Am Anfang war das Licht (2010)

OT: Am Anfang war das Licht - 95 Minuten - Dokumentation
Am Anfang war das Licht (2010)
Kinostart: 17.09.2010
DVD-Start: 18.03.2011 - Blu-ray-Start: 18.03.2011
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Filmkritik zu Am Anfang war das Licht

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Der Name P.A. Straubinger sollte den meisten filminteressierten Österreichern ein Begriff sein. Bis dato war der Filmchef von Ö3 aber lediglich als Kritiker aktiv, sei es bei Ö3 oder seit Neuem auch beim ORF. Was die wenigsten wissen ist, dass er eigentlich das Filmhandwerk an der Wiener Filmakademie gelernt hat. Und nach jahrelangen Arbeiten ist nun auch sein Leidenschaftsprojekt Am Anfang war das Licht fertig geworden und hat auch schon einen Kinostarttermin in Österreich. Und Interessierte sollten sich gleich einen Termin freihalten, denn P.A. Straubinger schafft es klassische Fehler der heimischen Dokuszene zu vermeiden und serviert einen kurzweiligen und sehr interessanten Film.

 

Eine TV-Dokumentation über den Heiligen Niklaus von Flüe bringt P.A. Straubinger auf eine Frage, die ihn zehn Jahre lang verfolgen soll: Denn angeblich konnte dieser leben ohne Nahrung zu sich nehmen zu müssen. Und auch heute gibt es unzählige Menschen, die von sich behaupte nichts zu essen und nichts zu trinken. In die Medien gelangte unter anderem der Fall eines indischen Yogis, der im Krankenhaus stationär aufgenommen wurde und dort rund um die Uhr überwacht und gefilmt wurde. Der Yogi konnte die Zeit ohne Nahrung problemlos absitzen, ohne dass sich seine Blutwerte veränderten. Doch wie ist so etwas möglich? Und warum wird ein solches Phänomen nicht noch ausgiebiger untersucht?

 

Man muss es klipp und klar sagen: Das Thema von Am Anfang war das Licht ist mit Sicherheit kein einfaches, bedingt es doch geradezu, dass man als Zuseher mit einer gewissen Erwartungshaltung, bzw. Skepsis, in den Film geht. Der Film tritt auch das schwierige Erbe  von zahlreichen österreichischen Dokumentationen der letzten Zeit an, die dramturgisch katastrophal und optisch bemitleidenswert, eher langweilten, als wirklich bewegten oder informierten. Doch hier kommt die gute Nachricht: Gerade in den Punkten in denen die meisten anderen heimischen Dokus versagten, macht P.A. Straubinger eigentlich alles richtig und auch die objektive Herangehensweise tut dem Film sehr gut.

 

Denn gerade bei diesem Thema würde man sich eher einen sehr esoterischen Film alá How to Cook Your Life erwarten, aber Am Anfang war das Licht ist insofern viel besser gelungen, sind doch zwar viele Personen die vor der Kamera erscheinen sehr esoterisch aufgeladen, aber der Film selbst bleibt distanzierter und wahrt sich eine differenzierte Stilistik. Denn P.A. Straubiger ist kein blinder Jünger irgendeiner Modeerscheinung, sondern geht mit journalistischer Präzision ans Handwerk und stellt sich all jene Fragen, die sich ein kritischer Zuseher wohl auch stellen wird auch selbst und bringt dementsprechend viele Argumente vor, die gegen das Phänomen der sogenannten Lichtnahrung sprechen.

 

Angefangen beim grundlegendsten Problem, dass es unverständlich ist, dass Menschen überall auf der Welt verhungern, wenn man sich doch auch von Licht ernähren könnte, über Überlegungen diverser Mediziner und der Schilderung von Todesfällen von Menschen, die versuchen wollten auf Lichtnahrung umzusteigen, sind viele skeptische Gedanken vertreten. Auch ein eigens durchgeführtes Experiment, bei dem mittels Videotagebuch der Umstieg auf Lichtnahrung dokumentiert wird, aber nicht geschafft wird, verstärkt die Skepsis. Aber Am Anfang war das Licht ist auch kein rein ablehnender Film, die Stärke ist geradezu, dass man dem Thema mit absoluter Offenheit begegnet.

 

So steht gegenüber der Skepsis eine lange Reise, die von einer Frage zur nächsten eilt. Rund um den Globus hat P.A. Straubinger Menschen aufgespürt, die davon berichten ohne Nahrung zu überleben. Unvoreingenommen geht er auf sie zu und lässt sie erzählen: Von ihren Hintergründen, ihren Motiven und ihren Erfahrungen. Das geht vom Alpenyogi aus Saalfelden über einen deutschen Pharmazeut und eine russische Dame und über weitere Stationen bis zum erwähnten, medizinisch beobachteten Yogi. Durch Interviews, die immer wieder von Gesprächen mit westlichen Medizinern unterbrochen werden, wird versucht dem Phänomen auf die Spur zu kommen.

 

Eine medizinische Erklärung wird freilich nicht geboten, ist es auch mit dem Stand der heutigen Wissenschaft auch noch gar nicht möglich ein Phänomen wie die Lichtnahrung zu erklären (einmal ganz davon abgesehen ob man dem Thema überhaupt Glauben schenkt). Aber Am Anfang war das Licht schlägt geschickt Brücken zur Quantenphysik und anderen experimentellen Forschungsfeldern. Das Wichtigste ist aber, dass P.A. Straubiger das Publikum nicht vergessen hat und sein Film sehr knackig geschnitten ist. Mit ansprechendem Tempo wird das Thema aufbereitet und auch mit einer Prise Humor aufgelockert. Am Anfang war das Licht versteht es jedenfalls sehr gut Interesse zu wecken und ganz unabhängig davon wie man zu diesem Thema stehen mag einen spannenden Einblick zu liefern.

 

Fazit:

Am Anfang war das Licht ist eine kurzweilige und spannende Dokumentation zu einem sehr interessanten Thema. Natürlich ist es sehr schwer ein dermaßen polarisierendes Thema zufriedenstellend aufzuarbeiten, aber P.A. Straubinger ist es sehr gut gelungen sowohl die Seite der Skeptiker zu repräsentieren, als auch dem Thema aufgeschlossen zu begegnen, sodass ein sehr guter Einblick in die Thematik geboten wird. Wer sich auch nur ansatzweise für dieses Thema interessiert sollte sich den Film nicht entgehen lassen.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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