kopple.jpgDie preisgekrönte Dokumentarfilmerin Barbara Kopple (Oscar für County U.S.A und American Dream) spricht über ihren kommenden Film The Dixie Chicks - Shut up and Sing. Dieser berichtet aus dem Alltag der erfolgreichsten Frauenband aller Zeiten und zeigt die genauen Hintergründe, hinter der brisanten Aussage der Leadsängerin, als diese bei einem Konzert sagte, sie schäme sich dass der Präsident der USA aus Texas stammt, was schließlich zu großflächigen Protesten gegen die Band führte.


Interview mit Barbara Kopple:

Worum geht es in „Shut Up & Sing"?

Der Film nimmt die Zuschauer mit auf eine unglaubliche Reise mit den Dixie Chicks. Sie wurden zur Zielscheibe einer beispiellosen Hetzkampagne, mit der man ihnen ihr Recht auf freie Meinungsäußerung nehmen und sie zum Schweigen bringen wollte: Sie wurden von Radiosendern boykottiert, ihre CDs wurden zerstört - nur weil sie ein paar kritische Worte über den US-Präsidenten sagten! Der Film untersucht die Reaktionen, die diese Bemerkung auslöste - und versucht zu beleuchten, was während dieser Zeit im ganzen Land passierte.

Wie ist das Projekt entstanden?

Wir wollten eine Dokumentation über die Dixie Chicks drehen und traten kurz vor dem Start ihrer „Top Of the World"-Tour an sie heran. Doch sie sagten: „Nein danke, wir haben schon ein Kamerateam, das uns auf unserer Tour begleitet und Material für unsere Website filmt; ein weiteres Team wäre zu viel." Aber dann machte Leadsängerin Natalie Maines am ersten Abend der Tour auf der Bühne ihre verhängnisvolle Bemerkung über George W. Bush, und sofort brach ein unfassbarer Proteststurm los. Daraufhin telefonierte ich mit Cecilia - wir waren uns einig, dass wir den Film nun unbedingt machen mussten. Also ließen wir nicht locker, unterbreiteten den Dixie Chicks unsere Vorschläge und trafen uns mit ihrem Manager Simon Renshaw. Und schließlich ließen sie sich darauf ein. Sie hatten offenbar auch mit anderen Regisseuren gesprochen, doch am Ende gaben sie uns den Zuschlag: Wir bekamen grünes Licht für die Realisierung unseres Films.


Sie haben drei Jahre an dem Film gearbeitet. Wie haben Sie die Dixie Chicks in dieser Zeit persönlich erlebt?

Sie sind wundervoll, sie sind brillant, sie sind fantastische Musikerinnen. Und nach den fatalen Auswirkungen ihres George-Bush-Kommentars zeigten diese drei Frauen unglaublichen Mut - sie weigerten sich, irgendwelche Rückzieher zu machen. Die ganze Geschichte hat sie nur noch stärker gemacht. So wurde unser Film plötzlich zu einem Zeugnis ihrer Verwandlung: Wir sehen, wie die drei zwischen 2003 und 2006 zu Frauen heranreifen, die genau wissen, was sie wollen und wie sie es erreichen können - und die sich von niemandem mehr einschüchtern lassen.


In Ihrem Film zeigen Sie auch die private Seite der Dixie Chicks. Wie würden Sie das Verhältnis der drei Frauen beschreiben?

Ich habe noch nie Frauen gesehen, die emotional so eng miteinander verbunden sind wie die Dixie Chicks. Ihr Manager Simon Renshaw wurde im Lauf der Jahre fast zu einem vierten Mitglied der Gruppe: Anfangs versucht er sie noch so zu führen, dass die Geschäfte für sie möglichst gut laufen - aber sobald er sieht, in welche Richtung sie sich entwickeln, bemüht er sich, sie bei all ihren Wünschen zu unterstützen. Man spürt, wie wunderbar sie alle miteinander auskommen: Sie pflegen eine versaute Ausdrucksweise, erzählen schmutzige Witze, sprechen aber auch über ihre Kinder - schließlich sind sie nicht nur Musikerinnen, sondern auch Mütter. Und sie haben einfach einen phänomenalen Sinn für Humor. Vor allem können sie über sich selbst lachen. Sie sind einfach so menschlich und so authentisch! Und genau das hat mich an diesem Film so gereizt.


Man erlebt in Ihrem Film aber auch, wie gewisse Kreise versuchen, die drei fertigzumachen...

Wie Martie in dem Film sagt: Es war ein Kampf gegen die konservative Country-Musik-Szene, die versucht hat, die Dixie Chicks in eine Schublade zu stecken - man hat von ihnen erwartet, die typischen braven amerikanischen Mädchen zu sein. Und man wollte an ihnen ein Exempel statuieren. Doch die Leute sollten sich noch schwer wundern, mit wem sie es zu tun bekamen, als sie sich mit den Dixie Chicks anlegten!

Trotzdem müssen die drei während der Hetzkampagne sehr gelitten haben.

Natürlich. Aber mittlerweile sagen die Dixie Chicks selbst, es sei das beste Ereignis in ihrer gesamten Karriere gewesen. Sie kamen dadurch weltweit in die Schlagzeilen; sie konnten sich von den Fesseln der Country-Musik befreien und schreiben, was sie wollten. So wurden ihre neuen Songs für sie zu einer Art Therapie. Ich denke, was sie getan haben, ist das Positivste, das ihnen passieren konnte. Natürlich ist es jedes Mal schwierig, ein Risiko einzugehen, sich treu zu bleiben und für seine Überzeugungen einzustehen. Aber am Ende zahlt es sich immer aus!


Was haben Sie selbst aus den drei Jahren an Erfahrungen mitgenommen?

Persönlich haben mich die Dixie Chicks sehr stark inspiriert: Ich habe endlich begriffen, was Freundschaft und Loyalität bedeutet. Manchmal versticken wir uns so in unser eigenes Leben und unsere Probleme, dass wir die Menschen vergessen, die uns nahe stehen. Die Dixie Chicks haben mich dazu gebracht, über meine Familie und meine Freunde nachzudenken und sie wieder zu einem wichtigen Teil meines Lebens zu machen. Ich habe einfach noch nie so eine Stärke, einen solchen Zusammenhalt und eine derartige Solidarität zwischen Frauen erlebt wie bei den Dixie Chicks. Dazu der Mut, den sie bewiesen haben, und die Hoffnung, die sie der nächsten Generation geben können - all das macht sie in meinen Augen zu echten Heldinnen!


Quelle: Senator

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