Berlinale 2013 – Ulrich Seidl und seine „humorvolle Gnadenlosigkeit“!
Gestern besuchte Ulrich Seidl zusammen mit der Drehbuchautorin der Paradies-Filme, Veronica Franz, dem Kameramann Ed Lachman sowie den Schauspielern Michael Thomas, Melanie Lenz und Joseph Lorenz, die Berlinale, um seinen Film Paradies: Hoffnung vorzustellen.

Mit seiner Paradies-Trilogie hat der österreichische Regisseur das Rampenlicht auf sich geworfen. Ursprünglich war Paradies als ein dreiteiliger Episodenfilm über drei Frauen in einer Familie geplant, allerdings entschloss sich der Regisseur nach vier Jahren drei Filme daraus zu machen, da er insgesamt 90 Stunden gedreht hatte und der Meinung war, dass der Zuschauer bei einem sechs Stunden langen Film emotional überfordert wäre. Der Regisseur formte infolgedessen drei Filme aus dem vorhandenen Material. Der erste Teil Paradies: Liebe wurde in Cannes uraufgeführt. Daraufhin folgte Paradies: Glaube auf den Filmfestspielen in Venedig und nun nimmt sein dritter Film der Reihe, Paradies: Hoffnung, am Wettbewerb der Berlinale 2013 teil und hat demzufolge die Chance den Goldenen Bären mit nach Hause zu nehmen.

Das Casting der Hauptdarstellerin Melanie Lenz löste damals einen Skandal aus. Seidl suchte „dicke Mädchen“, wurde daraufhin für die Ausdrucksweise kritisiert. Melanie Lenz war damals dreizehn und ging zur Hauptschule. Zum Casting ist sie dann hingegangen, um Spaß zu haben. Nach circa einem Jahr kam dann die positive Nachricht.

Ungewöhnlich ist, dass Seidl am Set ohne Drehbuch arbeitet beziehungsweise dieses nicht seinen Darstellern gibt. Er sagt ihnen zwar, wie er sich die Situation, die Charaktere und die Szene vorstellt, die Schauspieler müssen sich aber ihren Text mehr oder weniger selbst ausdenken und demnach improvisieren. Das Skript ist nur die Ausgangsbasis und soll am Set weiter ausgebaut werden. Seidl verlässt sich auf diese Drehweise, weil er den Faktor Zufall äußerst interessant findet.

Thematisiert wurde auch die "humorvolle Gnadenlosigkeit" des Filmemachers, der ein Händchen für pikante Filmthemen hat. Beispielsweise skizziert er „dicke“ Frauen (Teresa in Paradies: Liebe) und verstößt dabei gleichzeitig gegen die mediale Darstellung der Frau und dem Schönheitswahn Hollywoods. Abschließend sprach Seidl über sein neuestes Filmprojekt Im Keller. Der Keller soll darin als Aufenthaltsort des Mannes gezeigt werden, als Partykeller, Bastelkeller usw, oder auch als Widerspiegelung der inneren Welt des Mannes, sodass auch das Dunkle und Böse im Menschen hierbei hervorkommen soll.
Paradies: Hoffnung (2013)
Kinostart: 15.03.2013

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