Das Experiment (2001)

OT: Das Experiment - 120 Minuten - Drama / Thriller
Das Experiment (2001)
Kinostart: 08.03.2001
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Das Experiment

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Der langjährige Fernsehrregisseur Oliver Hirschbiegel legte im Jahr 2001 mit seinem Kinodebüt  „Das Experiment“  einen fulminaten und aufsehenerregenden Einstand hin, der ihm prompt den Bayerischen Filmpreis für die Beste Regieleistung einbrachte. Darauf  folgten etwa kleine, experimentelle Filme wie „ Mein letzter Film“ (2002) und „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ (2005), oder der aus 2004 stammende Kriegsfilm „ Der Untergang“. Dieser Film bekam nicht nur bei den nationalen und internationalen Kritikern sehr positive Resonanzen (Kritiker-Papst Roger Ebert lobte den Film explizit), sondern war auch ein kommerzieller Erfolg, der zu guter Letzt sogar eine Oscarnominierung als Bester Fremdsprachiger Film erhielt. Von da an war es nur eine Frage der Zeit bis Hollywood anklopfen würde. 2007 war es dann soweit. Mit „Invasion“ legte Hirschbiegel jedoch ein mehr als fragwürdiges US-Debüt hin, das an den Kinokassen floppte. Trotzdem hat der deutsche Regisseur eine steile Karriere hingelegt, dessen Grundstein wohl der herausragende Psychothriller „ Das Experiment“ bildet.

 

Der ehemalige Journalist Tarek Fahd (Moritz Bleibtreu) schlägt sich als Taxifahrer durchs Leben. Eines Tages sieht er in eine Zeitung eine Annonce, in der 20 Männer für ein zweiwöchiges  Experiment gesucht werden. 4000 DM wird jedem der Teilnehmer für das Experiment geboten, bei dem eine Gefängnissituation simuliert werden soll. Tarek reizt nicht nur das „schnelle“ Geld, sondern er erkennt auch die Möglichkeit, eine Story zu ergattern, somit wieder als Journalist tätig zu werden und ins alte Leben zurück zu kehren. Ausgestattet mit einer Videobrille, nimmt er an dem Versuch teil.  Die 20 Männer werden in Wärter und Gefangenen aufgeteilt und von dem wissenschaftlichen Team rund um Professor Thon (Edgar Selge) per Videokameras überwacht und beobachtet. Die 20 Versuchpersonen nehmen das Experiment anfänglich als spaßiges Spiel hin, bei dem sie am Ende um 4000 DM reicher sind. Die Machtverhältnisse zwischen den Wärtern und Gefangenen nehmen jedoch eine Eigendynamik an, die das Experiment außer Kontrolle geraten lässt…

 

Oliver Hirschbiegels Film basiert auf dem Roman „Black Box“ von  Mario Giordano, dessen Roman sich wiederum an den tatsächlich in den 70iger Jahren stattgefundenen Stanford-Prison-Experiment anlehnt, bei dem das menschliche Verhalten im Gefängnisleben psychologisch erforscht wurde. Das Stanford-Experiment wurde jedoch schon nach sechs von eigentlich 24 Tagen abgebrochen, da die Gefängnissimulation für die Beteiligten sehr schnell zu extremen psychischen Belastungen führte und die gewaltfreie und objektive Fortführung des Experiments nicht mehr gewährleistet werden konnte. Eines sei gesagt: Wo das Stanford-Experiment rechtzeitig abgebrochen wurde, führt Hirschbiegel das Geschehen kompromisslos und in aller Konsequenz weiter. Jetzt aber mehr zu verraten, käme einem Sakrileg gleich.

 

Hirschbiegel hat bei seinem Kinodebüt eine Reihe der Besten Schauspieler Deutschlands zu Verfügung, die ihr enormes Können zeigen und somit dem Film eine hohe Qualität verleihen. Allen voran ist da natürlich Moritz Bleibtreu („Lola rennt“, „Elementarteilchen“, „Der Baader Meinhof Komplex“) zu nennen. Er spielt den „Häftling“ Tarek, der über das Experiment journalistisch berichten will und der für eine gute Story nicht davor zurück schreckt, sich mit den Wärtern massiv anzulegen. Bleibtreu zeigt mal wieder, dass er zu den wandelbarsten und ganz großen Charakterdarstellen Deutschlands zu zählen ist. Vom draufgängerischen, aufsässigen und provokativen Insassen, der sich den Wärtern entgegenstellt, bis zum nachdenklichen, sensiblen Mann, der seinen Mitgefangenen, insbesondere Schütte (Oliver Stokowski), zur Seite steht, zeigt er seine ganze Bandbreite. Moritz Bleibtreu hat einfache eine enorme physische Präsenz, der die große Geste ebenso exzellent drauf hat wie die leisen Zwischentöne. Er ist zweifelsohne eine der taktgebenen Personen des Films.

 

Der Film würde aber nicht funktionieren  wenn es keinen „Gegenspieler“ geben würde, der den psychologischen Machtkampf mit voran treibt. Hier ist eindeutig Justus von Dohnányi hervorzuheben, der den zuerst ruhigen und zurückhaltenden Wärter Berus spielt („Jakob der Lügner“, „Männerherzen“), der jedoch schnell eine Führungsstellung innerhalb der Gruppe der Wärter einnimmt und der, nach dem die Gefangenen anfänglich noch ungehorsam sind und auf die Befehle der Wärter nicht reagieren, mit dem Ausspruch: „Ich hab' mal gelesen, in solchen Fällen gewinnt man die Kontrolle wieder, wenn man... durch Erniedrigung“, das brutale „Spiel“ praktisch ins Rollen bringt. Dohnányi zeigt den Charakter Berus als einen einsamen Menschen, der in der Rolle des Wächters völlig aufgeht und seine sadistischen Neigungen ausleben kann. Nicht ohne Grund bekam Justus von Dohnányi für seine eindringliche und erschreckend wirkende Leistung den Deutschen Filmpreis als Bester Nebendarsteller.

 

Aber auch die anderen Schauspieler wie etwa Andres Sawatzki („Die Apothekerin“), Christian Berkel („ Der Untergang“) oder Wotan Wilke Möhring („ Männerherzen“) fallen genauso wenig ab und unterstützen durch ihr Schauspiel das Gesamtgeschehen. Sowohl das nüchterne, kalte Szenenbild passt sich nahtlos in das Gesamtbild ein, als auch die Kameraarbeit von Oliver Hirschbiegels und Fathi Akins Stammfilmer Rainer Klausmann , der ein beklemmendes Szenario einfängt und volle Arbeit leistet.

 

Fazit:

Oliver Hirschbiegel liefert mit seinem beklemmenden Psychothriller einen der besten Filme, die zu dem Genre gehören. Wer also den psychologisch radikalsten Film, der jemals auf deutschen Boden entstanden ist verpasst, dem ist nicht mehr zu helfen. Der Film packt einen dermaßen mit voller Wucht und lässt beim Zuschauer zwangsläufig die Frage aufkommen: Wie würdest Du dich verhalten in einem solchen Experiment?

 

Wertung:

9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.6/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 33
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