Vertraute Fremde (2010)

OT: Quartier lointain - 100 Minuten - Drama
Vertraute Fremde (2010)
Kinostart: 28.05.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Vertraute Fremde

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Vertraute Fremde, der neue Film von Irina Palm Regisseur Sam Garbarski, basiert auf dem gleichnamigen, preisgekrönten, japanischen Manga von Jiro Taniguchi. Dies ist dem Film aber kaum anzusehen, bringt Vertraute Fremde doch kaum etwas mit, was ihn als klassische Manga- oder Comic-Verfilmung auszeichnen würde. Stattdessen wandelt der Film geschickt auf träumerischen Pfaden und setzt dabei geschickt auf die magisch-realistische Rekonstruktion der Kindheit der Hauptfigur. Dass dabei nicht alles gelingt, kann man dem Film getrost verzeihen.

 

Thomas (Pascal Greggory) ist Comiczeichner, befindet sich aber gerade in einem kreativen Tief. Neue Ideen kommen ihm keine und eine gewisse Langeweile scheint sich in seinem Leben breit zu machen. Doch sein Ausflug zu einer Comicmesse führt zu einer unerwarteten Veränderung. Nach der Messe will Thomas zurück nach Paris fahren, erwischt aber den falschen Zug und landet in seinem Heimatdorf. Als er dort das Grab seiner Mutter besucht, geschieht etwas unerwartetes: Thomas wird wieder in seine Kindheit geschickt, wo er nun versucht den Vater davon abzuhalten die Familie zu verlassen...

 

Vertraute Fremde beinhaltet im Kern eine Zeitreise, die jedoch auf völlig unerwartete Weise umgesetzt wird. Von technischen Erklärungen oder SciFi-Spielereien nimmt der Film Abstand, stattdessen passiert die Zeitreise einfach. Ganz im Stile des magischen Realismus ist hier die Zeitreise einfach in die Geschichte eingebettet und fügt sich überraschender Weise auch wunderbar in den Fluss der Erzählung ein. Man empfindet diesen Storykniff nicht als Störkörper, sondern akzeptiert ihn hinsichtlich seiner Auswirkung auf die Handlung.

 

In Folge schafft es Vertraute Fremde mit viel nostalgischem Flair die Kindheit von Thomas wieder zu erwecken und dabei den Funken zum Zuseher überspringen zu lassen, sodass man sich auch selbst an die eigene Kindheit erinnert fühlt. Ausgestattet mit dem Gedächtnis eines Erwachsenen, erlebt Thomas die Facetten seiner Jugend und ist dabei gefangen zwischen den neuen Möglichkeiten, wie zum Beispiel endlich die große Jugendliebe anzusprechen und den Verpflichtungen gegenüber seiner eigenen Familie. Und über all dem schwebt die ständige Bedrohung, dass der Vater erneut die Familie verlassen könnte.

 

Und diese Bedrohung hat auch einen wesentlichen Stellenwert im Film. Unter anderem bezieht sich der Titel Vertraute Fremde nicht nur auf die Fremde, die Thomas scheinbar gegenüber seiner eigenen Familie empfindet, sondern vor allem auch auf die Fremde die Thomas’ Vater gegenüber der Familie verspürt. Dies führt wiederum dazu, dass Thomas alles versucht um den Vater glücklich zu machen, damit dieser nicht erneut die Familie verlässt. Dies ist nicht nur eine psychoanalytische Aufarbeitung der eigenen Probleme, sondern auch der Schutz des nostalgisch-verträumten Konstrukts.

 

Vertraute Fremde schafft es sehr gut diese Kindheitsängste zu übermitteln und gleichzeitig die Idylle der Kindheit aufleben zu lassen. Von unbekümmerten Unternehmungen im Freundeskreis bis zur ersten großen Liebe ist alles dabei und tatsächlich gelingt es dem Film dies alles mit reichlich viel Charme zu übermitteln. Einziger Negativpunkt an Vertraute Fremde ist, dass sich das dargebotene Konstrukt als allzu sehr romantisiert erweist und überzuckerter Kitsch hier an allen Ecken und Enden der Zeitreise lauert. Und das liegt nicht nur an den allzu gutmütigen Rehaugen einer Alexandra Maria Lara, sondern durchzieht den gesamten Film. Doch insgesamt macht es doch Spaß auf den nostalgischen Pfaden des Films zu wandern.

 

Fazit:

Vertraute Fremde erzählt von einer Zeitreise der etwas anderen Art. In Folge gelingt es dem Film sehr gut eine nostalgische Stimmung mit gelungener Atmosphäre aufleben zu lassen. Die Erkundungen von Thomas in seiner eigenen Jugend machen durchaus Spaß. Leider erweist sich das gesamte Setting als etwas zu einseitig romantisierend und konstruiert. Doch trotz dieser Schwäche schafft es der Film insgesamt sehr gut zum Träumen einzuladen.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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