Rückblick: Karlovy Vary - Ein Festival für die Sinne

Sieben Tage Karlovy Vary in kurzer Form zusammen zu fassen, ist nicht gerade einfach. Denn obwohl sich mein Besuch hauptsächlich auf eine Örtlichkeit beschränkt hat (Festivalzentrum), gab es besonders dort auch abseits der Filmwelt viel zu erleben.

Welche Eindrücke sind also neben einer ausgezeichneten Filmauswahl die stärksten, die vom Festival geblieben sind? Zum einen sind es natürlich die Filme selbst. Karlovy Vary ist ein Festival, das sein Publikum kennt und dementsprechend genau darauf zugeschnitten ist. Man trifft hauptsächlich junge Menschen, die aufgeschlossen sind gegenüber neuen Ideen und vom Einheitsbrei der Hollywoodproduktionen genug haben, oder zumindest das Festival als Ablenkung nutzen. Schon allein deshalb ist das Filmprogramm bezeichnend: Reine Kunst- oder schwierige Experimentalfilme finden sich eher nicht, stattdessen liegt ein großer Schwerpunkt auf aktuellem Independentschaffen. Oft sind es gerade junge Filmemacher, die hier ihre ersten Werke vorstellen. Natürlich darf aber auch die „alte Garde“ nicht fehlen – Beweis dafür sind die Tributes an Les Blank und Arturo Ripstein bzw. die Auftritte von Weltstars wie Christopher Lee und Robert de Niro. Insgesamt erweist sich also die Filmauswahl als recht zugänglich, wenig anstrengend und dennoch ungeheuer versiert.

Vor allem aber das Publikum ist es, das einen großen Teil der hervorragenden Festivalstimmung ausmacht. In Karlovy Vary gilt das ungeschriebene Gesetz, dass derjenige, der nach der Anmoderation die Mikros von der Bühne holt, mit tosendem Applaus bedacht wird. Auch die Festivaltrailer wurden besonders zu Beginn mit schallendem Lachen und ebenfalls viel Applaus belohnt. Denn die Trailer zeugten von großer Selbstironie, wenn Stars wie Danny DeVito, Harvey Keitel oder Milos Forman (allesamt Gewinner der Statue mit Kristallkugel) ihren Preis zweckentfremden. Derartiges Augenzwinkern würde man sich auch bei österreichischen Festivals wünschen, aber da gibt es halt einminütige Stroboskopfilme als Trailer...

Noch ein paar Sätze zum lockeren Publikum: Wo sonst gibt es so verrückte, die die Einblendung, dass man keine Kameras und Fotoapparate während des Films verwenden darf, abfotografieren? Wo sonst gibt es Menschen, die zur Präsentation der Knoblauchdoku von Les Blank mit dem wohlriechenden Gewürz „bewaffnet“ in die Vorstellung kommen und es dann verteilen? Und wo füllen sich selbst um Mitternacht noch ganze Kinosäle zu Vorstellungen von britischen Uralthorrorfilmen?

Ja, ein bisschen durchgeknallt muss man schon sein, und vor allem die „steifen“ österreichischen Attitüden ablegen, um sich hier heimisch zu fühlen. Vor allem hat man aber das Gefühl, hier sind die Menschen nicht aufgrund des Festivals, nicht, weil sie „adabei“ sein wollen – sondern sie allesamt Enthusiasten sind. Das müssen sie auch sein, denn ursprünglich gibt es im Ort nur vier Kinos. Während des Festivals werden also größere Kongresssäle sowie die beiden Theater der Stadt kurzerhand zum Kinosaal umfunktioniert. Ein eigenes Kino, das Espace Dorleans entsteht vor dem Thermalhotel und sieht aus wie ein riesiges Ufo.

Und dass in Karlovy Vary auch abseits des Kinosaals täglich und nächtlich gefeiert wird, habe ich auch – wenngleich auch nicht in dem von mir ursprünglich angestrebten Ausmaß – erfahren dürfen. Tagsüber gibt es Ausstellungen und Präsentationen zu bestaunen und nachts verwandelt sich die Stadt in eine große Partyzone.

Und somit ist für mich klar – Karlovy Vary, das bedeutet viel Programm für vergleichsweise wenig Geld. Selbst für Menschen ohne Presse- oder Industrieakkreditierung lohnt sich eine Reise, Festivalpässe sind für umgerechnet 40€ zu erwerben – mit denen kann man dann drei Filme pro Tag ansehen. Und sollte das nicht reichen, Kinokarten kosten etwas über 2€ - ebenfalls „leistbar“. Sollte sich also wieder die Gelegenheit ergeben, bin ich auch nächstes Jahr mit großer Wahrscheinlichkeit wieder da.



Festivalbericht TAG 7: Auf ein Letztes...

kvv-z07.jpgLetzter Tag in Karlovy Vary – da heißt es noch mal reinbeißen und genießen. Der Tag begann ausnahmsweise nicht mit einem Wettbewerbsfilm, sondern mit dem im HORIZONS Programm laufenden polnischen oscarnominierten KATYN von Altregisseur Andrzej Wajda. Wie auch DIE FÄLSCHER spielt KATYN im zweiten Weltkrieg – ist aber weitaus bedrückender und intensiver als der Oscargewinner. Der Film erzählt die Geschichte der Frau eines polnischen Offiziers – von dem Einmarsch der Nazis bis zur Befreiung. Erst nach dem Krieg sollte sie erfahren, dass ihr Mann bei dem Massaker in Katyn ermordet wurde. Wajda baut den ganzen Film in einem bedrohlichen Spannungsbogen auf und lässt ihn schließlich in einer grausigen Darstellung des Massenmordes an tausenden polnischen Offizieren enden. Besondere Erwähnung finden sollte hier die Musik von Kryzstof Penderecki, einem der anerkanntesten Komponisten zeitgenössischer klassischer Musik. Am Schluss wird schnell klar – DIE FÄLSCHER ist zwar ein sehr guter Film, kommt aber in punkto Intensität und Erzählstil nicht wirklich an KATYN an. Bei aller Freude und bei allem Patriotismus – der polnische Beitrag hätte die goldene Statue weit mehr verdient.

