Me Too - Wer will schon normal sein? (Yo, Tambien) (2009)

OT: Yo, Tambien - 103 Minuten - Drama
Me Too - Wer will schon normal sein? (Yo, Tambien) (2009)
Kinostart: 05.11.2010
DVD-Start: 31.03.2011 - Blu-ray-Start: 31.03.2011
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Filmkritik zu Me Too - Wer will schon normal sein? (Yo, Tambien)

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Das Hollywoodkino hat es zum Dogma gemacht den gesellschaftlichen Aussenseiter innerhalb einer konventionellen Initiationsgeschichte zu prüfen und schließlich in den Stand der Männlichkeit zu hieven. Me Too ist aber kein Hollywoodfilm und dementsprechend anders geht der Film auch mit seinem Thema um. Es ist auch eine Initiation, nach der sich die Hauptfigur sehnt, aber dabei handelt sich lediglich um die Akzeptanz als normaler Mensch, der die selben Sehnsüchte und Bedürfnisse hat wie ein normaler Mensch. Wobei sich natürlich die Frage ergibt was normal eigentlich ist, und warum man das sein will?

 

Daniel (Pablo Pineda) leidet am Down-Syndrom, hat aber dennoch versucht das beste aus seinem Leben herauszuholen. Er ist nun 34 Jahre alt und hat sein Studium abgeschlossen. Nun will er arbeiten um Geld zu verdienen. Im neuen Job lernt er Laura (Lola Duneas) kennen und es bahnt sich eine Freundschaft zwischen den beiden an. Doch Daniel will mehr, er will eine Beziehung mit Laura, etwas das ganz und gar nicht alltäglich ist. Doch Daniel sehnt sich nach dem Normalen, er will alles was auch die anderen Menschen haben, denn schließlich hat er auch die selben Sehnsüchte…

 

Me Too versucht aus dem Leben von Menschen mit dem Down Syndrom zu erzählen. Der Film hat es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht verkrustete Strukturen und Vorurteile aufzuzeigen und eine Normalität einzufordern. Daniel sehnt sich nur nach den „kleinen“ Dingen des Lebens, die für alle Menschen selbstverständlich sind. Und dennoch ist es fast ein Skandal wenn ein Mensch mit Down Syndrom eine Beziehung zu einem „gesunden“ Menschen sucht. Me Too weist dabei auf unterhaltsame Weise auf Vorurteile hin und spielt auch mit dem eigenen Empfinden des Zusehers.

 

Erzählerisch schlägt der Film dabei aber vor allem äußerst heitere Töne an. Dass dieses Unterfangen gelingt ist nur der großartigen Leistung von Hauptdarsteller Pablo Pineda zu verdanken, der eine gewaltige Prise Charisma mitbringt und den geschärften Intellekt seiner Figur, die es schafft scharfsinnig die Vorurteile der Menschen bloß zu stellen, mühelos darzustellen vermag. Seiner Ausstrahlung ist es auch zu verdanken, dass die sich anbahnende Freundschaft zwischen ihm und Laura so natürlich wirkt und der emotionale Funke auch zum Publikum überspringt.

 

Auch das Thema Sex wird angeschlagen, vor allem um die Sehnsüchte der Hauptfigur mit unseren eigenen Sehnsüchten gleichzusetzen. Aber auch die Sexualität zwischen einem Pärchen, das gemeinsam am Down Syndrom leidet, wird thematisiert, vor allem im Kontext der elterlichen Überwachung. Aber Me Too stellt auch die große Frage was eigentlich Normalität ist und ob es überhaupt anzustreben ist „normal“ zu sein, anstatt einen Kontrastpunkt zur Allgemeinheit, mit all ihren Schwächen, zu bilden. Besonders die aufkeimende Beziehung zwischen Daniel und Laura illustriert diesen Punkt des Films und zwingt uns diese Fragen aufzuarbeiten.

 

Etwas schade ist jedoch, dass sich die Struktur von Me Too seltsam gebrochen anfühlt. Man hat weniger das Gefühl, dass der Film eine kohärente Geschichte erzählt, als viel mehr einzelne Fragmente aneinanderreiht, die dem selben Gedanken entsprungen sind. Auch ist der Film fast zu heiter erzählt, was die Auswirkungen der eigentlich sehr ernst gemeinte Thematik etwas abfedern könnte. Trotzdem: Insgesamt gesehen macht Me Too vieles richtig und sorgt für einen unterhaltsamen Kinoabend, dem es auch nicht an Tiefgang mangelt.

 

Fazit:

Me Too erzählt vom Nachjagen hinter den eigenen Träumen und der Akzeptanz der Gesellschaft, ganz besonders (aber nicht ausschließlich) wenn man durch eine Krankheit wie das Down Sydrom gehandicapt ist. Dank der wunderbaren Leistung von Hauptdarsteller Pablo Pineda gelingt es auch sehr gut die ernsten Statements in ein kurzweiliges Seherlebnis zu transformieren. Me Too ist somit sicher ein gelungener Film, auch wenn die etwas unhomogene Erzählung nicht ganz optimal ist und die Heiterkeit der Geschichte ihrer ernsten Aussage manchmal im Weg steht.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 8.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 3
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