Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott (2010)

Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott
Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott
OT: Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott

Filmstart: 01.10.2010 | Laufzeit: | Komödie

DieUnabsichtlicheEntfuhrung-Scene01Der österreichische Film wird in der Regel auf zwei Arten wahrgenommen: Die Weltöffentlichkeit schätzt unsere Arthouse Filme von Michael Haneke, Ulrich Seidl und Co. die regelmäßig Preise bei großen Festivals einheimsen und ansonsten kennt man noch die Kabaretstücke unserer Filmlandschaft. Eine gute Mainstreammittelschicht scheint dabei aber auf der Strecke zu bleiben. Andreas Prochaska, will dies scheinbar ändern. Mit In 3 Tagen bist du tot hat er bereits einen durchaus sehenswerten Teen-Slasher vorgelegt und nun folgt mit der Komödie Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott, der nächste Streich. Irgendwo zwischen Gebrüder Coen und Judd Apatow, angereichert mit österreichischem Charakter, sorgt der Film für wunderbar kurzweilige Unterhaltung.

 

Horst (Andreas Kiendl) kassiert nun seit über zwei Jahren die Pension seiner verstorbenen Großmutter. Um den Schwindel aufrecht zu erhalten müssen natürlich alle Nachbarn denken, dass die Großmutter noch lebt. Doch gemeinsam mit seinem Kumpel Toni (Michael Ostrowski) kriegt er es schon irgendwie hin. Problematisch wird die Sache nur, als sich ein Lokalpolitiker ankündigt um der Oma zum Geburtstag zu gratulieren. Nun muss schnell gehandelt werden: Die beiden schleichen sich ins Krankenhaus und „borgen“ sich eine andere alte Frau aus. Dabei handelt es sich um die bekannte Schauspielerin Elfriede Ott (spielt sich selbst), worauf natürlich eine große Suche ausbricht. Und Horst und Toni werden plötzlich unfreiwillig zu Entführern…

 

DieUnabsichtlicheEntfuhrung-Scene02Andreas Prochaska zeigt auch mit seinem neuesten Film, dass er in der Lage ist das heimische Mainstreamkino zu bereichern. Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott gibt sich von Beginn an herrlich unverkrampft. Die Filmemacher scheren sich lapidar ausgedrückt nichts und scheinen einfach Spaß beim Drehen gehabt zu haben. Ausserdem schafft es der Film geschickt die Balance zu wahren und bleibt auf der einen Seite zwar frech und jugendlich, verfällt aber auf der anderen Seite nicht dem Wahn mit aller Gewalt hip zu sein. Stattdessen wirkt alles genau so wie es sein muss und alles fügt sich zu einem herrlich durchgeknalltem Spaß zusammen.

 

Dabei hat der Witz durchaus etwas vom Humor der Gebrüder Coen. Eine Entführung, die ja eigentlich gar nicht so gemeint war, läuft gründlich schief und es folgen einige Verwechslungen und Missverständnisse, die dafür sorgen, dass die Protagonisten in einer Spirale stetig nach unten gezogen werden. Addiert werden diese Zutaten vor allem mit einem etwas derben Humor, der durchaus unter die Gürtellinie abzielt und den sich die Filmemacher scheinbar von US-Erfolgsproduzent Judd Apatow abgeschaut haben. Aber es gelingt dem Film dennoch die seltene Mischung, dass nicht nur von den US-Vorbildern geklaut wird, sondern tatsächlich eine Verschmelzung mit etwas zutiefst „österreichischem“ gelingt.

 

DieUnabsichtlicheEntfuhrung-Scene08So wird Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott tatsächlich zu einem erfrischendem Spaß, der viel richtig macht und für einen unterhaltsamen Kinoabend sorgt. Die Darsteller geben sich in bester Spiellaune, die Dialoge funktionieren, der Film ist dynamisch inszeniert und vor allem erzielt man eine angenehm hohe Trefferquote bei den vielen Gags. Das einzige Problem ist jedoch das Ende. Nicht nur, dass es nicht gelingt die Plotverwirrungen zufriedenstellend aufzulösen, auch der gesamte Ansatz des Finales ist ein völliger Schuss in den Ofen und passt stilistisch gar nicht zum Film. Das ist schade, aber ansonsten unterhät Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott wirklich vortrefflich.

 

Fazit:

Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott ist eine gelungene heimische Komödie, die sich einige Ansätze von den großen US-Vorbildern abschaut, aber es trotzdem schafft diese Ansätze mit einem österreichischen Flair zu verbinden. Das Ergebnis ist wirklich gelungen, lediglich am Ende bricht der Film mit seinem Stil, schafft es nicht die Storyfäden aufzulösen und hinterlässt einen etwas schalen Nachgeschmack. Doch bis zur misslungenen Auflösung funktioniert der Film wirklich prächtig.

 

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8/10

Super Unterhaltung

Ich hatte einen Heidenspaß mit dem Film. Eine wunderbare Verwechslungsgeschichte mit schrägen Figuren. Könnte fast von den Coens sein der Film.

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5/10

Das Problem mit der Realität

Alle Darsteller in diesem Film sind genial. Und dennoch ging ich mit einem seltsam unbefriedigten Gefühl aus dem Kino. Es dauerte nicht lange, und ich wusste warum: Die Frau Ott musste kein einziges Mal in ihrer etwa zwei Tage dauernden Gefangenschaft aufs Klo. Und das ist so bitter unrealistisch, dass es weh tut. Warum wagen sich FIlmemacher nicht an SO ein Thema, wenn sie schon ältere Damen entführen? Es wäre doch eine tolle Herausforderung gewesen, dieses Thema smart und lustig zu behandeln, ohne sich lustig zu machen. Oder? Ich dachte ein, zwei Mal dran, während der Film lief, dass die meisten Menschen als erstes zur Toilette müssen, wenn sie aufwachen. Frau Ott (liebenswert, kein Zweifel), aber mit einer Leibefülle in Positionen dargestellt, die mir Zuschauerin ab und zu klaustrophobische Anflüge einbrachten, wacht auf und muss nicht aufs Klo, oh nein. Sie hat auch keinen Durst, oh nein, nein, sie will - Biskottentorte. Nein, sorry, aber das glaube ich einfach nicht. Es war mir ganz schlecht beim Gedanken. Es reißt einen -und das müssen österreichische Filmemacher einfach einmal kapieren - aus einem Film, wenn etwas total Unrealistisches daherkommt (außer es ist ein unrealistisch gemeinter Film, sowas Abstraktes). Also bitte, BITTE kann mir jemand erklären, warum um alles in der Welt ein Mensch, der ein Pferdeberuhigungsmittel nimmt, auf einmal zum Schnauben und Wiehern anfängt? Wandelt die Chemikalie einen in ein Pferd um? Das war wirklich und absolut und total - blöd. Eine Liebeserklärung an Frau Ott hätte die Dame so darstellen sollen, dass sie weniger oft so wirkt, als wäre ihr heiß und als könnte sie sich kaum rühren in ihrem Pyjama.

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