DerGhostwriter-Scene06Das Jahr 2010 ist zu Ende und wie jedes Jahr werfen wir einen Blick zurück auf die Filme, die uns dieses Jahr am besten gefallen haben. Aussen vorgenommen werden dabei jene Filme, die nur auf Festivals (wie der in diesem Jahr besonders guten Viennale) zu sehen waren. Für die Aufnahme zählt der Kinostart in Österreich 2010, oder falls es keinen Kinostart gab der DVD-Erscheinungstermin. Die terminliche Ausgangslage sorgt aber immer wieder für Verwirrungen, bzw. ist auch für die Autoren nicht unbedingt leicht zu überblicken (vor allem da wir die meisten Filme vor Kinostart sehen und gerne in “Oscarjahren” denken). So haben die meisten von uns den großartigen Mary and Max schon letztes Jahr erwähnt, obwohl dieser erst dieses Jahr gestartet ist und auch The Hurt Locker, der 2008 in Venedig Premiere hatte und erst nach starken Turbulenzen (und Oscarrückenwind) überhaupt in Österreich 2010 startete wurde schon letztes Jahr von den meisten berücksichtigt (da ein österreichischer Kinostart noch nicht in Sicht war). So kommt es durchaus zu Wiederholungen und Terminverwirrungen, die dieses Jahr besonders Mary and Max und The Hurt Locker betreffen, die an dieser Stelle noch einmal extra erwähnt werden.

 

Gesamtwertung: Der Filmering.at Film des Jahres 2010

GhostwriterDer Ghostwriter

von Roman Polanski

Der einzige Film, der in den Top 10 Listen von all unseren (für den aktuellen Kinobetrieb verantwortlichen) Autoren vorhanden ist. Roman Polanski inszenierte mit Der Ghostwriter einen klassischischen, angenehm unaufgeregten Thriller mit fabelhafter Atmosphäre und großartigen Darstellern.

Michael Föls:

InceptionInception

von Christopher Nolan

Der wichtigste Film des Jahres: Christopher Nolan zeigt zu was das moderne Blockbusterkino noch fähig ist. Eine fabelhaft ungewöhnliche Struktur, eine verschlungene Inszenierung und eine nachhaltige Wucht, die selten ist. Grandiose Effekte, fabelhafte Darsteller und eine kreative Idee die wunderbar genutzt wurde. Inception ist ganz großes Kino, das unterhält ohne den Verstand zu vergessen.

 

1. Inception

2. The Hurt Locker

3. Toy Story 3

4. Green Zone

5. Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen

6. Exit Through the Gift Shop

7. Up in the Air

8. Hunger

9. Buried

10. Der Ghostwriter

 

Eine Notiz in eigener Sache: Als großer Martin Scorsese Fan wäre Shutter Island natürlich ein heißer Kandidat für meine Liste. Und wäre die Auflösung nicht derart stupide ausgefallen, würde der Film auch ganz weit oben zu finden sein (mit anderer Auflösung hätte es vielleicht zur Nummer 2 gereicht). Nichtsdestotrotz kriegt Shutter Island von mir eine löbliche Erwähnung für den vielleicht am besten inszenierten Film des Jahres. Regiepreis für Martin Scorsese wenn man so will.


Florian Widegger:

Ghostwriter1. Der Ghostwriter

von Roman Polanski

auf den weiteren Rängen, ohne Reihung:

Invictus

Les herbes folles / Vorsicht Sehnsucht

Toy Story 3

Des hommes et des dieux / Von Menschen und Göttern

Monsters

Eigenheiten einer jungen Blondine

Shutter Island

Unstoppable

Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen


Marco Rauch:

MoonMoon

von Duncan Jones

1. Moon – Einer der besten Sci-Fi Filme seit langem
2. The Road – Grandiose Adaption eines noch besseren Romans
3. Der Ghostwriter – Ein nahezu perfekter Thriller
4. The American – Ohne Spannungsbogen, aber trotzdem fesselnd und packend
5. The Imaginarium of Dr. Parnassus – Imaginativ, originell und mit einem teuflischen Tom Waits
6. Fantastic Mr. Fox – Der beste Animationsfilm des letzten Jahres
7. Shutter Island – Scorsese in Hochform
8. Valhalla Rising – Tolle Mischung zwischen Terrence Malick und Conan der Barbar
9. Somewhere – Ruhige und eindringliche Ckarakterstudie
10. Rammbock – Vielleicht keiner der besten Filme des Jahres, aber wohl der beste österreichische Film des Jahres

Zum Spaß hier noch meine Flop 5
1. Inception – Nicht zwangsläufig der schlechteste Film des Jahres, aber die größte Enttäuschung.
2. Gamer – Einfach nur schlecht.
3. Grown Ups– Eher zum Weinen als zum Lachen.
4. Salt – Es gab dieses Jahr wohl keine langweiligeren Actionszenen.
5. Monsters – Gute Idee und solider Anfang, aber das reicht nicht für den ganzen Film.

