Crazy Heart (2009)

OT: Crazy Heart - 112 Minuten - Musik / Romantik / Drama
Crazy Heart (2009)
Kinostart: 01.07.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 14.06.2013
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Filmkritik zu Crazy Heart

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Jeff Bridges hat im Lauf seiner Karriere schon einige großartige Rollen verkörpert und wurde auch bereits vor Crazy Heart mit einigen Oscarnominierungen bedacht. Seine wahrscheinlich beliebteste Rolle als der Dude in The Big Lebowski schwebt auch noch im Raum herum und dennoch konnte er sich den überfälligen Goldmann erst mit Crazy Heart sichern. Ironischerweise noch dazu mit quasi fast der selben Rolle (nur in anderer Entertainmentsparte) für die Mickey Rourke letztes Jahr mit The Wrestler noch der Oscar verwehrt blieb. Und tatsächlich erweisen sich die vielen Auszeichnungen für Bridges als gerecht, denn in Crazy Heart spielt er tatsächlich eine der besten Rollen seines Lebens.

 

Bad Blake (Jeff Bridges) war einst ein Superstar der Countrymusikszene, doch mittlerweile ist er etwas in die Jahre gekommen. Während sein ehemaliger Partner und Schüler Tommy Sweet (Colin Farrell) die Massen begeistert, muss Bad mit einem unrühmlicheren Leben vorlieb nehmen. Er tourt durch das Land und spielt seine alten Hits in Bars, wo er sich vorher vollaufen lässt und abschließend mit den weiblichen Fans noch auf Tuchfühlung geht. Doch ein Funke Hoffnung kommt in sein Leben, als er sich in die junge Journalistin Jean (Maggie Gyllenhaal) verliebt. Doch diese ist skeptisch ob sie ihren Sohn Buddy (Jack Nation) mit einem alkoholkranken Musiker voller Probleme zusammenbringen soll…

 

Crazy Heart war also erwiesenermaßen die großen Nummer für den frischgebackten Oscarpreisträger Jeff Bridges. Mit viel Feingefühl schafft er es die Figur des Bad zu skizzieren und dabei auf geschickte Weise die tragischen Facetten der Figur mit starken Sympathiewerten in Einklang zu bringen. Die Kraft der Performance liegt vorwiegend in ihrer geerdeten Art und in der Natürlichkeit mit der Jeff Bridges sie spielt. Natürlich ist sie ihm auch auf die Seele geschrieben, denn der alternde Countrystar passt perfekt zu Bridges Erscheinung. Ähnlich wie bei Rourke in The Wrestler ist es die perfekte Symbiose aus Schauspielerkörper und Figur.

 

Dem scheint sich Regisseur Scott Cooper auch bewusst gewesen zu sein. Denn er zelebriert hier förmlich den Untergang von Bad Blake. Bereits zu Beginn des Films macht er dies klar. Wenn der heruntergekommene Musiker in einer Rostschüssel vorfährt, sich vor dem Konzert besäuft und am Abend bei seinem Auftritt schon einmal die Bühne verlässt um zu kotzen, dann ist alles gesagt. Bad suhlt sich dabei in seiner Alkoholsucht und badet im verblassenden Glanz seiner ehemaligen Größe, wenn er etwa alte weibliche Fans abschleppt und sich am nächsten Morgen still und heimlich verdrückt.

 

Natürlich kommt dabei früher oder später auch der Gedanken daran, dass Crazy Heart vielleicht nur gemacht wurde, damit Jeff Bridges endlich seinen Oscar bekommt. Und tatsächlich wirkt der Film an manchen Stellen sehr auf den Hauptdarsteller zurechtgeschnitten. Da sich die Geschichte auch ansonsten sehr konventionell anfühlt und eher klassisch gehalten ist, muss sich Crazy Heart diesen Vorwurf, ganz im Gegensatz zum zwar thematisch ähnlichem, aber insgesamt weit großartigeren The Wrestler, auch gefallen lassen. Aber Crazy Heart hat viele gefühlvolle Momente und Stärken, sodass dieser Vorwurf zunehmend verblasst.

 

Denn eines muss man dem Film auf jeden Fall zugestehen: Crazy Heart versteht es seine Figuren zu inszenieren und berührende Momente jenseits vom klassischen gut-böse Schema zu entwerfen. Alle Figuren wirken geerdet, was auch zum leisen Stil des Films passt. Die Inszenierung gibt sich stilsicher (wenngleich es Scott Cooper natürlich am visionären Talent von Darren Aronofsky fehlt, nur um den Vergleich zu The Wrestler abzudecken) und auch die Musik ist sehr eingänglich und fügt sich wunderbar in den dargestellten Mikrokosmos von Bad Blake ein. Auch ist schön, dass man nicht die Zwänge eines klassischen Biopics hat, da es eine fiktive Geschichte ist und man nicht alle Stationen im Leben eines Künstlers abarbeiten muss.

 

Das alles führt in Kombination zu einem sehr sympathischen, sehenswerten Film, der zwar im Kern recht überraschungsarm und konservativ gehalten ist, das könnte man aber auch positiv formulieren und sagen, dass Crazy Heart ein Film mit klassischen Qualitäten ist. Der Film verlässt sich auf eine berührende Geschichte, gute Schauspieler und eine stilsichere Inszenierung ohne dabei allzu aufdringlich zu werden. Fans von Jeff Bridges, Countrymusik oder klassischen Filmen dürfen getrost einen Blick riskieren, aber auch für alle andere ist Crazy Heart eine echte Option. Ein bittersüßer Film voll Herz und Charme.

 

Fazit:

Crazy Heart ist zu aller erst natürlich eine fulminante Galavorstellung von Jeff Bridges, der es vortrefflich versteht mit seinem Charisma aus einer tragischen Geschichte eine bittersüße Revue voll Unterhaltungswert zu machen. Aber Crazy Heart überzeugt auch durch eine klassische Geschichte, eine stilsichere Inszenierung und großartige Darsteller bis in die Nebenrollen. Insgesamt ein schöner und berührender Film, der es schafft eine tragische Geschichte zu erzählen und diese mit viel Sympathie auch unterhaltsam zu gestalten. Sehr sehenswert.

 

Wertung:

8/10 Punkte

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Ø Wertung: 7.7/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 22
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