The Human Centipede (First Sequence) (2009)

OT: The Human Centipede (First Sequence) - 92 Minuten - Drama / Horror / Thriller
The Human Centipede (First Sequence) (2009)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 07.09.2012 - Blu-ray-Start: 07.09.2012
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Filmkritik zu The Human Centipede (First Sequence)

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Selten aber doch gibt es Filme, die es trotz ihrer grenzwertig perversen Ideen ins kommerzielle Kino schaffen. Die Zeiten, in welcher exzessive Gewalttätigkeit (Saw, Hostel) oder ausgedehnte, explizite Sexszenen (Antichrist) nur zensiert in die Kinos kamen oder überhaupt direkt im Videothekenregal „Fetisch/ über 18“ landeten, sind eindeutig vorbei. Und ob dies nun gut im Sinne der Meinungsfreiheit oder schlecht im Sinne der Ethik ist, darüber scheiden sich die Geister.
 
2010 gewann ein Horrorfilm mit dem klingenden Namen The Human Centipede mehrere Independent - und Horrrfilmfestivals. Das dänische Werk schaffte es sogar mit einiger Verzögerung für eine bestimmte Zeit in die amerikanischen Kinos und ist mittlerweile einer der kontroversesten Filme des 21. Jahrhunderts geworden. Eines steht fest: bei so einem Film stellt man sich nicht die Frage „ist er gut?“ oder „ist er schlecht?“ sondern vielmehr „wie krank darf ein Film überhaupt sein?“
 
Lindsay (Ashley C. Williams) und Jenny (Ashlynn Yennie) landen auf ihrer Tour durch Europa plötzlich in einem kleinen Kaff in Deutschland. Im Wald, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, will das Auto nicht mehr weiterfahren und in strömendem Regen laufen die beiden attraktiven Studentinnen durch das Dickicht, bis sie sich schlussendlich vor einem Haus auf einer Lichtung befinden. Ein eigenartiger, unheimlicher, deutscher Arzt öffnet ihnen die Tür, lässt sie herein und nach einem Betäubungsmittel im Glas Wasser auch nie wieder heraus. Dr. Josef Heiter (Dieter Laser), der einst als Chirurg spezialisiert auf Trennungen von siamesischen Zwillingen eine Chorifäe auf seinem Gebiet war, widmet sich in seiner Pension einem ganz anderen Projekt: Mittels einer komplizierten Operation möchte er Lindsay und Jenny Anus zu Mund mit dem japanischen Touristen Katsuro (Akihiro Kitamura) verbinden und so einen menschlichen Tausendfüßler erschaffen. Die kranke Idee eines kranken Doktors nimmt seinen Lauf...
 
The Human Centipede in einem Satz mit Saw und Hostel zu nennen, ist im Grunde genommen eine Beleidigung für beide Filme. Sowohl Saw als auch Hostel kommen neben diversen Gewaltsequenzen vor allem mit einer nicht zu verachtenden Story daher, was beide Filme noch um ein Stück heftiger und brutaler wirken lässt. Bei dem Film von Tom Six ist dies jedoch anders. Schrecklicherweise steckt hinter der Story keinerlei Wiederhall, geschweige denn Tiefgründigkeit oder Genialität, der Film ist vielmehr die auf eine Leinwand projizierte, kranke Gedankenwelt eines (sich selbst bezeichnenden) AK-47 Fans. Sicherlich wollte Six in erster Linie schocken und eine Geschichte präsentieren, die wie er sagt einerseits durch wahre Begebenheiten (Nazi Experimente während des zweiten Weltkriegs) und andererseits durch Werke wie Die 120 Tage von Sodom inspiriert worden ist. Faszinierenderweise schocken nicht die Bilder (welche speziell in Punkto Operation und menschlichem Tausenfüßler selbst geradezu linde ausfallen), sondern vielmehr die Tatsache, dass ein Mensch eine derartig kranke und perverse Idee verfilmt und es diese sogar auf mehrere internationale Kinoleinwände schafft. Six liefert einen Film, bei welchem die Metaebene derart dominant beeinflusst, dass das Werk selbst, der Inhalt, die Szenen vollkommen in den Hintergrund geraten.
 
