The Social Network (2010)

OT: The Social Network - 120 Minuten - Drama
The Social Network (2010)
Kinostart: 08.10.2010
DVD-Start: 10.03.2011 - Blu-ray-Start: 31.03.2011
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Filmkritik zu The Social Network

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Facebook ist heutzutage aus der globalen Internetwelt eigentlich kaum mehr wegzudenken und hat einen Status, der wohl nur mehr von Google überboten wird. Die Seite wurde im Jahr 2004 gegründet und startete von den Elite-Unis in den USA aus ihren Siegeszug rund um den Globus und hat laut eigenen Angaben mittlerweile weltweit 500 Millionen Nutzer. Doch trotz dieser Vormacht im Internet ist es bei weitem nicht selbstverständlich, dass nun mit The Social Network ein Hollywood-Blockbuster zum global player des Web 2.0 vor der Tür steht. Von einer befürchteten Lobeshymne ist der Film jedoch weit entfernt. Allerdings stellen sich anfängliche Befürchtungen als begründet heraus: Denn so richtig überzeugt der Stoff, trotz starker Inszenierung, nicht.

 

Mark Zuckerberg (Jesse Eisenberg) sitzt gemeinsam mit seiner Freundin (Rooney Mara) in einem Lokal. Nachdem der Computerfreak sich einen Fehltritt zuviel leistet macht sie Schluss mit ihm. Sie stellt klar, dass er in seinem Leben immer ein Problem mit Frauen haben wird. Doch nicht weil er ein Technik-Geek ist, sondern weil er ein Arschloch ist. Als Reaktion darauf blogt sich Zuckerberg seinen Frust von der Seele und entwickelt eine Homepage: Seine Mitstudenten können dabei Bilder der Harvard-Studentinnen miteinander vergleichen und wählen welche heißer ist. Der Erfolg führt zu einem Crash des Uni-Netzwerks und bringt Zuckerberg eine Strafe ein. Doch er bastelt schon wieder an der nächsten Idee: Ein soziales Netzwerk, das er gemeinsam mit seinem Kumpel Eduardo Saverin (Andrew Garfield) auf die Beine stellt...

 

The Social Network verdient sich schon auf Grund einer Tatsache die Beachtung der Filmfans: Denn Meisterregisseur David Fincher, der mit Filmen wie Fight Club und Sieben das moderne Hollywoodkino (Stichwort Mind Game Movies) mitgeprägt hat, hat dem Projekt die Ehre erwiesen die Regie zu übernehmen. Und alleine aufgrund dieses Fakts konnte man hoffen, dass es in der Story von The Social Network einen Aspekt gibt, der über ein bloßes Biopic hinausgeht. Auch die Tatsache, dass Aaron Sorkin, bekannt für seine Drehbücher zu Eine Frage der Ehre und Der Krieg des Charlie Wilson, als Autor mitmachte ließ hoffen.

 

Tatsächlich kann man verstehen was diese Hollywood-Schwergewichte dazu bewogen hat The Social Network zu drehen. Das Thema ist nicht nur „hip“, da Facebook in aller Munde ist und ein Film über das umstrittene Portal fast schon eine Garantie für ordentlichen medialen Rückenwind hat, es steckt auch eine menschliche Komponente in der Gründungsgeschichte, die wohl besonders für Fincher den Anreiz gegeben hat die Regie zu übernehmen. Denn der Aufbau von Facebook geht einher mit Verrat, Betrug und sozialen Störungen. Die größte Ironie dabei ist, dass absolute soziale Aussenseiter mit soziopathischen Zügen das größte Soziale Netzwerk der Welt erschaffen haben und Menschen mit Kommunikationsproblemen die Kommunikation über das Internet neu definiert haben.

 

Eines ist jedenfalls sicher: Der jüngste Milliardär der Welt, Mark Zuckerberg, wird wohl keine Freude haben an seinem Biopic. Denn Jesse Eisenberg interpretiert Zuckerberg als verklemmten, unsympathischen Nerd der unfähig ist soziale Kontakte zu pflegen und über Leichen geht. The Social Network wirkt fast wie ein Rundumschlag gegen Zuckerberg, dem man am Ende alles zutrauen würde. Den Kritikpunkt, dass The Social Network nur ein langer Facebook Werbespot ist, kann man auf jeden Fall klar von der Hand weisen. Denn am Ende des Films hat man eher bedenken seine Daten in diese Klauen zu übergeben. Es fällt jedoch schwer zu beurteilen inwiefern sich die Charakterisierung Zuckerbergs mit der Realität deckt und an vielen Stellen hat man das Gefühl, dass The Social Network allzu negativ skizziert.

 

Ein weiteres Problem ist, dass Eisenberg keinerlei Charisma versprüht. Es entsteht somit keinerlei Ambivalenz in seiner Figur, sodass sie nur als Kick gegen Zuckerberg verstanden werden kann. Eisenberg liefert zweifellos eine gute Leistung und bringt den gebrochenen Charakter seiner Figur gut rüber, allerdings mangelt es an einem starken Gegengewicht. The Social Network malt schwarz und nur schwarz und es fehlt ein Gegenpol an dem sich dieser Aspekt reiben kann. Deshalb entsteht auch keine Kraft in der Performance und es ist sehr schwierig einen Film mit einer derart unsympathischen und wenig faszinierenden Hauptfigur zu tragen die man eigentlich nur als Arschloch bezeichnen kann. Auch der neue Spider-Man Darsteller Andrew Garfield spielt lediglich solide, aber schafft es nicht den Film zu tragen. So kommt es tatsächlich so weit, dass die charismatische und ambivalente Darbietung von Justin Timberlake als Sean Parker die einzige wirkliche Wohltat des Films ist, da es zumindest eine Figur gibt die Ausstrahlung besitzt.

