LissiUndDerWildeKaiser_poster_1.jpgIn Zusammenarbeit mit Constantin Film, können wir Euch Interviews mit Michael "Bully" Herbig, Rick Kavanian und Christian Tramitz, zu ihrem neusten Film Lissi und der wilde Kaiser präsentieren. Nach Der Schuh des Manitu und (T)Raumschiff Surprise schließt Bully nun endgültig mit seiner Bullyparade ab, aus der alle drei Kinofilme von ihm inspiriert wurden. Hinzu kommt dass Lissi und der wilde Kaiser sein erster Animationsfilm geworden ist. Der Film wird am 25.10.2007 in unsere Kinos kommen! (Zum Film)


Diese Interviews wurden uns von Constantin Film zur Verfügung gestellt!


Interview mit Michael Bully Herbig


Hast Du Dich bei Deinen früheren Filmen einmal zu oft über die Schauspieler geärgert? Oder wie sonst kam es zu der Idee, „Lissi und der wilde Kaiser" als Animationsfilm zu drehen?


Naja, nach dem demokratisch gewählten Film „(T)Rraumschiff Surprise - Periode 1" haben mich immer wieder Leute angesprochen und gesagt: „Mei, die Lissi hätten wir aber auch sehr gern gesehen!" Und ich dachte nur, mit fast 40 kann ich mich doch nicht mehr in dieses enge Sissi-Kostüm zwängen und diese Perücke aufsetzen, die sich wie ein Klotz Beton auf dem Kopf anfühlt. Ein Drehtag mit dem Ding ist die Hölle!

Aus diesem Grund kam ich dann auf die Idee, endlich den Animationsfilm zu machen, den ich seit gut 30 Jahren im Kopf hatte. Mein erster Film, den ich mit ungefähr 10 begonnen habe, sollte nämlich ein Animationsfilm werden. Ich habe mich damals in den Ferien auch wirklich hingesetzt, während draußen die Sonne schien und die anderen Kinder Fußball spielten, und habe begonnen, die ersten Bilder zu malen. Bis ich dann feststellte, dass man für eine Sekunde Film 24 Bilder braucht und mir auch irgendwann die Stifte ausgegangen sind. Deshalb habe ich das Projekt damals für rund 30 Jahre auf Eis gelegt. Jetzt wird dieser Traum wahr. Und gleichzeitig habe ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Ich habe meinen Animationsfilm und die Leute bekommen „Lissi", ohne dass ich mit der Perücke kämpfen muss.


Damit können wir also den bösen Verdacht entkräften, Du wolltest ganz einfach Liebesszenen mit Christian Tramitz vermeiden?


Natürlich werden die Leute nach jedem denkbaren Grund fragen, warum ich die Lissi nicht leibhaftig gespielt habe. Für einen kurzen Sketch im Fernsehen hätte ich mir das vielleicht auch noch mal vorstellen können. Aber für einen großen Film auf der großen Leinwand mit schönen Bildern und großen Gefühlen...? Da kann ich in der Rolle einer schönen Frau einfach nicht überzeugen! Und natürlich hatte ich auch Angst vor einer Kussszene mit Christian Tramitz. Das hätten die Leute auch nicht wirklich gern gesehen. Die meisten, zumindest... .


Wann entstand die Idee zu „Lissi", wie viel Arbeits- und Lebenszeit steckt in diesem Projekt?


Die Idee entstand 2004 als, wie gesagt, die Leute meinten, sie würden auch Lissi gern noch als Film sehen. Genau genommen kam sie mir eines Morgens unter der Dusche und ich habe sofort mit mir selbst entschieden: So machen wir's! Im Büro habe ich dann gleich alle zusammengetrommelt und gesagt: Ich weiß jetzt, was wir als nächstes machen. Sissi, als Animationsfilm. Da gab's dann erstmal betretenes Schweigen und diese leicht mitleidig-fragenden Blicke. Die berechtigte Frage war, was Sissi denn 90 Minuten lang machen sollte. Die konnte ja schlecht die ganze Zeit mit Franz im Park herumlaufen. Ich hab´ dann nachgedacht, welche durchgeknallten Charaktere es in der „bullyparade" und in „Bully & Rick" noch gab und mir fiel ganz schnell der Yeti ein. Von diesem Moment an war schon mal klar: Die Sissi wird vom Yeti entführt - und wir hatten unseren Plot.

Bis dahin ging es ganz schnell, der Rest war etwas langwieriger. Mein Co-Autor Alfons Biedermann und ich haben uns dann hingesetzt und haben bis Ende 2004 das Drehbuch geschrieben. Anfang 2005 bin ich schließlich in die Produktion eingestiegen.


Basis des Films sind die kurzen Sissi-Sketche aus der „bullyparade". Wie macht man daraus einen Spielfilm, ohne dass er am Ende eine simple Aneinanderreihung komischer Momente ist?


Während wir an dem Drehbuch gearbeitet haben, mussten wir uns immer wieder daran erinnern, dass wir ja einen Animationsfilm machen wollen und man sich deshalb auch dieser Technik bedienen sollte. Heißt: Wir konnten ein bisschen cartooniger werden. Die Figuren können sich viel schneller bewegen, sie können ganz andere Grimassen ziehen, können sich ganz anders verbiegen. Kein realer Schauspieler - und schon gar nicht Rick Kavanian - könnte beispielsweise längere Zeit in einem 90 Grad Winkel verharren. Wenn man sich das permanent vor dem geistigen Auge vorstellt, kommt man relativ zügig voran.

