Der fantastische Mr. Fox (2009)

OT: Fantastic Mr. Fox - 90 Minuten - Animation
Der fantastische Mr. Fox (2009)
Kinostart: 25.06.2010
DVD-Start: 14.06.2013 - Blu-ray-Start: 14.06.2013
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Filmkritik zu Der fantastische Mr. Fox

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Der Animationsfilm emanzipiert sich ja schon länger von seinem Image als reine Kinderunterhaltung. Man denke nur an die fantasievollen Welten eines Hayao Miyazaki oder an die vielschichtigen und charmanten Pixargeschichten. Aber mit unerwartet kreativen und tiefgreifenden Filmen wie Wo die Wilden Kerle Wohnen scheint sich auch das generelle Jugendkino zu entwickeln. Große Filmemacher wie Spike Jonze oder im Fall von Der fantastische Mr. Fox Wes Anderson haben das Genre für sich entdeckt. Und da selbst Martin Scorsese plant einen Abstecher in die Jugendabteilung zu machen, scheint der „Kinderfilm“ mit künstlerischem Anspruch zu boomen. Der fantastische Mr. Fox liefert schon einmal einen eindrucksvollen Beitrag für das neue Jugendkino der Marke Hollywood.

 

Mr. Fox (George Clooney) war immer ein Outlaw, der als Hühnerdieb die Nachbarschaft heimgesucht hat. Doch mit der Ehe hat sich alles verändert und so musste er seiner Frau Mrs. Fox (Meryl Streep) versprechen sein Talent aufzugeben. Da er als Vater des kleinen Ash (Jason Schwartzman) auch eine gewisse Verantwortung hat, wäre das Risiko einfach zu groß. Stattdessen arbeitet Mr. Fox nun als Zeitungskolumnist und geht einem geregelten Alltag nach. Doch seine Nachbarn, die drei Großbauern Grimm, Gräulich und Grob machen ihm mit ihren riesigen Geflügelfarmen den Mund wässrig. Deshalb wird Mr. Fox auch wieder rückfällig und schleicht sich am Abend raus um wieder einige Hühner zu reissen. Doch das passt den Bauern gar nicht, so dass sie sich zusammen tun um Mr. Fox und seine Familie endgültig zu erledigen…

 

In seinem bisherigen Oeuvre hat sich Regisseur Wes Anderson vor allem dadurch ausgezeichnet, dass er seine Filme auf verspielte und kreative Weise inszenierte und dank eben diesen schrägen Stilmitteln auch seinen Figuren direkt aus dem Herzen sprach. Denn Wes Anderson scheint nichts mit den so genannten „Normalos“ anzufangen, sondern stürzt sich immer auf eigenwillige, schrullige Figuren, denen er seine Filme widmet. Eingebettet sind diese Figuren zumeist in eine abgeriegelte Welt, die von den Konflikten einer dysfunktionalen Familie durchzogen ist. Und diese Thematik hat er auch durchschaut und schafft es wie kaum ein anderer sie mit absurder Komik zu garnieren und auf die Leinwand zu projizieren.

 

Mit seinem letzten Film, The Darjeeling Limited, begann er aber zu sehr altbekanntes zu wiederholen und schaffte es nicht mehr seinem Schaffen neue Impulse zu geben, was einige Kritiker zu dem Schluss führte, dass Anderson am Ende seiner Kreativität angelangt wäre. Da der Film nach dem großartigen Vor-Kurzfilm Hotel Chevalier auch kaum etwas Besonderes mehr zu bieten hatte, erscheint diese Kritik auch nicht als gänzlich ungerecht. Dass Wes Anderson aber längst nicht am Ende der Fahnenstange angelangt ist, beweist er mit seinem ersten Animationsfilm Der fantastische Mr. Fox jedoch ziemlich eindringlich.

 

Dabei ist klar, dass ein schrulliger Figurenfanatiker wie Wes Anderson nicht auf den Perfektionszug aufspringt, hätte ein eigenwilliges Projekt wie dieses auch kaum das notwendige Kapital auftreiben können um in den Ligen des Genreprimus Pixar zu spielen. Aber das ist auch gut so behält sich Der fantastische Mr. Fox so doch eine sehr persönliche Note, die im doch recht ähnlichen Gesamtfeld der Animationsfilme sehr positiv hervorsticht. Auch unter den Stop-Motion Filmen gibt es technisch mit Sicherheit ausgereiftere Projekte, aber im Fall von Der fantastische Mr. Fox ist dies insofern kein Nachteil, versteht es der Film doch gerade seinen Retro-Faktor so geschickt auszuspielen und damit erneut Sympathiepunkte zu sammeln.

 

Der Film gibt sich dabei herrlich straff und kompakt, hat kein Gramm Fett an sich und hält die Geschichte immer in Fahrt. Und diese Geschichte ist für einen Jugendfilm eigentlich schon fast zu raffiniert. Überhaupt werden viele jüngere Zuseher mit dem schrägen Humor, den poetischen Momenten, den philosophischen Dialogen und der allegorischen Geschichte ihre Probleme haben, aber es ist gut, dass ein Studio wie 20th Century Fox den Mut findet einen Film zu produzieren, der so wunderbar gegen den Strich gebürstet ist. Eine besondere Ironie dabei ist natürlich, dass gerade 20th Century Fox in der Regel für eher glattere Produktionen steht, bzw. um in der Welt von Mr. Fox zu bleiben, eher auf der Seite der Großbauern, als auf der Seite der Outlaws kämpft.

 

Der fantastische Mr. Fox versteht es mit viel Feingefühl die Outlaw-Parabel rund um einen domestizierten Fuchs aufzubauen, der das Wilde in sich wieder entdeckt und dabei auch dem Zuseher Interpretationsmöglichkeiten zu liefern. Großartig auch der Konflikt zwischen den unbeugsamen Tieren und den herzlosen Großbauern, die Wes Anderson als großen Klassenkampf inszeniert. Aber auch abseits seiner symbolischen Ebene ist Der fantastische Mr. Fox ein sehr unterhaltsamer Film, der mit ungewöhnlichem Humor und schrulligen Figuren punktet. Vielleicht erweist sich der Aufbau als etwas zu fragmentarisch, so dass man eher das Gefühl hat Einzelepisoden, als einen durchgehenden Film zu sehen, doch das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Der fantastische Mr. Fox ist schlichtweg vortreffliche Animationsunterhaltung auf hohem Niveau.

 

Fazit:

Wes Anderson ist mit Der fantastische Mr. Fox ein kleiner Glücksgriff gelungen. Er schafft es seinen Stil mühelos ins Stop-Motion-Animationsfach zu transformieren und sein Oeuvre gleichzeitig geschickt zu erweitern. Ein Highlight dabei natürlich die großartigen Synchronsprecher und die bewusst simple aber verspielte Retrooptik. Auch die Story gibt sich wunderbar kreativ und versteht es symbolische Aspekte genau wie schrägen Humor zu integrieren. Der fantastische Mr. Fox ist somit für alle Freunde von kreativen und intelligenten Animationsfilmen eine klare Empfehlung.

 

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 7.8/10 | Kritiken: 4 | Wertungen: 33
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