Es folgten ein paar filmfreie Stunden, in denen ich den japanischen Regisseur Sakamoto Junji (YAMI NO KODOMO-TACHI) interviewen und Christopher Lee bei seiner Masterclass lauschen durfte. Er stellte dabei auch seine Qualitäten als Sänger einmal mehr unter Beweis. Schließlich ging es tatsächlich in die Endrunden... mit einer Auswahl aus Kurzfilmen startete mein Nachmittag – THE FRESH SELECTION / THE PROMISING FIVE bot Filme von 10- 30 Minuten Länge und in der Qualitätsspanne von nette Idee bis hin zu langweilig. In Summe ein recht abwechslungsreiches und vielseitiges Programm – im Guten wie im Schlechten.

kvv-z08.jpgDie Weltpremiere des chinesischen DIXIA DE TIANKONG war ebenso gut besucht, wie sich auch der Saal während des Films wieder leerte. Zu Unrecht, wie ich finde, denn natürlich sind die langsame Erzählweise und die formale Strenge des Films gewöhnungsbedürftig, doch belohnt er gleichermaßen mit betörenden Kompositionen und einem akkuraten Portrait der jungen chinesischen Generation, die für persönliche Freiheit kämpft (wer darin auch einen Kampf gegen das System sieht, hat vermutlich gar nicht mal so Unrecht). Vermutlich fasst es das Schlussbild des Films, das einen Bus zeigt, der eine scheinbar unendlich lange Serpentinenstraße hinauffährt am besten zusammen: Der Weg hin zur Freiheit ist lange, anstrengend und kurvig ;-)

kvv-z09.jpgUnd schließlich noch der letzte Film für mich auf dem Festival – ein absolutes Highlight in Tradition der besten Kaurismäki Filme: A NYOMOZO (Der Ermittler) aus Ungarn läuft im Wettbewerb und ist von allen gesehenen Wettbewerbsfilmen mein Favorit für den großen Preis. Gerade blicke ich noch mal auf die Statistiken der Webseite des Festivals – zumidnest im Publikumsvoting liegt der Film schon mal an der Spitze aller anderen Wettbewerbsfilme. Schon der Beginn macht klar – hier würde man einer recht abstrusen Story begegnen, die man vermutlich nicht glauben könnte – doch das Leben selbst schreibt die spannendsten Geschichten: Eine Frau fällt beim Versuch einen eingeklemmten Vorhang zu befreien aus dem Fenster und stirbt – so wird unser Protagonist eingeführt, der gefühlskalte Pathologe Tibor. Dieser wird von einem einäugigen Mann beauftrag, einen ihm unliebsamen Menschen umzubringen. Tibor führt das Verbrechen aus, weil er unbedingt das Geld für seine schwerkranke Mutter braucht, erhält aber Tags darauf einen Brief seines Opfers, in dem steht, dass er sein Halbbruder ist. Tibor macht sich auf die Suche nach Antworten und deckt dabei ein verbrecherisches Komplott auf... Diesen Film MUSS man echt gesehen haben – wie ein spannender Roman, bei dem man einfach nicht aufhören kann zu lesen entfaltet sich Minute um Minute immer mehr von dem Geheimnis, das den Film umringt. Gespickt mit jeder Menge schwarzen Humor und einem hervorragend unsympathischen Hauptdarsteller gibt’s im Film mehr als einmal Momente, in denen man als Zuschauer einfach überrascht wird. Ganz großes kleines Kino – mein Highlight aus dem Wettbewerb! Es bleibt hier echt zu hoffen, dass sich auch im deutschsprachigen Raum Verleiher für dieses Kleinod finden!

Angesichts der Tatsache, dass diesen Film ohnehin nichts mehr toppen würde, entschloss ich mich, den letzten geplanten Film auszulassen und gleich verdientermaßen ausgiebigst meinen Abschied im Captain Morgan Zelt vor dem Hotel Thermal zu feiern. Eins ist rückblickend klar – obwohl ich sehr viel gesehen habe, hätte es in Karlovy Vary noch viel mehr zu sehen gegeben. Hinzu kommt die hervorragende Stimmung auf dem Festival sowie die zuvorkommende Betreuung durch die Presseabteilung des Festivals. Somit bleibt zum Abschluss nur zu sagen: Karlovy Vary 2009 – gerne wieder!



Festivalbericht TAG 6: Jetzt aber noch mal so richtig...

kvv-z04.jpgNach dem Erholungstag Nummer 5 ging es am sechsten meines Festivalbesuchs wieder so richtig hoch her – schließlich nähern wir uns dem großen Finale. Wie immer läutete ein Wettbewerbsfilm den Kinotag ein – und diesmal sogar ein richtig guter! KARAMAZOVI feierte internationale Premiere und ist mehr als eine Verfilmung des berühmten Dostojevski Romans DIE BRÜDER KARAMAZOV. Eine Theatertruppe aus Prag tourt durch die Fabriken des ganzen Landes und führt dort eine Bühnenversion des Werks vor. Bis eine Tragödie geschieht, die einen der Zuschauer betrifft und den Fortgang des Projekts beeinflussen sollte. Regisseur Petr Zelenka zählt zu den bekanntesten seines Fachs in Tschechien und schafft hier eine wunderbare Symbiose aus Theaterstück und Filmwelt. Herausragend sind die Leistungen der Theaterschauspieler, die auf ihrer Bühne zwischen Fabriksmaschinen und Stahlklotzen ihr bestes geben und sich regelrecht die Seele zum Hals rausspielen. Nebenbei bedient sich der Film recht bedrohlicher Symbolik. Ein heißer Anwärter auf den Hauptpreis!

Auch der japanische YAMI NO KODOMO-TACHI (Children of the Dark), der im HORIZONS Programm läuft hätte diese Chancen. Regisseur Sakamoto Junji wirft schonungslose Blicke auf den organisierten Kinderhandel in Thailand. Einige Szenen sind dabei recht hart und ganz nah an der Grenze zum guten Geschmack – sodass man am liebsten weg sehen möchte. Genau das ist aber nicht die Intention Junjis, der mit seiner Offenheit ein Thema ans Licht rückt, das nur viel zu selten in der Dunkelheit verbleibt. Neben perversen Europäern und fetten Amerikanern kriegen aber überraschenderweise besonders die Japaner ihr Fett weg. Starker Tobak zu Themen, die durchaus mehr Öffentlichkeit verdient haben!

kvv-z05.jpgMit RUSALKA von der russischen Regisseurin Anna Melikyan im FORUM OF INDEPENDENTS kommt wieder bessere Stimmung auf. Die stellenweise zum Brüllen komische Geschichte eines jungen Mädchens, das zunächst auf der Suche nach ihrem Vater, dann auf der Suche nach sich selbst und schließlich auf der nach der großen Liebe ist. Masha Shalaeva in der Titelrolle Alisa gibt nicht nur eine erstaunliche Performance ab, auch der Film schwingt in seinen Stimmungen zwischen himmelhoch-jauchzend und zu Tode betrübt hin und her. Das tut ihm aber richtig gut und macht RUSALKA zum formal gelungenen und inhaltlich unterhaltsamen Filmjuwel. Eines, das letztes Jahr in Russland ein Riesenhit war. Wer den Film gesehen hat, wird’s verstehen!

