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Cineplexx - Kalkulierte Fehlleistungen und Qualitätsmängel

The Dark Knight Rises ist der wohl meisterwartetste Film des Kinojahres. Viele freuen sich seit Wochen, Monaten, Jahren, auf den Abschluss von Christopher Nolans Batman Saga und für viele wird es der einzige, oder einer von wenigen Kinobesuchen des Jahres sein. Das heißt auch, jedes Kino hat eine mehrfache Verantwortung zu tragen: Zu allererst gegenüber den zahlenden Kunden, die ein Recht darauf haben den gewählten Film in der bestmöglichen Qualität zu sehen. Das Kino trägt aber auch eine Verantwortung gegenüber der gesamten Kinoindustrie, denn wenn jemand nur einmal pro Jahr ins Kino geht und diese Vorstellung nicht den Qualitätsstandards entspricht, wird dieser Kunde weder angehalten sein mehr Kinobesuche zu planen, noch wird er postives über den Erlebnisort Kino zu berichten haben. Und dann hätte man auch noch eine Verantwortung gegenüber dem Filmverleih und der Produktionsfirma: Denn eine schlechte Kinoqualität wird von weniger fachkundigen Zusehern vielleicht gar dem Film zugeschrieben, was zu schlechter Mundpropaganda und in weiterer Folge auch einbrechenden Einspielzahlen führen kann.

Ich selbst besuche an die 200 Kinovorstellungen pro Jahr - der Spaß an der Sache wurde dadurch nie geschmälert, aber natürlich ist die Wahrscheinlichkeit von technischen Gebrechen heimgesucht zu werden deutlich höher. Und ich habe quasi alles erlebt was technisch möglich ist: Tonprobleme, Bildprobleme, Formatprobleme, verlorene Access-Keys für digitale Kopien, gerissene Filme, falsch zusammengeklebte Filme (sodass der Abspann schon einmal mitten im Film zu sehen war), usw. - aber eines gab es bis jetzt immer: Eine sofortige Entschuldigung, eine Klarstellung, eine eindeutige Information und vor allem Geld zurück (sofern es sich nicht um eine Pressevorstellung handelte). Also eigentlich die völlig normale Praktik wie man es sich auch erwarten würde. Aber zumindest in den Cineplexx Kinos scheint diese Praktik durch kalkuliertes Verschleiern und Totschweigen von offensichtlichen technischen Gebrechen ersetzt worden zu sein.

Gestern Abend, ein Cineplexx Kino in Österreich: Die Kinozuseher warteten gebannt auf den Beginn von The Dark Knight Rises. Doch schon bald wurde klar, dass etwas sehr merkwürdig wirkte: Während die Musik, die Toneffekte und selbst Bösewicht Bane in normaler Lautstärke aus den Boxen drangen, waren alle Dialoge auf Grund fehlender Lautstärke und eines seltsam ausgedünnten Klangs, kaum zu vernehmen. Das etwas nicht stimmt, merkte jeder, aber zu artikulieren was es genau war fiel den meisten schwer. Viele dachten wohl auch einfach, dass es am Film liegt und nicht am Kino. Also hastete ich direkt nach Vorstellungsbeginn auf den Gang um einen Cineplexx-Angestellten darüber zu informieren. Dieser gab sich zunächst verwundert, ging in den Saal und drehte die allgemeine Lautstärke weiter auf, was dazu führte, dass die Dialoge proportional zu den Toneffekten noch leiser wurden.

Kurze Zeit später erfuhr ich, dass der werte Herr ganz genau wusste was das Problem ist und nur um mich zu beruhigen etwas an den Knöpfen spielte. Doch an der Tatsache, dass der Film in einem nicht konsumierbaren Zustand gezeigt wurde und eigentlich kein einziger Moment so funktionierte, wie es sein sollte, änderte dieses Spiel freilich wenig. Nach neuerem Hinweis, dass der Ton immer noch nicht tragbar ist, wurde ich an die Vorgesetzte verwiesen. Und diese Dame erklärte mir ganz genau was das Problem ist (und nebenbei wie die Qualitätssicherung in Cineplexx Kinos funktioniert): Die Tonanlage ist seit einem Tag defekt und nachdem dies an die Cineplexxzentrale durchgegeben wurde, hat diese den Befehl zurückgegeben den Saal trotz bekannter Mängel weiter zu bespielen. Die Kinobesucher wurden freilich nicht informiert.

Empört wies ich die Dame darauf hin, dass diese Abzocke ein Betrug am eigenen Kunden ist und der Film in dieser Form nicht vorführfähig ist. Sie stimmte mir zu, erwiderte aber, dass sie daran nichts ändern kann, worauf ich ihr nahelegte zumindest die Besucher jetzt noch darüber aufzuklären, dass der Film nicht in seiner eigentlichen Qualität gezeigt werden kann und ihnen eine Entschädigung anzubieten - auch das schien zunächst nicht möglich, stattdessen bot man mir an, dass ich und meine Begleitung das Geld zurück bekommen könnten und den Film weitersehen können. Nach weiterer empörter Reaktion, dass diese Praktiken eine Frechheit sind und es mir nicht darum geht, dass ich mein Geld zurückbekomme, sondern darum alle die in dem Saal sitzen entsprechend zu entschädigen, herrschte eine kurze Ratlosigkeit bei der Dame.

Knapp 20 Minuten später (wohl nach intensiver Rücksprache mit der Zentrale) entschloss sie sich doch noch den Film anzuhalten und alle Zuseher über den Status aufzuklären (freilich nicht darüber, dass das Problem seit dem Vortag bekannt war und man es bewusst in Kauf genommen hat in der Hoffnung, dass sich schon niemand beschweren würde). Als Entschädigung gab es für alle Besucher einen Cineplexx Gutschein für einen Kinofilm ihrer Wahl - ein fairer Zug, doch da ich (wie viele andere) an dieser Stelle den Film verließ (ich wollte nur noch abwarten ob die Zuseher eine Information und Entschädigung erhalten würden) und noch einmal das Gespräch suchte, erfuhr ich folgendes: Der Saal wurde bereits den ganzen Tag lang bespielt (The Dark Knight Rises begann um 22:00 Uhr) und für alle anderen Vorstellungen gab es keine Freikarten, Entschädigungen oder Klarstellungen. Aber dafür hat man laut eigenen Worten “eh schlechtere Filme gezeigt”.

Was kann man also daraus lernen: In Cineplexx Kinos nimmt man grobe technische Mängel einfach in Kauf, informiert die Kunden nicht und wenn man nicht gerade einen Vertreter der Presse im Saal sitzen hat, gibt es weder eine Klarstellung, noch eine Entschädigung. Man verlangt munter weiter Digtialaufschlag und Überlängenzuschlag, im vollen Bewusstsein, dass man den eigenen Kunden nicht die notwenige Qualität bieten kann. Kurz: Bei Cineplexx bedeutet das Kinoerlebnis des Kunden nichts, die Qualität wird hinten angestellt und man muss jederzeit damit rechnen in einem defekten Kinosaal zu sitzen (denn selbst bei Bekanntwerden des Problems wird der Saal weiter bespielt). Als Filmfan bleibt also nur die Möglichkeit auf andere Kinos auszuweichen - eine solche Praktik ist mir jedenfalls noch nirgendwo sonst begegnet.
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