Women Without Men (2009)

OT: Zanan-e bedun-e mardan - 95 Minuten - Drama
Women Without Men (2009)
Kinostart: 10.09.2010
DVD-Start: 10.03.2011 - Blu-ray-Start: 10.03.2011
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Filmkritik zu Women Without Men

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Women Without Men ist das Spielfilmdebüt der iranischen Video-Künstlerin Shirin Neshat, die für den Film mit dem Preis für die Beste Regie beim Filmfestival von Venedig 2009 ausgezeichnet wurde. Eine Entscheidung, die doch etwas seltsam anmutet, besticht der Film doch zwar mit teilweise wunderschönen, magischen Bildern, schafft es aber nicht ansatzweise die Geschichte unter Kontrolle zu halten und einen durchgehend fesselnden Filmfluss zu kreieren, sodass sich Women Without Men doch sehr in die Länge zieht.

 

Teheran, 1953: Während sich die politische Lage des Landes immer weiter zuspitzt und der iranische Premierminister Mohammed Mossadegh durch einen von den USA indizierten Staatsstreich gestürzt werden und der Schah wieder an die Macht gebracht werden soll, haben vier Frauen mit ihrem eigenen Schicksal zu ringen. Fakhri ist in einer lieblosen Ehe gefangen und sieht sich mit ihren Gefühlen zu ihrem ehemaligen Geliebten konfrontiert, Zarin (Orsolya Toth) ist eine junge Prostituierte, die von den Männern angeekelt ist, Munis (Shabnam Toloui) will aus dem häuslichen Gefängnis entfliehen, das ihr Bruder für sie errichtet hat und Faezeh (Pegah Ferydoni) ignoriert die politischen Probleme des Landes, weil sie in Munis tyrannischen Bruder verliebt ist. Etwas ausserhalb der Stadt in einem Obstgarten treffen sich die Schicksale…

 

Women Without Men beginnt mit einer träumerischen, hypnotischen Einstellung einer Frau, die sich in den Tod stürzt und dabei vom Wind umworben wird. Es handelt sich um Munis und bereits diese erste Einstellung stellt klar, dass Women Without Men ein unruhiger Film sein will, bei dem sich nicht alles in Wohlgefallen auflösen wird. Und es dauert auch nicht allzu lange, bis das große Leitmotiv etabliert wird, das auch die Erklärung für Munis Freitod liefert. Denn Women Without Men dreht sich ganz um das schwierige Leben von Frauen im Iran, die in einer männerdominierten Welt nichts zu sagen haben.

 

An Hand von vier Schicksalen bekommen wir aus Sicht der Opfer aufgezeigt wie das Leben im Iran aussieht, wenn man als Frau geboren wird. Die gesamte Symbolik und Bildgewalt des Films hat sich diesem Thema verschrieben und logischerweise findet sich auch hier der direkte Anknüpfpunkt zum Publikum, das von den schwierigen Lebensumständen natürlich berührt ist. Aber hier zeigt sich leider auch die Unerfahrenheit der Regisseurin und man muss sich doch fragen wieso gerade sie den Regiepreis in Venedig erhalten hat, zeigt Women Without Men doch viele Regieschwächen.

 

So passt der traumwandlerische, teilweise surreale Stil des Films absolut nicht zur Wahrhaftigkeit der Geschichte. Poetische Aufnahmen sind genauso vorhanden wie mysteriöse Ereignisse, aber dies dient lediglich dafür um einige betörende Bilder zu servieren, dem Plot des Films, bzw. dessen politischer Aussage steht man aber eher im Weg. Denn die verschlungene Inszenierung lenkt eher vom Wesentlichen ab und zieht den Film deutlich in die Länge. Natürlich kann man vieles in diesen Stil hineininterpretieren, aber es fällt doch sehr schwer zu erschließen welche Inhalte man den symbolisch überhöhten (aber eben großteils nichts sagenden) Sequenzen zuordnen soll.

 

Besser gelungen sind da schon die politischen Aspekte des Films, die eine konkrete Beobachtung der iranischen Polit-Bewegung schildern und dabei geschickte Brücken zur aktuellen Gegenwart schlagen. Hier bekommt man tatsächlich einen spannenden Blick in die Vergangenheit des Landes und das Bewusstsein der Bevölkerung, aber ähnlich wie bei der angesprochenen Frauenrechtsproblematik ist Women Without Men ein Opfer seiner Stilistik. Das mystisch Überhöhte schlägt sich mit der Realität und das Surreale fügt sich ebenso wenig in den Film ein, sodass Woman Without Men zwar wichtige Themen abspricht, aber in der eigenen Inszenierung leider hilflos ertrinkt.

 

Fazit:

Women Without Men hätte ein wichtiger Film werden können. Die Themen rund um das politische Bewusstsein des Irans und der Unterdrückung des weiblichen Geschlechts sind bedeutend und auch intensiv geschildert. Das Problem ist nur, dass Women Without Men ein Opfer der eigenen Inszenierung ist, denn Regisseurin Shirin Neshat verliert sich in mystischen Überhöhungen und surrealen Sequenzen, die leider reiner Selbstzweck sind und nicht zum Film selbst passen. So schlägt auch die traumwandlerische, langsame Schilderung bald aufs Gemüt und Women Without Men mutiert zu einem trägen, langweiligen und unnötig aufgeblasenem Trauerspiel.

 

Wertung:

5/10 Punkte

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