Weiter beschwingt durch den Abend führten zwei Filme von LES BLANK (DIE LAST DER TRÄUME), dem das Festival einen Tribute mit einer Auswahl seiner Werke widmet. Auf dem Programm standen die beiden 50-Minüter GARLIC IS AS GOOD AS TEN MOTHERS (1980) sowie IN HEAVEN THERE IS NO BEER (1984). Ersterer eine recht komische Dokumentation über ein jährlich stattfindendes Knoblauchfestival in Amerika, wo sich die Fans des tollen Gewürzes treffen und allerlei leckere Speisen mit Knoblauch zubreiten. Spätestens da durfte ich auch erfahren, warum das Publikum in Karlovy Vary mit das beste Festivalpublikum ist, das ich je erleben durfte: Es gab tatsächlich Menschen, die mit Unmengen an Knoblauch „bewaffnet“ ins Kino kamen und diesen dann verteilten. Hell, yeah, these guys are great! Der Film hinterließ einen so tollen Eindruck, dass ich mir im Anschluss an das Screening gleich die DVD kaufte (Les Blank kam mit eigenem kleinen „Bauchladen“) und mir selbstverständlich signieren ließ. IN HEAVEN THERE IS NO BEER dokumentiert zahlreiche Polkafestivals in den USA und zeigt dabei sehr schön, wie sich diese eigentlich europäische Tradition in den Staaten zum Renner entwickelt hat (zumindest in den 80er). Auch hier kommen wieder zahlreiche Polkafreaks und Fans zu Wort – in Summe aber nicht ganz so lustig wie der Vorgängerfilm.

kvv-z06.jpgWenn ein Festival einen meiner Lieblingsfilme zeigt, so steigen nicht allein die Sympathiepunkte, sondern natürlich auch die Wahrscheinlichkeit, dass ich im Kino sitze. Also noch um Mitternacht mit 200 anderen Wagemutigen ins Screening von THE INNOCENTS von Jack Clayton. Dass ich diesen schwarz weiß Film für einen der besten Horrorfilme aller Zeiten halte, sollte nichts neues mehr sein, und THE HELL, das Teil funktioniert trotz seines hohen Alters immer noch wie am ersten Tag. Die armen Nichtkenner des Films glaubten zu Beginn, noch über das viktorianische Setting und das theatralische Spiel der Darsteller lachen zu können. Spätestens mit der ersten echten Schockszene (und Leute, die den Film gesehen haben, wissen, um welche es sich handelt) gabs Schreckensschreie (und darauf natürlich spöttisches Gelächter der anderen) und Gänsehautfeeling pur. Da ist dann auch dem letzten das Lachen vergangen und die restliche Laufzeit sollte es nur so an gelungenen Schockmomenten, die auch als solche beim Publikum ankamen, hageln! So wünscht man sich das Screening eines derartigen Meistwerks.



Festivalbericht TAG 5: Ruhen und Unruhen

kvv-tag4-09.jpgEigentlich wäre auch Tag 5 wieder vollgepackt mit tollen Sachen gewesen, die im Endeffekt sechs Filme ergeben hätten. Aber langsam merke auch ich, dass es etwas zu viel wird – und so warens für diesen Tag nur zwei Filme und zwei Pressekonferenzen, die ich besuchte. Den Rest des Tages nutzte ich ein bisschen zur Entspannung und zum Auftanken (was nebenbei erwähnt hervorragend gelungen ist).

DR. ALEMAN ist der deutsche Beitrag des Wettbewerbs. Tom Schreibers Film handelt von dem jungen deutschen Doktor Marc (hervorragend: August Diehl), der ein freiwilliges Jahr in der Stadt Cali in Kolumbien absolviert. Das Krankenhaus gleicht viel mehr einem Lazarett, in dem die zahlreichen verwundeten der brutalen Bandenkriege versorgt werden. Obwohl man Marc warnt, begibt er sich in die Slums von Siloé und begegnet der hübschen Maria, in die er sich verliebt. Dabei gerät er tiefer in den Sumpf des Verbrechens und ins Visier des Killers El Juez...

kvv-tag5-01.jpgAugust Diehl verkörpert den Protagonisten in diesem beinahe western-ähnlichen Szenario und ist hin und her gerissen zwischen den Werten, die er in Europa erlernt hat und den rauen Sitten, die in den Slums herrschen. Was als erschütternde Milieustudie beginnt, wird recht schnell zum etwas eintönigen Thriller, der von simplen Typifizierungen und am Schluss von dem unvermeidlichen Twist lebt. Getragen wird der Film dennoch sehr gut – und zwar vom herausragend besetzten Cast, in dem neben August Diehl und Marleyda Soto auch zahlreiche Jugendliche aus Siloé, die in speziellen Workshops ausgebildet wurden. Was den deutschen beim Fussball nicht gelungen ist, könnte also im Film durchaus wahr werden: Eine Trophäe mit nach Hause zu nehmen.

Im Anschluss an den Film gab es die Pressekonferenzen zu DR. ALEMAN mit Regisseur Tom Schreiber, Autor Oliver Keidel, Produzent Paul Müller und den Hauptdarstellern Marleyda Soto und August Diehl. Letzterer signierte im Anschluss bereitwillig mein Programmheft (damit ich auch was mit nach Hause nehmen kann).

kvv-tag5-08.jpgDie nächste Pressekonferenz war dem NEW HOLLYWOOD Programm gewidmet – anwesend waren neben Steven Gaydos (Variety Executive Editor) Regisseur Paul Mazursky (der es sich nehmen ließ und mit dem weiblichen Personal flirtete), Kameramann Vilmos Zsigmond (McCABE AND MRS MILLER), Drehbuchautor Lorenzo Semple Jr. (PRETTY POISON) sowie Schauspielerin Rita Tushingham (aktuell in PUFFBALL) und Produzentin Marcia Nasatir, die die erste weibliche Vizechefin der Universal Studios ist. Ein recht spannendes Gespräch mit einigen tollen Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit.

Nach meiner wohlverdienten mehrstündigen Pause kehrte ich um 23 Uhr wieder in den Großen Saal zurück, wo das Screening des Berlinale Siegers TROPA DE ELITE auf dem Programm stand. Ein Film, der dich von Anfang an packt und nicht mehr los lässt. Der Vergleich mit GOMORRAH drängt sich geradezu auf, aber gegen das, was sich in den Slums in Rio abspielt, ist der italienische Film bloß ein Kindergeburtstag. TROPA DE ELITE ist ungeschönt, manchmal auch etwas arg zynisch und auf jeden Fall ein gerechtfertigter Bärengewinner. Da ist ohne zu zögern eine Höchstwertung fällig, für einen derartigen Blick in die tiefsten Abgründe. Hoffentlich findet dieses Meisterwerk auch bald Eingang in die österreichischen Kinos!



Festivalbericht TAG 4: Kino, Kino, Kino

kvv-tag4-02.jpgMehr ist zu meinem vierten Tag hier in Karlovy Vary echt nicht zu sagen. Mit sieben Filmen an diesem Montag hätte ich mein bisheriges Maximum getoppt. Doch so viel sei schon verraten, dieser Rekord wird nur ein kurzer sein.