Auf der anderen Seite wollte ich nicht einfach einen Cartoon-Film machen, sondern eben auch eine Hommage an die Sissi-Filme der 60er Jahre. Deshalb war es mir auch enorm wichtig, dass wir uns an dem Look dieser Filme orientieren, auch wenn wir einen Animationsfilm machen. Bei den Farben beispielsweise, den Kameraeinstellungen und auch den Kamerafahrten. Du kannst ja bei Animationsfilmen mit der Kamera alles machen, sogar durch die Nase in den Kopf fliegen und beim Ohr wieder raus - die Frage ist dann aber, ob das für deinen Film ein Gewinn ist. Wir haben die Möglichkeiten genutzt, wenn es der Geschichte diente. Aber im Grunde sind Einstellungen und Fahrten den realen Sissi-Filmen nachempfunden.


Lissi und Franz sind jedem vertraut, der einmal die „bullyparade" gesehen hat. Ein paar andere Figuren im Film aber sind sicher nur Bully-Fans der allerersten Stunde bekannt. Welche sind das, was gibt es über die zu erzählen?


Die ersten Figuren, die ich mir überhaupt je ausgedacht habe und von denen ich ganz sicher nicht dachte, dass sie es jemals auf die Kinoleinwand schaffen würden, waren Ignaz Huber und Franz Schwaiger. Damals waren das die Bayern-Cops, die „Männer von Isar 3" in einer Hörfunkserie von 1992. Davon habe ich ungefähr 800 Folgen geschrieben und dann mit Rick in der Rolle des Schwaiger gesprochen, später kam noch Christian Tramitz als Walter Wanninger dazu. Ignaz Huber und Franz Schwaiger sind quasi der Urknall von Ignaz und Schwaiger in „Lissi und der wilde Kaiser" und es freut mich wahnsinnig, dass sie im hohen Alter und nach fast 15 Jahren Pause den großen Sprung vom Radio auf die Leinwand geschafft haben.


Die Charaktere im Film brauchen natürlich auch eine Stimme. Wie bist Du auf die Richtigen gekommen, wie castet man beispielsweise einen Yeti?


Bei Lissi, Franz und dem Feldmarschall war es relativ simpel. Die waren ja quasi schon besetzt. Beim Yeti war es etwas anderes. Als die Figur dann auch optisch Gestalt annahm, haben wir lange überlegt, wer darauf passen könnte. Dann horcht man monatelang überall nur noch auf Stimmen. Ich habe ferngesehen, bin ins Kino gegangen... - und habe trotzdem nirgends meinen Yeti gehört. Irgendwann saß ich dann bei der Verleihung des Comedy-Preises - es muss 2005 gewesen sein - und sah auf der Bühne Waldemar Kobus wieder, den ich beim „(T)Rraumschiff" schon für eine ganz kleine Rolle als Ritter besetzt hatte. Neben mir saß Rick und ich hab´ nur gesagt: „Guck mal, das ist er!" Ich habe ihn an dem Abend noch angesprochen und er hat sofort zugesagt, weil er immer schon Lust auf einen Animationsfilm hatte. Ich glaube, mit der Zeit ist der Waldemar dann auch so ein bisschen zum Yeti geworden. Besonders mit den mächtigen Koteletten, die er neuerdings trägt.

Für die Kaiserin Mutter haben wir Gott sei Dank Lotte Ledl gefunden, die ein echter Glücksgriff war. Außerdem war es ganz einfach ein Ritterschlag für den Film, dass eine große Theaterschauspielerin aus Wien diesen Part übernommen hat. Ansonsten haben wir fast alle Rollen selbst übernommen. Christian spricht den Franz und den Schwiegerpapa. Rick spricht den Feldmarschall, König Bussi von Bayern und den Schwaiger. Und ich habe Lissi, Ignaz und den Falthauser übernommen. Einiges, was sonst noch so übrig war, habe ich dann wieder Rick sprechen lassen. Rick ist so was wie die Allzweckwaffe. Der kann alles. Du stellst ihm jemand hin, lässt den einen Satz sprechen und dann kann Rick ihn imitieren. Wenn mir nichts mehr einfällt, rufe ich ihn an und sage: „Mach mir einen russischen Eiskunstläufer". Und er macht das, einfach so. Rick hätte auch ein Eichhörnchen sprechen können, wenn wir denn eins gebraucht hätten. Oder Igel, Autos, Schuhe... - Rick spricht einfach alles.


Amerikanische Animationsfilme haben in der Regel ein 100-Millionen-Dollar-Budget. Du hattest für Deinen Film etwas weniger zur Verfügung - kann er sich trotzdem an großen Hollywood-Produktionen messen?


