Certified Copy (Copie Conforme) (2010)

OT: Copie Conforme - 106 Minuten - Drama
Certified Copy (Copie Conforme) (2010)
Kinostart: 27.09.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Certified Copy (Copie Conforme)

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Mit Certified Copy war der iranische Filmemacher Abbas Kiarostami zum vierten Mal im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes vertreten. Seinen Triumph des Jahres 1997, als er mit Der Geschmack der Kirsche die Goldene Palme (gemeinsam mit The Eel) gewann, konnte er zwar nicht wiederholen, aber immerhin sicherte sich Publikumsliebling Juliette Binoche den Preis als Beste Darstellerin. Certified Copy ist insgesamt betrachtet ein hoch interessanter Film, der es versteht mit der Wahrnehmung des Zusehers zu spielen und einen spannenden Filmfluss aufrecht zu erhalten.

 

Das neueste Buch des britischen Autors James Miller (William Shimell) handelt von den Unterschieden und Gemeinsamkeiten von Kunstwerken und ihren Kopien. Bei einer Lesung in der Toskana, als er die italienische Übersetzung präsentiert, ist auch Elle (Juliette Binoche) anwesend. Obwohl es zunächst so scheint als würden sich die beiden kennen, stellt sich bald heraus, dass dem nicht so ist. Dennoch verabreden sie sich um gemeinsam die Zeit zu überbrücken bis James wieder abreisen muss. Als sie durch eine entlegene Stadt in der Toskana schlendern, geben sie plötzlich vor, dass sie seit 15 Jahren verheiratet sind…

 

Certified Copy versteht es geschickt mit den Wahrnehmungen und Erwartungen des Publikums zu spielen. Zunächst scheint es so als würden sich James und Elle kennen, dann wieder meint man zu glauben, dass sie sich fremd sind und schließlich behaupten sie selbst seit 15 Jahren verheiratet zu sein. Es ist die perfide Ausgangslage, dass man der Erzählung des Films nicht mehr vertrauen kann, die den Film auszeichnet, da der Übergang schleichend passiert und man sich den ganzen Film über nicht sicher sein was denn nun der Wahrheit entspricht.

 

Natürlich meint man zu glauben, dass sie nur das Ehepaar spielen, aber wer weiß? Vielleicht haben sie zuvor gespielt? Wie dem auch sei, auch abseits dieser großen Fragestellung, die den Zuseher am Grübeln hält, kann Certified Copy durchaus überzeugen. Als eine Art Before Sunrise einer älteren Generation schlendern die beiden Protagonisten durch die schönsten Ortschaften der Toskana, während die Kamera vorwiegend auf sie fixiert ist und man einfach den Dialogen und Monologen lauscht. Und es macht durchaus Spaß diesen Gesprächen zu lauschen. Dabei kann man gerne grübeln ob sie nun ein Ehepaar oder nur die "Certified Copy" eines Ehepaars sind.

 

Denn gerade in Kombination mit dem Ehespiel (oder der Wahrheit?) ergeben sich einige interessante Einblicke. Ist das hier wirklich das Gespräch eines entfremdeten Ehepaars, das die Tücken des Ehelebens reflektiert, oder sind es nur die Vorstellungen der Figuren, die ihre eigenen Ängste artikulieren? Certified Copy ist ein kleines, verschlungenes Rätselspiel vor wunderschöner Kulisse und erlaubt es dem Publikum abzutauchen und den Figuren auf ihren Pfaden zu folgen. Natürlich mutet das an einigen Stellen etwas arg „kunstfilmisch“ an, aber im Großen und Ganzen funktioniert der Film wirklich sehr gut. Vor allem da er die endgültige Beantwortung der Fragen dem Zuseher überlässt.

 

Fazit:

Certified Copy ist ein durchaus gelungener Arthouse-Film, der eine etwas ältere Generation in Before Sunrise Manier anspricht und gleichzeitig über eine gewisse Doppelbödigkeit verfügt. Denn der Film lässt geschickt offen wie die beiden Hauptfiguren nun tatsächlich in Beziehung stehen und überlässt es dem Publikum ein finales Urteil zu fällen. Ausserdem überzeugt der Film mit schwelgerischen Dialogen und fabelhaften Locations, sodass man tatsächlich das Gefühl hat den Figuren auf ihren Wegen zu folgen. Für einen wirklich großartigen Film ist Certified Copy zwar zu verquert und schielt etwas zu sehr auf das „Kunstfilmpublikum“, aber insgesamt gesehen ist der Film auf jeden Fall sehenswert.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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