Wie mittlerweile Usus begann der Tag für mich mit einem Wettbewerbsfilm, LES TREMBLEMENTS LOINTAINS – einer belgisch-französischen Produktion, die in Nordafrika spielt. Siegmund Freud hätte Luftsprünge gemacht, angesichts dessen, dass man den ganzen Plot durchaus auf den sexuellen Frust der weiblichen Protagonistin, Marie, zurückzuführen kann. Die lebt mit ihrem Papa, einem Arzt an der Küste irgendwo in Afrika und steht auf den jungen Bandiougou. Der könnte nach Europa zu seiner Freundin gehen, doch Marie kann dies mit einer geschickten Intrige verhindern. Schließlich erscheint mit Boris ein Freund des Vaters, der Bandiougou überredet, für ihn einen Fetisch zu stehlen. Zu viert machen sie sich auf in den Dschungel... Besonders im Schlusspart gibt’s ein bisschen AGUIRRE-Feeling, allerdings nur, wenn man ganz frei assoziiert. Der Rest ist leidlich spannend und ergeht sich in doch etwas zu einfachen Europaklischees – die allerdings ihren Zweck erfüllen und ganz klar deutlich machen, wie sehr viele junge Afrikaner von einem besseren Leben träumen. Im Endeffekt erzählt uns der Film allerdings auch nicht viel neues: Die bösen Weißen manipulieren und benutzen die liebenswürdigen Schwarzen. Regisseur Manuel Poutte lässt sich Zeit und entwickelt eine ganz merkwürdige, durchaus unheimliche Atmosphäre. Und so ist LES TREMBLEMENTS LOINTAINS eigentlich ein idealer Festivalfilm – sicherlich keiner, den man einfach so nebenbei konsumiert, sondern einer, der im konstanten Dialog mit dem Zuschauer steht.

Gomorrha-Scene02.jpgÜber GOMORRAH lässt sich das nicht so einfach sagen. Denn der Film ist einfach nur großartig. Mit der Verfilmung von Roberto Savianos authentischer Mafiastory dürfte der Gangsterfilm wohl in eine neue Zeitrechnung eintreten. Vorbei sind die Jahre der schwarzen Sonnenbrillen und Nadelstreifanzüge – die Mafiosi in GOMORRAH gehen in Sonnenstudios, spielen am Automaten und tragen Markenkleidung. Und sie scheuen vor allem zwei Dinge nicht: Dreck und Gewalt. GOMORRAH erhielt in Cannes den Grand Prix der Jury und startet im September in den österreichischen Kinos – wer ihn sich dann entgehen lässt, ist selbst schuld. Hier kommt eine absolut zerstörerische und desolate Milieustudie auf uns zu! Pflichttermin!

Weil ich den Start eines anderen Films, den ich eigentlich sehen wollte, verpasste und später nicht reingehen wollte, musste ich kurzerhand umdisponieren. Das hatte insofern was Gutes, weil ich so auch einen Film aus der EAST-WEST SELECTION sehen konnte. KREMEN hieß der Film, was so viel wie „hartherzig“ bedeutet und stammt aus Russland – Regie Alexej Mizgirev. „Hartköpfig“ würde es genau so gut treffen, denn Titelfigur Anton, gerade mit dem Militärdienst fertig, beweist einen ebensolchen – seinem Schädel können weder Glasflaschen noch die Köpfe der anderen etwas anhaben. Er reist nach Moskau, weil er glaubt, dass ihn dort ein Mädchen erwartet und tritt nach dem enttäuschenden Wiedersehen der Polizei bei. Dort merkt er recht schnell, dass die Polizei zwar Macht besitzt, diese aber auch missbraucht.

kvv-tag4-05.jpgBesonders zu Beginn wurde mir nicht klar, ob der Film eine Komödie oder ein Drama sein sollte. Denn die Ankunft und die ersten Schritte in Moskau sind recht skurril umgesetzt. Erst später im Film wird klar, dass Mizgirev einen schonungslosen Blick auf die Zustände in Moskau wirft und vor allem auf die Polizei dort. Dennoch – so richtig warm werden konnte ich mit KREMEN nicht wirklich...

Ähnlich erging es mir mit HONEYDRIPPER von John Sayles (HORIZONS-Sektion), der letztes Jahr in San Sebastian den Preis für das beste Drehbuch erhielt. Zumindest den Blues hat der Film, denn in HONEYDRIPPER dreht sich alles um diese Musikgattung  und wie Tyron (Danny Glover), Besitzer des titelgebenden Lokals, Anfang der 50er in Alabama ums finanzielle Überleben kämpft. Denn Blues ist Out und Rock ist in. Alles in Allem weder besonders inspiriert noch spannend, aber zumindest auf visueller und akustischer Ebene akkurater Einblick ins Leben einer schwarzen Gemeindebevölkerung. Schadet nicht, muss aber auch nicht sein.

kvv-tag4-06.jpgEbenfalls nicht sein muss der indische Beitrag im FORUM OF INDEPENDENTS – betitelt R(EVOLUTION). Ich sags gleich, normalerweise wäre so ein Film totale Folter, aber zu dem Zeitpunkt war ich eigentlich recht dankbar und freute mich über so viel Naivität in einem Film, gleich einer Yoga- oder sonstigen Entspannungsübung. 80 Minuten einfach nur berieseln lassen, von der Gesichichte eines jungen Mannes, Feroz, der nach dem Ende seiner Beziehung etwas depressiv ist und auf einem Flohmarkt ein Buch findet, das zwei Besonderheiten aufweist: Eine Passage im Buch ist markiert und rührt Feroz zu tiefst, und auf der Innenseite steht eine Adresse in Goa. Kurzerhand macht er sich auf und findet tatsächlich den ehemaligen Besitzer des Buchs, der aussieht wie ein Guru und vor allem ein Händchen mit Jahreszahlen und Frisbeescheiben hat. Ja, Frisbee macht ihm Spass und so verbringt der Film knappe 10 Minuten mit einem Einführungskurs in dieser „Trendsportart“. Was Sie außerdem in diesem Film sehen: Eine kurze Geschichte unserer Erde, erklärt anhand eines Seesterns, recht offensichtliche Werbung für National Geographic („I think it’s the best TV Channel"), sowie Menschen, die am Lagerfeuer recht gruselige Interpretationen mehr oder weniger bekannter „Klassiker“ geben. Nicht verraten habe ich bis jetzt, dass es im Zusammenhang mit dem Buch noch eine Geschichte gibt – nämlich die eines jungen Mädchens, das das Buch irgendwann mal erhielt, besagte Passage markiert hat und dann Selbstmord begangen hat (oder so). R(EVOLUTION) könnte man seine meditative und naive Art eigentlich auch zu Gute halten, doch schon allein die absolute Unfähigkeit der Schauspieler macht dem einen Strich durch die Rechnung. Dazu kommen jede Menge Kopfpatschmomente und man fragt sich recht schnell, ob einen der Film überhaupt ernst nehmen will. Meine Vermutung ist eher nein – und so gibt’s nur folgendes zu sagen: Echt nur empfehlenswert für Freaks wie mich, die sieben Filme am Tag anschauen und deshalb mal ein bisschen was zur Auflockerung der Sehnerven brauchen – oder nur dann anschauen, wenns auch was zu rauchen gibt während dem Film. Ihr wisst schon, was ich meine...

