Sturm (2009)

OT: Sturm - 103 Minuten - Drama
Sturm (2009)
Kinostart: 11.06.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Sturm

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Sturm ist der neue Film des deutschen Regisseurs Hans-Christian Schmid. Mit viel Gespür für die Realität und einem brisanten Thema im Rücken versteht es Sturm ausgezeichnet die Mechanismen des Polit-Thrillers zu variieren. Nach einer kleinen Anlaufzeit, die alleine als Umgewöhnung, wegen des starken Kontrasts zu klassischen Polit-Thrillern, notwendig ist, etabliert Sturm eine fiebrige Atmosphäre und schafft es auf ehrliche Weise Spannung aufzubauen ohne dafür den Inhalt zu verraten.

 

Hannah Maynard (Kerry Fox) ist Anklägerin im Prozess gegen den Kriegsverbrecher Goran Duric (Drazen Kuhn). Dieser war eine ranghohe Schlüsselfigur im Kroatienkrieg und soll in diesem Zusammenhang für die Deportation und Ermordung zahlreicher Zivilisten verantwortlich gewesen sein. Nun soll er beim Kriegsverbrechertribunal in Den Haag seine gerechte Strafe erhalten. Doch der wichtigste Zeuge gegen ihn gerät ins Straucheln und bald stellt sich heraus, dass er nicht die Wahrheit gesagt hat. Kurz darauf bringt er sich um. Dies führt wiederum dazu, dass Hannah dessen Schwester Mira (Anamaria Marinca) kennen lernt. Diese hat Durics Gewalt am eigenen Leibe gespürt und beschließt, trotz den Drohungen seiner Anhänger, auszusagen…

 

Sturm ist ein besonders interessanter Polit-Thriller, der eine faszinierende Strukturierung befolgt. Zu Beginn erweist sich eben diese Struktur noch als sehr gewöhnungsbedürftig. Der Film wirkt unnahbar und schwer zu durchschauen. Doch trotz dieser anfänglichen Probleme, nimmt Sturm bald schon Fahrt auf. Die Storyfäden verdichten sich zu einem kompakten Netz aus vergangenen Gräueltaten und gegenwärtigen Bedrohungen. Dabei benutzt der Film keinerlei Kunstgriffe, wie es ansonsten im Genre üblich ist, sondern verlässt sich ganz auf eine realistische Darbietung, die genau so wirklich stattfinden könnte.

 

Das bringt uns auch schon zum großen Negativpunkt des Films. Anhänger von klassischen Polit-Thrillern werden bald feststellen, dass Sturm anders funktioniert, als andere Filme seines Genres. Denn bei Sturm ist der politische Aspekt um einiges stärker ausgeprägt, als der Thriller Aspekt und wer spannende Verfolgungsjagden oder sonstige Kniffe des Genres erwartet, der wird wohl enttäuscht werden. Sturm produziert zwar durchaus eine knisternde und spannungsgeladene Atmosphäre, doch diese ist eingebettet in einer ruhigen Inszenierung, die viel mit der Erwartungshaltung des Zusehers spielt, aber wenig zeigt.

 

Ein aus dem Titel ableitbarer Sturm ist aber tatsächlich vorhanden. Doch es ist ein metaphysischer Sturm, der keine offen sichtbare Zerstörung hinterlässt, sondern im Untergrund tobt und von dem nur die fast fühlbare Spannung erkennbar ist. Der Film schafft es dabei äußerst geschickt die Balkan-Problematik anzusprechen. Ohne wirklich zu sehr ins Detail zu gehen, wird hier die zersplitterte Atmosphäre zum Leben erweckt und man kann erahnen welche Probleme hier im Verborgenen lauern und wie eine gespannte und misstrauische Stimmung hier die Menschen beeinflusst und verändert. Mit die größte Stärke des Films ist es diese gespaltene Atmosphäre zu übermitteln und in eine erwartungsvolle, hitzige Grundhaltung zu transformieren.

 

Doch Sturm versteht es auch ausgezeichnet ein weiteres problematisches Thema anzusprechen. Der Film wirft einen kritischen Blick auf die Kriegsverbrechertribunale und hinterfragt dabei die missliche Ausgangslage zwischen hausgemachten Deals und lauwarmen Zugeständnissen. Sturm zweifelt dabei die Entscheidungsfindung an und stellt das generelle Interesse in Frage überhaupt die Verbrecher ordnungsgemäß zu verurteilen. Zwischen diplomatischen Problemchen, Überforderung und Desinteresse ist man schon zufrieden überhaupt einen Prozess abzuschließen, auch wenn man dabei massive Zugeständnisse akzeptieren muss.

 

Doch Sturm ist dabei nicht nur pessimistisch. Zwar erweckt der Film stellenweise eine geladene Atmosphäre und sät auch Zweifel im Zuseher über die Lage am Balkan und den Gerechtigkeitswillen der Kriegsverbrechertribunale, aber zumindest am Ende schlägt der Film noch etwas versöhnlichere Töne an, auch wenn die tatsächliche Gerechtigkeit hinausgezögert wird, bzw. vielleicht nie eintreten wird. Doch dies fügt sich nur stimmig in den restlichen Film ein und bringt ihn zu einem guten Ende. Sturm ist somit trotz kleineren Durchhängern und schwierigem Einstieg ein sehr sehenswerter Film, der es geschickt schafft seine Stärken auszuspielen.

 

Fazit:

Sturm variiert gelungen die Mechanismen des Polit-Thrillers, wird dabei aber sicher nicht jedem gefallen. Durch die Schwerpunktsetzung klar hin in Richtung Politik und weniger in Richtung Action, wirkt der Film sehr stark in der Realität verankert und schafft es seine Kritikpunkte glaubhaft zu übermitteln. Zwischen einer Betrachtung des gespaltenem Balkan und einem kritischen Blick auf die Kriegsverbrechertribunale entwickelt der Film seine eigene Dynamik und versteht es sehr gut seine eigene Form von Spannung aufzubauen. Sturm ist kein Film für alle, aber auf Grund seiner Stärken trotzdem sehr sehenswert.

 

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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