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Was erwartet uns in The Dark Knight Rises? Eine Antwort anhand Christopher Nolans Filmbiographie!

Am 27.07.2012 ist es endlich soweit. Das Warten hat ein Ende und Christopher Nolans The Dark Knight Rises kommt in die Kinos. Zahlreiche Lichtspielhäuser haben bereits mit dem Vorverkauf begonnen. Sogar Triple Feature (Batman Begins-The Dark Knight-The Dark Knight Rises) werden angeboten. Der Batman-Hype war noch nie größer. Nolans neuester Film zählt demzufolge zu den Most Wanted-Filmen des Jahres 2012. Doch wieso freuen sich die Massen so sehr auf den neuen Film von Christopher Nolan? Welche Vorarbeit hat der fast 42-jährige, britisch-US-amerikanische Filmemacher bis dato geleistet, um von den Filmfans diese enorme Aufmerksamkeit zu erhalten? Was erwartet uns nun in The Dark Knight Rises? Um diese Fragen zu beantworten möchten wir euch im Folgenden Nolans Filmbiographie vorstellen.

Eins steht fest: Chris Nolan ist ein meisterhafter Filmemacher. Er hat seine eigene Art Filme und Charaktere darzustellen. Aufgrund dieser Inszenierungsart sind seine Filme unverwechselbar und ergreifend. Er verändert die Erzählzeit und spielt vor allem mit der Aufmerksamkeit des Zuschauers. Dieses so genannte Mind-Fucking ist ein wichtiges Merkmal seiner Filme. In seinem Frühwerk Following (1998) verknüpfte er dieses Merkmal mit Film Noir-Elementen und gab diese Zusammenlegung in einem Schwarz-Weiß-Bild wieder. Aufmerksam muss der Zuseher beim Betrachten des Films die verschiedenen Szenen innerlich auf eine Zeitleiste legen, um die Handlung nachvollziehen zu können. Ein raffinierter Twist verleiht dem Film die fehlende Note. Bereits mit seinem ersten Drehbuch und Regiewerk bewies Nolan, dass großes Potenzial in ihm steckt, doch die Aufmerksamkeit konnte er erst mit dem Independent-Kultfilm Memento auf sich ziehen.

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Nolan spielt folglich gerne mit dem Bewusstsein des Zuschauers, wieso also nicht auch mit dem Bewusstsein des Hauptdarstellers spielen, um somit das Publikum noch mehr zu verwirren!? Mit Memento (2000) ist Nolan ein Geniestreich gelungen. Selbst nach mehrmaligem Ansehen fällt Einem ein neues Detail, ein neuer Hinweis auf, der für das Verstehen der Handlung wichtig sein könnte. Komplex wird es erst durch die Verwendung von Pro- und Analepse. Der Film läuft damit abwechselnd rückwärts und vorwärts und sorgt damit für ständige Verwirrung beim Zuschauer, sodass sich dieser sehr gut in die Hauptperson, Leonard Shelby, grandios von Guy Pearce gespielt, der ständig vergisst, was ihm vor Kurzem zugestoßen ist, einfühlen kann. Wer an Nolans Regiedebüt Gefallen gefunden hat, wird an diesem Film Noir großen Spaß am Rätseln haben. In die Kinos konnte der Film damals nicht viele Zuseher locken. Mit einem Einspielergebnis in Höhe von $39 Mio blieb der kommerzielle Erfolg des Regisseurs noch aus.

Mit Al Pacino, Robin Williams und Hilary Swank an Board stiegen 2002 die Box Office-Zahlen. Im Thriller Insomnia stellt Nolan das Duell zweier Mörder dar. Der Jäger wird hier zum Gejagten und umgekehrt. Diese Form konnte bereits in Memento und Following beobachtet werden. Hier stellt der Filmemacher zum ersten Mal die duellierenden Charaktere in den Vordergrund. Zudem wird der Handlungsort, Alaska – hier in Form eines dritten Hauptcharakters - als helle, menschenleere und eisige Kulisse in die Handlung stilistisch mit einbezogen. Diese Licht-durchflutenden Bilder sind untypisch für einen Thriller und vor allem neu für den Zuschauer, der bisher dunkle Film Noir-Elemente vom Regisseur gewöhnt war. Ferner führt der unmoralischen Antiheld mit seinen „schlaflosen“ Schuldgefühlen durch den Film. Die Illusionen, welche den Antihelden plagen, bilden in Insomnia das Verwirrspiel, mit dem Nolan das Publikum an der Nase herumführt. Diese Illusionen spielen 2005 in der Batman-Neuinterpretation eine größere Rolle.

