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Round-table Interview mit Joseph Kosinski zu Oblivion
Von: Marlene Blenig

Q: Wie oft hast du „2001“ gesehen?

Mit Sicherheit 30 – 40 Mal. Ich weiß nicht, aber ich denke das ist einer der großartigsten Filme der jemals gemacht wurde und einer meiner persönlichen Favoriten.
Was ich an Kubrik so liebe ist, dass es bei ihm immer mit einer großen Idee beginnt. Das macht seine Filme aus.
„2001“ stellt für mich einen Film voller Ideen dar, und so etwas wollte ich hier auch machen. Oblivion ist ein sehr charaktergesteuerter Film, aber mit einigen großen Ideen dahinter.

Q: Wann und warum wurde dein Interesse für Science- Fiction geweckt?

Naja, ich wuchs in den späten 1970er und 80er auf, und „Star Wars“  war gerade sehr groß draußen, oder „Blade Runner“, “E.T.“ und „Zurück in die Zukunft...- ich meine, das waren die Filme mit, denen ich aufgewachsen bin...
Und irgendwie glaube ich, Science-Fiction erlaubt es einem, Geschichten auf neue Art zu erzählen. Man kann die Zuseher überraschen und sie herausfordern, - also ihr Herz und ihre Gedankenwelt, kurz gesagt - ihre Augen zum Leuchten bringen! Es ist ein Genre ohne Limits, - ein Genre, das ich einfach liebe und ich bin glücklich darüber, bereits zwei solcher Filme gemacht zu haben.

Q: Kannst du etwas über den Prozess erzählen, wie solche Zukunftsvisionen und Welten entstehen?

Das ist eine sehr instinktive Sache, die ersten Ideen zu der Welt von Oblivion kamen mir schon vor ein paar Jahren. Ich habe Science-Fiction für eine so lange Zeit als so dunkel empfunden und war der Ansicht, es könnte eine tolle, abwechslungsreiche Sache sein, wenn man den Sci-Fi- Film wieder ans Tageslicht bringt. Und dann habe ich einige Bilder von Island gesehen und begonnen mir vorzustellen wie es wäre, wenn man die Technik der Zukunft, dieser einzigartigen Landschaft entgegensetzt. Das fühlte sich für mich neu an und ich dachte es könnte sehr spannend sein, diese Geschichte rund um Jack Harper, in dieses Szenario zu setzen. Und diese Elemente nutzte ich schließlich, um Tom an Bord zu bekommen und den Film  verwirklichen zu können.

Q: Und du hast dich damit auseinandergesetzt, was in 20 Jahren wirklich möglich sein könnte?

Ja, auf jeden Fall, ich habe mich während dem Prozess mit einer Reihe von Wissenschaftlern getroffen, einige wirklich gescheite Leute, und habe mit ihnen alle Konzepte des Films ausdiskutiert. Von der Zerstörung des Mondes und dessen Auswirkungen auf die Erde, über die Idee Energie aus dem Meerwasser zu gewinnen (auch eine sehr reale Sache) bis hin zur Technologie von Jack´s Bubbleship oder dem Motorrad. Es war mir einfach wichtig, dass diese Dinge wissenschaftlich fundiert sind. Ich denke, der Zuschauer hat dann die Chance alles zu verstehen und nachzuvollziehen, auch wenn nicht alles erklärt wird. Man fühlt einfach, ob der Film von Leuten gemacht wurde, die wirklich Ahnung haben.

Q: Du hast ja sogar auf Vulkanen gedreht, wie hast du diese tollen Landschaften gefunden?

Ja, das mit dem Vulkan ist entstanden, als ich mit meiner Familie eine Woche auf Hawai war. Wir fuhren auf einen Vulkan hinauf, und als wir oben über den Wolken standen, habe ich erkannt, dass das die Welt vom Skytower ist. Und anstatt alles mit Bluescreen zu machen, kam mir die Idee, das hier mit Kameras zu filmen und dann um das Set und die Schauspieler zu projizieren. So endet das Ganze nicht in einen Bluescreenfilm und man kann die Lichtreflexion dazu nutzen, die Schauspieler zu beleuchten, was dem Ganzen eine einzigartige Qualität verleiht. Man hat nicht das Gefühl in einem Bluescreenfilm zu sitzen, und ich bin sehr Stolz auf diese Technik des Films.

Q: Hast du das Bubbleship erfunden?

