HallamFoe_poster02.jpgIn Zusammenarbeit mit Polyfilm, präsentieren wir Euch Interviews mit den Hauptdarstellern aus Hallam Foe, Jamie Bell und Sophia Myles. In Hallam Foe erzählt Regisseur David Mackenzie die Geschichte eines verwirrten Aussenseiters, der an der Grenze vom Jugendlichen, zum Mann steht und gleichzeitig versucht über den Tod seiner Mutter hinweg zu kommen. Dabei durchleidet er einige psychologische Krisen und wird noch mehr geprüft, als er sich in Kate, das genaue Ebenbild seiner Mutter, verliebt. Hallam Foe startet am 28.09.2007 in unseren Kinos.


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Interview mit Jamie Bell:

„Hallam Foe" ist auf eine Art auch ein Berliner, oder?

Stimmt, ich habe den Regisseur des Films, David Mackenzie, zum ersten Mal während der Berlinale 2003, getroffen. Er pitchte mir damals in einem Restaurant die Idee zu „Hallam Foe". Ist es nicht toll, dass wir jetzt zwei Jahre später den Film hier präsentieren können. Der Kreis schließt sich.

Damals war das Drehbuch aber noch gar nicht fertig. Wie ging es nach dem Pitch weiter?

Ich habe dann erstmal „Flags of our Fathers" mit Clint Eastwood gedreht, aber kurz danach kam der Ball ins Rollen und wir trafen uns noch mal in New York City und redeten. Ich war total heiß drauf, so einen komischen Kauz zu spielen. Es war also schnell alles klar. Und schon im Frühjahr danach fingen wir zu drehen an.


Was genau interessierte Sie an Hallam Foe?

Zuallererst, dass er so ein verrückter Vogel ist, völlig exzentrisch, der auch vor düsteren Momenten nicht zurückschreckt. Die Bandbreite der Figur war für mich als Schauspieler sehr spannend. Und ich mochte David Mackenzies Filme, vor allem „Young Adam" hat mir sehr gefallen. Und der Film handelt von Sex - ein Thema, das meinen anderen Filmen fehlt.


Wie weit konnten Sie sich selbst mit Hallam identifizieren?

Der Film erzählt ja im Grunde vom Loslassen, vom Weiterentwickeln. Hallam hat sehr mit dem Tod seiner Mutter zu kämpfen und zieht sich zurück, ist wütend und fühlt sich schuldig und er verurteilt deswegen auch andere Menschen. Aber das Schöne an dem Film ist, dass Hallam diese Phase durchläuft, dass er auch loslässt und sich weiterentwickelt. Das gefällt mir.


Wie kamen Sie mit den Momenten klar, in denen Hallam andere Menschen beobachtet? Ist man als Schauspieler nicht eher exhibitionistisch veranlagt?

Man will vor allem nicht total gruselig erscheinen, denn wenn Leute an Menschen denken, die andere beobachten, fallen ihnen sofort perverse, alte Männer ein. Wir mussten also einen sehr schmalen Grat entlang wandern, denn uns war wichtig, Hallam als liebevollen, netten Menschen zu zeigen, mit dem man mitfühlen will. Dem man wünscht, dass er seinen Zustand überwindet und sich weiterentwickelt. Für mich persönlich war es relativ schwierig, weil ich nichts von dem Gezeigten privat praktiziere. Aber für den Film ist die Beobachterperspektive natürlich grundlegend.


Wie war die Zusammenarbeit mit David Mackenzie?

Er ist großartig, ich bin ein großer Fan. Er ist einer von sehr wenigen britischen Filmemachern, die ihren Wurzeln treu geblieben sind. Er dreht Filme in Schottland über schottische Menschen und arbeitet mit Freunden. Er erzählt originelle Geschichten und er hat eine gewisse rohe, punkige Energie. Ich mag Regisseure, die spielerisch sind. Er ist immer sehr lebendig, wenn er dir Anweisungen gibt - sehr lustig, ihm dabei zuzusehen. Und mir gefällt, wie er Musik in seinen Filmen einsetzt. Sie gibt dem Film eine unglaubliche Dynamik.


Und wie war es mit Sophia Myles?

