Bal - Honig (Honey) (2010)

OT: Bal - Honey - 103 Minuten - Drama
Bal - Honig (Honey) (2010)
Kinostart: 03.09.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
9616
Bewerten:

Filmkritik zu Bal - Honig (Honey)

Von am
Mit Bal geht Semih Kaplanoglus Yusuf Trilogie zu Ende. Der Filmemacher folgte dem eigenwilligen und sehr interessanten Ansatz das Leben seiner Figur in drei Filmen zu erzählen, beginnend aber mit dem erwachsenen Yussuf in „Yumurta“ („Egg“), anschließend mit dem Studenten Yussuf in „Süt“ („Milk“) und nun abschließend mit Yussuf als Kind in Bal („Honey“). Das Konzept ist es die Figur wie ein Ei zu schälen und mit jedem weiteren Film neue Facetten aufzudecken, bzw. Charaktereigenschaften zu erklären. Doch auch ganz abgesehen vom Kontext der Trilogie ist Bal ein umwerfend schöner Film, der es schafft zu verzaubern. Bei der Berlinale 2010 wurde der Film mit dem Goldenen Bären als bester Film des Festivals geehrt.

Yusuf (Bora Altas) ist ein Einzelkind, der mit seiner Mutter Zehra (Tülin Özen) und seinem Vater Yakup (Erdal Besikcioglu) isoliert am Land lebt. Für den jungen Yusuf ist der nahe Wald ein mysteriöser Ort voller Abenteuer wenn er seinen Vater begleiten darf, der dort unter anderem Bienen züchtet. Yusuf ist begeistert davon wie sein Vater die höchsten Bäume erklimmt um dort Bienenstöcke anzubringen und Honig zu ernten. Doch eines Tages, als Yakup alleine in den Wald geht, da seine Bienen verschwunden sind und er in entfernteren Tälern suchen will, kehrt er nicht mehr zurück. Für Yusuf beginnt eine lange, bange Wartezeit ob sein Vater wieder nach Hause kommt...

Die wahren Stärken von Bal finden sich vor allem auf atmosphärischer Ebene. Bereits die Lokalisierung der Geschichte ist wunderbar gelungen. Bal spielt auf dem Land, es scheint fast als wäre es ein zeitloser Ort. Der Alltag ist einfach gehalten, alles wird von Hand erledigt, in die Schule führt nur ein langer Fußmarsch und eingesäumt wird der Handlungsort von einem bezaubernden Wald, der eine ganz eigene mysteriöse Aura besitzt. Und genau dieser Zwiespalt zwischen präzisem Realismus im Schildern der Alltagshandlungen und der mystischen Überhöhung im Wald ist es, der Bal auszeichnet.

Aber auch abgesehen von dieser dualen Ausrichtung ist Bal ein sehr berührender und sensibler Film geworden. Durch die Augen von Yusuf sehen wir die Welt aus den Augen eines Kindes, erleben die ganz gewöhnliche Magie der Kindheit, fühlen mit wenn die Hauptfigur in der Schule etwas nicht kann und deshalb ausgelacht wird und bauen auch ein Sympathieverhältnis zu Yusufs Vater auf, der als weiser und gerechter Mann und vorbildhafter Vater in Erscheinung tritt. Und dank der sanften Inszenierung von Semih Kaplanoglu wird das Verschwinden des Vaters wirklich zum Trauma, einmal ganz davon abesehen, dass der Regisseur damit geschickt die Urängste eines Kindes anspricht.

Ein weiteres Highlight ist die Kameraarbeit des Films, dank der Bal über wirklich bemerkenswerte Bilder verfügt, die auch massiven Einfluss auf die fabelhaften atmosphärischen Qualitäten des Films haben. Hoch interessant auch die Anknüpfpunkte, die Bal für Kenner der anderen beiden Teile der Trilogie offenbart. Auch für sich genommen ist Bal ein sehr sehenswerter Film, aber betrachtet man die gesamte Trilogie wird die künstlerische Leistung von Semih Kaplanoglu erst richtig bewusst, denn seine Yusuf Trilogie ist ein bemerkenswerter Versuch das Leben eines Menschen aufzubrechen und auf epische Weise darzulegen.

Bekritteln muss man jedoch kleine dramaturgische Probleme, die dazu führen, dass der Film nach dem Verschwinden des Vaters teilweise zu sehr auf der Stelle trampelt. Es fehlen hier oftmals die Ideen diese Ausgangssituation weiter auszunutzen. Natürlich ergibt sich ein maßgeblicher Einschnitt, der Interpretationen auf den Charakter der anderen Filme zulässt, aber vom Standpunkt eines Zusehers, der nur Bal für sich betrachtet, schleichen sich eben doch einige deutliche Längen mit ein. Allzu schlimm ist dies aber nicht, da Bal für alle, die sich auf eine ruhige Geschichte voll mit kräftigen Bildern einlassen wollen, mit Sicherheit sehr sehenswert ist.

Fazit:
Bal ist ein ruhiger Film, der viel Kraft aus seinen wunderschönen Bilder bezieht und vor allem durch eine fabelhafte Atmosphäre punktet. Auch für alle, die keinen anderen Teil der Yusuf Trilogie gesehen haben, ist Bal ein sehr sehenswerter Film, der durch die sensible Auslotung eines Charakter überzeugt. Schade ist jedoch, dass sich doch einige Längen eingeschlichen haben. Wer aber Lust auf ein ruhiges Charakterdrama mit mystischer Aura hat, der kann mit Bal eigentlich nichts falsch machen.

Wertung:
7/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 7/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 2
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
0%
7 /10
100%
6 /10
0%
5 /10
0%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Million Dollar Baby (2004)
Frost/Nixon
Evil (2003)
American History X (1998)
25 Stunden (25th Hour) (2002)
Bobby - Der letzte Tag von Robert F. Kennedy (2006)
Somewhere (2010)
The Fighter (2010)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!