Also das war eine Idee, die ich von Anfang an hatte. Ich wollte einen Helikopter mit einem Kampfflugzeug kreuzen. Aber die wirkliche Inspiration diese Blase vorne zu kreieren, war, dass ich sicher gehen wollte, dass das Publikum alles sehen kann, was Jack sieht. Darum wollte ich es sehr offen gestalten. Und es gibt tatsächlich einen Helikopter der im Museum für moderne Kunst in New York hängt, welcher dem Bubbleship sehr ähnelt, - er wurde aber schon vor 70 Jahren gebaut.

Q: Was war die größte Herausforderung bei der Umsetzung des Projektes, aus der graphic-novelle einen Film zu machen?

Also die wirklich größte Herausforderung beim Filmemachen ist es, ein Studio zu finden die „Ja“ dazu sagen. (lacht) Es werden jährlich so viele Drehbücher geschrieben...,-  also hier jemanden zu kriegen der es tatsächlich machen will, war das Schwierigste. Natürlich steht man während des Drehs auch vor Herausforderungen, aber das Ganze erst einmal ins Rollen zu bekommen war das Härteste an der Sache.

Q: Es ist sehr interessant Tom Cruise mit Morgan Freeman im selben Film agieren zu sehen, - war es schwierig die beiden zu bekommen?

Ja, da stimme ich völlig zu! Meine Lieblingsszenen im Film sind die, in denen man die beiden zusammen sieht. Ich meine, zwei Ikonen, - beide unglaubliche Schauspieler, die schon lange auf das richtige Projekt gewartet haben, um einmal zusammen drehen zu können. - Und dieses Projekt sollte schließlich Oblivion sein, das ist wirklich toll! Tom hab ich bekommen, indem ich ihm die Story vorgebracht habe, und Morgan wurde das Drehbuch gesendet und selbstverständlich dazu gesagt, dass Tom dabei ist. Dann hat sich alles wunderbar zusammengefügt, und Tom und ich waren begeistert Morgan dabei zu haben.

Q: Wenn du Tron und Oblivion miteinander vergleichst, - was waren die größten Unterschiede?

Tron spielt in einer Computerwelt, und deshalb gibt es kaum Outside-sets wie bei Oblivion. Das ist der größte Unterschied, und Oblivion war zwar von beiden die größere Herausforderung, hat aber viel mehr Spaß gemacht. Die Tatsache, auf der Spitze eines Berges zu stehen –gemeinsam mit Tom, und das irgendwo in Island, war eine tolle Erfahrung und das habe ich mir als Regisseur immer so erträumt. Und bei einem Film wie Tron ist klar, dass sich vieles drinnen abspielt... aber mal sehen, vielleicht wird das Tron-sequel ja ein bisschen mehr so wie Oblivion. (lacht)

Q: Du hattest für die weibliche Hauptrolle die Auswahl einer Menge toller Schauspielerinnen, warum hast du dich schließlich für Olga Kurylenko entschieden?

Ja, ich würde sagen, das war einfach eine Sache der Chemie. Manche Dinge muss man mit dem Gefühl entscheiden. Als ich Tom und Olga zusammen am Bildschirm gesehen hatte, fühlte es sich einfach nach Jack und Julia an, ich weiß nicht wie ich es besser beschreiben könnte. - Denn wie du gesagt hast, waren lauter großartige Schauspielerinnen im Gespräch, aber es war dann schlussendlich Olgas einzigartige Kombination aus innerer Stärker und klassischer Schönheit, die sie für die Rolle perfekt machte.

Q: Warum hast du dich entschieden, auf 3D zu verzichten, ich meine - alles ist  doch mittlerweile in 3D?

Ja, ich weiß, ich weiß. Ich habe Tron mit 3D-Kameras gedreht und bin mir bewusst, welche Vor- und Nachteile das mit sich bringt. Die Grenzen von 3D gehen dahin, dass die Beleuchtung der Bilder nicht gleichermaßen erreicht werden kann. Die Beleuchtungsgröße wird in Foot Lambert gemessen. Ein 2D Film hat 14 fl, was ein nettes, helles, farbenreiches Bild gibt, - 3D hingegen bewegt sich im Moment aufgrund der Technik bei 4 fL. Das war mir für einen Daylight-Sci-Fi-Film der vorwiegend in Island gedreht wurde nicht hell genug, das wäre es mir nicht wert gewesen. Es wird aber  derzeit an einer neuen Technologie gearbeitet, die 3D heller machen soll, und wenn diese erscheint, werde ich vielleicht wieder darauf zurückkommen.

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