Toll. Sie spielt eine komplexe Figur in einem sehr komplexen Film. Kate ist innerlich gebrochen, sie hat eine kaputte Ehe hinter sich und jetzt ein Verhältnis mit ihrem verheirateten Boss, was sehr unangenehm sein kann. Sie hat kein Selbstbewusstsein, kein Selbstvertrauen. Eine sehr schwer zu spielende Figur also, vor allem, wenn sie sich dann auch noch zu jemandem wie Hallam hingezogen fühlt - denn warum sollte sich eine attraktive Mittzwanzigerin für einen kleinen Spinner wie ihn interessieren? Aber Sophia hat es toll gemacht. Sie spielt es sehr romantisch, und das funktioniert wunderbar im Film. Davon abgesehen ist sie ein toller Mensch und ein wunderschönes Mädchen.


In einer Szene sagen sich Hallam und Kate, wie sie ihre eigenen Geschlechtsteile nennen. Hat es Spaß gemacht, das zu drehen oder war es Ihnen eher peinlich?

Es war irgendwie komisch, denn das ist schließlich die romantischste Szene im Film. Aber wir sagen dauernd diese anzüglichen Namen zu unseren Genitalien. In einem Take haben wir einfach welche erfunden, da kamen ein paar sehr interessante Sachen raus. „Fandango" fand ich super - obwohl ich mich nicht mehr erinnern kann, ob das jetzt ein Jungen- oder Mädchenname war... seltsam.


Sie wechseln zwischen großen Hollywoodproduktionen wie „King Kong" und „Flags of our Fathers" und europäischen Independentfilmen wie HALLAM FOE. Worin liegt für Sie der größte Unterschied?

Die interessanteren Stoffe findet man eindeutig in solchen Independentfilmen. Und das Drehen ist intensiver, weil man viel weniger Zeit und Geld hat. Man kämpft gemeinsam gegen die Elemente. Das ist für mich das interessantere und herausfordernde Arbeiten. Die Großproduktionen sind sehr viel langsamer, nicht so aufregend, nicht so elektrisierend. Und die Erfahrung ist auch nicht so lohnenswert wie bei Filmen wie diesem, wo man 110 Prozent gibt. Das bringt mir persönlich mehr.


Sie wurden mit Ihrer Rolle als „Billy Elliot" schlagartig berühmt. Wie kamen Sie damit zurecht?

Wenn man so jung so berühmt wird, ist das immer gefährlich. Aber ich hatte immer die richtigen Leute um mich, Familie und Freunde, die mir Rückhalt gaben. Auch wenn ich mich mal daneben benommen habe.


Was ist für Sie die Message des Films?

Für mich persönlich ist die stärkste Botschaft, dass alles irgendwann OK sein wird. Du wirst die schlechte Zeit durchstehen und es wird besser werden. Der Film sagt, dass es vorübergeht, dass man seine bösen Geister hinter sich lassen kann und sich weiterentwickelt. Man kann aus der Box ausbrechen und etwas mit seinem Leben anfangen. Wie jeder junge Mensch hatte auch ich solche Phasen, deswegen kann ich mich sehr gut damit identifizieren.


sophiamyles.jpgInterview mit Sophia Myles:

Wie kamen Sie zu diesem Film?

Mein Agent kannte David Mackenzie von dessen Film „Young Adam", und war seitdem ein großer Fan von ihm. Er gab mir das Drehbuch und meinte nur ‚Das musst du lesen!'. Ich war lange auf der Suche nach einer Geschichte, die in der Gegenwart spielt, weil ich davor so viele Historiendramen gedreht hatte. Ich wollte endlich mal ein Mädchen des 21. Jahrhunderts spielen. Ich fing an zu lesen und konnte es einfach nicht mehr weglegen. Ich war richtig besessen davon. Nach dem ersten Treffen mit David habe ich ihm einen Brief geschrieben, weil ich gar nicht anders konnte, als ihm zu zeigen, wie sehr ich Teil dieses Films sein wollte.


Was hat Sie an der Figur interessiert?

