Chloe (2009)

OT: Chloe - 96 Minuten - Erotik / Thriller / Drama
Chloe (2009)
Kinostart: 12.08.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Chloe

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Der kanadisch-armenische Autorenfilmer Atom Egoyan hat sich mit Filmen wie Der Schätzer, Exotica und Wahre Lügen einen Namen in der internationalen Filmgemeinde geschaffen. Mit Chloe wendet er sich der Neuverfilmung von Anne Fontaines Nathalie – Wen liebst du heute Nacht zu und wagt sich somit an einen Stoff, der sehr viele verschiedene Inszenierungsformen erlaubt hätte. Doch Atom Egoyan hat sich dafür entschieden einen geradlinigen Erotik-Thriller zu drehen, der es durchaus versteht den Zuseher um den Finger zu wickeln.

 

Catherine (Julianne Moore) hat für ihren Mann, den Musikprofessor David (Liam Neeson), eine Überraschungsparty zu dessen 50. Geburtstag organisiert. Doch auf Grund eines verpassten Flugzeugs erscheint der Ehrengast nicht, was Catherine an dessen Treue zweifeln lässt. Hat sich ihr entfremdeter Mann gar etwa mit einer Studentin eingelassen? Kurzerhand engagiert sie das Luxus-Callgirl Chloe (Amanda Seyfried), die einen Treuetest bei ihrem Mann durchführen soll. Später berichtet Chloe, dass David auf sie eingestiegen ist, doch obwohl sie davon entsetzt ist, scheinen Catherine die erotischen Eskapaden zu erregen…

 

Atom Egoyan ist mit Chloe ein durchaus sehenswerter und faszinierender Film gelungen, der gerade im eher dumpfen Sommerkino eine wohltuende Abwechslung bietet. Das Thema ist klar: Die Liebe, oder viel eher ihre körperliche Manifestation. Bereits die drei Figuren stellen verschiedene Blickwinkel auf das Thema Sex dar. Während es Catherine als eine rein biologische Aktivität sieht (sie erklärt einer Patientin eindrucksvoll, dass ein Orgasmus nur eine Muskelkontraktion ist), zitiert ihr Mann David romantisch überhöhte Lyrik und Chloe hingegen scheint die entfesselte Leidenschaft schlechthin zu sein.

 

Das Zusammenspiel dieser Figuren entwickelt sich zur klaren Stärke von Chloe. Vom ehelichen Betrug sehen wir nur das Nachbeben, besser gesagt das anschließende Gespräch von Catherine und Chloe, was zu einer weiteren erotischen Entladung führt. Egoyan gelingt eine fesselnde Auslotung der Sexualität und er kombiniert dies mit einer starken Atmosphäre und einer wunderschönen Inszenierung, die sich vor allem auf Spiegelbilder fokusiert und so weitere symbolische Elemente in den Film bringt.

 

Da Chloe nicht nur Erotik, sondern auch Thriller ist, steht die Spannungsentwicklung natürlich auch sehr um Vordergrund. Es ist bereits die grundlegende Ausgangslage, die das Misstrauen des Publikums erweckt. Denn dass es bei dieser zerrissenen Situation auf Dauer zu einer Eskalation der Gefühle kommen muss ist eigentlich klar. Und diese dauerhafte Anspannung wirkt sich auch ausgezeichnet auf die Atmosphäre aus, was dazu führt, dass bei Chloe stets ein gewisses Knistern zu spüren ist. Schade ist jedoch, dass die Thrillerstruktur fast zu klassisch ist, sodass dem Film am Ende die Luft ausgeht und das Finale etwas enttäuscht.

 

Gut ist hingegen, dass es Chloe sehr gut versteht die Gefühle der Figuren auszuloten. Besonders Julianne Moore ist eine Offenbahrung und versteht es ihre Rolle großartig auszufüllen. Gemeinsam mit Liam Neeson schafft es der Film so ein glaubhaftes Portrait eines entfremdeten Paares zu skizzieren, das sich irgendwo zwischen den Karrieren und dem gemeinsamen Leben aus den Augen verloren hat. Berührend ist dies vor allem, da sich beide nur nach Nähe sehnen, aber durch ihre Entscheidungen nur immer weiter voneinander abrücken. Irgendwo zwischen Schein und Sein und zwischen den verschiedenen Ansichten über Sex oszilliert Chloe äußerst geschickt zwischen den Ebenen.

 

Natürlich ist erkennbar, dass sich Atom Egoyan etwas dem Mainstreamkino angenähert hat. Das erste Mal inszenierte er nicht nach eigenem Drehbuch und es fällt auf, dass Chloe sehr geradlinig und fast einfach gestrickt ist. Zwischen den Zeilen spielt sich zwar etwas ab, aber an manchen Stellen (besonders beim eher schwachem Finale) brechen die simplen Spannungsmomente durch und rauben dem Film an Qualität. Doch die stilsichere Inszenierung und die starken Darsteller können auch diese Momente kaschieren, sodass Chloe trotz diesen Schwächen sehr sehenswert bleibt.

 

Fazit:

Regisseur Atom Egoyan ist mit Chloe ein knisternder Erotik-Thriller gelungen, der es sehr gut versteht die Figuren zu etablieren und ihren Charakter zu durchleuchten. Der Film meditiert dabei über die Themen Sex, Liebe und Misstrauen, abseits der ansonsten so eintönigen Hollywood-Romantik. Chloe fühlt den Figuren auf den Zahn und lotet ihre Wesen aus. All dies macht der Film sehr geschickt und mit viel Feingefühl. Schade ist nur, dass Chloe am Ende auf allzu klassische Thriller-Elemente setzt und so letzten Endes etwas enttäuscht. Sehenswert bleibt der Film aber dennoch, vor allem wegen der stilsicheren Inszenierung und den starken Darstellern.

 

Wertung:

7/10 Punkte

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