How I Ended This Summer (2010)

OT: Kak ya provyol etim letom - 124 Minuten - Drama / Thriller
How I Ended This Summer (2010)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu How I Ended This Summer

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How I Ended This Summer von Alexei Popogrebski feierte seine Premiere bei der Berlinale 2010 und avancierte bald zu einem der Mitfavoriten auf den Goldenen Bären, wohl auch weil das Thema scheinbar wie maßgeschneidert für Jury-Präsident Werner Herzog erschien. Für den Hauptpreis des Festivals hat es zwar schließlich nicht gereicht, aber dafür konnte How I Ended This Summer immerhin drei Silberne Bären einheimsen (Je einen für die beiden Hauptdarsteller und einen für die Herausragende künstlerische Leistung). Und der atmosphärisch großartige, eisige Thriller verdient sich auch tatsächlich die Aufmerksamkeit des Arthousepublikums.

 

Frisch von der Uni, beginnt der junge Pavel Danilov (Grigori Dobrygin) ein dreimonatiges Praktikum auf einer arktischen Forschungsstation. Dort trift er auf das alteingesessene Urgestein Sergei Gulybin (Sergei Puskepalis), der ihn nicht unbedingt herzlich Willkommen heißt. Auch die Arbeit gestaltet sich als reichlich monoton: Sie müssen lediglich die Sensoren ablesen und die neuen Werte alle drei Stunden ans Festland funken. Doch die Monotonie wird durch eine Reihe von Ereignissen durchbrochen: Während Sergei beschließt für einige Tage auf einen Angelausflug zu gehen, und Pavel die Arbeit überlässt, kommt ein Funkspruch vom Festland herein. Sergeis Frau und Sohn sind bei einem Unfall ums Leben gekommen. Ein Schiff wird kommen und ihn abholen. Doch Pavel hat Angst dem jähzornigen Sergei die Wahrheit zu sagen. Aus gutem Grund wie sich herausstellt…

 

How I Ended This Summer spielt an einem der kargsten und faszinierendsten Orten dieser Welt: Auf einer der arktischen Inseln. Die wunderschöne Natur lädt geradezu ein um im ewigen Eis dem Menschen einen Spiegel vor zu halten und einen existenzialistischen Seelentrip zu starten. How I Ended This Summer wurde ja auch nicht zufällig mit den metaphysischen Werken eines Andrei Tarkowskis verglichen, wenngleich dessen sehr philosophische Herangehensweise doch eine reichlich andere ist, als die des psychologisch motivierten How I Ended This Summer. Doch trotzdem schafft es der Film wunderbar den Konflikt Mensch gegen Mensch und den Konflikt Mensch gegen Natur auf einen Nenner zu bekommen und auch den ewigen Kampf des Menschen gegen seine eigenen Dämonen anzusprechen.

 

Dabei beginnt der Film noch recht gemächlich. Man verliert sich in scheinbar unendlichen Alltagsbeobachtungen und seziert das Leben auf der Forschungsstation förmlich. Eingerahmt in die wunderschöne Eiswelt und gefangen in monotonen Tätigkeiten werden die Figuren mit sich selbst konfrontiert und der Zuseher an die Örtlichkeiten herangeführt. Dank der wundervollen Kameraarbeit und der dezenten Regie, schafft es der Film auch eine faszinierende Atmosphäre herauf zu beschwören. In den langen Einstellungen, die vor allem von Kälte und peitschenden Winden getragen werden, schlummert etwas Dunkles, das darauf lauert hervor zu brechen. Dabei versteht es How I Ended This Summer geschickt mit dem Zuseher zu spielen.

 

Denn durch die subjektive Erzählweise, aus der Sicht von Pavel Danilov, nimmt man die wachsende Bedrohung auch völlig aus seinem Blickwinkel wahr. Dabei neigt man aber dazu zu verdrängen, dass sich die eigentliche Hauptfigur auch immer weiter in Richtung Wahnsinn bewegt. Die Bedrohung erwächst schon, noch bevor eigentlich irgendetwas passiert, sodass der Film geschickt mit den Erwartungen spielt. Dabei befinden sich beide Hauptfiguren in einem Strudel, der sie immer weiter von der Rationalität entfernt und zu perfiden Tätlichkeiten führt.

 

How I Ended This Summer erzählt dieses Drama vom menschlichen Verfall auf fast schon nihilistische Weise, völlig ohne Empathie für die Figuren. Doch dies ist gar nicht das Problem des Films, störend ist jedoch, dass die sehr langen Alltagsbeobachtungen (obwohl sie rückblickend natürlich Sinn machen) doch etwas an den Nerven zehren und die Auflösung des existenzialistischen Konflikts gar etwas abrupt ausfällt. Aber trotz diesen kleinen Macken ist How I Ended This Summer ein sehr feiner Film geworden, den sich alle, die etwas mit ruhigeren Filmen anfangen können, nicht entgehen lassen sollten.

 

Fazit:

How I Ended This Summer ist ein ruhiger Film, der sich nur sehr langsam aufschaukelt. Zu Beginn stehen sehr viele Alltagsbeobachtungen und wenig Handlung. Doch dies führt zu einem schleichenden Verfall in den Wahnsinn und zu einem großen menschlichem Konflikt vor gigantischer Naturkulisse. Auch auf Metaebene spielt sich einiges ab, sodass es doch alternative Möglichkeiten gibt den Film zu interpretieren. Vor allem aber ist How I Ended This Summer ein faszinierender, rauer Film, mit zwei großartigen Hauptdarstellern, der es trotz kleineren Schwächen schafft zu faszinieren. Kleine Längen und ein etwas zu abruptes Ende trüben den Genuss jedoch etwas.

 

Wertung:

7/10 Punkte

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