Das ist eine Frage, die ich selbst ganz schwer beantworten kann. Animationsfilme aus Hollywood sind natürlich wahnsinnig aufwändig gestaltet, mit gigantischen Budgets. Da ist alles animiert, da bewegt sich das Gras im Wind... - manchmal sieht man erst auf den dritten Blick, wo das Geld geblieben ist. Natürlich hat man den Ehrgeiz, auch mit einem kleinen Budget da mitzuhalten. Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, dass letztlich die Geschichte und der Humor die entscheidendere Rolle spielen und ich denke, dass man sich deshalb in unseren Film prima reinziehen lassen kann. Das schönste Kompliment bisher kam von einem Kollegen, der nach fünf Minuten meinte: ich habe völlig vergessen, dass ich in einem Animationsfilm bin. Offensichtlich scheint die Idee aufzugehen, die Figuren stimmig zu gestalten, ihnen Aufgaben und Probleme mit auf den Weg zu geben.


Wo liegen für einen Regisseur die wesentlichen Unterschiede zwischen einem Real- und einem Animationsfilm?


Der entscheidendste Unterschied: Regisseur eines Animationsfilms zu sein ist ein sehr einsamer Job! Du stehst nicht mit Team und Schauspielern im Studio oder irgendwo im Freien am Set und probst und drehst. Stattdessen sitzt du zuerst mal vor einer sehr großen Gruppe von Computer-Spezialisten und erklärst ihnen, was du gerne hättest. Das sind allesamt hochbegabte Künstler, die beispielsweise Kleider und Haare bewegen können oder dir ein Set gestalten. Du kannst ja nicht in den Fundus gehen und sagen: Ich brauche mal einen Sessel. Das musste alles erst gezeichnet, dann im Computer nachgebaut und anschließend bearbeitet werden. Das ist eine ziemlich komplexe Angelegenheit. Ich glaube, nach einem Jahr hatte ich mein virtuelles Set im Computer. Jetzt kannst du die Figuren hinein stellen und erst dann geht das eigentliche Inszenieren und Spielen los. Man bestimmt Kamerafahrten und Brennweiten. Das ist am Anfang ein sehr, sehr zäher Prozess und etwa anderthalb Jahre lang habe ich gedacht: Das wird nie fertig! Doch danach ging es richtig schnell. Dann kamen die Leute, die die Kleider und Frisuren simuliert haben und ein Kameramann, mit dem die Ausleuchtung der einzelnen Szenen bestimmt wurde ... -  das alles hat insgesamt fast drei Jahre gedauert. Und damit haben wir den zweiten großen Unterschied: Als Regisseur brauchst du immer viel Geduld. Aber bei einem Animationsfilm noch unendlich viel mehr, als bei einem Realfilm!


Wie hast Du diese Geduld aufgebracht? Bei einem Realfilm sieht man die Muster eines Drehtags meist schon am Tag danach... .


Mehr noch! Bei einem Realfilm weißt du letztlich schon am Ende des Drehtags, welche Bilder du hast und kannst sie abends im Bett gedanklich schon mal zusammen schneiden. Und wenn eine Einstellung nicht gelungen ist, kannst du sie immer noch kurzfristig nachdrehen. Hier wartest du fast zwei Jahre darauf, den Film in einer frühen Fassung sehen zu können. Hast dann aber auch bereits 80 Prozent deines Budgets verpulvert und deshalb ein echtes Problem, wenn die Bilder nicht aussehen, wie du es dir vorgestellt hattest. Entsprechend glücklich bin ich natürlich, dass „Lissi und der wilde Kaiser" so geworden ist, wie er ist.


Da wir gerade noch einmal beim Stichwort Budget sind: Wie oft musste der Produzent Bully dem Regisseur und Autor Bully eine schöne Idee ausreden, weil sie schlicht und einfach zu teuer geworden wäre?


Eigentlich gar nicht so oft. Nicht etwa, weil wir keine schönen teuren Ideen hatten. Sondern weil wir bereits im Vorfeld abgeklärt haben, wie viele Figuren wir uns „leisten" können und was sie dürfen, oder auch nicht dürfen. Beispielsweise dürfen sie nicht in die Tasche greifen, weil das Animieren solcher Details sehr aufwändig ist. Sie dürfen sich auch nicht die Haare raufen oder kämmen, eine Figur mit Fell, wie unser Yeti, ist unheimlich aufwendig ... - also im Grunde ganz viele kleine Dinge. Wenn man diese Dinge nicht beachten würde, bräuchte man für die Umsetzung so viel Rechnerkapazität, dass man wahrscheinlich die NASA beschäftigen müsste. Das haben wir also schon so weit es ging bei der Entwicklung berücksichtigt. Trotzdem passiert es dir immer noch, dass du den Animatoren etwas vorspielst, was du wahnsinnig komisch findest. Und siehst dann eine Gruppe Menschen, die einfach nur kollektiv den Kopf schütteln. In solchen Momenten kannst du nur ganz schnell sagen: Okay, wir machen es anders.


Gab es zwischendrin Momente in denen Du das mulmige Gefühl hattest, Dir etwas zu viel vorgenommen zu haben?


Nein, so weit ging es nicht. Es war zwar immer aufregend und spannend, aber ich konnte mich auch ganz prima motivieren, wenn ich etwas Neues zu sehen bekam. Als die Storyboards endlich fertig waren, beispielsweise, und damit der erste große Schritt geschafft war. Oder als nach einem halben Jahr das Characterdesign beendet war und diese Tonfiguren, die so genannten Maquettes vor mir standen.


Ganz nebenbei: Der Film hatte ursprünglich den Codenamen „Die Kugel". Hatte der irgendeine Bedeutung?


