The American (2010)

The American
The American
OT: The American

Filmstart: 17.09.2010 | Laufzeit: | Thriller-Drama

TheAmerican-Scene03Der niederländische Starfotograf Anton Corbijn feierte mit dem viel gelobten und künstlerisch ambitionierten Joy Division Drama Control sein Debüt als Filmregisseur. Sein zweites Regiewerk The American lässt dank Hauptdarsteller George Clooney zwar an einen erfolgreichen Wechsel nach Hollywood denken, tatsächlich ist Corbijns Film aber ein mutiger Autorenfilm, der nach europäischem Vorbild und in schier unglaublich schönen Bildern vom Leben eines einsamen Auftragsmörder auf der Flucht erzählt. Für Arthouse-Fans ist das Psychogramm auf jeden Fall ein ganz heißer Tipp.

 

Auftragskiller Jack (George Clooney) hat sich gemeinsam mit seiner Geliebten in die schwedische Eiswüste zurückgezogen. Doch seine Feinde finden ihn und wollen ihn töten. Am Ende sind alle tot, bis auf Jack. Sein Auftraggeber Pavel (Johan Leysen) schickt ihn daraufhin in ein entlegenes Bergdorf, wo er einen einfachen Job erledigen soll. Er muss den Mord nicht einmal selbst begehen, sondern nur die Vorbereitungen treffen. Den Abzug wird Mathilde (Thekla Reuten) drücken. Für Jack soll es der letzte Auftrag werden. Bei seinem Aufenthalt im Dorf verliebt er sich in die Edelprostituierte Clara (Violante Placido) und wird wieder einmal von seinen Verfolgern eingeholt…

 

TheAmerican-Scene07Wer befürchtete, dass sich Anton Corbijn gleich mit seinem zweiten Spielfilm dem Mainstream beugen würde, der kann durchatmen. Denn nichts scheint dem Regisseur ferner zu sein. Tatsächlich ist sein kühner Film The American ein raues Psychogramm, das viele publikumswirksame Aspekte am Auftragsmörderfilm einfach ausklammert. Stattdessen konzentriert sich der Film ganz auf den Charakter seiner Hauptfigur und betettet dessen Geschichte in eine zwar karge, aber vom großartigen Auge des ehemaligen Fotografen brillant eingefangene Kulisse. Jedes einzelne Frame in The American ist meisterhaft durchkomponiert und visuell eindrucksvoll eingefangen.

 

Dies macht auch bereits der Auftakt des Films klar. In einer eingeschneiten Einöde holt die Vergangenheit Jack ein. Corbijn wagt den mutigen Schritt und lässt Jack seine eigene Geliebte erschiessen um seine Identität zu wahren, ein bemerkenswerter Versuch dem Hochglanzheldentum abzuschwören und auf eine kantige Hauptfigur zu setzen. Ausserdem lässt uns diese kurze Szene viel erahnen was in der Vergangenheit von Jack alles passiert sein könnte, ganz besonders aber ist sie eine Vorwarnung, dass ein ruhiges Leben für diesen Menschen nicht möglich sein wird, wenn man ihn sogar an einem solch entlegenen Ort aufspürt.

 

TheAmerican-Scene08In Folge nimmt sich Corbijn viel Zeit um seine Hauptfigur förmlich zu sezieren. Vor allem aber ist The American ein Film mit Textur, der über eine einmalige Atmosphäre verfügt und Bilder kreiert die in ihrer kargen Schönheit schlicht atemberaubend sind. Über ein allzu hektisches Gemüt sollte man jedoch nicht verfügen, da The American ein sehr gemächliches Tempo anschlägt, mit Symbolik arbeitet und in seinen Stimmungen schwelgt. Auch für Nebenplots ist genügend Zeit und der Film gibt sich sichtlich Mühe ein ausgeklügeltes Psychogramm einer gequälten Seele darzulegen.

 

Und dieser raue Hauptcharakter wird nicht weniger als grandios von einem George Clooney verkörpert, der es einmalig schafft in seinem Oeuvre selbstreflexiv mit seinem Starimage umzugehen um in Mainstreamfilmen den klassischen Sympathieträger zu spielen, der aber gleichzeitig auch kein Problem hat eine solche animalisch-unterkühlte Figur mit der Kraft eines Arthouse-Darstellers zu tragen. Über allem schwebt die meisterhafte Regie von Anton Corbijn, der mit The American einen fulminanten Beweis für sein Talent abliefert. Denn die kreative Kraft des Auteurs Corbijn ist hier allgegenwärtig.

