Irina Palm

OT: -  103 Minuten -  Tragikomödie
Irina Palm
Kinostart: 22.06.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Irina Palm

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Regisseur Sam Garbarski lieferte bereits mit seinem Debütfilm The Rashevski Tango ein relativ angesehenes Werk ab und wollte mit seinem Nachfolgefilm Irina Palm den Maßstab etwas höher setzen. Es sollte eine politisch unkorrekte Tragikomödie werden, doch die Finanzierung wurde schwierig. Es gehört auch einges an Überwindung dazu, denn es ist zugegeben ein riskantes Unterfangen eine romantische Tragikomödie im Rotlichtmillieu zu drehen, in der eine ältere Frau sexuelle Dienste anbietet um ihren todkranken Enkel zu retten. Um diesen Stoff hochwertig zu verfilmen müssen einige Klippen umschifft werden, denn sonst könnte schnell ein klischeebeladenes Kitschwerk daraus werden. Regisseur Sam Garbinski schafft dies virtuos und Irina Palm ist ein feinfühliger, toll gespielter und vor allem sehr charmanter Film geworden.

Maggie (Marianne Faithfull) ist Witwe und hat ihr Haus verkauft um mit dem Geld ihren todkranken Enkel Olly (Corey Burke) zu helfen. Für ihn gibt es nur eine Möglichkeit: Ein Ärzteteam in Australien könnte ihm helfen, doch die Versicherung bezahlt nicht. Ollys Vater Tom (Kevin Bishop) und seine Mutter Sarah (Siobhán Hewlett) haben jedoch nicht genug Geld um sich die Reise und die Unterkunft in Australien zu leisten. Deshalb beschließt Maggie etwas zu unternehmen und möchte das Geld für die Operation selbst aufbringen. Sie zieht los und sucht sich einen Job.

Leider hat sie jedoch absolut keine Qualifikationen und wird überall abgelehnt. Als letzter Ausweg bleibt nur noch die gut bezahlte Stelle als Hostesse in einem Sexclub. Vom Besitzer Miki (Miki Manojlovic) wird sie jedoch aufgeklärt, dass dies nur eine nette Umschreibung für Hure ist. Er ist allerdings von ihren weichen Händen begeistert und bietet Maggie an dass sie Männer durch ein Loch anonym, mit der Hand, befriedigen könnte. Da dies ihr letzter Ausweg ist willigt sie ein und macht sich in ihrem neuen Beruf so gut, dass sie bald unter dem Künstlername Irina Palm stadtbekannt ist. Dies bewirkt allerdings auch dass sie ihren neuen Job auch nicht mehr lange verbergen kann...

Es ist wahrlich kein einfaches Thema das man sich hier ausgesucht hat. Die Geschichte rund um die Großmutter, die ihren kranken Enkel retten will und deshalb in die Prostitution getrieben wird, trägt das Prädikat kitschig bereits im Vorfeld aufgedrückt. Doch Irina Palm geht einen völlig anderen Weg, als man es erwarten würde. Es wird keineswegs versucht die schlechten Seiten der Sexindustrie zu beleuchten, sondern man zeigt lediglich einen Blick auf den Menschen und dass auch das Arbeiten in dieser Branche nur Arbeit ist. Stets gibt man den Szenen viel Humor und deshalb hat Irina Palm auch eine besonder Ausstrahlung, die den Film einzigartig macht.

Auf pornographische Darstellungen wird trotz des geschilderten Millieus zur Gänze verzichtet. Man beschränkt sich auf die passende Geräuschuntermahlung wenn Irinia sich ihren Kunden "annimmt". Marianne Faithfull beherrscht dabei die Szenarie von Anfang an und hat den Film immer voll und ganz unter Kontrolle. Ihre Mimik dominiert das Bild und man kann ihr ihre Gefühle deutlich ablesen. Es ist wirklich bemerkenswert was sie hier leistet. Zuerst ist sie nur eine liebende Großmutter, die ihren Enkel retten will, doch dann beginnt sich langsam eine Liebe mit dem Clubbesitzer Miki aufzubauen und ihr Job beginnt sie zu verändern.

Im krassen Gegensatz zu ihren Freundinnen, der sich bei den Teekränzchen deutlich abzeichnet, beginnt Maggie einen Job, der zwar mittlerweile legal ist, aber noch immer von der Gesellschaft verabscheut wird. Schmerzlich muss sie das am eigenen Leibe erfahren, als ihre Tätigkeit langsam publik wird und sie sich sowohl mit verabscheuenden Blicken, als auch mit der Ablehnung ihrer Freundinnen konfrontiert sieht. Die "schmutzige" Arbeit, die sie im Club leistet wird stets pointiert, aber nie klischeehaft geschildert. Es ist für sie wirklich nur ein Job und die etwas naive Figur Maggie, sieht das auch genau so.

An ihrer Seite ist der klare schauspielerische Höhepunkt Miki Manojlovic der dem Clubbesitzer nicht nur seinen Vornamen leiht, sondern ihn auch mit seinem ganzen Herzblut verkörpert. Wenn man ihn zum ersten Mal sieht hat man das Gefühl nur einen von vielen Zuhältern zu betrachten. Doch hinter der Lederjacke und dem zurückgegelten Haar steckt viel mehr. Im Laufe des Film etabliert sich Miki als ambivalente Figur, zu dem man als Zuseher eingie Sympathien aufbaut. Im Zusammenspiel mit Marianne Faithfull ergibt sich eine knisternde Atmosphäre, die vor Charme nur so strotzt. Irina Palm ist definitiv ein ganz besonderer und charmanter Film, dem ich sehr viel Publikum wünsche.

Fazit:
Irina Palm schafft es bravorös mit dem heiklen Thema umzugehen und ist ein Film fernab von jedem Klischee. In der Rahmenhandlung bleibt viel Platz für die liebevoll gezeichneten Figuren und besonders die Leistung der Darsteller ist absolut erstklassig. Marianne Faithfull und Miki Manojlovic laufen zur Hochform auf und spielen sich direkt ins Herz des Zusehers. Ein charmanter und wunderbarer Film. Lediglich das Ende fällt im Vergleich zum restlichen Film etwas ab.

Wertung:
8/10 Punkte

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