Nee, ich denke mir immer Decknamen für Filme aus damit die Leute nicht gleich wissen, woran man arbeitet. Deckname für „Schuh des Manitu" war „Der Berg", „(T)Rraumschiff Surprise" war „Der Kreis", jetzt „Die Kugel".... - langsam gehen mir die Codenamen aus. Vielleicht mache ich als nächstes „Die Brotkiste", das wäre auch noch ein schöner Deckname. Zumal die Branche angesichts zweier Substantive im Code dann sicher munkeln würde, dass ich an einem Zweiteiler arbeite.


Auch wenn die Dame in deinem Film - wahrscheinlich aus rechtlichen Gründen - „Lissi" heißt geht es einmal mehr um die österreichische Kaiserin Sissi...


Gleich eine Korrektur! Die Kaiserin Elisabeth hat ihre Briefe immer mit „Lissi" unterschrieben. Nur war das L so schön geschwungen, dass alle ein S daraus gelesen haben. Damit sind wir also der Wahrheit ein ganzes Stück näher gerückt.


Da sind wir schon bei der ersten historischen Ungenauigkeit, die es zu korrigieren gilt. Mit welchen weiteren räumt Dein Film auf?


Die „Sissi"-Filme aus den 60ern waren typische Heile-Welt-Filme. Taucht man ein bisschen in die Historie ein, ist man deshalb ganz schnell zutiefst schockiert. Das war ja nicht immer alles so sauber und heil! Also ich könnte jetzt Dinge erzählen... - aber lieber nicht, dann verliert das seinen Charme und man bekommt Angst. Gerade auch vor Kaiser Franz. Aber ich glaube, die Abgründe will gar keiner sehen. Niemand will zu Weihnachten sehen, wie die Sissi nach Hause kommt und sagt: Hey, ich habe Syphilis. Und auch wenn unser Film ein ganzes Stück ehrlicher ist, ist er eben doch ein Film für Weihnachten. Einfach deshalb, weil es mein heimlicher Wunsch ist, dass jedes Jahr zu Weihnachten „Lissi und der wilde Kaiser" läuft.


Zumindest in einem Punkt aber ist Dein Film schonungslos: In den alten Filmen wird schon beim ersten zarten Kuss schamhaft abgeblendet. In „Lissi und der wilde Kaiser" dagegen geht es bei Kaisers richtig zur Sache... .


Ich habe extra ein paar Kussszenen eingebaut, weil ich finde, dass so etwas zum großen Kino gehört. Ich habe dabei schon an die ganz großen Filmküsse gedacht, wie in „Vom Winde verweht", „Titanic", oder auch „Flipper". Wir haben da schon einige sehr schöne Szenen - und spätestens bei denen werden die Leute auch verstehen, warum ich die Lissi nicht selbst gespielt habe. Lissi macht Dinge in diesem Film, die ich gar nicht machen kann. Und wenn ich es könnte, würde es unvorteilhaft aussehen!


Das macht jetzt neugierig. Was genau meinst Du?


Nicht missverstehen! Ich meine eher so die figurbetonten Kleider, bei denen um die Hüften alles rausquellen würde, wenn ich sie tragen würde. Auf hohen Schuhen gehen kann ich auch nicht. Ich hätte mich da im Film doubeln lassen müssen ... wahrscheinlich von Rick.


Sind die alten Sissi-Filme für Dich großes Kino, oder großer Trash?


Ich finde, sie sind wirklich großes Kino! Sie werden zwar heute oft als Trash gesehen, aber das ist grundfalsch. Dazu ist allein schon ihre Ausstattung viel zu aufwändig. Würdest du das heute auf diese Weise produzieren wollen, wären die Filme kaum zu finanzieren. Die haben so viele Komparsen, so viele Locations, alles ist bunt und mächtig und aufgeblasen. Sie waren zu Recht so erfolgreich und ich finde, sie sind ein Stück Kinogeschichte.


Welche Stilelemente hast Du aus ihnen übernommen?


Als wir den Look für unseren Film entwickelt haben, habe ich gesagt: Die Leute müssen sofort das Gefühl bekommen, einen Sissi-Film zu sehen. Das hängt - für die meisten sicher unbewusst - mit Farben zusammen. Mit Kameraeinstellungen, mit der Inszenierung. Das Publikum soll vergessen, dass es einen Animationsfilm sieht. Natürlich ist auch ein Stück Fantasy dabei, aber im Vordergrund steht die Welt der Lissi. Dafür stehen Namen wie „Schloss Schöngrün" oder „Schloss Neuzahnstein", Freischwimmer, die sich im Wald verstecken. Oder die abtrünnigen Nudisten, die gemeinsam mit den Partisanen transpirieren!


Wir haben natürlich auch alle anderen am Film Beteiligten gefragt, aber gerade deshalb ist Deine eigene Einschätzung interessant: Wie leicht oder schwer ist es, mit Dir zu arbeiten? Bist Du eher der Waldorf-Regisseur, oder doch ziemlich autoritär?