 

Für David Fincher ist The Social Network sicherlich ein Schritt in eine neue Richtung. Und es liegt auch nicht an seiner Inszenierung, dass der Film nicht durchgehend gelingt. Zwar ist seine Handschrift schwerer zu erkennen als sonst, wohl weil er sich auch in einem völlig anderem Millieu als üblich bewegt, aber einige Regiekniffe, wie beispielsweise eine wunderbar verfremdete Ruderszene und generell ein rastloser und temporeicher Stil, zeugen von seinem Talent Geschichten zu erzählen. Besonders dank der, wirklich sehr gelungen, Musik von Trent Reznor, sitzt der audiovisuelle Aspekt von The Social Network perfekt und handwerklich ist dem Film rein gar nichts vorzuwerfen (ausser dass manche Bilder vielleicht etwas arg dunkel geworden sind, was nicht wirklich im Sinne des Stoffs ist).

 

Das grundlegende Problem von The Social Network findet sich im Drehbuch. Und auch hier gilt: Nicht Aaron Sorkin ist schuld, denn auch er macht das Beste aus der Lage. Er baut die Szenen mit doppeltem Boden auf in dem er die Haupthandlung mit Szenen im Gerichtssaal (als Zuckerberg beschuldigt wird die Idee zu Facebook gestohlen zu haben) gegenschneidet. So entpuppen sich Szenen, die man in der Gegenwart der Erzählung vermutet, als Rückblenden aus der Sicht von Charakteren. Auch sorgen Sorkins spritzige Dialoge und sein Sinn für Unterhaltung dafür, dass The Social Network stets kurzweilig bleibt und man es schlussendlich auch nicht bereut den Film gesehen zu haben.

 

Auch macht es durchaus Spaß die Probleme des Collegelebens, die ja wahrlich schon in unzähligen Serien und Filmen verarbeitet wurden, einmal in der Hand eines wirklich guten Regisseurs und Autors zu sehen. So gibt es durchaus klischeehafte Situationen, der Eintritt in Verbindungen wird zum Problem und König Sex regiert sowieso die Welt, aber Fincher schafft es spitzfindig diese Klischees zu neuen Ufern zu führend und stimmungsvoll in den Charakteren zu verankern. Auch sein Spiel mit den Rollenstereotypen ist spannend, wenngleich er seiner Hauptfigur, wie bereits erwähnt, zu wenige Facetten gegönnt hat und ich glaube, dass hier eine differenzierte Darstellung besser wäre. Doch trotzdem ist The Social Network mit seiner Schilderung der scheinbar völlig hilflosen Nerds, die eine Milliardenidee an der Hand führen und dabei trotzdem "Kinder" bleiben, durchaus spannend.

 

ABER: Es kommt dennoch der Zeitpunkt an dem man sich ernsthaft fragt: Wozu eigentlich? Warum muss die Geschichte von Facebook unbedingt verfilmt werden? Klar, es gibt einige interessante Aspekte, aber die finden sich in vielen Firmengeschichten. Warum nur sechs Jahre nach der Gründung einen Film drehen? Was ist der Punkt? Wozu muss Mark Zuckerberg ein (noch dazu einseitig negativ gehaltenes) Biopic bereits im Alter von 26 Jahren bekommen? Natürlich, es gibt einige gute Momente in The Social Network und der Film ist über die volle Laufzeit unterhaltsam. Da es ihm aber nicht gelingt jene Zweifel zu beseitigen, die man von Anfang an haben konnte (eben das große "Wozu eigentlich?") und ein wirklich großer Aha Moment fehlt, ist The Social Network trotz seinen Vorzügen der schwächste Film den David Fincher bis dato gedreht hat.

 

Fazit:

The Social Network ist ein handwerklich sehr guter Film, der mit treibenden Soundtrack, stimmigen Dialogen und einer spannenden Erzählweise über die volle Laufzeit unterhaltsam ist. Doch das ändert nichts daran, dass es dennoch nicht so ganz klar ist wozu man den Film gedreht hat. Natürlich sind gewisse Aspekte, wie der freundschaftliche Betrug und die Tatsache, dass ein sozial eingeschränkter Nerd das größte soziale Netzwerk der Welt erschaffen hat, interessant, aber der Aha-Moment fehlt und es ist nicht so recht klar, was gerade die Gründungsgeschichte von Facebook so aussergewöhnlich macht. The Social Network ist ein Film der auf vielen Ebenen gut gemacht ist, da der Film sich aber schwer tut sich selbst zu berechtigen fällt es dennoch schwer ihn wirklich zu genießen. Die uncharismatische und durchwegs negative Interpretation von Mark Zuckerberg, der als absolutes Arschloch geschildert wird, ist da auch nicht gerade hilfreich. Unterhaltsam ist der Film durchaus, aber trotzdem ist The Social Network bis dato der schwächste Film von Fincher (im Kampf mit Panic Room und es sei angemerkt, dass ich Alien 3 noch nicht gesehen habe).

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6.7/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 97
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