I Love You Phillip Morris (2009)

OT: I Love You Phillip Morris - 102 Minuten - Tragikomödie
I Love You Phillip Morris (2009)
Kinostart: 16.07.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu I Love You Phillip Morris

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Jim Carrey war einst ein großer Star, der mit seinen elastischen Verrenkungen und seiner schier unendlich verzerrbaren Mimik die Filmfans rund um den Globus eroberte. Doch Carreys Karriere ist auch gezeichnet von einem großen Absturz. Der Komiker wollte sich als großer Schauspieler beweisen. Überraschenderweise waren seine Auftritte in Filmen wie Die Truman Show, Der Mondmann und Vergiss mein nicht in der Tat großartig, aber das änderte nichts daran, dass Carrey unweigerlich in der Versenkung verschwand und immer noch den Erfolgen von früher hinterher läuft. Mit I Love You Phillip Morris startet er nun einen neuerlichen Versuch wieder an die Spitze zurück zu kehren.

 

Steven Russell (Jim Carrey) lebt den amerikanischen Traum: Er ist ein guter Polizist, seine Frau Debbie (Leslie Mann) liebt ihn über alles und er ist ein allseits beliebtes Mitglied der Gesellschaft. Das Problem ist nur: Das alles ist eine Lüge. In Wirklichkeit ist Steven homosexuell und führt schon lange ein Doppelleben. Doch dann öffnet ihm ein Autounfall die Augen: Er will sich nicht länger verstecken, verlässt seine Frau und lebt seine Sexualität nun offener. Doch der neue Lebensstil schlägt auf die Brieftasche, sodass er zum Versicherungsbetrüger wird um sich das alles zu finanzieren. Es dauert aber nicht lange bis Steven erwischt wird und ins Gefängnis muss. Und überraschenderweise lernt er genau dort die große Liebe seines Lebens kennen: Phillip Morris (Ewan McGregor)…

 

I Love You Phillip Morris hat es nicht gerade leicht einen Verleih zu finden. Seit Anfang 2009 geistert der Film nun bereits durch die Festivalszene, und bis zu einem US-Start muss man sich laut aktuellen Angaben noch bis Oktober 2010 gedulden. In Österreich startet der Film bereits etwas früher, sodass sich neugierige Filmfans selbst ein Bild machen können warum es gerade dieser Film so schwer hat, der immerhin mit zwei großen Namen wie Jim Carrey und Ewan McGregor aufwarten kann. Abgesehen vom eher mäßigen Unterhaltungswert (der noch nie ein Hindernis war) ist es vor allem die provokativ ausgespielte Homosexualität, die in den USA für Probleme sorgen dürfte.

 

Das große Problem für den Film: Man untergräbt sich leider selbst. Denn auf der einen Seite will man die Beziehung zwischen Phillip Morris und Steven als geschlechterneutral zeigen, sprich gar nicht darauf herumreiten, dass es sich um eine homosexuelle Beziehung handelt und alles natürlich und dezent zeigen, aber andererseits werden eben diese homosexuellen Elemente an anderen Stellen provokant zur Schau gestellt (wie etwas bei einer früh gezeigten Sexszene) oder schlicht auf simple Weise persifliert (wie beim fast schon klassischen Auftritt in knallbunten Outfits). Das passt leider von der Intention her gar nicht zusammen, sodass I Love You Phillip Morris nicht wirklich zu wissen scheint worauf man eigentlich hinaus will.

 

Auch der Unterhaltungswert des Ganzen hält sich in Grenzen. Jim Carrey liefert zwar eine gute Leistung ab, die geschickt zwischen dem komödiantischen und dramatischen Potential seiner Figur oszilliert, aber dies ändert nichts daran, dass I Love You Phillip Morris eine reichlich uninspirierte Tragikomödie ist, die kaum Akzente setzt. Speziell zu Beginn setzt der Film auf reichlich infantilen Humor, der leider völlig am Ziel vorbeischießt. Auch hat man es versäumt der eigentlich tragischen Figur des Steven Russell, der nur die Liebe sucht, sich aber immer tiefer ins Verderben reitet, die nötige Tiefe zu verpassen. Stattdessen werden seine Eskapaden als reine Unterhaltungsmittel verheizt.

 

Dies funktioniert mal mehr, mal weniger gut. Die grandios durchgeknallten Einfälle, die sich tatsächlich auf eine wahre Geschichte berufen, sind an vielen Stellen unterhaltsam und auch wie sich Steven mit schamlosen Lügen als Anwalt durchmogelt und es bis zum CFO einer großen Firma bringt, beinhaltet eine gewisse Komik, aber beim tausendsten Durchkauen des selben Gags ist es auch einmal genug. Es fehlt sowohl an Abwechslung, als auch an wirklich guten Einfällen. I Love You Phillip Morris ist so in seinen besten Momenten lediglich ganz nett anzusehen, aber so richtig überzeugen tut der Film leider nie.

 

Dies mag auch daran liegen, dass er überhaupt kein Gefühl für den emotionalen Zustand seiner Figuren aufbringt. An manchen Stellen lässt sich erahnen, dass hier tatsächlich eine berührende Geschichte schlummert, die jedoch nie zum Vorschein kommt. Mit ein Grund dafür ist sicher, dass ein Ewan McGregor in seiner Rolle völlig unnötig verheizt wird, aber es ist die generelle Veranlagung des Films, die hier besseres verhindert. Insgesamt ist also aus vielerlei Hinsicht sehr verständlich warum sich der Film so schwer tut wirklich einen Markt zu finden. Das erhoffte Comeback von Jim Carrey ist es also (wieder einmal) nicht geworden.

 

Fazit:

I Love You Phillip Morris ist wieder einmal ein missglückter Versuch von Jim Carrey zu alten Erfolgen aufzuschließen. Ihm selbst trifft zwar gar keine Schuld daran, aber dies ändert nichts daran, dass der Film ein unausgegorenes Sammelwerk an mauen Witzen und abgestandenen Zoten ist, dem jedes Gefühl für die Figuren fehlt. An manchen Stellen lässt sich der Charme der Geschichte und das Potential der emotionalen Ebene erkennen, aber man hat sich dazu entschlossen lieber zur Gänze auf die simple Hochstaplermentalität zu setzen und einige einfache Gags herauszukitzeln. Deshalb braucht man sich auch nicht wundern, dass das Ergebnis eher enttäuschend ist.

 

Wertung:

4/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 5.5/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 4
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