28 Days Later

OT: -  112 Minuten -  Horror
28 Days Later
Kinostart: 05.06.2003
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 16.03.2012
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Filmkritik zu 28 Days Later

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Der Zombiefilm war längst am Ende, als der künstlerisch versierte Kultregisseur Danny Boyle auf die Idee kam ihn wiederzubelben. Neben dem Dawn of the Dead Remake von Zack Snyder war es nämlich gerade der hier besprochene Film 28 Days Later, der ein ganzes Genre aus der Versenkung hob, es entstaubte und mit neuen Ideen beladen zurück in die Welt des Films hievte. Boyle, der mit Kleine Morde unter Freunde sein beachtliches Debüt leistete und schließlich mit Trainspotting einen der Kultfilme der 90er schuf, musste mit seinem ersten Big Budget Film The Beach einen herben, finanziellen, Rückschlag hinnehmen und setzte 28 Days Later deswegen eine Spur preiswerter an. Besonders klar wird dies bereits durch die DV Optik (Canon XL2 mit Mini 35 Adapter).

Radikale Tierschützer brechen in ein Forschungslabor ein und befreien einige Affen aus ihren Käfigen. Doch sie ahnten nicht dass eben diese Affen mit einem gefährlichen Virus infiziert sind: Durch diesen werden sie aggressiv und beißen um sich. Besonders schlimm ist dabei, dass sich das Virus über das Blut überträgt und auch auf den Menschen übertragbar ist. 28 Tage nach dem Vorfall ist die Menschheit schon sehr dezimiert. Als der im Koma gelegene Fahradkurier Jim (Cillian Murphy) aufwacht ist er dementsprechen verwirrt, dass aus der einst so vibrierenden Metropole London eine Geisterstadt geworden ist.

Glücklicherweise trifft er auf zwei weitere Überlebende: Selena (Naomie Harris) und Mark (Noah Huntley), die ihn bei sich aufnehmen. Durch einen Fehler von Jim wird Mark allerdings bereits kurz danach getöte, sodass sich die beiden alleine durchschlagen müssen. Durch einen Zufall entdecken sie den Taxifahrer Frank (Brendan Gleeson) und seine Tochter Hannah (Megan Burns). Bei ihnen in der Wohnung empfangen sie eine Radiodurchsage, dass sich alle Überlebenden nach Manchester durchschlagen sollen, da dort bereits das Militär auf sie wartet. Also macht man sich durch ein Heer von Infizierten auf den Weg...

Zwar hatte die Wahl auf DV zu drehen vielleicht auch logistische und vor allem finanzielle Gründe, da das Drehen mit Video um einiges günstiger und schneller möglich ist als mit herkömmlichen 35mm Film, aber es hat auch einen künstlerisch sehr bedeutenden Aspekt. Der Film 28 Days Later erhält den klassischen DV Look, der dem Szenario einen erschreckenden, realistischen Touch gibt und den Filmgenuss zu einem Höllentrip werden lässt. Es entsteht eben nicht der typischen Filmlook und somit hebt sich 28 Days Later erstens sehr von anderen Horrorfilmen ab, und lässt ihn zweitens noch eine Spur mehr unter die Haut gehen.

Besonders im ersten Teil des Films ist die Atmosphäre sehr erdrückend. Wenn Jim aus seinem Koma aufwacht hat er keine Ahnung was geschehen ist und sieht sich ohne Vorwissen einem menschenleeren London gegenüber. Dem Zuseher geht es dabei sehr ähnlich. Zwar wird gezeigt wie die Tierschützer den Affen befreien und somit das Virus freisetzen, aber danach werden 28 Tage übersprungen und man ist genau wie der Hauptdarsteller sehr vom Ausmaß der Katastrophe überrascht. Die Bilder von Cillian Murphy, wie er vollkommen alleine durch die verlassene Großstadt zieht haben etwas faszinierendes an sich und werden vom wunderbaren Score noch unterstrichen.

Doch Danny Boyle lässt uns natürlich nicht in Ruhe die melancholische Endzeitstimmung erfassen. Bereits sehr früh im Film greifen die ersten Infizierten an und auch in diesen Szenen macht der Film alles richtig. Schnelle Schnitt und die ruppige Handkamera lassen dem Zuseher das Blut gefrieren. Ständig spielt Boyle mit der Erwartungshaltung des Publikums und selbst wenn man weiß das jetzt gleich ein Angriff erfolgt, schafft er es den Zuseher zu schocken. Garniert wird das Ganze durch dezente, aber treffend eingesetzte Splattereffekte, die niemals übertrieben oder gar depalziert wirken, sondern sich perfekt in den Grundtenor des Films einfügen.

Auch den Galgenhumor hat man nicht vergessen und so muss man doch an manchen Stellen schmunzeln. Besonders die Szene im Supermarkt sei hier erwähnt, als sich das Protagonistengespann mit Essen eindeckt. Doch auch abseits dieser Sequenz, gibt es einige Einstellung, die alleine durch ihre Bildsprache ein wunderbar zynisches Kommentar zum Geschehen abgeben. Zwar hat 28 Days Later, wenn man ihn genauer betrachtet durchaus einen kritischen Hintergrund, aber auf plumbe Sozialkritik alá George A. Romero wird zum Glück verzichtet. Stattdessen verlässt man sich ganz auf die großartige Atmosphäre und viel Spannung.

Wenn die Gruppe dann das Militärlager erreicht fühlt sich die Geschichte etwas anders an als im ersten Teil. Sie ist zugegeben etwas schwächer geworden, da der besondere Flair des ersten Abschnitts gerade in der Ausweglosigkeit der Hauptfiguren und ihrer Ungewissheit besteht. Leider geht das Endzeitfeeling ein kleines bischen verloren, aber herausragend und überzeugend bleibt 28 Days Later über seine ganze Laufzeit. In meinen Augen einer der besten Zombiefilme die je gedreht wurden.

Fazit:
28 Days Later ist nicht nur die Wiedergeburt des Zombiegenres, sondern vor allem ein spannender und atmosphärisch herausragender Endzeit-Horrorfilm. Besonders die erste Hälfte des Films ist ein unbeschreibliches Erlebnis. Danach wird er zwar eine Spur schwächer, aber bleibt immer noch auf sehr hohem Niveau. In meinen Augen ist 28 Days Later einer der besten, wenn nicht sogar der beste Zombiefilm aller Zeiten. Auch wenn die Infizierten in Wirklichkeit gar keine Zombies sind.

Wertung:
9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 43
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