Film Nummer sechs führte mich wieder zurück in die Zeit des NEW HOLLYWOOD – PRETTY POISON mit Anthony Perkins, der im Film recht offensichtlich immer noch am Norman Bates Syndrom leidet. Er gibt sich als CIA Agent aus – wohl um eine junge Schülerin zu beeindrucken und zieht sie recht tief in den Schlamassel. Sie hilft ihm schließlich auch noch drauf und bald gibt es zwei Leichen zu beklagen (u.a. auch eine Mutter)... Vor allem deswegen ganz nett, weil er bereits Ende der 60er Jahre Umweltthemen auf den Plan bringt (wenngleich auch nur marginal). Die Geschichte bleibt konstant spannend und die Performance von Perkins und seiner Partnerin Tuesday Weld kann sich ebenfalls sehen lassen. Nichts, was mich vom Stuhl geblasen hätte, aber ansehbar.

kvv-tag4-07.jpgTrotz schleichenden Anflügen von leichtem Wahnsinn und Ermüdungen bin ich (und knapp 250 weitere Besucher) noch um Mitternacht in DEAD OF NIGHT aus der Schiene MIDNIGHT MOVIES, in der britische Horrorfilme gezeigt werden. Und dieser da aus dem Jahre hatte es tatsächlich in sich! Gänsehautmomente en masse sind garantiert, spielen die vier beteiligten Regisseure in ihren Geschichten doch mit echten Urängsten. Da gibt es Sprünge durch Zeit und Raum, Spiegel, die plötzlich falsche Reflektionen zeigen und schließlich noch die Geschichte eines Bauchredners, dessen Puppe recht bösartig ist (Wer Anleihen an PSYCHO und abertausende andere Puppenstorys ähnlicher Art erkennt, hat hier wenigstens mal das Original gesehen).Zusammengehalten werden die Episoden von einem recht fiesen Albtraum mit umso bösartigeren Ende. Interessant ist der Film nicht nur deshalb, weil einige bekannte Stars und Regisseure des britischen Kinos mitspielen (Michael Redgrave und Charles Crichton z.B.), sondern auch weil er für recht lange Zeit der einzige Horrorfilm aus GB sein sollte. Gepflegter Grusel at it’s best!




Festivalbericht TAG 3: Endlich eingelebt...

kvv-tag3-01.jpgSo schwer ist es ja gar nicht. Mittlerweile kann ich behaupten, mich ganz gut eingelebt zu haben. Ich finde mich in der Stadt zurecht (was angesichts der zwei relevanten Straßen ja keine Hexerei sein sollte), weiß, wann und wo ich gratis zu kleinen kulinarischen Stärkungen komme (immerhin soll die Akkreditierung nicht völlig umsonst sein) – oder wenigstens, wo man gut und günstig essen kann. Ja, Karlovy Vary ist eine Kleinstadt der krassen Gegensätze, denn ein teures Restaurant liegt oftmals direkt neben einer preiswerten Alternative. Die Volksfeststimmung am Festivalzentrum schildere ich ein anderes Mal...

Welcher Tag war gestern... Sonntag, genau! Wenn man praktisch nur noch im Kino lebt, verliert man schnell jegliches Zeitgefühl. Dennoch gibt es zumindest ein paar Konstanten: Wie bisher immer beginnt der Tag mit einem Film aus dem Wettbewerb. IZA STALKA – grob übersetzt „Hinter dem Glas“ aus Kroatien ist wenig spannend und dennoch nahe am Leben. Der 35-jährige Architekt Nikola steckt in der Zwickmühle: Seine Ehe ist praktisch am Ende und wird nur noch wegen des gemeinsamen Kindes aufrecht erhalten, seine Geliebte will endlich, dass er sich scheiden lässt. Da wird Nikoas Frau wieder schwanger...

kvv-z01.jpgRegisseur Zrinko Ogresta schildert recht akkurat die Tagesabläufe seiner Figuren – echte Einblicke in deren Innenleben gibt er aber kaum. Dazu verweilt der Film zu sehr an der Oberfläche – man könnte gemeinerweise auch sagen, dass kaum etwas passiert. Diese Leerstellen wären an sich nicht so schlimm, doch am Schluss, als sich die Wege der drei Hauptfiguren kreuzen, gibt’s noch einen großen Überraschungsmoment, der dem Film rückblickend einen anderen Sinn verleiht.

DESIERTO ADENTRO aus Mexiko darf dann getrost als echtes Highlight bezeichnet werden. Die Geschichte eines Familienvaters, der sich dem religiösen Wahnsinn hingibt und so schließlich seine ganze Familie zerstört, läuft in der OPEN EYES Schiene und kann tatsächlich als Augenöffner bezeichnet werden. Regisseur Rodrigo Pla geht zumindest visuell ähnliche Wege wie sein Landsmann Carlos Reygadas mit BATTLE IN HEAVEN – leere Einstellungen mit fast ikonenhaften Tableaus zeichnen die karge Bildsprache aus und auch die Handlung bewegt sich auf einer tiefreligiösen Ebene (so sind sie, die Mexikaner). Im Endeffekt ist DESIERTO ADENTRO somit ein beinahe biblisch-archaisches Filmwerk, das stellenweise auch an THERE WILL BE BLOOD anklingt – ein Geheimtipp für alle Festivalgeher also. Würde mich nicht wundern, wenn der Film auch auf der VIENNALE gezeigt wird.

kvv-z02.jpgBei LA RAGAZZA DEL LAGO schon eher. Der könnte direkt aus der Feder Friedrich Dürrenmatts stammen, basiert jedoch auf einem Roman der norwegischen Schriftstellerin Karin Fossum und wurde für die Verfilmung einfach in den italienischen Dolomiten angesiedelt. Dort findet man eines Morgens ein junges Maedchen tot an einem See auf. Inspektor Giovanni Sanzi beginnt zu ermitteln und deckt Geheimnisse und Familiengräber auf… Bei einer derartig tollen Vorlage wie sie der Roman liefert, kann eigentlich auch filmisch nichts schief gehen – so ist es dann auch. Allerdings ist die Umsetzung viel zu konventionell geraten (von daher nichts für die VIENNALE) – der Film könnte genau so gut am Samstagabend als Fernsehkrimi laufen. Dennoch, wer jemals die Chance hat, den Film zu sehen, sollte sie nutzen – auch Fernsehkrimis können spannend sein, vor allem wenn sie sich, wie ein gutes Buch, nach und nach entfalten und immer tiefer blicken lassen!

