Schneller als der Tod

OT: -  107 Minuten -  Western
Schneller als der Tod
Kinostart: 29.06.1995
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 17.07.2014
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Filmkritik zu Schneller als der Tod

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Im Grunde war es nur eine Frage der Zeit, bis Hollywood Sam Raimi („The Gift“, „Spider-Man“) nach dessen fulminanter „Evil Dead“ – Trilogie endlich das Angebot für eine wesentlich höher budgetierte Kinoproduktion unterbreiten würde. Das Kuriose dabei ist nur, dass dem Horrorregisseur dabei ausgerechnet ein Westernprojekt übertragen wurde, welches er überraschend souverän meistert. Auch wenn es mit den Einspielergebnissen seinerzeit nicht hinhauen wollte, kann man „The Quick and the Dead“ seine Qualitäten nicht absprechen. Raimi revolutioniert das sich seinerzeit, abgesehen von wenigen Produktionen wie „Wyatt Earp“ schon seit Jahren im Tiefschlaf befindliche Genre zwar nicht, verschafft ihm aber eine moderne Auffrischung. Er versucht sich an einem Spagat zwischen klassischen Genreelementen, seinem unverkennbaren Stil, einem möglichst einfachen Zugang für den Mainstream und nebenher auch noch seine Fans zufrieden zustellen. Heraus kam ein Neo-Western voller Anspielungen, comichafter Motive, schwarzem Humor und skurrilen Figuren.

In Redemption, einem abgelegenen, kleinen Kaff im Nirvana des Wilden Westens, trifft zum alljährlichen Schießwettbewerb gleich eine Großzahl exzentrischer Charaktere ein. Die sind insofern interessant, weil sie teilweise von Schauspielern verkörpert werden, die genau zehn Jahre später ganz woanders stehen. Die Hauptfigur, eine namenlose Dame, gespielt von der hier als Co-Produzentin tätigen Sharon Stone („Basic Instinct“, „Sliver“) gestaltet sich als Prototyp der Antiheldenfiguren des verstorbenen Spaghettiwesterns, streng angelehnt an eine Figur aus „Spiel’ mir das Lied vom Tod“, die Filmgeschichte schrieb. Ihr Ziel nebulös für sich behaltend, schweigsam, ummantelt von einer Aura des Mysteriösen stellt sie die einzige Frau des Turniers dar – aus gutem Grund, nämlich einem persönlichen: der guten alten Rache und deren Ursache lässt sich in ihrer Vergangenheit entdecken.

Die Schwäche des Films, und da sind sich wohl alle einig, ist sein Drehbuch, denn abseits der rätselhaften Revolverschwingerin gibt es halt nur das Turnierszenario, dem auf Dauer die Abwechslung fehlt. Für die versuchen die weiteren Darsteller zu sorgen. Lance Henriksen („Aliens“, „No Escape“), Keith David („The Thing“, „Platoon”) kommen dabei etwas zu kurz, denn vor allem Henriksen verkörpert einen wirklich exotischen Paradiesvogel. Dafür gibt es den damals noch jungen und weit von seinem jetzigen Status entfernten Leonardo DiCaprio als draufgängerischen, sorglosen Jungspund, den damals noch völlig unbekannten Russell Crowe („The Insider“, „Gladiator“) als geläuterten Desperado und last but not least Gene Hackman als ein die Stadt tyrannisierender Meister des schnell gezogenen Revolvers und Schirmherr der Veranstaltung in Personalunion ausführlicher. Nach seiner Oscar-prämierten Rolle in „Unforgiven“ scheint er an dem Typus wohl gefallen gefunden zu haben. Ganz unähnlich sind die beiden Filmcharaktere ja nun nicht.

Eine beeindruckend illustre Truppe, die Sam Raimi hier vereinte, um sie gegeneinander antreten zu lassen. Doch aus guten Darstellern wird noch kein guter Film, wenn die Inszenierung nicht stimmt und da zeigt Raimi sich, unterstützt von Kamera-Koryphäe Dante Spinotti („Heat“, „The Insider“) und einem gelungenen, weil sich deutlich von Legenden wie Ennio Morricone inspirieren lassenden, Score Alan Silvestris („Predator“, „The Abyss“), von seiner besten Seite.

Augenzwinkernd und immer wieder dezent mit Wortwitz versetzt, präsentiert Raimi sich optisch ganz unkonventionell, bleibt den klassischen Perspektiven des Genres aber treu. Die auf das Ziehen der Schießeisen zurennenden Duelle werden von schnellen Umschnitten, die lediglich die Augen der Duelllisten zeigen, dominiert. Bars werden grundsätzlich mit laut klingenden Sporen betreten und die fachmännischen Revolvertricks würden jeden Clint Eastwood oder Terence Hill vor Neid erblassen lassen. Im übrigen wurden sie, und das ist ein recht beeindruckender Fakt tatsächlich von den Schauspielern selbst durchgeführt (wie man auch unschwer an fehlenden Schnitten erkennen kann).

Nichtsdestotrotz gönnt sich Raimi seine Portion Extravaganz, die „The Quick and the Dead“ innerhalb seines Genres und auch der Neo-Western so außergewöhnlich macht. Hier werden durchaus blutige Ein- und Durchschüsse gezeigt, die teilweise so explizit übertrieben werden, dass der Parodieeffekt nur unschwer zu übersehen ist. Immer wieder fährt die Kamera fix in Schräglage, ganz „Evil Dead“ like in die Gesichter der Pro- wie Antagonisten und zum Schluss gibt es ganz untypisch ein pyrotechnisches Spektakel, das, genau wie der Twist, vom Drehbuch etwas versaut wurde, weil man es als Zuschauer vorhersieht. Erlesen sind immer wieder Auswahl der Kameramotive. Mal die Perspektive eines Duells aus der Totalen, dann blickt sie aus dem staubigen Sand zur Figur hoch, vor ihr überdimensional im Sand liegend, ein Sheriffstern. Eine ideenlose Optik kann man dem Film wahrlich nicht vorwerfen.

Schauspielerisch bewegt man sich auf gehobenem Niveau, heraus ragt aus dem namhaftem Cast niemand. Sharon Stone ist erwähnenswert, weil sie mit einer abseits ihres Images gearteten Rolle den kontinuierlichen Abwärtstrend ihrer Karriere Einhalt gebieten sollte, allerdings scheiterte. Ihre Schauspiel stellt zufrieden, so schlagfertig und verbittert hätte ich mir Stone gar nicht vorstellen können.

Fazit:
Sam Raimis exzellente, weil comichaft-abgefahrene Inszenierung reißt es raus. Zwar zelebriert er die bleihaltigen Duelle zwar nie in der Brillanz eines Sergio Leones (Er erwartet das denn auch?), dafür punktet er mit wirklich innovativen, weil innerhalb des Genres gänzlich untypischen Regieeinfällen. Die ordentlich aufspielenden Stars (Auch wenn sie es damals zum Teil noch nicht waren..) machen es ihm nicht schwer ganz ungezwungen zu walten und zu schalten. Dank trockener Sprüche, kreativer Einfälle und einem atmosphärischen Ambiente fällt die immens dünne Story gar nicht mehr so negativ auf. Habe mich schon schlechter unterhalten. Für Raimi war es, auch wenn sein Werk an den Kinokassen scheiterte, jedenfalls die Gelegenheit zu zeigen, was für ein Potential in ihm steckt.

Wertung:
7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 11
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Liste von Radleey
Erstellt: 07.10.2012