Es ist extrem schwer, sich selbst zu beurteilen. Was ich sagen kann: Ich will Spaß haben bei der Arbeit, ganz egal, ob Real- oder Animationsfilm. Und ich hoffe immer, dass das für andere ansteckend ist. Dummerweise muss es eben immer einen geben der sagt, wie es gemacht wird. Man kommt nicht weiter, wenn man ständig fragt: „Du, ist das okay, wenn du jetzt von rechts nach links durchs Bild gehst?". Spätestens wenn die Sonne am Set langsam untergeht, sagt man: „Kannst du bitte etwas schneller von rechts nach links gehen!". Aber das ist nicht diktatorisch und ich versuche es beim Realfilm immer so hinzukriegen, dass am Set noch Zeit für Improvisation bleibt. Beim Animationsfilm hast du das Glück, über einen Zeitraum von zwei Jahren immer noch daran feilen zu können. Zumindest, wenn es um Details geht wie die Frage, wie weit jemand eine Augenbraue hochzieht oder wie schnell sich ein Charakter durchs Bild bewegt.


„Lissi und der wilde Kaiser" ist der dritte Film mit Figuren aus der „bullyparade". Taugen noch weitere für einen Spielfilm, oder ist dieser Film für Dich auch so etwas wie der Abschluss eines Kapitels?


Für mich ist dieser Film der optimale Abschluss der bullyparaden-Phase. Die „bullyparade" ging 1997 das erste Mal on Air, jetzt haben wir 2007. Zehn Jahre sind seitdem vergangen und wir haben die drei prominentesten Themen ins Kino gebracht. Ein Jahrzehnt, eine Trilogie... - schon, als wir mit „Lissi" begonnen haben, habe ich mich bereits darauf gefreut, bald meine eigene Trilogie im DVD-Regal zu haben! Da kann ich dann mein Leben lang drauf gucken. Und darum geht es doch: Man sollte immer ein wenig stolz sein können auf das, was man gemacht hat.

 

Interview mit Christian Tramitz


Was hast Du gesagt als Bully Dir von der Idee erzählte, "Lissi" als Animationsfilm zu drehen?


Oh!". Viel mehr nicht, denn viel mehr konnte ich mir darunter auch nicht vorstellen. Ich hatte natürlich die Sketche aus der „bullyparade" noch im Hinterkopf und habe mich gefragt, wie dieser Film funktionieren soll. Und das frage ich mich auch heute noch... . Nein, Quatsch! Es ist wirklich enorm, was da in nur drei Jahren entstanden ist.


Wäre „Lissi" ein Realfilm geworden, hättest Du in glamouröser Uniform Heldentaten vollbracht und das weibliche Publikum zwischen 18 und 80 hätte Dir zu Füßen gelegen. Wie verkraftest Du die Tatsache, dass das jetzt wahrscheinlich nur begrenzt passiert?


Ich bin deshalb seit zwei Jahren in therapeutischer Behandlung und werde gerade ganz langsam an Animationsfilme herangeführt. Die ersten zehn Minuten kann ich schon ansehen, ohne zu heulen. Ich hoffe, in einigen Jahren vielleicht auch den kompletten Film anschauen zu können.


Andererseits hättest Du in einem Realfilm Liebesszenen mit Bully gehabt. Bist Du froh, dass Dir das erspart blieb?


Ich weiß, man wird es mir nicht glauben. Aber genau das hätte ich ganz toll gefunden. Wir hatten bei der „bullyparade" bereits so eine ganz eigene Beziehung, deshalb hat es mich damals nicht gestört und würde es mich heute auch nicht stören.


Erzähl ein bisschen über den Franz. Was sind seine Stärken und Schwächen, wie wild ist dieser Kaiser wirklich?


Ich würde sagen: Franz ist, im Hegelschen Sinne, ein ewig Suchender. Er glaubt zwar, mit Lissi die ideale Besetzung an seiner Seite gefunden zu haben, aber er zweifelt an ihr und muss einen ganz langen Weg gehen, um Sicherheit zu gewinnen. In der Literatur ist das, glaube ich, das klassische Prinzip der Heldenreise. Da gibt es schon starke Parallelen zu Odysseus.


In einer auch für den Zuschauer schmerzhaften Szene des Films offenbart ihm die eigene Mutter, dass sie ihn für ein Weichei und einen lausigen Liebhaber hält. Ist sie ungerecht - oder ist das etwas dran?


Zuerst mal stellt sich die Frage, woher die Mutter das weiß. Meines Erachtens wollen die Autoren des Films da ein latent ödipales Verhältnis andeuten, ich mochte aber nicht nachforschen. Mir war das irgendwie unangenehm.


Lissi und Franz erscheinen uns, den Zuschauern, als Traumpaar. Warum empfinden wir ihre Liebe als so perfekt?


Man kennt das ja auch von den Pilcher-Verfilmungen. Da sieht man ein Paar hoch oben auf einem Berg und die Frau sagt: „Schön ist es, da heroben." Dann antwortet der Mann: „Ja! Normalerweise gehe ich nur alleine hier herauf". Und sie küssen sich. Das ist so ein Idealbild, das wir aus Filmen haben: Man geht mit irgendjemand auf einen Berg - und nach nur sieben Minuten heiratet man. Dieser Wunsch, die Welt könne so funktionieren, steckt offenbar in ganz vielen Menschen. Warum? Diese Frage kann ich leider nicht beantworten. Vielleicht hat es mit der Höhenluft zu tun. Aber ich finde es auch immer toll... .