Meine 2011 Vorschau
The Tree of Life – Endlich kommt der neue Terrence Malick Film ins Kino.
True Grit – Ein Westernremake der Coens sieht mehr als nur vielversprechend aus.
Source Code – Nach dem großartigen Moon ist die Erwartungshaltung für diesen Film hoch.
127 Hours – Eine spannende, starke Geschichte gepaart mit dem Erzählstil Danny Boyles, sollte gut werden.
Battle: Los Angeles – Ein harter Sci-Fi Kriegsfilm, der frisch und anders ausschaut.
The Way Back – Peter Weir hat’s einfach drauf und hier kann er es erneut unter Beweis stellen.
The Adjustment Bureau – Eine neue Philip K. Dick Verfilmung ist ein Muss.
The Fighter - Christian Bale könnte hier wieder mal eine grandiose Leistung abliefern.


Christoph Stachowetz:

GhostwriterDer Ghostwriter

von Roman Polanski

1. Der Ghostwriter – Polanski kehrt zurück, in absoluter Hochform
2. The Road – Grandiose Atmosphäre, gute Schauspieler, perfekte Vorlage
3. Monsters - toller Indiehit mit kompetenter Inszenierung
4. Scott Pilgim vs the World - Nerdig und witzig, beste Comicverfilmung seit langem
5. Valhalla Rising – Fantastisch-Metaphysische Odyssee, mit der niemand gerechnet hat
6. Fantastic Mr. Fox – Schräg wie erwartet, tolles Figuren- und Set-Design
7. Moon – Die Überraschung des (letzen) Jahres, eindrucksvoll bis zuletzt
8. The Town / Centurion (ex aequo) - Beide sehr kurzweilig, geradlinig und gut gespielt
9. The American – Regisseur Corbijn sollte man genau im Auge behalten, tolles Werk
10. Drachenzähmen leicht gemacht - Man kann sich auch selbst überraschen durch unangebrachte Skepsis!

