Die verborgene Festung (1958)

OT: Kakushi-toride no san-akunin - 139 Minuten - Action / Abenteuer
Die verborgene Festung (1958)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Die verborgene Festung

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„Zünde dein Leben an Mensch
und brenn es aus. Zerstöre deine
Sorgen im Feuer. Die Welt ist
düster durch Sünden und Hass.
Das Leben ist nur ein leerer Traum.
Lebe dein Leben wie ein brennendes
Feuer. Zerstöre deine Sorgen darin.“
(Lied, gesungen von Yuki)

Eine verwüstete Landschaft. Zwei verarmte Bauern, die in den Krieg gezogen sind, um ihr Glück zu versuchen, um an Geld zu kommen, streiten wie die Kesselflicker. Denn sie hatten kein Glück. Zerlumpt, enttäuscht, wütend geben sie sich gegenseitig die Schuld an ihrer Misere.

„Die verborgene Festung” von Akira Kurosawa ist so etwas wie ein Lernprozess, kein Lehrstück, versteht sich, sondern tatsächlich eine Art Lernprozess, durch den verschiedene Akteure der Geschichte hindurchgehen. Dabei ist auch diese Geschichte im Grunde sehr einfach gestrickt. Ein geschlagener General will eine junge Prinzessin samt Gold vor dem Zugriff der Feinde retten. Das ist schon die ganze Geschichte. Oder doch nicht?

Unsere beiden Bauern jedenfalls, Tahei (Minoru Chiaki) mit seinem rundlichen Gesicht und der kleine, dünne Matakishi (Kamatari Fujiwara), werden gefangen genommen, können aber entfliehen und finden in der Wildnis in den Bergen Gold, versteckt in Holzstöckchen. Plötzlich taucht ein Fremder auf, ein Bär von einem Mann (Toshirô Mifune). Ihm erzählen die beiden Bauern, sie wollten in ihre Heimat, das Hayakawaland, zurück. Doch da die Grenze zwischen Akisukiland und Hayakawaland von Soldaten dicht gemacht worden sei, wollten sie versuchen, über das Yamanaland in ihre Heimat zu gelangen. Der Fremde engagiert die beiden und erzählt ihnen, er wolle 1.600 Pfund Gold über die Grenze transportieren und benötige dafür vertrauensvolle Personen. Er führt sie zu einer geheimen, einsam gelegenen Festung in den Bergen und erzählt ihnen, er sei General Rokurota. Doch das glauben unsere beiden etwas einfältigen Bauern nicht. So sieht doch kein General aus! Was sie auch nicht wissen: Ganz in der Nähe der Festung versteckt sich die Prinzessin Yuki (Misa Uehara) mit einer Bediensteten (Eiko Miyoshi) und einem alten General (Takashi Shimura). Sie und Rokurota sind die einzigen Überlebenden der Herrscherschicht des Akisukilandes. Und Rokurota sucht nach einem Weg, die Prinzessin vor dem Zugriff des Feindes zu schützen und sie in Sicherheit zu bringen, um die Herrschaft über das Akisukiland wieder zu errichten. Dazu benötigt er das Gold, um Krieger und Samurai zum Schutz anzuheuern.

Von alldem ahnen die beiden Bauern zunächst nichts. Sie haben nur eins im Kopf: das Gold. Und sie vermuten (fälschlicherweise), was alle sagen: Yuki sei längst getötet worden. In Wirklichkeit haben die Feinde versehentlich die Schwester Rokurotas, die sich für die Prinzessin ausgab, hingerichtet.

Rokurota steht vor einer schwierigen Aufgabe. Der Weg ist gefährlich, obwohl man das ganze Gold in Brennholz versteckt hat. Er braucht die beiden Bauern, doch er weiß, dass die beiden eigentlich nur ihren materiellen Vorteil im Sinn haben. Er muss ständig auf der Hut sein. Und er hat einen fähigen Gegner, den General Hyoe (Susumu Fujita), einen schlauen Fuchs, dem er nicht so leicht entkommen wird.

Man lädt das Gold auf Pferde, später auf einen Karren, die Prinzessin muss sich als stumme Frau ausgeben, damit niemand sie an der Stimme erkennt – und unsere beiden Bauern müssen den Karren ziehen – immer das Gold im Kopf und die Frage, wie sie zumindest mit einem Teil des Schatzes entkommen könnten ...

Die Geschichte spielt in einer Zeit der Kriege, der Verwüstung, der Armut und der bitteren Not der Masse der Bevölkerung. Horden von Samurai, anderen Kriegern, Plünderern, Wegelagerern und Sklavenhändlern übervölkern das Land, ein schönes Land, zumindest war es das einmal. In diese Situation „setzt” Kurosawa einen schlauen Fuchs, Rokurota, den General, der weder um sein Leben fürchtet, noch sonst Angst kennt, und der nur ein Ziel hat: Prinzessin Yuki zu schützen und wieder in ihre Herrschaftsposition zu setzen. Mifune spielt diesen Rokurota – wie immer überzeugend – als einen ruhigen, meist gelassenen General, der genau weiß, was er will.