Ein simples Kommunikationsproblem stürzt die große Liebe in eine tiefe Krise. Was können die Zuschauer daraus und aus der Art und Weise, wie die Krise bewältigt wird lernen?


Das man sich auf gar keinen Fall auf SMSen verlassen sollte! Die können fehlgeleitet sein. Auch Briefen sollte man nicht trauen, da Brieftauben sich verfliegen  können. Am besten sagt man sich also ganz direkt, was los ist.


Wäre, nach den Erfahrungen aus dieser Rolle, das Berufsbild „Kaiser" für Dich reizvoll? Oder bedeutet es nur Langeweile auf gehobenem Niveau?


Um die Frage wirklich fundiert beantworten zu können, müsste ich noch ein paar mehr Kaiser kennen. Aber wenn ich mir beispielsweise anschaue, was Charles so alles macht, obwohl er noch gar nicht auf dem Thron sitzt, scheint das schon verdammt langweilig zu sein...


Du sprichst auch noch den Schwiegerpapa, der offenbar von Monarchie und mühsamer Gattin gründlich die Nase voll hat und eigentlich nur jemand sucht, mit dem er gescheit Karten spielen kann...


Seine Stimme gab es ja bereits in der „bullyparade" und sie geht zurück auf einen schlesischen Gärtner namens Posbich, den wir mal in unserer Familie hatten. Der hat immer gesagt (wechselt ins Schlesische): „Herr Tramitz, der Mäher geht nicht!" Woran man schon merkt, dass in diesem Dialekt eigentlich alles latent nörgelig klingt. Ich glaube aber schon, dass er auch ein wenig monarchiemüde ist. Und die Alte ist ganz sicher nicht zu ertragen! Zumindest das hätte er aber wissen müssen, bevor er dort eingeheiratet hat: Die Kombination aus Wiener Hochadel und einem schlesischen Gärtner geht nie gut.


Ist es für Dich schwierig, in einem Film zwei verschiedene Charaktere zu sprechen?


Nicht, wenn sie so unterschiedlich sind. Der Franz ist ja eine gespielte Rolle, der Schweigerpapa dagegen eigentlich nur eine Charge. Zwar muss auch die gut ausgefüllt werden, aber es sind zwei ganz unterschiedliche Jobs. Schwierig wäre es, wenn es beispielsweise noch einen Zwillingsbruder des Franz gäbe, der sich im Dialekt oder in der Tonalität unterscheidet. Da besteht schon die Gefahr, dass man das eine oder andere durcheinander bringt oder vermischt. Aber in diesem Fall war es problemlos.


Was bleibt von der Arbeit an „Lissi und der wilde Kaiser" als besonders spannend in Erinnerung?


Ich komme ja aus dem Synchrongewerbe und mache das schon ewig. Wenn man sonst Animationsfilme synchronisiert, hat man ein Wesen, das bereits die Lippen bewegt. Und so muss man dann sprechen. Bei „Lissi" wurde anders gearbeitet. Wir haben den kompletten Film wie ein Hörspiel aufgenommen, bevor er animiert wurde und es war für mich faszinierend zu sehen, wie sich jetzt die Lippenbewegungen der Figuren nach den Sprachaufnahmen richten.


Was verbindest Du mit den alten „Sissi"-Filmen?


Wahnsinnig viel. Ich habe die so mit 14 oder 16 zum ersten Mal gesehen. In einem Alter, in dem man diese Art Filme eigentlich nicht sehen mag. Und war trotzdem beeindruckt. Ich erinnere mich noch genau an eine Szene, die in Italien spielt. Da geht Sissi durch ein Spalier von Italienern, die ihr abweisend-schweigend begegnen. Bis zu dem Moment, in dem ihr ihre Tochter entgegenläuft. Dann rufen sie alle: „Viva la mamma, viva la mamma!". Da kann ich auch heute noch heulen. Und man muss sagen: Auch wenn die Bücher ein ziemlicher Schmonz waren, sind diese Filme handwerklich schon toll gemacht und ebenso toll gespielt. An den Filmen ist etwas dran, sonst würden sie nicht heute noch gern gesehen werden. Man persifliert ja auch nur etwas, was einem gefällt. Sonst kann man es gleich sein lassen. 


Hast Du Dir die Filme noch einmal angesehen, bevor Ihr mit „Lissi" begonnen habt?


Habe ich. Aber Bully, denke ich, hat sie studiert. Hat sie gefressen, wie damals vor dem „Schuh des Manitu" den „Schatz im Silbersee". Bei dem ist jede einzelne Einstellung im Kopf abgespeichert. Das merkt man, wenn man jetzt „Lissi" anschaut.

 

Interview mit Rick Kavanian


Was verbindest Du mit den alten „Sissi"-Filmen, welche Erinnerungen an Fernsehabende hängen daran?


Da saßen Mutter, Großmutter und ich gemeinsam vor dem Fernseher und aßen getoastetes Brot mit Butter und fett Leberwurst. Dazu gab es Milch mit Kakao... . Schon damals als Kind mochte ich den Feldmarschall ganz besonders. Als wir in der „bullyparade" mit den Sketchen begannen, habe ich mir dann noch einmal Josef Mainrad als Vorbild angesehen. Der war schon toll! Ich hätte den Feldmarschall auch furchtbar gern in echt gespielt, aber der Regisseur wollte es nicht.