Beklagte ich in meinem letzten Eintrag noch das Fehlen jeglicher Dokumentarfilme auf meiner Filmliste, so ließ mich dieser Umstand kurzerhand umdisponieren. Meine Wahl fiel auf NICK NOLTE: NO EXIT von Thomas Thurman – wenig überraschend eine Doku über Nick Nolte. Die besitzt genau eine nette Idee: Herr Nolte darf sich gewissermassen selbst interviewen und ist somit als Fragesteller und Antwortender doppelt belastet. Dazwischen geben Kollegen und Wegbegleiter wie Jacquelline Bisset, Rosanna Arquette, Alan Rudolph oder auch Ben Stiller ihren Senf ab. Vielleicht bin ich einfach nicht Nick Nolte Fan genug (bzw. ist mir der Mann neben seinen schauspielerischen Leistungen recht egal) – die Doku wirkt, trotz ihrer nur 74 Minuten – recht ermüdend.

Film Nummer fünf am Tagesprogramm stand ganz im Zeichen von NEW HOLLYWOOD. Paul Mazursky ist Stargast in Karlovy Vary, und sein Film BOB & CAROL & TED & ALICE sollte mein filmischer Ausflug ins Amerika der fruehen 70er Jahre sein. Eine ménage à quatre mit zwei Paerchen, die nach dem Besuch eines Therapieseminars ganz neue Auffassungen von ihrem Eheleben bekommen. Der Geist der Hippiezeit weht da noch ganz ordentlich und macht BOB & CAROL … zu einem recht amüsanten und nichts desto trotz auch gesellschaftspolitisch recht spannenden Film, der zu einer Zeit entstand, in der vieles erlaubt und wenig verboten war. Mich erinnerte das Ganze ein wenig an GROUP MARRIAGE von Stephanie Rothman, die in ihrem Film allerdings noch ein ganzes Stückchen weiter geht und bei weitem nicht so versöhnlich endet, wie Mazursky.

kvv-z03.jpgUm 23 Uhr schliesslich doch noch in Film Nummer 6 – wenn Nicolas Roeg (WALKABOUT) schon mal nach über 12 Jahren wieder einen Kinofilm dreht, dann sollte man sich den doch auch ansehen, oder? Ich kann diese Frage nicht eindeutig beantworten – denn PUFFBALL besitzt einige Identitaetsprobleme: Irgendwo zwischen Horrorfilm und Familiendrama angesiedelt und stellenweise mit recht unpassenden trashigen Momenten angereichert, erfüllt PUFFBALL keine der nur möglichen Erwartungen. Suspense gibt es zwar und nicht zu knapp, doch sie wird am Schluss nicht oder nur unbefriedigend, ja sogar lächerlich aufgelöst und wird nur durch Kameraführung oder Musik erzeugt. Das Drehbuch: Ein recht fades Mischmasch aus düsteren Fantastereien und biederen Lebenswahrheiten: Eine junge Architektin zieht in die irische Abgeschiedenheit und wird von ihren Nachbarinnen behext – klingt jetzt spannender als es tatsächlich ist. Dennoch – im Endeffekt halten sich Stärken und Schwächen des Films einigermassen die Waage – von daher möchte ich in keinem Fall abraten.

So viel zum offiziellen Teil des dritten Tags in Karlovy Vary – getippt, während bereits Tag Nummer vier zur Hälfte überstanden ist… Doch davon morgen mehr!



Festivalbericht TAG 2: Immer wieder Italien...

kvv-tag2-01.jpgMittlerweile ist auch Tag 2 meines Festivalbesuchs zu Ende. Vier Filme standen heute auf dem Programm, fünf hätten es werden können, wäre ich nicht durch die Pressekonferenz mit Robert de Niro zur journalistischen Tagespflicht gerufen worden. Ich kanns ja verraten, obwohl im Kino bereits ab 8 Uhr morgens Vorstellungen laufen, fange ich doch erst lieber etwas später an, nämlich zur zweiten Vorstellung um 10.30 Uhr. Diese steht bei mir fast täglich unter dem Motto OFFICIAL SELECTION - COMPETITION – also Spielfilme, die im Wettbewerb laufen.

Heute: IL MATTINO HA L’ORO IN BOCCA – zu deutsch Morgenstund hat Gold im Mund. Erzählt wird die Geschichte des jungen Radio DJs Marco Baldini (Italiens junger Shooting Star Elio Germano), der auf seinem Weg die Karriereleiter nach oben mehr als auf die schiefe Bahn gerät. Denn bei Pferderennen setzt er ein Vermögen in den Sand und prellt danach zahlreiche zwielichtige Kreditgeber. Basierend auf den autobiographischen Erinnerungen Baldinis (erschienen unter dem Titel IL GIOCATORE in Buchform) macht Regisseur Francesco Patierno leider ziemlich viel von dem (und da es sich um ein rein subjektives Tagebuch handelt, kann ich das auch schreiben), was laut meinen etablierten Filmstatuten kein Film machen sollte: Er erzählt den Film in einer recht unmotivierten Rückblende (einzig Bunuel hat diese Art des Erzählens filmisch meisterlich beherrscht), legt ein unnötiges Voice-over drüber und spielt noch dazu in den 80er Jahren. Okay, letzteres ist zwar weniger schlimm als befürchtet, bestätigt aber trotzdem wieder mal eindrucksvoll, dass italienische Filme, die in der heutigen Zeit spielen, selten sind und man stattdessen lieber zurück in die Vergangenheit flüchtet. Formal wissen die Italiener natürlich was sie tun, Aufstieg und Fall Baldinis sind flott erzählt und sogar recht spannend oder gar unbeabsichtigt lustig (wenn Marco beispielsweise von seinem Papa erzählt, der einen Keller besitzt, in den niemand runter gehen durfte... – okay, ich lass es ja schon sein mit den dummen Bemerkungen). Jedenfalls hebt sich der moralische Zeigefinger am Schluss schon arg aufdringlich. Spielsucht ist schlecht, vor allem dann, wenn du ein junger Mensch mit Karriereaussichten bist. Danke für dieses Stückchen Lebensweisheit.

kvv-tag2-03.jpgEs folgte die Abberufung zur Pressekonferenz mit Robert de Niro. Ein echter Pluspunkt an das Serviceteam des Festivals – man kriegt mehrmals täglich SMS mit allen wichtigen Ankündigungen oder Terminen des Tages. Herr de Niro gab sich bei der Beantwortung der Fragen allerdings immer recht kurz und knapp, sodass innerhalb einer halben Stunde knapp 20 ebensolche gestellt und beantowortet wurden. Näheres dazu im Transkript des Gesprächs. Dort ebenfalls zu sehen ein Foto wie nah ich wirklich an den guten Mann herangekommen bin. Nur fürs Autogramm hat es nicht mehr gereicht (verschmerzbar).

