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PROMETHEUS – DUNKLE ZEICHEN
Michael Fassbender Q&A
Joe Utichi – www.joeutichi.com

Michael Fassbender hatte sein Spielfilmdebüt 2006 in Zack Snyders Sandalen-Epos 300. In den darauffolgenden fünf Jahren entwickelte er sich zu einem der gefragtesten Schauspieler seiner Generation: Allein 2011 war er an fünf Spielfilmprojekten beteiligt.

Auf seine Darstellung in Steve McQueens HUNGER, die seine Karriere prägte, folgten Rollen in Andrea Arnolds FISH TANK, Quentin Tarantinos INGLOURIOUS BASTERDS und Neil Marshalls CENTURION. Im vergangenen Jahr drehte Fassbender JANE EYRE, X-MEN – ERSTE ENTSCHEIDUNG, EINE DUNKLE BEGIERDE, SHAME und HAYWIRE.   

Am Set von PROMETHEUS – DUNKLE ZEICHEN sprach Fassbender über seinen schauspielerischen Ansatz bei der Verkörperung eines Androiden, über die Arbeit mit Ridley Scott und über die Verantwortung, die eine Rolle in einem so groß angelegten Film-Epos mit sich bringt.

Was können Sie uns über die Handlung von PROMETHEUS – DUNKLE ZEICHEN verraten?
Es ist im Grunde eine Reise, eine Forschungsreise, wenn man so will. Wir wollen herausfinden, ob es in der Geschichte des Planeten Erde einen Eingriff von anderen Wesen gegeben hat, die nicht aus unserer Welt stammen. Also macht sich dieses Raumschiff, die Prometheus, auf die Reise, um die ewigen Fragen nach unseren Ursprüngen zu erforschen: Warum sind wir hier? Warum wurden wir erschaffen? Welchen Sinn hat unser Dasein?

Denken Sie auch manchmal über diese Fragen nach?
Solche Dinge hat man definitiv im Hinterkopf. Man erkennt vielleicht, welche Philosophie der Story zugrunde liegt. Das hat keine großen Auswirkungen darauf, wie man spielt, aber es ist ein Bewusstsein dafür da, also lässt man es einfließen. Für meine Figur, David, ist das sehr wichtig, denn er wurde von Menschen erschaffen, also ist sein Ansatz zu sagen: „Auch ihr wurdet von jemandem erschaffen, also seid auch ihr programmiert.“ Die Menschen dagegen sagen: „Nein, wir sind nicht programmiert. Wir haben einen freien Willen.“ Und das zweifelt David eben an: „Seid ihr sicher?“

David ist also ein Android?
Ja, ich bin so was wie der Butler an Bord. Ein Weltraumbutler.

Wahrscheinlich macht ihm die Vorstellung, von jemandem geschaffen worden zu sein, dann weniger Probleme, denn er kennt seine Schöpfer von Anfang an.
Ich glaube, das hilft ihm damit klarzukommen, dass sich niemand an Bord wirklich mit ihm abgibt. Er ist ein Einzelgänger. Manchmal versucht er, den anderen näher zu kommen, aber sie reagieren darauf mit einem gewissen Unbehagen, ähnlich wie in den ALIEN-Filmen, wo die Menschen den Robotern auch nie ganz trauen.  

Für ihn sind die Menschen auch irgendwie konstruiert worden. Mit der Einstellung verteidigt er seine eigene Unsicherheit, was wiederum zeigt, dass er auch menschliche Gefühle hat. Es ist, als ob man etwas programmiert, und das Programm entwickelt nach einer Weile Ausläufer, so dass sich kleine Nebenprogramme bilden, die ihrerseits neue Persönlichkeitsmerkmale auslösen. Das ist irgendwie spannend.

Ist der schauspielerische Ansatz anders, wenn man einen Roboter spielt?
Der Ansatz ist derselbe, aber man entwickelt das Körperliche, indem man zu verstehen versucht, wie ein Roboter denken würde. Er ist logisch strukturiert, also ist er ständig damit beschäftigt, Dinge zu verarbeiten und abzuspeichern. Den Gang zum Beispiel habe ich mir von Greg Louganis abgeschaut, der war Turmspringer, ich glaube, das war in den frühen 1980ern. Als Kind habe ich ihn oft im Fernsehen gesehen. Er hatte einen ganz eigenen Gang, wenn er oben auf dem Sprungturm zur Brettkante lief. Kleine Details dieser Art sind sehr hilfreich. Meine Figur ist so eine Art Yoga-Typ, er scheint immer in einer neutralen Position zu sein. Bei einem Menschen ist die Körperhaltung eigentlich immer mit einer bestimmten inneren Haltung verbunden. Doch Davids Haltung ist immer neutral. Und gleichzeitig sollte es nicht zu steif wirken, denn ich wollte mit dieser Ambivalenz spielen: Wie menschlich ist dieser Typ und wie viel Maschine oder Roboter steckt in ihm?