Erschreckenderweise verblassen sämtliche Szenen sofort, wenn der Abspann beginnt. Es ist schwer zu glauben, dass der Film bei den meisten Zuschauern irgendeinen Eindruck hinterlassen hat als jenen, dass der menschlichen Ideenwelt heutzutage ansscheinend kein Riegel vorgeschoben wird, sondern dass jeder mit Geschick produzierte Film, den Sprung über den Teich schafft und in den Olymp der Filmindustrie aufgenommen werden kann. The Human Centipede ist weder etwas für Fetisch- Fans, noch etwas für Leute, die auf der Suche nach dem schlimmsten Film aller Zeiten sind, geschweige denn etwas für Horrorfans. The Human Centipede ist schlicht und einfach das Werk eines Revoluzzers, der schocken und aufwühlen wollte, schlussendlich jedoch sich selbst als perversen Eigenbrötler entlarvt. Ein perverser Eigenbrötler, der eine kranke Geschichte zeigt, die besonders in Punkto Logik und Drehbuch schwächelt und gespickt mit fast schon rassistischen Stereotypenbildern streckenweise sogar lächerlich wirkt.
 
Einer der brilliantesten Filmkritiker dieser Zeit ist und bleibt Roger Ebert. Er beschreibt zwar den Film, weigert sich jedoch eine Wertung abzugeben. Nun haben wir also nicht nur die Frage „Wie krank darf ein Film überhaupt sein“ sondern „dürfen solche Filme überhaupt beachtet, sprich bewertet werden?“ Tatsächlich ist The Human Centipede eine Ausnahme. Zum aller ersten Mal wird ein Film nur, und zwar ausschließlich nur nach seiner Machart (sprich Kamera, Regie, Casting, Drehbuch etc.) bewertet. Der Inhalt ist es nämlich schlichtweg einfach nicht wert in irgendeiner Art näher durchleuchtet zu werden.
 
Fazit:
The Human Centipede überzeugt filmtechnisch gesehen, durch seine nahezu perfekte Settingauswahl. Trotz eingeschränktem Raum (Labor und Haus von Dr. Heiter) wirken Ausstattung, Sterilität, die endlosen weißen Gänge eines gar nicht so großen Hauses und die großen, strahlenden Fenster, die außen ein fast schon biederes, idyllisches Leben abseits de Stadt suggerieren, während innen Horror und Terror stattfinden eindringlich und erschreckend zugleich, was nur durch die fast schon widerliche Darstellung der Psyche des gestörten Arztes in Form seiner Bilder im ganzen Haus getoppt werden kann. Während sämtliche Opfer des Films untergehen (was vor allem in Anbetracht der Tatsache der furchtbaren Dinge, welche ihnen zugefügt werden, direkt beleidigend wirkt) sticht vor allem Dieter Laser als kranker Doktor hervor, der am besten mit den bestechend schwachen, fast schon dilettantischen Dialogen des Drehbuchs, das eindeutig für den amerikanischen Markt erstellt wurde, umgehen kann.
 
The Human Centipede bekommt, oder vielmehr bekommt Regisseur Tom 4 von 10 Punkten für seinen Debutfilm, zumindest was Casting, Setting und Kamerarbeit anbelangt. Der Inhalt, sowie der Wert des Films, vor allem aber die Idee ist unbeschreiblich, möglicherweise sogar der Beweis für eine äußerst gestörte Psyche, allerdings nicht einmal den Gedanken eines Punktes Wert.
 
Wertung:
4/10 Punkte
Filmering.at
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Liste von fette_sau
Erstellt: 13.08.2013