The Young Victoria (2009)

OT: The Young Victoria - 105 Minuten - Romantik / Drama
The Young Victoria (2009)
Kinostart: 25.06.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu The Young Victoria

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Regisseur Jean-Marc Valee, dem mit seinem Film C.R.A.Z.Y eine viel beachtete Coming of Age Geschichte geglückt ist, wendet sich mit The Young Victoria nun einem neuen Genre zu. Dem Kostümdrama wenn man so will, eine Filmgattung, die ja nicht immer den besten Ruf hat. Zwar hat auch dieses Genre seine Meisterwerke hervorgebracht, aber das Klischee vom optischen Prunk, hinter dem leider nicht allzu viel verborgen liegt, hat sich immer wieder bestätigt. The Young Victoria ist natürlich ebenfalls einer dieser Eyecatcher, der versucht mit opulenten Sets und aufwendigen Kostümen auf visueller Ebene zu punkten. Aber der Film etabliert auch eine gefühlvolle Liebesgeschichte und gibt sich überraschend unterhaltsam.

 

Victoria (Emily Blunt) durchlebt ihre Kindheit mit einer schweren Bürde. Ihr ist es bestimmt nach dem Tod des Königs von England auf dem Thron platz zu nehmen, ist sie doch die einzige Nachkommin der Dynastie. Doch vorerst lebt sie bei ihrer Mutter, der Herzogin von Kent (Miranda Richardson) und ihrem Vertrauten Sir John Conroy (Mark Strong). Die beide lassen ihr keinerlei Freiraum, wollen sie doch sichergehen, dass der Thronerbin nichts geschieht. Doch dies vorwiegend aus eigenen Interessen, denn Sir Conroy will ihr eine Verzichtserklärung unterjubeln, mit der es ihm ermöglicht wäre an ihrer Stelle zu regieren, bis sie 25 Jahre alt ist. Doch auch der König von Belgien (Thomas Kretschmann) hat seine Pläne mit Victoria. Er schickt Albert (Rupert Friend) los um Victoria zu erobern, sodass es Belgien möglich wäre auf England Einfluss zu nehmen. Doch Albert und Victoria verlieben sich wirklich ineinander…

 

The Young Victoria geht keine besonders großen Risiken ein. Das wird bereits von Anfang an klargestellt. Denn man schwelgt zwar in der viktorianischen Zeit, verwendet die Epoche aber vorwiegend dazu um die pompöse Ausstattung, die detailverliebten Sets und die aufwendigen Kostüme zu präsentieren. Man versteht es auch geschickt komplexere Probleme zu vermeiden, in dem man die Handlung vorwiegend auf Viktoria beschränkt und diese in einem goldenen Käfig lebt, also quasi kaum in die Welt hinaus darf. Natürlich ist dies ein eher oberflächlicher Ansatz, aber The Young Victoria hat eben eine Zielsetzung, auf die man sich auch beschränkt.

 

Und diese Zielsetzung ist keinesfalls politischer Natur. Zwar finden auch politische Problemstellungen, mit denen die junge Herrscherin konfrontierte wird, ihren Weg in den Film, aber leider handelt es sich dabei vorwiegend um eher oberflächliche Randnotizen. Dies ist ganz besonders schade, hätte man doch mit Paul Bettany als Premierminister Lord Melbourne eine interessante Figur an der Hand gehabt, die es auch geschafft hätte auf spannende Weise die unerfahrene Königin mit der komplexen Politik zu verbinden. In Ansätzen findet sich das auch im Film wieder, es hätte aber mehr hergegeben und den Film um eine weitere Dimension erweitert.

 

Doch The Young Victoria konzentriert sich großteils vor allem auf die Liebesebene. Und das macht der Film auch tatsächlich ziemlich gut. Dies beginnt beim ersten Aufflammen eines Liebesfunkens zwischen Viktoria und Albert und geht über eine durchaus raffinierte Dreiecksgeschichte, die sich zwischen Albert, Viktoria und Lord Melbourne anbahnt bis hin zum vollendeten Liebesglück der Hauptfiguren. Gerade weil der Film sich dabei nicht überhetzt, sondern sich Zeit nimmt um die Figuren zu beschreiben wirkt diese Liebesgeschichte organisch und bettet sich auch gut in den historischen Kontext ein. Einen großen Anteil am Gelingen der Geschichte hat natürlich auch die gute Chemie zwischen Emily Blunt und Rupert Friend.

 

Überhaupt erweisen sich die Darsteller als überaus spielfreudig. Man kann natürlich argumentieren, dass speziell Mark Strong als allzu eindimensionaler bösartiger Zeitgenosse mit überschaubarer Mimik skizziert wird, aber im Wesentlichen verfehlt die Figur ihre Aufgabe nicht. Auch dank der physischen Präsenz von Mark Strong verfügt sein Sir John Conroy durchaus  über eine bedrohliche Ausstrahlung. Dass Emily Blunt und Rupert Friend sehr gut harmonieren wurde ja bereits erwähnt, aber auch ansonsten machen die Darsteller ihre Aufgabe wirklich sehr gut. Sei es Paul Bettany als hinterlistiger Politiker oder Ian Broadbent als etwas überzogen dargebotener König.

 

Stellenweise erweist sich die Inszenierung jedoch als allzu bieder und antiquiert, sodass es auch schon einmal einige Passagen gibt in denen der Film auf der Stelle trampelt und etwas langatmig wirkt. Auch setzt der Film manchmal auf einen gewissen Lehrbuchcharakter, was besonders durch die etwas überflüssigen Voice-Over Passagen erreicht wird, aber leider kaum eine Bereicherung darstellt. Doch trotz diesen Schwächen bleibt The Young Victoria ein großteils sehr unterhaltsamer Film, der es versteht seine Figuren gut zu schildern, sodass man doch von ihrer Geschichte berührt ist. Man verbeisst sich nämlich nicht allzu sehr auf die Steifheit des Zeitalters, sondern erlaubt sich auch etwas auflockernden Humor, was zumindest positiv für den Unterhaltungswert des Films ist.

 

Fazit:

The Young Victoria setzt visuell vor allem auf pompöse Sets, eine aufwendige Ausstattung und üppige Kostüme. Doch der Film schafft es auch durchaus seine Oberfläche zu durchdringen und eine berührende Liebesgeschichte zu erzählen. Eingeräumt werden muss, dass man die politischen Aspekte der Story etwas unter den Tisch gekehrt hat, die Inszenierung teilweise etwas bieder ist und einige Voice-Over Passagen reichlich unnötig sind. Doch trotz diesen Schwächen ist The Young Victoria ein recht unterhaltsamer Film, der positiv überrascht und es tatsächlich schafft seine Geschichte berührend zu inszenieren.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 8.5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 2
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