Duell (1971)

OT: - 90 Minuten - Thriller
Duell (1971)
Kinostart: 07.08.1973
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Duell

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Jeder fängt mal klein an. Dies gilt auch für Steven Spielberg („Raiders of the Lost Ark“, „Jurassic Park“), der beim amerikanischen Kabelfernsehen begann und mit „Duel“ dort auf sich aufmerksam machte. Mit 24 Jahren und nicht ganz einer halben Millionen Dollar drehte er in drei Wochen einen Film, der so gut bei seiner TV-Erstausstrahlung ankam, dass die Geldgeber Spielberg eine weitere Finanzspitze zur Verfügung stellten, damit er den Film auf Kinolänge mit zusätzlichen Szenen aufbereiten konnte. Der Rest ist Filmgeschichte. Der Film war ein Erfolg und vier Jahre später durfte der Mann auf dem Regiestuhl mit „Jaws“ seinen endgültigen Durchbruch feiern. Seine Filme prägten die Achtziger, sind unlängst in den Klassiker-Status erhoben und auch wenn Spielbergs kreative Schaffenskraft Anfang der Neunziger versiegte, steht seine Name immer noch für Qualität.

Der Titel „Duel“ ist Programm, denn um nichts anderes geht es hier. Der Geschäftsmann David Mann (Dennis Weaver) muss zu einem dringenden Termin. Die Zeit ist ohnehin knapp und so einen schwerfälligen, riesigen Tanklaster der vor ihm den freien Highway blockiert und mit seinen Abgasen die Atemluft verpestet, kann er jetzt gar nicht gebrauchen. Also überholt er ihn, ohne zu wissen, dass er einen Kampf auf Leben und Tod, einen Wettrennen ums Überleben, lostritt. Denn der, im übrigen während des gesamten Films nicht zu sehende, Fahrer fühlt sich provoziert und versucht nun seinerseits ihn erst einzuschüchtern und als die Lage sich zuspitzt, ihn umzubringen.

Viel erfahren wir über David Mann nicht. Aber er ist ein opportunistischer Feigling, der Problemen lieber aus dem Weg geht, als sie zu lösen. Doch dieses tonnenschwere Ungetüm erweist sich als überaus hartnäckig und denkt gar nicht daran sein auserkorenes Opfer einfach so ungestraft gehen zu lassen. Das fehlende Motiv zu den Taten spielt der Spannung in die Hände, bleibt der Unbekannte doch eine unberechenbare Konstante. Unterstützt vom treibenden Score Billy Goldenbergs („The Domino Principle“) zieht Spielberg hier alle Register, ohne irgendetwas neu zu erfinden. Er ist ein talentierter Filmemacher, der sich das nötige Wissen angeeignet hat, um maximale Spannung zu erzeugen. Seinen Protagonisten isoliert er nahezu von der Umwelt. Niemand will ihm seine Geschichte abnehmen, Mann bleibt mit seinen Gedanken schnell deswegen lieber allein, malt sich die Realität so aus, dass alles lediglich Zufall gewesen ist. Nur um nach seinem Zwischenstopp eines Besseren belehrt zu werden. Aber der Termin... also muss er weiter.

Die abwechslungsreiche Kameraarbeit, die an der Stoßstange klebt, panisch in den Rückspiegel schaut, dann wieder in die Totale wechselt, um die Einsamkeit dieses Duells in der endlosen Wüstengegend zu versinnbildlichen, oder auch mal innovativ durch die Tür einer Waschmaschine blickt, ist für einen TV-Film außergewöhnlich gut. Wenn Spielberg das Tempo anzieht und der Truck sich nähert, erhöht sich auch die Anzahl der Schnitte, wird die Kamera hektischer, scheint David wieder dem Tod ins Auge zu blicken. Ganz allein dem Regisseur ist es zu verdanken, dass der Film über die volle Distanz schafft, sein hohes Spannungsniveau beizubehalten. Wahrlich nicht einfach, wenn man ständig von einer einzigen Situation zehren muss und einem irgendwann auch die Steigerungsmöglichkeiten, meist in Form von Defekten am Auto, ausgehen. Das Gelingen begründet sich auch darin, dass der zusehends dämonisierte Truck ständig aus dem Nichts zu kommen scheint und in seiner bedrohlichen Aura schon fast übersinnlich bösartig erscheint.

Für David Mann stellt diese nervenzerrende Situation auch eine Bewährung dar, denn sein Charakter, so vage der Film zugunsten der Spannung auch bleibt, macht einen Wandel durch. David kann seiner wankelmütigen Lebensphilosophie nicht treu bleiben, sondern muss Entscheidungen treffen, sich stellen und den Kampf aufnehmen, um mit heiler Haut davon zu kommen. Ein besonderes Lob gilt hierbei Dennis Weaver. Denn obwohl sein nicht unbedingt sympathischer Filmcharakter nicht zur Identifikation einlädt, fiebert man doch mit ihm, gerät ins Schwitzen und schmeckt Staub, wenn er von der Fahrbahn abkommt, sein Auto wieder unter Kontrolle zu bringen oder panisch zu starten versucht. Seine Todesangst und die Ungewissheit überträgt sich schon nach wenigen Minuten der Extremsituation auf den Zuschauer, ohne ihn einmal wirklich durchatmen zu lassen.

Fazit:
Minimalistischer Road-Thriller, der das Glück hatte über einen enorm talentierten Regisseur zu verfügen. Eine exzellente Kameraarbeit, gepaart mit dem spannungsfördernden Score und einer ebenso guten Arbeit des Cutters, hieven „Duel“ innerhalb seines Genres locker neben „The Hitcher“. Über die kurze Laufzeit von 85 Minuten entfaltet sich hier ein hochspannender, unvorhersehbarer Trip, von dem wohl auch heute noch viele Filmemacher träumen. Selten wurde aus so wenigen Möglichkeiten so viel gemacht.

Wertung:
8/10 Punkte


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