Sind die alten Filme rührender Kitsch, oder auch ein bisschen Filmkunst?


Rührender Trash! Filmkunst ist etwas anderes. Man hat es halt damals auf Film gedreht, weil gerade nichts anderes da war.


Die alten Filme verklären das Leben der Kaiserin, sie bekommt den Glamour der jungen Romy Schneider. Ist Bullys Film näher an der Wahrheit, oder schafft er neue Mythen?


Das ist eine hochkomplexe Frage. Er schafft neue Mythen, soviel ist sicher. Das ist ja auch der Anspruch des Filmemachers. Im Unterschied zu den Filmen, die damals glaubten, Filmkunst zu sein. Da wir eben diese Metaebene des CGI haben, des Computer Generated Images, sind wir gewissermaßen im Vorteil: Wir können Mythen viel leichter bedienen und neue schaffen, mit denen das Original im direkten Vergleich überhaupt nicht standhalten kann. Im Grunde kann man deshalb sagen: Das Original ist durch die Schaffung dieses neuen Kunstwerkes obsolet! (lacht) Ich wette, Du denkst gerade: Den Scheiß schreibe ich am Ende sowieso nicht ins Interview... .


Garantiert nicht! Aber noch einmal zum Kern der letzten Frage: Hat „Lissi" auch ein aufklärerisches Element?


Letztendlich schon. Dadurch, dass Bully ein hochmodernes Medium für diesen Film gewählt hat, erreicht er auch ein jüngeres Publikum. Bei dem schafft er dann schon Ansätze eines Geschichtsbewusstseins. Eine Ahnung davon, dass da vor 200 Jahren schon etwas war. Und wenn das passiert, ist das doch ein fantastischer Kollateralschaden eines Kinoabends.


Ganz ehrlich bitte: Was hast Du gedacht, als Bully Dir von seiner Idee erzählte, „Lissi" als Animationsfilm zu machen?


Ganz ehrlich? Schade! Ich war enttäuscht! Weil ich unbedingt noch mal den Feldmarschall in einem Kinofilm spielen wollte. Mir hat das schon in der „bullyparade" sehr viel Spaß gemacht, obwohl ich da mit schöner Regelmäßigkeit erschossen wurde oder mit verbranntem Gesicht durch die Gegend laufen musste. Nein, ich war ein bisschen traurig und musste die Enttäuschung verdauen. Im Grunde bin ich auch heute, nach drei Jahren, noch mit Verdauen beschäftigt. Spaß gemacht hat die Arbeit natürlich trotzdem. Schon deshalb, weil ich mal nicht ein fertiges Produkt synchronisieren musste, sondern wir die Sprachaufnahmen vorher gemacht haben. Nur leider eben nicht im Kostüm oder im Schloss... .

Aber natürlich verstehe ich Bully auch. Er sucht eben neue Herausforderungen, neue Ufer als Filmemacher. Außerdem: Als Regisseur am Set die ganze Zeit mit dieser Korsage und der Perücke herum zu laufen wäre schwer geworden. Er hatte es ja beim „(T)Raumschiff" schon nicht leicht, mit diesen Spucki-Ohren am Set entdeckt oder gar ernst genommen zu werden.


In einem Realfilm hättest Du als Feldmarschall einige sehr leidenschaftliche Liebesszenen mit einer sehr leidenschaftlichen Frau gehabt... .


(salutiert und wechselt in den Hofmarschall-Ton) UND ICH WÄRE BEREIT DAFÜR GEWESEN!


Auch wenn Du Dein Faible für die Rolle des Feldmarschalls schon klar zum Ausdruck gebracht hast: Du sprichst in „Lissi und der wilde Kaiser" gleich vier verschiedene Charaktere. Sind Dir Feldmarschall, König Bussi von Bayern, der Schwaiger und der französische Gartenkünstler allesamt gleich lieb? Oder gibt es einen heimlichen Favoriten?


Ich hab sie eigentlich alle gern, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Es war wahnsinnig schön, den Schwaiger wieder mal zu sprechen. Denn das war der erste Charakter, den ich 1990 gemeinsam mit Bully fürs Radio gesprochen habe. Den nach 17 Jahren noch einmal zum Leben zu erwecken und zu sehen, dass er es doch noch bis ins Kino geschafft hat, war ein großer Spaß. Das war der nostalgische Aspekt bei dieser Arbeit. (fällt in den König Bussi-Ton) Aber wunderbar war auch der König Bussi. Weil es erdet, ihn zu sprechen. Und weil ich an ihm einfach dieses „Ihr könnt mich alle mal kreuzweise"-Lebensgefühl mag. Das ist so ganz anders, als beim Feldmarschall. Der ist ja eher der Typus „Bluthochdruck-Patient".


Du wechselst auch in Deinem Bühnenprogramm ständig von einem Charakter zum nächsten. Wie schafft man das? Wie verhindert man, dass man dabei sprachliche und sonstige Eigenheiten der Figuren durcheinander wirft?


