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Valentina Resetarits
im Gespräch mit Regisseur Sönke Wortmann über seinen aktuellen Film Das Hochzeitsvideo:

Was halten Sie von Hochzeiten?

Da muss ich erst einmal unterscheiden zwischen meiner eigenen und der von anderen. Eigentlich empfinde ich das als eine tolle Sache und habe auch selbst eine gute Erfahrung gemacht. Die wenigen Hochzeiten, auf denen ich eingeladen war – ich glaube, das waren zehn in den letzten Jahren – liefen auch ganz gut. Ich kann es empfehlen!

Und was halten Sie von Hochzeitsvideos?

Dadurch, dass ich Filmen beruflich mache, habe ich zu Privatvideos keinen Zugang. Ich besitze keine Kamera, habe auch kein iPhone, mit denen ich filmen könnte. Deshalb geht das an mir völlig vorbei und ich denke auch, das brauche ich nicht. Aber wenn es von solchen Anlässen Erinnerungen in Form von Fotos oder Videos gibt, bin ich dann doch ganz froh. So ein Hochzeitsvideo zu machen hat sich eingebürgert und je nachdem, wie es gemacht ist, kann es eine gute Erinnerung sein...

Wie sind Sie dann auf die Idee gekommen „Das Hochzeitsvideo“ zu machen?

Die Idee ist vom Produzenten Christoph Müller, der vor zwei Jahren zu mir kam und meinte, er will „Blair Witch Project“ auf Komödie machen. Und ich war sofort begeistert und bald kam dann auch die Idee mit dem Hochzeitsvideo. Dann haben wir die Geschichte skizziert, also wer wen heiratet und warum, und wie die Familien aussehen und dann hat Gernot Kriksch das Drehbuch geschrieben.

Homevideo-ähnliche Filme gibt es in Hollywood zurzeit viele – man denke an die „Paranormal Activity“-Reihe, „Chronicle“ oder „Project X“-  und auch das Motiv der Hochzeit taucht immer wieder auf – wie in „Brautalarm“ oder „Hangover“. Ist „Das Hochzeitsvideo“ von diesem Hollywood-Filmen inspiriert?

Eigentlich nicht. „Brautalarm“ mochte ich nicht, „Hangover“ fand ich grandios, die Fortsetzung hat mich geärgert, weil es derselbe Film an einem anderen Schauplatz war. Aber „Hangover“ habe ich mir angesehen, als ich mich mit „Das Hochzeitsvideo“ zu beschäftigen begann. Und dann dachte ich mir, das ist nicht mehr zu toppen, was die Jungs da erleben, da muss man gar nicht erst versuchen, mitzuhalten. Das hat dazu geführt, dass wir uns entschieden haben, den Junggesellenabschied der Jungs nicht zu „filmen“ und stattdessen mit den Mädchen mitzugehen. Diese Nacht, die sich da ereignet, ist eine direkte Konsequenz aus dem Film „Hangover“.

Der Film baut darauf auf, dass der beste Freund und die Halbschwester des Brautpaares die ganzen Geschehnisse um die Hochzeit mitfilmen. Und da merkt man bei den unterschiedlichen Figuren, dass sie sich anfangs für die Kamera zu verstellen versuchen und dann später vieles zum Vorschein kommt. Denken Sie, dass das im echten Leben auch so ist?

Ja, die Figuren werden immer offener und auch immer betrunkener, da verliert man schon die Hemmungen. Man grenzt sich nicht mehr ab. Ich habe selber diese Erfahrung gemacht bei der Fußball-WM 2006 bei den Dreharbeiten zu meinem Dokumentarfilm „Deutschland. Ein Sommermärchen“. Die deutsche Nationalmannschaft hat sich an die Kamera gewöhnt, weil sie ja immer dabei war. Und ich glaube, dass sechs Jahre später dieser Gewöhnungseffekt bei allen viel größer ist – außer mir hat ja jeder ein iPhone und filmt und knippst. Bei einer Filmpremiere war früher eine Kamera dabei, heute sind es hunderte,  darunter auch Amateurfilmer, die es auf Youtube laden. Filmemachen und vor der Kamera stehen hat komplett ins Alltagsleben Einzug gehalten, was ich persönlich gar nicht so schön finde. Das ist so unromantisch, wenn immer die Kamera dabei ist. Wenn alles dokumentiert ist, ist ja gar nichts mehr da, das man im Herzen behalten kann. Das ist auch der Grund, warum ich solche Dinge privat nicht mitmache.

Vor der Kamera stehen vorwiegend junge, eher unbekannte Darsteller. Wie kam es zu dieser Entscheidung, auf große Namen zu verzichten?

Das hat mit dem Konzept des Films zu tun, weil wenn jemand Bekanntes auf dem Homevideo auftaucht, ist die Authentizität gleich wieder weg. Außerdem finde ich spannend mit neuen Leuten zu arbeiten, weil man noch nicht weiß, was dabei rauskommt. Bei großen Stars weiß man, was man kriegt, hier ist es unsicherer und wenn es klappt, dann auch schöner.

Im Laufe des Films spielen sich sehr viele skurrile Szenen ab, ist denn eine davon aus dem echten Leben entnommen?

Wir haben uns auf Youtube viele Hochzeitsvideos angesehen und da haben wir einen Clip gefunden, auf dem das Brautpaar beim Hochzeitstanz mit einem klassischen Walzer beginnt und dann eine fetzige Choreographie aufs Parkett legt. Diese Szene haben wir aus der Realität entnommen, alle anderen sind erfunden und nichts davon hat irgendjemand von uns erlebt...zum Glück.

Es tauchen zum Großteil recht extreme und typenhafte Charaktere im Film auf. Gibt es einen, der Ihnen besonders gut gefällt?

Nein, sie sind ja wie meine Kinder und ich liebe sie alle... auch die unsympathischen Figuren. Ich mag das Ensemble sehr gern, weil sie alle so verschieden sind- vom Trautzeugen mit der Brille, der den Entertainer gibt bis zum Hochzeitsfilmer mit seiner ruhigen Art – zusammen ergibt das eine Melange, die ich für gelungen halte.

Sind Sie durch den Film auf den Geschmack gekommen. Filmen Sie jetzt Hochzeiten?

Auf gar keinen Fall. Ich habe noch keinen Plan, ich werde in diesem Jahr aber noch einen Film drehen, kein Hochzeitsvideo, aber ich weiß noch nicht genau welchen.
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