Die nun entstandene längere Pause nutzte ich gleich mal zum Abtippen des Gesprächs sowie zur Stärkung mit lokalen Spezialitäten (Chicken Wings und Kroketten ;-). Film Nummer zwei des heutigen Tages ist... kurios: HANK AND MIKE aus Kanada läuft im FORUM OF INDEPENDENTS und erzählt die Geschichte von zwei jungen Herren, die als Osterhasen für die „Easter Enterprises“ arbeiten. Als einer der beiden bei der Auslieferung einem Mädchen keine Ostereier bringt, werden die beiden gefeuert, zumal ohnehin Einsparungen auf dem Programm stehen. Denn Ostern rentiert sich nicht besonders. Hank und Mike sind jedoch verzweifelt, Ostern war ihr Leben und vor allem die Jobsuche gestaltet sich als schwierig: Beim Metzger müssen sie Hasen schlachten, als Lieferanten verstecken sie die Pakete ihrer Kunden immer etc. pp. An dem beruflichen Schlamassel scheint auch noch ihre Freundschaft zu zerbrechen...

kvv-tag2-04.jpgJA, das ist er, ein äußerst frecher und dennoch überaus subtiler und feingeistiger Kommentar auf die Tücken des Alltags und erinnert dabei recht angenehm an Filme wie CLERKS. Thomas Michael und Paolo Mancini schrieben das Drehbuch und spielen passenderweise auch gleich die Hauptrollen. Leider hält der Film das, was er Anfangs verspricht, nur bis zur Hälfte durch, dann wird’s überwiegend ernst und selbstmitleidhaft. Doch zuvor gibt’s echte Attacken aufs Zwerchfell, den guten Geschmack und überhaupt ein Feuerwerk an kecken Ideen. Dafür ist aber auch die zweite Hälfte entschuldigt und von mir aus der Schluss ebenfalls, der die Zuschauer daran erinnert, dass Feiertage einen tieferen als kommerziellen Sinn haben.

Nach dem Ausflug nach Kanada wieder zurück nach Italien. Diesmal sogar in die Gegenwart (Pluspunkt), ohne voice-over (noch ein Pluspunkt) und nicht in Rückblenden erzählt – das kann doch nur gut werden! GIORNI E NUVOLE entpuppt sich als mein bisheriges Festivalhighlight – schon einfach deshalb, weil der Film mal etwas anspruchsvoller als das bisher gesehene war. Silvio Soldinis Drama läuft in der HORIZONS Schiene und beleuchtet auf besonders intelligente Art und Weise die Geschichte einer Familie: Michele und Elsa sind ein Paar mittleren Alters und haben sich gewissen Wohlstand erarbeitet. Da eröffnet Michele seiner Frau, dass er schon mehrere Monate arbeitslos ist und die Ersparnisse knapp werden. Nach und nach ändern sich Situationen und Positionen – Michele wird auf der erfolglosen Suche nach Arbeit immer verbitterter, das Paar muss in eine kleine Wohnung umziehen, Elsa kann ihre Arbeiten als Restaurateurin nicht mehr fortsetzen und schließlich wird die Kluft zwischen beiden Partnern immer größer. Bezeichnend ist der Film vor allem deshalb, weil er die besonders in der italienischen Tradition verschweißten starren Familiengefüge durcheinanderwirbelt. Der Mann wird zum Hausmütterchen während die Frau um die Existenz der Familie kämpft. Auch die Beziehung zur erwachsenen Tochter ist sehr interessant. Die dezente Inszenierung liefert recht ungeschönte und schonungslose Blicke in die Innenwelten der Figuren und konzentriert sich sehr auf deren Motivationen. Nominierungen in 15 Kategorien für den Donatello Award waren schließlich der Lohn für diese äußerst positiv herausstechende Filmarbeit aus Italien.

kvv-tag2-05.jpgWährend einer längeren Pause stärke ich mich etwas und schaffe es tatsächlich, ein „Wunschprogramm“ bis zum Ende meines Aufenthalts zusammenzustellen. Sollte ich das tatsächlich so durchhalten, wie geplant, würden am Ende 40 Filme herausschauen. Schockierend: Kein einziger Dokumentarfilm dabei. Nur ein Film aus den Tributes. Nur fünf „Retrospektiven“. Ansonsten alles Spielfilm aus allen Schienen. Und vor allem werden die Pausen zwischen den Filmen immer kürzer...

Und auch zum Abschluss des Tages und zu fortgeschrittener Stunde bleiben wir (oder ich) in Bella Italia, wechsle aber ins Stadttheater von Karlovy Vary. Wo normalerweise Operettenvorführungen die Bühne zieren, ist diesmal eine große Leinwand gespannt. Mein Sitzplatz ist zudem perfekt – erste Reihe oben, man hat nicht nur wunderbare Sicht sondern wünscht sich, das gäbe es öfter. Zu sehen gibt’s IL DIVO von Paolo Sorrentino aus der Sektion OPEN EYES, der bereits in Cannes für positive Resonanz gesorgt hat und mit dem Jurypreis ausgezeichnet wurde. Produzent Nicola Giuliano hebt vor Filmbeginn nochmals hervor, dass es besonders schwierig war Geld und Material für den Film aufzutreiben und dass im Endeffekt wohl nur diejenigen den Film wirklich in seiner vollen Tragweite verstehen, die sich mit der italienischen Innenpolitik der letzten 50 Jahre und mit Titelfigur Giulio Andreotti auseinandergesetzt haben. Für den Rest bleibt vieles wohl unklar und vage, trotz der ausführlichen Texteinblendungen zu Beginn und am Ende des Films. Der Film beginnt in den 90er Jahren mit der siebten Regierungsperiode Andreottis, der im Zuge der Antimafiabewegung selbst immer mehr ins Visier der Ermittler gerät. Formal ist IL DIVO tatsächlich fabelhaft: Der Schnitt mag auf der einen Seite zwar etwas verwirren, zeigt aber auf der anderen Seite deutlich, wie einzelne Ereignisse zusammenhängen, die Kameraführung ist äußerst lebendig (auch hierfür einen Preis in Cannes), die Musik perfekt gewählt und abwechslungsreich. Andreotti selbst ist eine Person, die es zu entziffern gilt: Vom kargen Erscheinungsbild des Männchens sollte man sich nicht täuschen lassen. Dennoch ist auch Andreotti nicht nur „böse“, besonders die tiefe Liebe, die er für seine Frau empfindet, kommt recht gut zum Ausdruck. IL DIVO war in Italien ein großer Kinoerfolg, allerdings denke ich nicht, dass der Film im Ausland auf besonders hohes Interesse beim großen Publikum stoßen wird. Dafür wird dann doch einiges zu viel an Insiderwissen abverlangt. Dennoch – falls sich für irgendjemanden mal die Chance ergeben sollte – nicht verpassen!

