VIS - Vienna Independent Shorts 2011: 26.05. - 01.06.
Sprechen wir von kurzen filmischen Formen, denken wir heute zuerst einmal ans Internet. YouTube, Vimeo und Co. haben unsere Seh- und Rezeptionsgewohnheiten stark verändert; wer es schafft, über die großen Plattformen mit einem Clip oder Kurzfilm für Eindruck und Millionen Klicks zu sorgen, hat gute Chancen auf kurzfristige Prominenz oder – in selteneren Fällen – sogar weltweiten Ruhm.
Unzählige Perlen schlummern jedoch auch lange Zeit unentdeckt in den großen Weiten der Videoplattformen – und nicht zuletzt hier kommt die Community ins Spiel: Im Zeitalter von sozialen Netzwerken und neuen Kommunikationskanälen wird Kollaboration groß geschrieben. Da wird das Publikum Teil des Schaffensprozesses, geschieht Arbeitsteilung durch Solidarität, wird das Kollektiv zum Kurator.
Im künstlerischen Bereich tangieren diese „New Communities“ natürlich auch Filmfestivals. Vielfach geschehen Einreichungen nur noch über spezielle Plattformen im Netz, stolpern Kuratoren in Foren über die neuesten Clips, werden statt DVDs nur noch Vimeo-Passwörter ausgetauscht. Dass einem Kurzfilmfestival gerade in diesem Umfeld die wichtige Aufgabe einer Kanalisierung und Selektion zukommt, um Entwicklungen und Prozesse sichtbar zu machen, davon sind wir zutiefst überzeugt.
VIS 2011 stellt daher nun in gewisser Weise ein vielwurzelig verflochtenes System aus kollektiven Entscheidungsprozessen dar. Aus der mehr als verdoppelten Anzahl von Einreichungen in diesem Jahr – rund 2.500 Filme aus 90 Ländern – wurden von den OrganisatorInnen 62 Kurzfilme aus 23 Ländern ausgewählt, die in den zwei internationalen Wettbewerbsschienen „Fiction and Documentary“ und „Animation Avantgarde“ im Metro Kino den Jurys und dem Publikum zur Bewertung überantwortet werden. Im Österreich-Wettbewerb konkurrieren 23 Filme um die Gunst von JurorInnen und ZuschauerInnen.
Aber auch bei den Programmen des Schwerpunkts „New Communities“ wurde mehrfach auf das Kollektiv gesetzt: Gemeinsam mit dem Magazin TBA wurden via Facebook die Musikvideo-Favoriten der Internet-Community gesucht und in einem Programm zusammengefasst. Für „Satyre und Parodey 2.0“ wurden die beliebtesten humoristischen Internet-Clips gesucht, kategorisiert und ausgewertet. Im Schikaneder beschäftigt sich ein Programm mit Aktivismus im Netz, im Planetarium bringt ein Spezialprogramm die erfolgreichsten Science-Fiction-Kurzfilme auf die Leinwand.
Zudem wird die renommierte Medienwissenschaftlerin Karin Wehn ein kommentiertes Filmprogramm zum Thema „Social Networks“ präsentieren. Die Wiener Filmakademie stellt – im 60. Jahr ihres Bestehens – in Kooperation mit dem Filmarchiv Austria eine Auswahl der Arbeiten der vergangenen zwei Jahre vor. Und die britische „Online-Ausstellungsfläche“ Animate Projects verweist mit Produktionen aus den vergangenen 15 Jahren auf ihr beeindruckendes künstlerisches Netzwerk.
Wenn wir schon bei den Gästen sind: Der kanadische Avantgardist Pierre Hébert zelebriert gemeinsam mit dem italienischen Komponisten Andrea Martignoni eine Live-Performance in der Reformierten Stadtkirche. Die Tributes sind dem genialen britischen Duo Semiconductor und der Wiener Comic- und Animationsgröße Nicolas Mahler gewidmet. Und unsere Artists-in-Residence, Max Hattler und Noriko Okaku, werden nach ihren Engagements beim Donaufestival auch die VIS-Eröffnung im Gartenbaukino zu einem audiovisuellen Fest machen.
Zum Schluss sei noch auf jene Programme verwiesen, denen die Community in Wien traditionell sehr zugewandt ist: Bei „Très chic“ wird wie immer dem abwegigen Humor gefrönt, beim „Liegekino“ (erstmals größer in der Rinderhalle Neu Marx) dem Musikvideo, beim „Patenfilmbrunch“ individuellen Lieblingen. Und bei der Preisverleihung und dem anschließenden „Fest of VIS“ am Badeschiff dem gesamten Festival. Mit dem kleinsten Autokino der Welt beim Festivalzentrum im MuseumsQuartier könnte heuer übrigens noch ein weiterer Publikumsliebling dazukommen… Viel Spaß bei VIS Vienna Independent Shorts 2011!
Quelle und Programm: http://viennashorts.com


















