The Karate Kid (2010)

OT: The Karate Kid - 140 Minuten - Action / Drama
The Karate Kid (2010)
Kinostart: 23.07.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu The Karate Kid

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Mit schon fast beängstigender Regelmäßigkeit bringt das unter Filmkritikern gefürchtete Sommerkino Jahr für Jahr neue Absurditäten auf die Leinwand, ein Trend hin zu Neuauflagen von mehr oder minder beachtenswerten Werken aus den Achtzigern wird dabei erkenntlich. Dass die Hollywoodmaschinerie allzu gerne auf den (gewinnbringenden) Erfolgen bekannter Produktreihen und popkulturell etablierter Phänomene bzw. Attraktionen aufbaut, ist zwar nicht erst seit Filmen wie Transformers, Spider-Man, Pirates of the Caribbean oder den diversen Harry Potter-Ablegern bekannt, auffällig erscheint jedoch die inflationäre Häufung dieser Produktionen seit einigen Jahren.

 

Bestseller-, Graphic Novel- und Comicbuchverfilmungen, Fortsetzungen vermeintlicher Boxoffice-Hits sowie Remakes bzw. Reimaginings dominieren momentan und in nächster Zeit die Kinosäle; die Vermutung liegt nahe dass aufgrund dessen selbst hartgesottene Filmfans mittlerweile bei Ankündigungen wie Piranha, Jackass 3-D oder The A-Team nur noch beiläufig mit den Schultern zucken werden. In dieses Sammelsurium des Kreativschwunds vermag sich dann auch das Remake des Überraschungshits von 1984, The Karate Kid, ausgezeichnet einfügen lassen.

 

Der zwölfjährige Dre Parker (Jaden Smith) findet sich nach dem berufsbedingten Umzug von Detroit nach Beijing mit seiner alleinerziehenden Mutter Sherry (Taraji P. Henson) nur schwer zurecht. Trotz sprachbedingter Barrieren und diverser kultureller Missverständnisse wird Dre jedoch bald klar, das auch im fernen China unbarmherzige Schulhofschläger (deren Anführer und zugleich der Antagonist: Wang Zhenwei) ihr Unwesen treiben. Als Dre bereits bei der ersten Annäherung an die musikalisch Begabte Mei Ying (Wen Wen Han) verprügelt wird, beschließt er, sich zu revanchieren. Durch Zufall entpuppt sich der zuvor nur durch Apathie und Wortkargheit auffällige Hauswart des Wohnkomplexes (Jackie Chan), in dem die Parkers beheimatet sind, als Kung-Fu Meister, der in weiterer Folge Dre in die Geheimnisse der Kampfsportart einweiht. Was dabei anfangs nur zweckdienlich als Unterricht zur Selbstverteidigung beginnt, verwandelt sich im Laufe des Trainings sowohl für den Schüler als auch den Lehrer in eine Lektion zur Selbstfindung und Schaffung innerer Stärke…

 

Kenner des Originals werden hinsichtlich der inhaltlichen Originaltreue sicherlich überrascht sein: wie schon in John G. Avildsens Vorlage wird ein unerfahrener und undisziplinierter Jugendlicher durch die Philosophie des Kampfsportes zu einem aufgeklärten, vermeintlich selbstbewussten Heranwachsenden erzogen - dies geschieht natürlich auch bei Jaden Smiths Charakter anfangs mittels überraschend banaler Tätigkeiten (ein Auto spielt dabei aber nur eine untergeordnete Rolle, kein Wachs wird aufgetragen und poliert) und kulminiert in Trainingsmontagen vor Postkartenmotiven. Auch die abgenutzte „East meets West“ bzw. „Fernöstliche Philosophie meets Popculture Lifestyle“-Filmtradition hat scheinbar nach 26 Jahren immer noch ihre Gültigkeit bewahrt, denn in The Karate Kid wird auf Aussagen wie I get it. You're Yoda and I'm like a Jedi“ oder „Everyone in China knows Kung Fu“ aufgebaut. Obwohl das Remake zumindest ansatzweise versucht, mittels verschiedenster – zaghaft eingesetzter – Verweise ein Gefühl von Aktualität zu erzeugen (etwa durch eine rasante Parkour-Sequenz oder eine langatmige Spielhallen-Szene), kann mithilfe der aufgeführten Zitate das biedere, altbackene Handlungsgerüst ausgemacht werden, das schon bei der Vorlage nicht allzu überraschend oder originell war. Das an der grundlegenden Struktur wenig korrigiert wurde, erscheint dabei aber kaum verwunderlich: schon Rocky-Regisseur Avildsen hatte gewissermaßen leichtes Spiel dank der modifizierten Underdog-Geschichte (Das Publikum liebt Verlierer, die für ihre/n Selbstachtung/Erfolg – hier wortwörtlich – kämpfen müssen), der popkulturelle Erfolg beweist dies ebenso sowie die enormen Einspielergebnisse.

 

Doch auch wenn Ralph Macchios ursprünglicher Karate-Kid Daniel Larusso und Pat Moritas Mr. Miyagi (Oscar-Nominierung für die beste Nebenrolle!) weiterhin und zweifellos in ihren Rollen denen des Remakes in vielerlei Hinsicht überlegen sind, so kann man sowohl Smith als auch Chan Anerkennung zollen. Während sich Will Smiths Sprössling überraschend unaufgeregter und glaubhafter als noch in The Day the Earth Stood Still präsentiert, ist vor allem die selbstparodistische Slapstick-Kampfsportlegende Jackie Chan aufgrund der ungewohnt zurückhaltenden Darstellung bemerkenswert.

 

Regisseur Harald Zwart beweist mit der soliden Inszenierung zumindest, das abseits von durchwachsenen Produktionen wie Agent Cody Banks und The Pink Panther 2 das Potential für gutes Handwerk in seinem Schaffen vorhanden ist – fraglich bleibt allerdings, ob er dies bei seinem kommenden Projekt „Rollercoaster Tycoon“ erneut vorführen kann. Dem oftmals bemühten Auffrischen der Handlung, der vielen kulturellen Klischees (Ehre steht innerhalb der chinesischen Familie über alles, Afro-Amerikaner haben tolle Haare), des dramaturgisch katastrophalen dritten Aktes und der falschen Betitelung des Films (Kung-Fu Kid wäre treffender) zum Trotz kann The Karate Kid aber dennoch den Spagat zwischen restaurierter Nostalgie und ansatzweise vorhandener Unterhaltung aufrecht erhalten – für einen Klassikerstatus samt passenden Kampfsportboom, wie ihn das Original seinerzeit ausgelöst hat, ist aber zu wenig eigenständige und mitreißende Substanz vorhanden.

 

Fazit:

Das Remake des „Klassikers“ von 1984, The Karate Kid, kann trotz der unerklärbaren Überlänge von 140 Minuten kaum Neuerungen aufbieten, im Gegenteil: Es handelt sich um eine sinngetreue Kopie mit identem dramaturgischen Pathos. Überraschen können nur die Hauptcharaktere Jade Smith und Jackie Chan, deren schauspielerische Leistungen – den Verhältnissen entsprechend – überzeugen und die vielen Klischees dieser Rocky-Version für das jugendliche Publikum erträglicher gestalten bzw. überdecken. Hätte Regisseur Zwart das im Film aufkommende Zitat „Your Focus needs more Focus“ beherzigt, wäre The Karate Kid mehr als nur eine unnötige, abgestaubte Neuverfilmung mit einigen netten Sequenzen geworden.

 

Wertung:

5/10 Punkte

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Ø Wertung: 5.6/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 20
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Liste von mausmaus
Erstellt: 11.11.2013