Das genaue Gegenteil Rokurotas sind die beiden Bauern Tahei und Matakishi, zwei durchaus nicht unsympathische Männer, deren Egoismus – aus der Not und ihrer sozialen Situation geboren – ihnen jeglichen Überblick über die Lage, in der sie sich befinden, verwehrt. Sie sind freundlich und zuvorkommend, aber letztlich denken sie nur an ihren eigenen Vorteil. Mal sind sie dicke Freunde, mal gehen sie aufeinander los und streiten um das Gold, an das sie sowieso nicht herankommen. Aus solchen Situationen, Wechselbädern ergeben sich teilweise auch die komischen Szenen des Films. Und man kann verstehen, dass George Lucas diese beiden Akteure dazu animiert hat, für „Star Wars” die beiden Figuren R2-D2 und C-3PO zu schaffen. Auch die Geschichte selbst um die Rettung einer Prinzessin (dort Prinzessin Leia Organa) hat Lucas wohl für „Star Wars” genutzt.

Zwischen dem General und den Bauern steht die stolze Prinzessin Yuki, die verzweifelt darüber ist, dass Rokurotas Schwester sich für sie geopfert hat. Auch Yuki wird als furchtlose Frau präsentiert, die im Laufe der Handlung zu einer Erkenntnis kommt, die sich in dem anfangs zitierten Lied, das Menschen anlässlich eines Feuerfestes singen, manifestiert: Yuki drückt dies in Worten gegenüber Rokurota so aus, nachdem sie und der General gefangen genommen wurden: „Es ist für mich eine gute Zeit gewesen. In den vergangenen Tagen ist mir ein großes Glück widerfahren. Auf der Burg wäre es mir niemals zuteil geworden. Jetzt weiß ich, wie die Menschen wirklich sind. Ich habe ihre Schönheit und ihre Hässlichkeit mit eigenen Augen betrachten können.”

Der Weg ist das Ziel, könnte man hier einmal zurecht äußern. Aus einer unwissenden absoluten Herrscherin wird eine Art aufgeklärte Herrscherin, die den Tod nun nicht mehr fürchtet.

Doch was für Yuki gilt, gilt auch für General Hyoe. Zu den schönsten Szenen des Films gehört der Zweikampf zwischen ihm und Rokurota, als letzterer bei der Verfolgung von Feinden in das Lager Hyoes gerät. Rokurota gewinnt das Duell mit Speeren, lässt Hyoe aber am Leben. Als Hyoe Rokurota und die Prinzessin später gefangen nehmen kann, ist er von einer tiefen Narbe im Gesicht gezeichnet. Er ist wütend, weil er von seinem Fürsten bestraft wurde, da er sich von Rokurota nicht habe töten lassen. Das sei eine Schande. Doch Yuki erwidert ihm, das sei keine Schande, sondern Ausdruck von Freundschaft zwischen Feinden. Am nächsten Tag, als Rokurota und Yuki hingerichtet werden sollen, geschieht etwas Überraschendes. Hyoe lässt beide frei, riskiert sein Leben dabei, und folgt den beiden, um die Herrschaft der Prinzessin wiederherzustellen.

Wie in anderen Filmen auch durchlaufen die Hauptakteure von „Die verborgene Festung” eben genau diese Lernprozesse. Obwohl die Handlung in der Zeit der Samurai und der Fürstenherrschaft, der Kriege zwischen den Herrschern, also einer dem Absolutismus ähnlichen sozialen Konstellation, spielt, durchbrechen Rokurota, Yuki und Hyoe die Maßstäbe und Regeln dieser Ordnung. Hyoe begeht Verrat an seinem Fürsten. Doch dieser Verrat wird begangen aufgrund einer Art höheren Gerechtigkeit und Menschlichkeit, die – wenn auch vielleicht in Grenzen – die neue Herrschaft der Prinzessin auszeichnen sollen.

Selbst für unsere beiden Bauern endet die Geschichte mit etwas, wovon sie bislang nur geredet hatten: mit Freundschaft. Sie erhalten von Prinzessin Yuki ein Geschenk für ihre Dienste. Für Yuki spielt die Hässlichkeit der beiden, ihr Verrat und ihr Egoismus nicht die entscheidende Rolle. Sie lässt sie gehen, weil sie ihr trotzdem geholfen haben. Die beiden gehen die Treppe vor dem Palast Yukis hinunter. Und das erste Mal streiten sie nicht, wem das Geschenk nun zustehe. Sie werden nun Freunde, lachen und gehen nach Hause.

Wieder einmal desavouiert Kurosawa falsche Ehrbegriffe eines überkommenen Systems, jedoch nicht ohne dabei den Aktualitätsbezug zu verlieren. Der Verrat Hyoes ist im Grund kein Verrat, sondern das Loslassen von diesen falschen Ehrbegriffen und der Übergang zu einer wirklichen Treue – zu Menschlichkeit und Gerechtigkeit.

Trotz seiner Länge von über zwei Stunden fesselt „Die verborgene Festung” in jeder Minute, nicht zuletzt durch die exzellenten schauspielerischen Leistungen, das Produktionsdesign und die überwältigenden Bilder von der japanischen Landschaft.


Wertung:
10/10 Punkte

Quelle: Follow-me-now.de / Ulrich Behrens

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