Curling (2010)

Curling
Curling
OT: Curling

Regie: Denis Cote
Filmstart: xx.xx.2010 | Laufzeit: | Drama

Curling-Scene02Jean-Francois Sauvageau (Emmanuel Bilodeau) lebt abgelegen und völlig alleine mit seiner Tochter Julyvonne Sauvageau (Philoméne Bilodeau). Seine Ex-Frau sitzt im Gefängnis und bei der Erziehung seiner Tochter hat der Vater so seine Eigenheiten entwickelt. Er ist übervorsichtig und untersagt ihr jeden unkontrollierten Kontakt mit der Welt. Es ist ihr nicht einmal erlaubt in die Schule zu gehen, da ihr Vater sich zu sehr um sie fürchtet. Zwar gibt sich Jean-Francious jede Mühe seine Tochter zuhause glücklich zu machen, aber natürlich ist dies unter diesen Umständen kein leichtes Unterfangen…

 

Denis Cotés Spielfilm Curling (in Locarno mit dem Preis für die Beste Regie und den Besten Hauptdarsteller ausgezeichnet) ist eine wahrhaft sperrige Angelegenheit, die es dem Publikum äußerst schwer macht etwas aus dem Film mitzunehmen. Zwar verfügt der Film über eine durchaus interessante Ausgangslage: Ein Vater der seine Tochter zuhause einsperrt, ein Thema das ja vor nicht allzu langer Zeit durch Österreichs Medien ging und auch filmisch mit dem (besseren) Dogtooth umgesetzt wurde. Scheinbar wusste hier aber niemand wo man mit dieser Ausgangslage überhaupt hin will, sodass Curling lange auf der Stelle trampelt und schließlich sanft ausklingt ohne jemals seinen Standpunkt klar gemacht zu haben.

 

Curling-Scene05Ausserdem fällt auf, dass eigentlich keine durchgehende Geschichte im herkömmlichen Sinn erzählt wird, sondern lediglich sehr fragmentarische Szenen aneinandergefügt werden. Es gelingt dabei durchaus etwas aus dem Alltag des Vaters zu erzählen, aber warum er denn solche Ängste entwickelt und welche Auswirkungen sich konkret auf die Psyche der Tochter ergeben, wird nicht so recht klar. Curling fehlt schlicht das große Ziel, ein Punkt den man ansprechen will, oder eine Wunde in die man den Finger legen kann. Der Film mixt Zutaten ohne wirkliches Rezept zusammen und driftet deshalb auch relativ belanglos vorbei.

 

Es gibt Momente, in denen man meint, dass sich etwas ergeben kann. Das unterkühlte Setting beispielsweise, das mit peitschenden Eiswinden auf Asphalt glänzt gibt etwas her und auch gewisse Szenen wie das Aufeinandertreffen mit einem Kind, das der Vater von seinem Grundstück jagt, oder eine mysteriöse Leichensammlung lassen Potential erkennen. Aber wie bereits erwähnt hat Curling nicht die geringste Ahnung diese Komponenten zu einem großen Ganzen zu bringen. Deshalb plätschert die Geschichte auch relativ emotionslos vorbei und man kann den Film eigentlich nur als überflüssig und gescheitert bezeichnen.

 

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6/10

Aber jetzt aber!

Einen Film als "gescheitert" zu bezeichnen, nur, weil man ihn - wie man selber zugibt - nicht versteht, ist doch ein starkes Stück. Der Kritiker möge allenfalls sich selbst als "gescheitert" empfinden, am versuchten Begreifen des Films - das, zugegeben, sicherlich ein harter Brocken Arbeit ist.Aber dann stellt sich doch die Frage: "Was an diesem Film soll eigentlich Sinn machen?" Ist es nicht vielleicht so, dass ein Film gerade durch vermeintliche Sinnlosigkeit Sinnlosigkeit ausdrücken kann, etwa die Sinnlosigkeit des Versuches von Monsieur Sauvageau, seine Tochter vor der Welt zu beschützen. Durch das, was er tut, drängt er das Mädchen dorthin, wo er es genau nicht haben will. Und die Welt, der sie dann doch begegnen wird, mag irgendwann genauso aussehen, wie der Film, der nicht verstanden werden kann: bruchstück- und rästelhaft. Gescheitert würde so ein Vater sich dereinst empfinden. Aber ich glaube nicht, dass der Regisseur - für beste Regie ausgezeichnet (!!!!) - seinen Film so bezeichnet wissen möchte. "Gescheitert" wie, Herr Kritiker - verkauften Kinositzzahlen-weise? War nie als Blockbuster gedacht, würde ich vermuten. Oder eingedenk hunderter Interviews mit Zuschauern? Ganz klar, dass der Kritiker eine gewisse Art von Film sehen will. Rat: weiter suchen.

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