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Fassen wir einmal zusammen: Die Zutaten, die Nolan bisher für seine großartigen Filme verwendete sind Bewusstseinsstörungen, Duelle, in denen die Teilnehmer die Rollen wechseln, Film Noir-Elemente, einen nicht-linearen Handlungsablauf und hervorragende Schauspieler. Fügt man nun noch einen Superhelden hinzu entsteht Batman Begins. Die korrupte Stadt Gotham in Verbindung mit der Hoffnungslosigkeit und Angst erfüllen die Elemente des Handlungsortes eines klassischen Film Noir. Bruce Wayne (Christian Bale), der ein schweres Kindheitstrauma erlebt hat, befindet sich in einer ausweglosen Situation. Im Duell gegen Ra’s Al Ghul stellt er sich seiner Angst und erhebt sich vom Rest der Gesellschaft zum Schwarzen Ritter und Retter Gothams. Darüber hinaus machen Christian Bale, Michael Caine, Liam Neeson, Cilian Murphy, Gary Oldman, Morgan Freeman und Ken Watanabe den größten Teil seiner Besetzung aus. In seinen weiteren Filmen beweist der Filmemacher, dass er diese Schauspieler besonders schätzt.

Bereits in Prestige – Die Meister der Magie (2006) arbeitete er erneut zusammen mit Christian Bale und Michael Caine. Hinzu kamen Hugh Jackman, Scarlett Johansson und Rebecca Hall. Das Drehbuch verfasste der Filmemacher gemeinsam mit seinem Bruder Jonathan Nolan. Dem Wunderkind ist weiters mit dem Fantasy-Drama ein weiterer komplexer Film gelungen, der als essentieller Baustein für die Entstehung vom Meisterwerk Inception angesehen werden kann. Denn schon hier zeigte uns der Filmemacher wie das Medium Film funktioniert. Das Ganze verschleierte er mit viel Magie und mit dem Duell der Magier. Der finale Twist verändert zudem die komplette Handlung des Films, sodass ähnlich wie bei Memento beim zweiten Betrachten die Handlung anders wahrgenommen wird. Demzufolge verlangt dieser Film die Aufmerksamkeit des Zuschauers, um nach der Auflösung des Geheimnisses des Magiers die verschiedenen Handlungsstränge zu verknüpfen und somit die Ambiguität des Titelhelden zu verstehen.

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Nach den Kräften der Magier befasste sich Christopher Nolan mit den mentalen Problemen eines Chaoten. In The Dark Knight führte er die Geschichte aus Batman Begins weiter. Der Superheld mit Schwächen erhielt in diesem Blockbuster einen mentalen Gegner, den legendären Joker (Heath Ledger). Wie in den restlichen Filmen des Regisseurs wird der Jäger hier wieder zum gejagten und umgekehrt. Dabei spielt auch Harvey Dent / Two Face (Aaron Eckhart) eine wichtige Rolle. Das grandiose Zusammenspiel zwischen den Darstellern und das psychische Spiel, das Nolan in The Dark Knight mit den Charakteren und zugleich mit den Filmfans spielt, sowie die harte Gesellschaftskritik, machen diesen düsteren Superhelden-Film zum Must-See. Erneut verknüpft Nolan in diesem Werk Film Noir Elemente mit einer komplexen und actiongeladenen Handlung. 2008 übertraf dieser Film die Erwartungen des Filmstudios Warner Bros. indem er ca $158 Mio in den USA in der ersten Kinowoche an den Kinokassen einnahm. Weltweit setzte The Dark Knight $1.001 Millionen um – damals der erfolgreichste Superheldenfilm, als auch der erfolgreichste Kinostart aller Zeiten. Nun haben die Avengers beide Rekorde des schwarzen Ritters gebrochen.  

Nach The Dark Knight dachten viele, dass Christopher Nolan am Gipfel seines Schaffens angelangt sei. Doch Nolan gibt sich mit Lob anscheinend nicht zufrieden, denn 2010 legte er mit Inception noch einen drauf. Die Handlung seines Science-Fiction-Thrillers ist aufgrund seiner inhaltlich strukturellen Allumfassbarkeit nur schwer zu durchdringen. Der in mehreren Erzähl- bzw. Traumebenen gegebene Plot handelt um die Einpflanzung einer Idee in das Gehirn eines Teilnehmers während seines Traums. Dieser Vorgang wird Inception genannt. Christopher Nolan betreibt Inception beim Zuschauer selbst, da jeder Zuseher seine eigene, unvergleichliche emotionale, individuelle und intellektuelle Reise durchmacht, obwohl ein Millionenpublikum die gleiche Handlung verfolgt, in die er seine durch und durch persönliche Interpretation der in Inception behandelten Themenstränge hineinprojiziert. Nolan präsentiert uns also einen Traum in einem Traum usw, also einen Film in einem Film, der uns zeigt unter welchen Vorraussetzungen ein Film funktioniert, sodass Nolans Gedanke aus Prestige hier auf die Spitze getrieben wird. Das Drehbuch, das Chris Nolan selbst verfasste ist schwer zu durchdringen. Dazu kommt die Film-Semiotik, die viel Raum für Interpretation offen lässt. Diese Komplexität wurde jedoch nicht nur gelobt, sondern auch von einigen Zuschauern stark kritisiert. Der Film erkläre viel zu lange, hieß es. Dies beweist allerdings erneut die These, dass Nolans Filme eine große Aufmerksamkeit des Zusehers verlangen und somit dem Mainstreamkino entgegensteuern. Denn sogar dies behaupten einige Filmliebhaber über den Regisseur. Inception ist also nicht nur Christopher Nolans bislang anspruchsvollster Film, sondern für viele auch sein bestes Werk. Er verknüpft Elemente aus Prestige oder Memento mit der Spannung und der imposanten Bildgewalt von The Dark Knight.