 

TheAmerican-Scene09Besonders imponiert es wie er den Prozess des Auftragsmordes als Art Handwerk feiert. Sein Film verzichtet völlig auf die Spielereien moderner Auftragskillerfilme, sondern zeigt lediglich einen kargen Menschen, der mit einfachem Handwerk die Werkzeuge des Tötens schmiedet. Dabei scheint das Töten fast selbst zum Handwerk zu werden, das mit routinierter Präzision ausgeführt wird. In jeder Einstellung meint man das kreative Leitmotiv Corbijns zu erkennen, und mit dieser formalistischen Kraft stellt sich Corbijn auch klar über das Drehbuch, das leider so einige Macken hat. Ganz im Gegensatz übrigens zum vortrefflichen Score von Herbert Grönemeyer, der die Stimmung des Films ausgezeichnet einfängt.

 

Die einzige Schwäche des Films ist allerdings, dass The American wesentlich besser gespielt und inszeniert, als geschrieben ist. Alleine das Grundmotiv, dass Clooney ins Bergdorf muss um eine Waffe zu präparieren wirkt nicht wirklich schlüssig, aber auch die Hingabe zur Edelprostituierten Clare wirkt etwas befremdlich in Anbetracht der Tatsache, dass Jack zuvor noch seine Geliebte erschossen hat. Corbijn schafft es jedoch die Schwächen des Films gekonnt zu kaschieren. Sein Gefühl für Schauplätze, Stimmungen und Emotionen spielt in der Klasse eines Meisterregisseurs. Und dementsprechend sollten sich Filmfans den Film auch nicht entgehen lassen. Denn The American ist die große Gelegenheit den Regiestern von Anton Corbijn aufgehen zu sehen.

 

Fazit:

The American verfügt über kleinere Ungereimtheiten in Bezug auf die Story, aber wo das Drehbuch kleine Schwächen offen lässt, wird dies durch die geniale Inszenierung von Anton Corbijn überspielt und gerät spätestens durch die vortrefflichen Darstellerleistungen ins Vergessen. The American ist ein atmosphärisch herausragender Film, der sich viel Zeit nimmt um auf teilweise spröde Weise ein Psychogramm eines gehetzten Wildtiers zu zeichnen. Mit viel Präzision und einem einmaligen Gespür für schöne Bilder ist The American ein Pflichttermin für alle Arthousefans. Mainstreamanhänger sollten allerdings einen Bogen um den Film machen.

 

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The ... who?

George Clooney ist das Zugpferd, aber das macht die Kutsche auch nicht neuer. In der Tat, vieles an der Story ist nicht plausibel - aber da ist "The American" in guter Gesellschaft von ein paar tausend Filmen. Was irgendwie noch mehr stört, ist die Idee, dass eine italienische Nutte in einem winzigen Dorf herumstolzieren kann, als ob sie eine Diva wäre. Gerade in einem vom Katholizismus regierten Dorf mit einem Pfarrer, der - nach eigenen Angaben - alles sieht und weiß, ist das ein No-no (und ich spreche jetzt Italienisch). Die schöne Chiara ist echt faszinierend, aber so schaut keine Nutte aus. Die Frage ist auch, wie in aller Welt kommt das Dorf zu so einer Nutte? Wer ist die Klientel in dieser gottverlassenen Gegend. Oh Pardon, da ist ja ein Pfarrer, also muss Gott auch irgendwo sein. Die Schauspielerin, die Chiara darstellt, soll "schön-gefeatured" werden, ganz klar, soll heißen, sie soll für künftige Rollen verlocken. Einerseits ist sie supersmart, andererseits benimmt sie sich oftmals so dümmlich, dass man, bei aller Attraktivität der Dame, wegschauen muss. Der Film hat schon ein optisches Zuckerl namens George, die gute Violante übertreibt mit dem Nackertsein und Tiefschauen, denn, hey, sie ist - eine Nutte. Ihre Erklärungen, sie habe keine Zeit, weil sie "abends arbeite" sind so eigentümlich unpassend, dass sie allein genügen, um den unbedarften, entertainedwerdenwollenden Zuschauer etwas anzutun, was niemand verdient, der gerade neun Euro ausgegeben hat: Sie reißen ihn aus der Story und katapultieren ihn zurück in den Kinosaal und in die eigene Welt, wo es heißt: Nah!

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