Du hast mich bei einer früheren Frage um Ehrlichkeit gebeten, deshalb bin ich es jetzt. Ich gestehe: Ich gerate durcheinander. Es passiert einfach. Gerade auch auf der Bühne, wo man es dann nicht mehr korrigieren kann. Da frage ich dann schon mal: „Wer bist Du eigentlich?" Und antworte mir: „Das weiß ich nicht, ich möchte aber auch gern mitspielen."


Ist das ausgelebte Schizophrenie, mit der man gutes Geld verdienen kann? Oder einfach harte Arbeit?


Ich würde mich ganz klar für „harte Arbeit" entscheiden.


Wieviel Spielraum hattest Du, die Charaktere und ihre Eigenheiten mit zu gestalten?


Die Figuren gab es teilweise ja schon jahrelang, deshalb waren sie bereits ziemlich genau gezeichnet. Aber natürlich wurden sie jetzt in eine ganz neue Rahmenhandlung gestellt. Und Bully ist nicht der Typ, der in einer solchen Situation minutiös auf der Umsetzung des Drehbuchs besteht. Wenn Du ihm bei der Arbeit Ideen präsentierst, ist er dafür offen.


Macht es für Dich einen Unterschied, ob Du einen Real- oder einen Animationsfilm synchronisierst?


Nein. Du brauchst für beides die gleiche Konzentration, musst die gleiche Power bringen. Bei allem Respekt für die Kollegen gibt es gelegentlich Filme, bei denen ich spüre: Naja, das hat man halt gemacht, aber da war kein Herzblut dabei. Und auch bei mir gibt es vielleicht die eine oder andere Produktion, für die das gilt. Das finde ich im Nachhinein schade! Ich find, man muss immer mit der gleichen Vehemenz ans Werk gehen. Ganz egal, was man da gerade spielt oder spricht.


Bully sagt selbst, ein Animationsfilm sei für den Regisseur eine massive Geduldsprobe. Machte sich das bemerkbar? Hat er - passend zum Film - bei der Arbeit gelegentlich den wilden Kaiser gespielt?


Ein bisschen, klar! Aber es ist eben auch sein Film, es ist seine Verantwortung! Er muss dieses Ding rechtzeitig und entsprechend seiner Vision ins Kino bringen. Das schaffst du nicht mit einer entspannten Laisser-faire-Haltung, da musst du den Leuten schon klar sagen, wo es lang geht und musst gelegentlich auch richtig Dampf machen. Das finde ich korrekt und absolut nachvollziehbar. Dabei ist er aber kein Regisseur, der am Set herumschreit. Das braucht er nicht. Ich kenne den Mann mein halbes Leben lang, unser Umgang ist einfach auch ein ganz besonderer. Wie bei einem alten Ehepaar: Ich bin derjenige, der etwas länger braucht bis er sagt, was ihm nicht passt. Er ist da schneller und direkter und sagt mir genau auf die Zwölf, was gerade los ist. Aber das ist doch auch völlig in Ordnung so. Wir arbeiten schon so lange und so gut zusammen und ich kann ihn sehr gut verstehen. Es gibt Momente, in denen er seine Vision immer wieder aufs Neue kommunizieren muss.


Du hast gerade angesprochen, wie lange Ihr schon zusammen arbeitet. Wie hat sich Bully in dieser Zeit verändert? Und: Unter welchen Bedingungen bist Du auch bei seinem nächsten Projekt dabei?


Die allererste Bedingung wäre... - nein, ich bin immer wieder gern dabei! Es klingt jetzt vielleicht komisch, aber seit ich mit meinem Bühnenprogramm allein auf Tournee bin und nicht mehr so eng mit Bully zusammen arbeite, haben wir viel mehr Zeit für private Dinge. Wir treffen uns und fragen: „Was machst Du gerade so?" und kommen dann ganz schnell an den Punkt „Wollen wir nicht irgendwas zusammen machen?" Es ist einfach klar, dass wir irgendwann auch wieder zusammenfinden. Wir haben soviel schöne und auch erfolgreiche Sachen zusammen gemacht und nach all den Jahren weiß man auch, worauf man sich einlässt. Er weiß, was er von mir erwarten kann und ich weiß, was ich an ihm habe.


Den ersten Teil der Frage hast Du elegant umgangen: Wie hat er sich mit den Jahren verändert?


Wovor ich den Hut ziehe: Er weiß als Regisseur sehr, sehr genau, was er will. Das hat für einen Schauspieler zwei große Vorteile. Du kannst nicht Larifari spielen. Und du hast die Sicherheit, er wird dich so inszenieren, dass du dich später garantiert nicht schämen musst, wenn du dich auf der Leinwand siehst. Stattdessen weißt du bei seinen Projekten: Ich bin in einem Film, der mit sehr viel Liebe und Genauigkeit gemacht ist. Dafür ist Bully ein Garant, und das hat er in den letzten zehn Jahren extrem perfektioniert. Wenn ein Regisseur am Set so perfekt vorbereitet ist wie er und du es als Schauspieler auch bist, gibt es tatsächlich die Chance, dass bei der Arbeit etwas Neues entsteht. Weil einfach ein bisschen Luft dafür da ist, auch wenn Drehtage einen extrem engen Zeitplan haben. Und dann passieren die besonderen, nicht geplanten Momente, die du hinterher auf der Leinwand siehst. Und die dafür sorgen, dass der Film eben noch ein bisschen mehr Spaß macht.

Quelle: Constantin Film

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