Schande (Disgrace) (2008)

OT: Disgrace - 119 Minuten - Drama
Schande (Disgrace) (2008)
Kinostart: 21.05.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 25.02.2011
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Filmkritik zu Schande (Disgrace)

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Schande von Regisseur Steve Jacobs ist der ehrgeizige Versuche den gleichnamigen Roman von Literaturnobelpreisträger J.M. Coetzee, für den dieser im Jahr 1999 den Booker Preis erhalten hat, ins Medium Film zu transformieren. Angelegt vor der visuell beeindruckenden, aber gesellschaftspolitisch zerfurchten, Kulisse Südafrikas gelingt dieses Unterfangen mit einem Paukenschlag. Der Film rollt sich auf mit einer emotionalen Welle, die den Zuseher wohl am Ende hart trifft und zum Nachdenken bringt. Der Film scheut dabei auch nicht davor zurück brisante Themen anzusprechen, die nicht allzu leicht zu schlucken sind.

 

David Lurie (John Malkovich) ist Professor an der Universität von Kapstadt. Lurie hat ein gespanntes Verhältnis zu anderen Menschen, aber ganz besonders zu Frauen. Er hat auch keinerlei Skrupel seine Macht als Professor auszunutzen um Studentinnen ins Bett zu bekommen. Sein neuesten Opfer ist dabei Melanie (Antoinette Engel), doch ihre Beziehung fliegt auf, und Lurie sucht vorerst das Weite. Er fährt zu seiner Tochter Lucy (Jessica Haines) raus aufs Land, wo diese eine Farm betreibt. Lurie ist stets um ihre Sicherheit besorgt, doch eines Tages kommt es tatsächlich zum Eklat: Drei Schwarze überfallen die Farm, schlagen Lurie nieder und vergewaltigen seine Tochter…

 

Schande ist ein beunruhigender Film, der es großartig versteht einen Einblick in die Strukturen des zerrüttelten Südafrikas zu bieten. Doch zu allererst ist Schande auch ein Film über einen hoffnungslosen Chauvinisten und Misanthropen, der großartig von John Malkovich verkörpert wird. Ihm ist der erste Abschnitt des Films gewidmet. David Lurie ist ein Portotyp für eine verrohte Gesellschaft. Er hat keinerlei Gespür im Umgang mit seinen Mitmenschen, versteht es nur auf subtile Weise Druck auszuüben. Unbarmherzig und ohne Rücksicht beginnt er eine Affäre mit einer Studentin und zerstört diese dabei.

 

Mit dieser Charakterzeichnung im Hinterkopf schickt uns Schande in den zweiten Abschnitt, der etwas größere Dimensionen annimmt. Mit der Flucht aus Kapstadt, hinein ins offene Land, beginnt auch eine Reise direkt ins Herz von Südafrika. Die Apartheid wurde abgeschafft, aber in jeder einzelnen Szene des Films kann man erkennen, dass die Problematik immer noch tief mit dem Land verwurzelt ist. Im Gesicht von John Malkovicht lässt sich dieser innere Hass mühelos ablesen, aber auch der Zuseher wird dazu gedrängt die Probleme zu erleben.

 

In tiefer Diskrepanz und gegenseitiger Skepsis leben Schwarze und Weiße nebeneinander, ohne wirklich miteinander verbunden zu sein. Selbst wenn man keine Ahnung hat was noch geschehen wird, es ist stets zu erahnen, dass hier etwas brodelt, das kurz vorm Überkochen ist. Jedes Mal wenn hier Schwarze und Weiße aufeinandertreffen vermutet man, dass etwas geschehen muss. Und Schande gibt dieser Skepsis immer wieder Nahrung und spätestens wenn dieser Übergriff dann tatsächlich stattfindet ist man als Zuseher emotional involviert und genötigt das Geschehene zu reflektieren. Es handelt sich dabei nicht um eine klare Trennung in schuldig und unschuldig, viel mehr werden die Probleme des Landes offengelegt.

 

Atmosphärisch schafft es der Film dabei ebenfalls zu punkten. Die teilweise wunderschönen Bilder verstehen es ausgezeichnet das Land vor dem inneren Auge des Zusehers heraufzubeschwören und somit eine standesgemäße Kulisse für diese emotionale ergreifende Geschichte zu bieten. Doch Schande erzählt auch ganz universell von weiteren Themen. Ganz besonders von der Menschenwürde, die spezielle in der Gestalt der Würde der Frauen allgegenwertig ist, aber am Ende muss auch David Lurie die Facetten seiner Würde ausloten um zu seinem Seelenfrieden zu finden. Es war sicher äußerst schwierig den Roman von J.M. Coetzee standesgemäß umzusetzen, aber Schande ist das Kunststück gelungen.

 

Fazit:

Schande erzählt von den großen Problemen mit denen das Land Südafrika immer noch zu tun hat. Die Rassenproblematik brodelt vor sich hin und wie es nun mal ist, muss der Schmelztiegel auch manchmal überkochen. Schande lässt uns die Nachwirkungen dieses Überkochens durch die Augen eines Chauvinisten und Misanthropen sehen. Der Film schafft es dabei emotional zu berühren und heiße Themen anzusprechen. Und der Film ist auch noch überaus erfolgreich dabei. Sollte man sich nicht entgehen lassen.

 

Wertung:

8/10 Punkte

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Ø Wertung: 8.2/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 5
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Liste von rodriguez01
Erstellt: 21.04.2013