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Dominik Graf gilt unter zahlreichen Filmemachern und Kritikern als einer der wichtigsten deutschen Regisseure der Gegenwart. Er wird geradezu als Auteur des Genrekinos gefeiert, obwohl sich die meisten seiner Arbeiten eher im Fernsehen, als auf der großen Leinwand wiederfinden. Man kann also fast von einer doppelten Überraschung sprechen wenn man sich seine neueste Arbeit Die geliebten Schwestern vor Augen führt, die Graf nicht nur zurück ins Kino führt, sondern den Meister des Polizeithrillers, und Versteher des Verbrechermilieus von einer gänzlich anderen Seite zeigt.

Die geliebten Schwestern erzählt vom jungen Dichter Friedrich Schiller. Auf Einladung der in ihn verliebten Caroline von Beulwitz verbringt er den Sommer in Rudolstadt an der Saale, wo er erkennen muss, dass nicht nur Caroline, sondern auch ihre Schwester Charlotte von Lengefeld in ihn verliebt ist. Bald schon entsteht eine flammende Dreiecksbeziehung zwischen den Dreien, die sie jedoch nicht in aller Öffentlichkeit ausleben können, sodass sich die bereits verheiratete Caroline dazu entschließt das Verhältnis zu beenden...

Die Geschichte an sich klingt nicht unbedingt nach einem überraschenden Film, aber Domink Graf wäre nicht ein solcher Auteur, wenn er dem bekannten Szenario der Dreieicksgeschichte nicht einige unerwartete Zwischentöne abgewinnen würde. Besonders durch sein geschicktes Spiel mit der deutschen Sprache an sich fügt er seinem Film eine weitere Ebene hinzu und schafft es so einem an sich gewöhlichen biographischen Stoff viel Tiefe und Charakter zu geben.

Graf macht auch nicht den Fehler in Ehrfurcht vor dem großen Friedrich Schiller zu verfallen, sondern erdet seinen legendären Dichter indem er ihm zum Beispiel abgetragene Sachen anzieht und eine alles andere als überlegene Erscheinung mitgibt. Die wahre Geschichte des Dichters lässt die im Film geschilderte Dreiecksbeziehung übrigens nur in Ansätzen erahnen, beglaubigt überliefert ist allerdings nichts davon, sodass Dominik Graf auch die nötige Freiheiten in der Erzählung besitzt um den Stoff dem Kino selbst zu überlassen, ohne allzu sehr von der roten Linie der echten Biographie gebremst zu werden. Und hier ist Graf auch wieder völlig in seinem Element angelangt: Denn er ist ein Meister der filmischen Sprache und darin Möglichkeiten zu finden Themen in Form von bewegten Bilder aufzuarbeiten - und was wäre dann naheliegender als die menschliche Sprache selbst zum Thema eines solchen fachlichen Diskurses werden zu lassen?

Die geliebten Schwestern ist am 31.07.2014 in den deutschen Kinos gestartet. In Österreich ist derzeit ein Starttermin für 31.10.2014 geplant. Dieser Beitrag wude unterstüzt von epd-film.de.

Die geliebten Schwestern (2014)
Filmering.at: 5/10
Community: 6/10

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