My Son, My Son, What Have Ye Done (2009)

OT: My Son, My Son, What Have Ye Done - 93 Minuten - Drama / Horror
My Son, My Son, What Have Ye Done (2009)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu My Son, My Son, What Have Ye Done

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Die deutsche Regielegende Werner Herzog, dem trotz zahlreichen Meisterwerken (von den späten 60ern bis in die Gegenwart) viel zu wenig Präsenz in der Festival- und Kinolandschaft gewährt wird, schaffte es in letzter Zeit endlich wieder auf die großen Festivalbühnen zurück. Im Frühjahr 2010 stand er als Jurypräsident der Berlinale zur Verfügung und zuvor wurde ihm die äußerst seltene Ehre zuteil gleich zwei Filme im Wettbewerb des Filmfestivals von Venedig zu haben. Der Erste, Bad Lieutenant war auf der Viennale zu sehen und brachte es auch zu einem österreichischen Kinostart. Der Zweite, My Son, My Son, What Have Ye Done, der noch eine Spur experimenteller ausgefallen ist, war zwar auf dem Crossing Europe Filmfestival zu sehen, wird aber wohl nicht mehr regulär starten.

 

Ein Vorort in San Diego: Detective Havenhurst (Willem Dafoe) wird zu einem ungewöhnlichen Mordfall gerufen. Mrs. Maccallam (Grace Zabriskie) wurde mit einem Schwert brutal erstochen. Der Täter ist ihr eigener Sohn Brad (Michael Shannon), der sich bereits in einem nahe liegenden Haus verschanzt hat und zwei Geisel unter Kontrolle hält. Bald schon versammelt sich die Polizei und will ihn zur Vernunft bringen. Doch auch Brads Verlobte Ingrid (Chloë Sevigny) und der Theaterregisseur Lee Myers (Udo Kier) erscheinen am Tatort und berichten von Brads letzten Monaten. Über eine Reise nach Peru, über merkwürdige Zwerge und eine Straussenfarm soll sich durch ihre Erzählungen herauskristallisieren was zu dieser Tat geführt hat…

 

Inszeniert von Werner Herzog, präsentiert von David Lynch, was kann da eigentlich noch schief gehen? Eigentlich nicht viel, denn My Son, My Son, What Have Ye Done ist tatsächlich der experimentelle Psychotrip der etwas anderen Art, den man sich aus dieser Kombination erwarten konnte. Lynch Fans sollten jedoch nicht zu laut jubeln, denn tatsächlich hat der Regisseur kaum etwas mit dem Film zu tun. Es sind lediglich lyncheske Züge vorhanden, ohne dass Lynch selbst etwas mit der Produktion des Films zu tun gehabt hätte. Das „präsentiert von David Lynch“ ist eher Marketing, aber das ändert nichts daran, dass in My Son, My Son, What Have Ye Done ein waschechter Werner Herzog Film schlummert, der es verdient entdeckt zu werden.

 

Werner Herzog beginnt seinen Film wie einen Krimi. Doch spätestens beim ersten Auftritt des erschütternden Michael Shannon, der mit wirrem Blick, zerzauster Frisur und kryptischen Statements wie ein hypnotisierter Guru durch den Film pilgert, wird klar, dass My Son, My Son, What Have Ye Done nichts mit einem klassischen Whodunit zu tun hat. Aber bald stellt sich heraus, dass auch die Frage nach dem Warum gar nicht so zentral ist, da Herzog auch gar keine Anstalten macht die Tat als solche zu erklären. Zentral ist jedoch was die Seele des Mörders so sehr getrieben hat, dass er einen solchen psychedelischen Zustand erreicht hat. Und anstatt die Antworten zu präsentieren skizziert Herzog eine komplexe Seelenlandschaft, auf der man als Zuseher gemeinsam mit Brad wandert.

 

Und diese Wanderung ist klassisch Herzog, wenn es etwa nach Peru ans Ufer des Urubamba Flusses geht, wo Herzog einst Aguirre drehte und wo die Natur immer noch eine endlose Faszination ausübt. Wenn Brad hier am Ufer kauert, an einem Felsen steht und der Fluss so knapp mit unbarmherziger Gewalt an ihm vorbeischießt, dann ist Herzogs ewiger Kampf zwischen dem Menschen und der Natur so kraftvoll wie eh und je spürbar. Aber dies ist nur eine der vielen Stationen in diesem traumhaft verschlungenen Film, der im Zeichen des hypnotischen Wanderns steht. Und diese Aufgabe erfüllt My Son, My Son, What Have Ye Done mit Bravour und badet förmlich im surrealen Ambiente, dessen Erkundung Herzog sichtlich Spaß gemacht hat.

 

Alle Figuren wirken hier mehr oder weniger schräg und neben der Spur. Allen voran natürlich Brad, der kongenial und brillant von einem fantastischen Michael Shannon verkörpert wird. Aber auch Brad Dourif, der hier einen eigenwilligen Straussenzüchter gibt, überzeugt mit einer verworrenen Darbietung und natürlich auch Udo Kier, als seltsamer Theaterregisseur. Und dann wäre da natürlich auch noch Grace Zabriskie, der direkte Link zu den Lynch Filmen, die hier besonders befremdlich als Mutter auftritt. Man  hat hier ständig das Gefühl ein Pendel zu sehen, dass aus dem Takt geraten ist und einer unruhigen Spur folgt. My Son, My Son, What Have Ye Done schwingt irgendwo ausserhalb des fassbaren Bereichs und fasziniert so auch auf ungewohnte und neue Weise. Herzog ist sich dabei übrigens auch nicht zu schade um sympathische Einzelschicksale (wie das eines zurückgelassenen Basketballs!) aufzuklären und so dem ohnehin schon schrulligen Universum noch eins drauf zu setzen.

 

Herzog war immer schon Grenzgänger und wird es wohl auch immer bleiben. Mit My Son, My Son, What Have Ye Done gibt er sich dabei so wunderbar experimentierfreudig wie zuletzt bei The Wild Blue Yonder. Doch wie es so ist bei Experimenten geht auch hier nicht jeder Versuch auf. Meistens funktioniert Herzogs spannender Ansatz ausgezeichnet, aber manchmal hängt der Film doch etwas durch. Doch diese Momente sind rar gesät und wer etwas mit dem Oeuvre des deutschen Ausnahmeregisseurs anfangen kann, der sollte sich auch seinen neuesten Streich nicht entgehen lassen. Denn eine fiebrigere und faszinierendere Atmosphäre findet man selten.

 

Fazit:

My Son, My Son, What Have Ye Done ist ein faszinierender Psychotrip, bei dem Werner Herzog aufs Neue eindrucksvoll zeigt, warum er seit den späten 60er Jahren zu den großen Regisseuren dieser Welt gehört. Denn Herzog hat immer noch nichts von seiner Experimentierfreude eingebüßt und schafft es auch nach so vielen Jahren noch zu überraschen. Sein neuestes Werk ist dabei eine psychedelische Wanderung in den Untiefen einer gebrochenen Seele. Schräger Humor und bittere Ernsthaftigkeit gehen dabei Hand in Hand und Werner Herzog versteht es keines der Extreme zu verraten. Wie es nun mal so ist bei Filmexperimenten gehen manche Aspekte nicht vollständig auf, aber das sollte kein Grund sein dieses faszinierende Werk auszulassen.

 

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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