Ich fand Kate als Charakter sehr faszinierend, weil sie nach Außen sehr tough wirkt - sie arbeitet ja als Personalchefin in diesem Hotel, hat also eine riesige Anzahl an Arbeitern unter sich und ist in dieser Position absolut professionell. Aber durch ihre Beziehung zu Hallam wird deutlich, dass hinter der harten Schale eine sehr sensible Seele steckt.


Wie war die Zusammenarbeit mit David Mackenzie?

David war großartig. Man hat als Schauspieler einfach viel mehr Spaß an der Arbeit, wenn man einen Regisseur hat, der genau weiß, was er will. Ich fühlte mich noch nie in solch kompetenten Händen. Für mich gibt es nichts schlimmeres, als an ein Set zu kommen und der Regisseur sagt „Du bist fabelhaft! Mach einfach, was du willst.", weil ich da nichts lerne. David zwingt dich, dich mit menschlichen Schwächen auseinanderzusetzen. Er ist sehr intelligent.


Wie war es mit Jamie Bell am Set?

Jamie ist ein Traum! Er ist so ein süßer Junge. Trotz des unglaublichen Erfolgs, den er schon in sehr jungen Jahren mit „Billy Elliot" hatte, ist er auf dem Boden geblieben. Sein Talent ist einfach enorm - und er wird immer noch besser und besser.


Hat es Spaß gemacht, die Szene zu drehen, in der sich Hallam und Kate sagen, wie sie ihre eigenen Geschlechtsteile nennen?

Ja, großen - auch wenn es total peinlich war, und wir waren beide ziemlich nervös. Die Situation ist ja auch sehr kindlich, es hat eine gewisse Unschuldigkeit, auch wenn sie über ihre Intimstellen reden. Ich finde die Szene wirklich sehr süß. Auf dem Blatt sah es ganz anders aus, aber wir haben etwas sehr Romantisches und Verspieltes daraus gemacht.


Es gibt auch ein paar recht deutliche Sexszenen. Fielen sie Ihnen leicht?

Ich war immer sehr strikt, was Nacktszenen in Filmen angeht, weil sie meistens völlig unangebracht sind. Oft wird einem nacktes Fleisch nur um seiner selbst willen präsentiert. Aber dieser Film handelt auch davon, Menschen heimlich zu beobachten, und wenn ich da prüde reagiert und ein Problem damit gehabt hätte, wäre jemand anders für die Rolle besser geeignet gewesen. Aber ich fühlte mich in keiner Sekunde ungeschützt oder ausgestellt. David hat alles dafür getan, damit ich mich wohl fühle. Wenn ich daran denke, dass ihn meine Eltern sehen werden, wird mir allerdings schon ein bisschen mulmig, aber so ist es eben. Der Film zeigt schließlich das wahre Leben.


Was hat Sie bei diesem Projekt begeistert?

Der Film ist so erfrischend, erzählt ehrlich und authentisch von menschlichen Schwächen und ist keine billige Boy-meets-Girl-Geschichte. Der Film macht uns allen klar, dass jeder von uns Licht und Schatten in sich trägt und jeder mit seinen Dämonen kämpft - und manche gehen damit ehrlicher um als andere.


Was ist Ihrer Meinung nach die Message des Films?

Ich weiß nicht, ob es „die" Message gibt. Ich fühle mich nicht in der Lage, das zu bewerten, weil ich selbst Teil davon bin. Aber ich bin davon überzeugt, dass jeder Zuschauer ihn sehr persönlich und auf sich bezogen interpretieren wird, was er für ihn bedeutet. Frag fünf verschiedene Leute und jeder hat eine andere Meinung zu dem Film.


Und für Sie selbst?

Ich denke vor allem, dass es eine wunderschöne Geschichte ist. Er wird dich mitten ins Herz treffen und etwas in dir auslösen.


Manchmal trifft man sich zur falschen Zeit am falschen Ort. Haben Kate und Hallam eine Chance?

Ich denke, beide haben im Leben des anderen einen starken Eindruck hinterlassen. Werden sie heiraten und zwei oder mehr Kinder haben? Wahrscheinlich nicht. Aber das ist doch das Tolle an dem Film: Man überlegt, was passieren wird. Der Film endet sehr hoffnungsvoll.


Quelle: Polyfilm

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