Morgen versuche ich wieder, die Filmanzahl zu toppen – geplant sind sechs Filme – von New Hollywood über Nick Nolte bis hin zu – tja, auch das muss wieder sein – einem neuen italienischen Film. Bis denne!



Festivalbericht TAG 1:
Ankommen, Einchecken, Losstarten

kvv-tag1-07.jpgEs ist bereits 1:45 Uhr, als ich diese Zeilen tippe. Zurück im Hotel, ermüdet vom recht langwierigen Anreisetag (6 Stunden Zugfahrt) und bereits mehr oder weniger beglückt von den ersten angesehenen Filmen. Eines darf gleich mal gesagt werden – im Vergleich zu unseren österreichischen Festivals wirkt Karlovy Vary wie ein überlebensgroßer Monolith. Allein die zahlreichen Schalter im Hauptbereich des Hotel Thermals (Festivalzentrum) nehmen eine große Halle ein, für jeden gibt’s dementsprechend etwas: Ob man noch Tickets für die nächsten Filme ergattern will, oder noch ein Bett zum Schlafen sucht – hier werden Sie geholfen.

Neben der ersten Anlaufstelle gibt es im 1. Stock dann das „echte“ Pressezentrum, wo sich neben zahlreichen Laptops auch eigene Säle befinden, in denen Pressevorführungen abgehalten werden. Für alle diejenigen, die es ohnehin schon etwas knapp haben. Die Qualität der Säle entspricht in etwa dem, was Wiener Hardcorekinogeher vielleicht aus dem Filmhaus Spittelberg kennen – minus den hervorragenden Sitzgelegenheiten dort (denn in Karlovy Vary stehen nur gepolsterte Stühle).

kvv-tag1-05.jpgWie die Fotos bezeugen, ist der Andrang riesig – sowohl medial als auch von den Menschenmassen, die sich um die Absperrung vor dem Thermalhotel scharten, um die Stars zu empfangen. Ich saß währenddessen in einem Film, kann daher nur Bilder liefern, als die Stars schon weg waren. Ich gelobe diesbezüglich Besserung! Im Festivalzentrum befinden sich auch noch zahlreiche Bars und zumindest ein Club – in Ermangelung besonderer Kraftreserven und in Anbetracht der Tatsache, dass meine Tasche den ganzen Tag über immer schwerer wurde, hab ich den ersten Tag mal noch nicht feiernd verbracht. Von kulinarischen Genüssen schreibe ich nichts, weil mich gerade beim Tippen doch recht der Hunger plagt...

Aber genug davon – ihr wollt schließlich wissen, wie die Filme sind: Und da lässt sich kein eindeutiges Urteil abgeben. Mein Einstieg war THE MAN WHO LOVED YNGVE (Sektion FORUM OF INDEPENDENTS), eine norwegische Coming-of-Age/Coming-Out und junge-Anarchorockband-will-die-Welt-erobern Komödie, die am Schluss ins Drama umfärbt. Schaden tut ihr das überhaupt nicht, denn sie verliert dadurch wenig an ihrem gehörigen Drive, was vor allem an den durch und durch sympathischen und brilliant spielenden Jungschauspielern liegt. Der Film, eingebettet in der Zeit des Mauerfalls, lässt dabei auch politische Kommentare nicht aus, verkommt dabei aber nie zum Selbstzweck. Der 17-jährige Jarle liebt vor allem seine Freundin und seine beiden besten Freunde, mit denen er eine Rockband gegründet hat. Bis der neue Schüler Yngve in seiner Klasse auftaucht und seine Gefühle vollends verwirrt... Eine äußerst erfrischende Empfehlung, der man einen Kinostart geradezu gönnt!

kvv-tag1-04.jpgAnders bei PEACEFIRE, einem irischen Beitrag zum FORUM OF INDEPENDENTS. Der auf einem Theaterstück basierende Film thematisiert den Terror durch die IRA in Nordirland und wie jungen Burschen in die Füße geschossen wird. Warum das Ganze – pardon me, aufgrund des recht schwer verständlichen Dialekts konnte ich nicht alles mitbekommen. Und Untertitel gabs nur in tschechisch. An der etwas drögen Inszenierung ändert das selbstverständlich nichts und auch nicht daran, dass die mit sakraler Symbolik dahinlaborierende Geschichte ein mehr als voraussehbares Ende nimmt. Basierend angeblich auf einer wahren Geschichte in den 90ern. Somit bestätigt der Film: Krocha sind keine urtypische wienerische Erscheinung – nein, es gab sie schon lange in Nordirland.

Mit 45 Minuten Verspätung (recht unangenehme Wartezeit, aber mit der Stechuhr habens die Tschechen scheinbar nicht, und wenn mans hinnimmt, ist es okay) begann schließlich die zweite Vorstellung vom Eröffnungsfilm WHAT JUST HAPPENED – Robert De Niro als Filmproduzent Ben zwischen den Stühlen – und zwar auf allen Ebenen: Der junge Regisseur Jeremy sorgt mit seinem Erstlingswerk beim Testscreening für Aufsehen, will aber den Film nicht umschneiden. Ben unterstützt ihn zwar, ihm sitzt aber Studiobossin Lou im Nacken, die den Film unbedingt nach Cannes bringen will. Und zwar so, wie sie ihn haben will. Bruce Willis hingegen trägt in WHAT JUST HAPPENED Vollbart und will sich diesen partout nicht abrasieren. Ben hat nicht nur Troubles mit seinen Stars, auch seine Exfrau, mit der er wieder zusammen kommen will, hat ein neues Verhältnis angefangen, was Ben selbstverständlich überhaupt nicht passt...

kvv-tag1-02.jpgEigentlich schade: Robert de Niro sieht man immer nur in Comedyrollen oder als Mafiascherge. Hier bekommt er die Möglichkeit, mal „was anderes“ zu machen. Stellenweise gelingt der Film recht gut, auf der anderen Seite gibt’s auch hier wieder jede Menge Comedy – manchmal recht unpassend und man merkt schnell, dass Herr de Niro wieder nichts neues macht, aber man ihm trotzdem gerne zusieht. WHAT JUST HAPPENED erinnert nicht nur frappant an WAG THE DOG, sondern sollte mit seinen zahllosen Anspielungen eine Hollywoodsatire werden. Wirklich funktionieren kann das aufgrund der Oberflächlichkeit des Drehbuchs und der Charaktere eher nicht. Schade, denn gerade in diesem Thema wäre mehr drin gewesen, als sich dann dennoch bloß dem Mainstream anzubiedern.

Übrigens, der große Saal des Hotel Thermal, in dem die Vorführung stattfand, ist nicht nur ein stilistisch sehr schön anzusehender Kinosaal, sondern bietet neben einer bombastischen Soundanlage auch Sitze mit Kopflehnen. Wunderbar...

2:16 Uhr – ich räume das Feld!

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