Sin Nombre - Zug der Hoffnung (2009)

OT: Sin Nombre - 96 Minuten - Thriller / Drama
Sin Nombre - Zug der Hoffnung (2009)
Kinostart: 02.07.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Sin Nombre - Zug der Hoffnung

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In der jüngeren Kinogeschichte erwiesen sich bereits einige Slumfilme als besonders preiswürdig und vor allem bei den Kritikern erfolgreich. Die drei bisherigen Hightlights sind dabei wohl der Berlinalesieger Tropa de Elite, der Oscarabräumer Slumdog Millionär, aber vor allem der geistige Vater City of God, der laut Regisseur Cary Fukunaga auch seinen Film Sin Nombre maßgeblich beeinflusst hat. Die Fußstapfen des Meisterwerks von Fernando Meirelles erweisen sich aber auch für Sin Nombre als deutlich zu groß, wenngleich der Film doch einiges richtig macht.

 

„El Caspar“ (Édgar Flores) ist Mitglied der brutalen Gang Mara Salvatrucha, die um die Vorherrschaft im Viertel kämpft. Doch durch einen folgenschweren Zwischenfall trennen sich die Wege von „El Caspar“ und seiner ehemaligen Gang. Da er aus Rache den Anführer der Mara Salvatrucha umgebracht hat, macht nun die ganze Truppe jagt auf ihn. Also flieht „El Caspar“ mit dem Zug und trifft dort auf Sayra (Paulina Gaitan), die mit ihrer Familie nach Amerika will. Die beiden verlieben sich ineinander und obwohl ihnen klar ist, dass ein Entkommen eigentlich unmöglich ist, fliehen sie nun gemeinsam vor der Gang, die ihnen keine Ruhe lässt…

 

Sin Nombre entwirft von Anfang an zwei parallele Handlungsstränge, die noch deutlich die Handschrift vom großen Vorbild City of God tragen. Während Sayra ihre Heimat verlassen will und nach Amerika aufbricht, erlaubt uns der Film mit der Geschichte von „El Caspar“ einen Einblick in die mexikanischen Slums, bzw. die Gangs die diese kontrollieren. Und dieser Blick auf das Elend ist von Brutalität und Härte gekennzeichnet. Neue Gangmitglieder werden 13 Sekunden lang mit voller Härte verprügelt, ganz egal wie alt sie sind und um die Aufnahme zu vollenden muss ein gegnerisches Gangmitglied erschossen werden.

 

Zu Beginn weiss Sin Nombre noch durchgehend zu überzeugen. Das geschilderte Milieu wirkt glaubhaft, die Atmosphäre intensiv. Auch die aufgebaute Spannung rund um El Caspar's aussenstehende Freundin und die Reaktion der Gang auf diese wirkt stimmig. Doch die Probleme beginnen, sobald der Film seine beiden Handlungsfäden verknüpfen will. Von der Intensität und natürlichen Spannung des ersten Abschnitts ist nichts mehr zu sehen. Stattdessen setzt Sin Nombre vor allem auf schöne Bilder und eine konventionelle Hollywoodstory, die leider etwas enttäuscht.

 

Nicht nur die aufkeimende Liebe wirkt etwas unglaubwürdig, auch die Reduktion der gesellschaftspolitischen Ansätze auf simple Actionszenen und Schießereien erweist sich als enttäuschend. Plötzlich scheint sich der Film gar nicht mehr so sehr für die Relevanz der Thematik zu interessieren, sondern will nur mehr unterhalten. Dies gelingt zwar großteils wirklich gut, aber gerade im Vergleich zu Tropa de Elite oder City of God natürlich, erweist sich die Mischung als weit weniger gut gelungen. Denn diese beiden Filme schafften es Kurzweiligkeit zu erzeugen ohne auf ihre Themen zu vergessen.

 

Die Problematik manifestiert sich vor allem im Schicksal des jungen Smiley, den wir als Freund von Hauptfigur „El Caspar“ kennen lernen und der in Folge natürlich hin- und hergerissen sein sollte, als dieser die Gang verlässt. Sin Nombre deutet auch die verführerischen Möglichkeiten der Gangs an, wie sie dem Jungen das erste Mal in seinem Leben eine Gemeinschaft bieten und er sogar im Wagen vorne mitfahren darf. In diesen Momenten zeigt Sin Nombre auf wie leicht es ist Kinder in eine Scheinwelt zu entführen und so an eine Gang zu binden. Aber dem Film fehlt der Gegenpol. Denn Smiley bekommt die Kehrseite nie zu sehen, verwehrt ihm Sin Nombre doch eine reinigende Katharsis, die ein Umdenken einläuten könnte.

 

Viel zu oft lässt Sin Nombre Möglichkeiten ungenützt verstreichen. Zwar besitzt der Film durchaus großartige Momente, besonders was die Atmosphäre betrifft, aber Sin Nombre gibt sich allzu oft damit zufrieden einfach zu unterhalten. Trotzdem durchzieht den Film manchmal eine gewisse Vergänglichkeit, was besonders in den Momenten zwischen „El Caspar“ und Sayra klar wird, wenn eigentlich alle Beteiligten wissen, dass die junge Liebe nicht von Dauer sein kann. Doch insgesamt fehlt es trotzdem an inszenatorischer Finesse und schlichtem Bewusstsein für das Thema um in die Regionen der themenverwandten Meisterwerke aufzusteigen. Aber trotz seinen Schwächen ist Sin Nombre ein sehr kurzweiliger und fesselnder Film, der auch vieles richtig macht.

 

Fazit:

Sin Nombre hätte viel Potential gehabt ein großer Film zu werden. Besonders zu Beginn überwiegen die positiven Aspekte noch deutlich und der Film versteht es sein Milieu zu schildern und eine packende Atmosphäre zu erzeugen. Doch sobald man die beiden Handlungsstränge zusammenführt, flacht die Handlung etwas ab und Sin Nombre reduziert sich selbst auf klassische Verfolgungsszenen und Schießereien. Manchmal hängt zwar ein Hauch Vergänglichkeit in der Luft, aber da wäre trotzdem mehr möglich gewesen. Kurzweilig und insgesamt sehenswert bleibt Sin Nombre aber dennoch.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 8.1/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 9
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