Die Androiden in Ridley Scotts Filmen sind immer ziemlich extreme Figuren – wie fügt sich David in das Ensemble an Bord ein?
In jeder Gruppe gibt es Interessenskonflikte, darum haben wir wohl auch dieses sehr gemischte Ensemble. Das geht wirklich auf Ridley Scott zurück, und Damon Lindelof hat es im Drehbuch perfekt umgesetzt. Tempo, Rhythmus und Intelligenz des Scripts bringen es zum Ausdruck: Jeder an Bord dieses Raumschiffs verfolgt ganz eigene Absichten. Jeder dort hat ein Ziel, das mit denen der anderen nichts zu tun hat. Manche sind nur des Geldes wegen dabei. Andere suchen nach Antworten. Wieder andere hoffen, hinter ein Geheimnis zu kommen. Manche sind aus einer Art Trotzreaktion mitgefahren. Also gibt es diese ganzen kollektiven Beziehungen, die Einzelnen und ihre Motive, und das sorgt für reichlich Spannung, schon bevor es dann richtig zur Sache geht.

Haben Sie das Gefühl, dass eine Rolle in einem Science-Fiction-Film von Ridley Scott mit besonders viel Verantwortung einhergeht, zumal seine letzten beiden Filme so prägend für das Genre waren?
Es war so ähnlich wie bei X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG, und eigentlich wie bei jeder Rolle, die ich annehme.  Jemand hat mich für eine Aufgabe engagiert und deshalb fühle ich eine Verantwortung, natürlich umso mehr, wenn dieser Jemand vom Kaliber eines Ridley Scott ist. So jemanden will man nicht enttäuschen. Er vertraut mir, denn er hat mich für die Rolle ausgewählt. Also bereite ich mich gut vor und entwickle so viele Ideen wie möglich, damit ich etwas einzubringen habe. Letztendlich geht es um Vertrauen. Wenn wir am Set sind, vertraue ich ihm, und dann macht es wirklich Spaß, Neues zu erleben.

Den Verantwortungsdruck sollte man nicht mit ans Set bringen, sonst hat man ein Problem. Natürlich schwingt immer eine gewisse Angst mit, das ist auch gesund, finde ich. Ich habe das immer, das hält mich wach und verhindert, dass ich selbstzufrieden werde. Aber wenn ich diesen Verantwortungsdruck am Set habe, lenkt mich das bloß von meiner schauspielerischen Arbeit ab. Ich muss entspannt sein und mich sicher genug fühlen, um Dinge ausprobieren zu können.

Hat Ridley Scott Sie überrascht? Kann man überhaupt Erwartungen haben, wie er sein könnte?
Kann man nicht. Das ist es ja: Als es losging, wusste ich genau so wenig wie jeder andere. Am Anfang dachte ich nur: „Oh Gott, jetzt bloß nichts vermasseln!“ Jeder weiß, dass Ridley Scott eine Legende ist und mit den besten Schauspielern gearbeitet hat, also denkt man nur: „Hoffentlich, hoffentlich mach ich es richtig. Ich bin bereit.“ Und dann kommt man zum Set und merkt, dass er sehr entspannt ist. Er liebt seine Arbeit. Die Energie, die er jeden Tag mit ans Set bringt, die Begeisterung, diese Liebe für das, was er tut – das hat mich sehr positiv überrascht. Ich muss sagen, dass ich sehr schnell einen gemeinsamen Rhythmus mit ihm gefunden habe, wir haben sehr schnell gearbeitet und es lief wirklich gut.

Die Filmkulissen sind unglaublich – erleichtert das die Arbeit?
Ich glaube nicht, dass ich je wieder etwas so Beeindruckendes sehen werde. Ich weiß noch, wie ich an einem meiner ersten Tage in dieses Raumschiff spazierte und dachte: „Wow, das ist es. Ich bin hier.“ Verstehen Sie, was ich meine? Es war so, als wäre gar keine Schauspielerei nötig. Ich drückte auf diese ganzen Schalter und Knöpfe und murmelte nur, Wahnsinn, sogar daran haben die Ausstatter gedacht. Die Brücke ist sozusagen der Herzschlag des Raumschiffs, sie zeigt alle lebenswichtigen Funktionen. Alles wurde bis ins kleinste Detail durchdacht. Diese ganze Ausstattung um sich herum zu haben hilft absolut, auf jeden Fall. Es ist so, als ob man in sein Kostüm steigt. Wenn man einen Historienfilm dreht und diese ganzen Dinge um sich hat, die die Menschen früher benutzt haben, hilft das sehr dabei, die Figur noch vielschichtiger zu machen.

Hinweis: Dies ist ein Bericht im Rahmen des Specials "Entdecke Prometheus"!

Quelle: 20th Century Fox

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