Die Eleganz der Madame Michel (2009)

OT: Le hérisson - 100 Minuten - Tragikomödie
Die Eleganz der Madame Michel (2009)
Kinostart: 03.06.2010
DVD-Start: 01.02.2013 - Blu-ray-Start: 28.10.2011
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Filmkritik zu Die Eleganz der Madame Michel

Von am

Die Zeiten der Nouvelle Vague sind vorbei, heutzutage scheint sich das französische Kino eher auf die gutbürgerlichen Wohlfühlfilme spezialisiert zu haben. Die Eleganz der Madame Michel ist dabei die Adaption des Bestsellers Die Eleganz des Igels von Muriel Barbery. Das Spielfilmdebüt von Mona Achaches erweist sich dabei als bittersüße, herzerwärmende Mikro-Studie, die es versteht den Charme der Figuren auszuspielen und auf angenehme Weise zu unterhalten. Insgesamt gibt sich der Film aber als zu konservativ-trivial um wirklich zu begeistern.

 

Paloma (Garance Le Guillermic) ist ein intellektuell versiertes, künstlerisch begabtes Kind, die ihre Intelligenz aber nicht nur im Positiven nutzt. Aus rein intellektuellen Motiven entschließt sie sich dazu, dass sie sich an ihrem Geburtstag töten will, damit sie nicht wie die anderen Erwachsenen endet, die laut ihr nur wie Fische im Aquarium gefangen sind. Die Zeit bis zu diesem Ereignis will sie nutzen um ihre Familie zu filmen. Doch als sie so durch das Wohnhaus streift, setzt sie sich mit einigen eigenwilligen Zeitgenossen auseinander. Zum Beispiel mit Madame Michel (Josiane Balasko), oder dem älteren Japaner Ozu (Togo Igawa)…

 

Die Eleganz der Madame Michel entwirft einen kleinen Mikrokosmos, dessen Integrität auch durchgehend gewahrt wird und der nicht nur dazu dient um die Fischglasmetapher von Paloma zu verifizieren. Der Film konzentriert sich ganz organisch auf das Wohnhaus und reduziert die Schauplätze fast ausschließlich auf eben dieses Gebäude, bzw. die unmittelbare Umgebung. Durch diese Reduktion, die auch an den eingeschränkten Blick eines Kindes erinnert, erreicht der Film eine stimmungsvolle Bündelung, die sich insgesamt doch recht positiv auf die Atmosphäre auswirkt.

 

Dabei schafft der Film eine interessante Mischung aus realistischem Grundaufbau und fast magischer Überhöhung. Die Eleganz der Madame Michel versprüht ein fast märchenhaftes Ambiente, das sich wie Balsam um den ganzen Film legt. Zugegeben, der Film hat durchaus seine bitteren Momente, aber diese sind stets in einen Mantel aus Honig gebettet, sodass die Stimmung stets wohlwollend bleibt und der Film eine warme Ausstrahlung erreicht, die sich durchaus positiv auf die Stimmung der Zuseher auswirkt.

 

Man muss aber auch etwas Kritik zulassen: Denn bei allem Charme den der Film versprüht, schwingt auch stets mit, dass es sich um einen großteils trivialen Film handelt, der sich selbstverliebt in seiner gewitzten Intellektualität suhlt, dabei aber keine Risiken eingeht, oder besonders viel Neues zeigt. Das Zielpublikum ist dabei vor allem ein weibliches, das wenn möglich gutbürgerlicher Herkunft ist und Freude an konservativer Unterhaltung hat, die man grob als wohlsituiert bezeichnen könnte. Dies ist per se nichts Schlechtes, man sollte sich nur darüber im Klaren sein, dass dieser Umstand durchaus Auswirkung auf die Stimmung hat.

 

Doch es fällt schwer dem Film letzten Endes nicht wohlwollend gegenüber zu stehen. Die Figuren sind speziell, schrullig und liebenswert, Die Eleganz der Madame Michel erlaubt sich auch nette Anspielungen (bspw. der Japaner Ozu, der wohl nicht zufällig nach einem großen japanischen Regisseur benannt ist) und schafft es insgesamt eine sehr wohlige, warme Amtosphäre zu etablieren in der man sich gerne verliert. Man sollte sich nur eben nicht zu viel erwarten, da der gelungenen märchenhaften Atmosphäre eine übertriebene konservative Einstellung zu Grunde liegt. Nett und sympathisch bleibt der Film freilich dennoch.

 

Fazit:

Die Eleganz der Madame Michel ist ein märchenhaft überhöhter Film mit hohem Wohlfühlfaktor, der es versteht eine warme Atmosphäre heraufzubeschwören und den geneigten Zuseher um den Finger zu wickeln. Negativ ist nur, dass sich das alles reichlich konservativ präsentiert und letztendlich an eine intellektuelle, gutbürgerliche Versuchsanordnung erinnert, die allzu klassisch auf seine Zielgruppe schielt. Sympathisch und charmant bleibt der Film dennoch.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 8.7/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 3
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