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Diese exzellente Filmbiographie lässt die Erwartungen der Filmfans ins unermessliche steigen. Die Werke von Nolan zeigten bisher, das stets eine Steigerung vorhanden ist. Doch die Aufnahme von Catwoman (Anne Hathaway) in die Filmhandlung lässt manche skeptisch werden. Neben den bekannten Gesichtern Michael Caine, Christian Bale, Morgan Freeman, Cilian Murphy und Liam Neeson, aus den vorherigen Batman-Teilen, hat Nolan Tom Hardy als Bane, den großen und physischen Gegner von Batman, sowie zwei Darstellern aus Inception, Marion Cotillard als Miranda Tate, die neue Love Interest von Bruce Wayne und Joseph Gordon-Levitt als Cop, hinzugefügt. Die Anzahl der Charaktere kann damit auch zum Minuspunkt werden. Allerdings hat Nolan seinen Figuren bisher stets den Freiraum gewährt, den sie brauchten, um sich zu entfalten. Die Laufzeit des Films spricht auch dafür. The Dark Knight Rises ist mit 164 Minuten, davon ca. 60 Minuten IMAX-Material, der bis dato längste Film des Filmemachers.

Des Weiteren bleibt die Frage offen, ob Batman im Finale stirbt. Bisher versagten in Nolans Filmen die Protagonisten an ihrem Vorhaben am Ende. Achtung Spoiler: Beispielsweise bleibt Leonard Shelby in Memento weiterhin in seinem niemals endenden Labyrinth stecken. Weiters geht Will Dormer in Insomnia an seinen Schuldgefühlen zu Grunde und wird festgenommen. Zudem wird der endlose Aufenthalt im Limbus von Dom Cobb in Inception am Ende angedeutet. Ein Happy End sollte man demnach im Batman-Finale nicht erwarten. In Anbetracht der Kino-Trailer sollte jedoch nicht der Tod Batmans, sondern der Untergang von Gotham City erwartet werden. Die düstere Architektur aus The Dark Knight wird dort mit der zusammenbrechenden Architektur aus Inception verbunden. Dies zeigen auch die Poster, in denen Batman beziehungsweise sein Fledermaus-Kennzeichen in der zusammenfallenden Stadt Gotham gezeigt wird. Die zerbrochene Maske des Helden auf dem zweiten Poster deutet auf die endgültige Enthüllung seiner Identität hin.

Fans fürchten ferner, dass der neue Antagonist Bane dem Joker nicht das Wasser reichen kann. Aus diesem Grund hat Nolan im finalen Teil einen körperlichen Gegner und keinen mentalen Feind für Bruce Wayne / Batman ausgesucht. Die Maske, die Bane trägt verdeutlicht dies. Tom Hardys Gesicht wird demnach im Verlauf des Films mehr oder weniger verdeckt sein, sodass seine Mimik dadurch eingeschränkt wird. Der Fokus liegt daraufhin auf die Kraft und den Körper des Charakters, der als skrupellos beschrieben wird.

Schließlich ist eins sicher: Ende Juli 2012 erwartet uns ein actiongeladener, komplexer Film mit Film Noir-Elementen und einem abschließenden Duell der Extraklasse. Denn nach seinem Werk Inception, das sich voll und ganz auf das Bewusstsein konzentrierte, könnte sich Nolan nun auf den Kampf zwischen gut und böse spezialisiert haben. Als Nolan- und Film-Fan sollte man sich ansonsten keine großen Gedanken über die Qualität des Films machen, denn beim Betrachten der bisherigen Filmbiographie des Regisseurs wird klar, dass ein wunderbarer Film in den Kinos auf uns wartet. Schließlich muss das Meisterwerk The Dark Knight auch nicht übertroffen werden, möglich ist dies dennoch…

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Kommentare

Hriss Zagoudiss Avatar
20.07.2012 22:43 Uhr
Danke für das positive Feedback! Freut mich, dass euch das Special gefällt! :-)
The Dark Knights Avatar
16.07.2012 12:15 Uhr
Kann mich nur anschließen: Schönes Special!
Flakusans Avatar
16.07.2012 11:51 Uhr
Super geschrieben und sehr informativ. Weiter so!
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