Von den späten 50er Jahren bis tief hinein in die 70er war die Commedia all’italiana weltweit ein Synonym für die virtuoseste und beißendste Form sozialkritischer Unterhaltung - ein besseres populäres Kino war nicht denkbar. Es errang nicht nur große Erfolge beim Publikum, sondern auch zahlreiche Regie-, Drehbuch- und ­Dar­stellerpreise bei den großen Filmfestivals. Als Stammvater dieses zutiefst realistischen, bitte­ren Komödienstils gilt Mario Monicelli, ihr wohl bekanntester Vertreter wurde der Neorealist Pietro Germi mit Welterfolgen wie Scheidung auf italienisch. Ihr wahrer Meister aber war Dino Risi, ein modernes, sardonisches Genie des abgründigen Lachens. Risis Lehrjahre als Psychiater und Dokumentarfilmer ­prägen auch sein späteres Werk: Wie kein zweiter verstand er es, der Gegenwart einen klärenden Zerrspiegel vorzuhalten und den Italienern ihre Eitelkeiten vorzuführen.
Die umfassende Schau, die das Filmmuseum zur Commedia all’ italiana offeriert, ist auch eine Fortsetzung und Vertiefung des letztjährigen Großprojekts zum italienischen Kino der 60er Jahre. Dessen Reichtum verdankte sich der produktiven Koexistenz von „Kunst­filmern“, Genre-Meistern und herausragenden Komödienschöpfern. Letztere, allen voran das Autorengespann Age & Scarpelli, hatten ihr Handwerk u.a. bei satirischen Zeitschriften und in der Arbeit mit Komikern wie Totò erlernt, sie transformierten aber auch die Lektionen des Neorealismus. Mario Monicelli etwa legte grandiose Fresken vor (z. B. I compagni, über das politische ­Er­wachen ausgebeuteter Textilarbeiter), in denen Satire und emotionale Kraft ganz ohne Anstrengung zusammen gehen: „In den 50er Jahren war es verboten, über soziale Probleme zu scherzen. Uns bereitete das jedoch Vergnügen. Wir genossen es, ein Kino zu ­machen, das unmittelbar mit den Leuten zu tun hatte, die wir kannten und denen wir begegneten, in Fabriken, auf Bahnhöfen oder im Bus.“
Als Ur-Werk der Commedia all’italiana gilt Monicellis klassische Gaunerkomödie I soliti ignoti von 1958, dem Auftakt des italienischen Wirtschaftswunders, das bald sogar zu Filmtitel-Ehren kam: Il boom war Vittorio De Sicas süßsaure Moritat über die Aufsteiger und Neureichen dieser Ära. Dino Risi: „Der Boom hat die Perspektive verändert. Der Neorealismus war zu einem Manierismus geworden. Es genügte nun nicht mehr, die Realität zu filmen, man musste sie erklären.“ Erklären hieß: Illusionen vertreiben, Mythen entzaubern, Ideologien aufspießen. Z.B. den Kult um die Familie und die Kirche; die Verfilzung von Politik, Wirtschaft und Verbrechen (Alberto Lattuadas Mafioso); den Selbstbetrug rund um den Krieg (in Mario Monicellis bahnbrechendem La grande guerra oder Luigi Comencinis Tutti a casa); das patriarchale System in Sizilien (Germis Divorzio all’italiana und Sedotta e abbandonata); die Verharmlosun­gen der faschistischen Vergangenheit (kräftig revidiert in Dino Risis La marcia su Roma oder Luciano Salces Il federale) - und vor allem das weit verbreitete Sich-Arrangieren und Mitläufertum der italienischen Bourgeoisie, wie in Risis erbarmungs- und illusionslosem Una vita difficile.
Die kanonische Phase des Genres endete zeitgleich mit dem Boom. Ab 1964 begann es zu mutieren und brachte diverse faszinierende Ausläufer hervor: eine herbe Melancholie (wie in Ettore Scolas Meisterwerk C’eravamo tanto amati), einen düster existentialistischen Grundton (Luigi Comencinis Lo scopone scientifico), der schließlich dem puren sozialen Horror nahekam (Monicellis Un borghese piccolo piccolo), oder ein Abbiegen in die Gegenrichtung, in träumerisch-nostalgische Gefilde (Franco Brusatis Pane e ciocco­lata). Auch im US-Kino der 1960er und 70er Jahre, z. B. bei Robert Altman, finden sich späte Echos der klassischen Commedia. In ­unter­schiedlicher Weise basieren sie alle auf jenem Bestiarium ­einer Epoche, das Dino Risi 1963 mit I mostri (Die Monster) gestaltet hatte - gefolgt von Antonio Pietrangelis vergleichbarem, aber ins Tragische kippenden Sozio-Kaleidoskop Io la conoscevo bene. Diese Filme legen den Kern der Commedia all’italiana frei - „ein kleines Welttheater der Niedertracht, eine Galerie nuancen­reicher Archetypen: der egoistische Nichtsnutz, der feige Klein­bürger, der faule Opportunist, der scheinheilige Katholik, der ­Schürzen­jäger, der sich weigert, erwachsen zu werden“ (Gerhard Midding).
Der besondere Geist der Commedia all’italiana ist nur zum Teil durch ihre Regie-auteurs erklärbar. Nicht minder wichtig waren die Drehbuchautoren - und vor allem die großen Darsteller: Vittorio Gassman, Alberto Sordi, Nino Manfredi, Ugo Tognazzi, Marcello Mastroianni. Sie wandeln gerne auf einem doppelten Boden der Täuschung und Intrige, zugleich bringt ihr Spiel das Typische bestimmter sozialer Masken und regionaler Besonderheiten zum ­Ausdruck. Sordi war jener, der die Commedia am Vollständigsten verkörperte - er inspirierte fast alle Regisseure des Genres. Der ewige furbo Gassman war das unverzichtbare Zentrum in Risis Meisterwerken, von Il sorpasso bis Profumo di donna. Tognazzis anarchisch-asoziale Energie prägte Luciano Salces Schaffen und verbindet auch das Kino von Marco Ferreri mit der Commedia all’italiana. Mastroianni wiederum verlieh jedem Film, in dem er auftrat, eine gewisse Verlorenheit - eine pastellene Schwermut, die ebenso zur Commedia gehört wie die gedämpften Hoffnungstöne Monicellis oder der opake Zorn, der durch das Kino von Dino Risi rast.
Das Programm wird begleitet durch Vorträge von Adriano Aprà, Gerhard Midding und Giovanni Spagnoletti sowie durch Einführungen von Olaf Möller.
Die Schau findet in Kooperation mit Centro Sperimentale di Cinematografia-Cineteca ­Nazionale und Cinecittà Luce sowie mit Unterstützung des Italienischen Kulturinstituts in Wien statt.

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