweites Mal mache und dass mir der Film einen weiteren Film ermöglicht.

Wie waren  die Dreharbeiten zu Auf Bösem Boden? Hast du den Aufwand richtig eingeschätzt?

Sagen wir mal so: Den Aufwand habe ich schon richtig eingeschätzt, aber kurz nach dem Dreh, dachte ich, das waren die 3 härtesten Wochen in meinem Leben, aber je länger er zurückliegt, desto leichter kommt er mir vor. Aber, ich wusste, dass es verdammt viel Arbeit sein würde. Und das war es auch.

Arbeitest du eigentlich noch nebenbei oder bist du mittlerweile Vollberuf - Filmemacher?

Ich war während des Films immer 20h/Woche arbeiten und habe für den Dreh Urlaub genommen. Seit 3 Monaten arbeite ich wieder Vollzeit, weil ich die Zeit habe und das Geld ohnehin brauche.

Wie wird deine Zukunft aussehen?

Ich werde noch einen Film machen. Schreiben, planen, drehen. Das muss alles in den nächsten 12-15 Monaten passieren. Momentan ist es zwar schwer abzuschätzen, wie meine finanziellen Möglichkeiten sein werden, da "Auf bösem Boden" ja gerade erst beginnt, publik zu werden. Wenn alles gut geht, werde ich ein vernünftiges Budget haben, wenn nicht, dann muss eben wieder ein Film her, der so gut wie nichts kostet. Wie das geht, weiss ich ja jetzt. Und langfristig? Was ein James Cameron oder ein Peter Jackson auf
ihren Kontinenten aufgebaut haben, dass muss auch hier in Europa gehen. Klar, das ist Größenwahn. Aber ohne den hätte ich noch keinen einzigen Film gedreht.

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