Welcome (2009)

OT: Welcome - 115 Minuten - Drama
Welcome (2009)
Kinostart: 13.05.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Welcome

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Es ist sehr schwer politsche Filme, bzw. Filme mit gesellschaftlicher Relevanz, zu drehen und dem Zuseher gleichzeitig spannende Figuren und einen gewissen Unterhaltungswert zu servieren. Sehr schwer sogar, denn eine der beiden Komponenten bleibt in der Regel immer auf der Strecke. Doch Philippe Lioret ist mit seinem eindringlichen, berührenden und kraftvollen Flüchtlingsdrama Welcome genau das gelungen. Welcome ist ein Film der nicht nur eine Aussage hat, sondern geradezu flammend zu etwas steht. Und dabei gerät der Film nicht zum blinden Klagelied, sondern lässt das Schicksal der Figuren für sich sprechen.

 

Bilal (Firat Ayverdi) beschließt mit erst 17 Jahren seine Heimat, den Irak, zu verlassen. Und zwar nicht einfach so, sondern wegen der Liebe. Mina (Derya Ayverdi) hat nämlich mit ihrer Familie das Land bereits in Richtung London verlassen. Bilal reist ihr nun hinterher, doch auf etwas umständlicher Route. Während einer Grenzkontrolle in Nordfrankreich wird er erwischt und an der Einreise in England gehindert. Er bleibt also vorerst in Frankreich. Durch Zufall lernt er den Schwimmtrainer Simon (Vincent Lindon) kennen. Zunächst engagiert Bilal ihn als Trainer, doch zwischen den beiden entwickelt sich bald schon eine Freundschaft…

 

Welcome ist kein übertriebener Film. Die Gefahr war groß, dass sich der Film zu sehr in seinen Anklagen verstrickt, schließlich über die Thematik stolpert und deshalb nicht wirklich ernst zu nehmen ist. Doch stattdessen hat man sich dazu entschlossen in leisen Tönen von der Wirklichkeit zu erzählen und dabei über den Umweg einer Freundschaft die Auswirkungen einer unmenschlichen Flüchtlingspolitik anzuprangern. Welcome schafft es dabei sowohl emotional zu berühren, als auch die Thematik gut und eindringlich zu behandeln.

 

An erster Stelle stehen dabei die Figuren. Für seine große Liebe will Bilal seine Heimat hinter sich lassen und versucht sich bis nach England durch zu schlagen. Auf der anderen Seite steht Simon, der mit den Flüchtlingen eigentlich nichts am Hut hat, aber dessen Leben sich durch die Schwimmstunden mit Bilal auf den Kopf stellt. Es entwickelt sich eine glaubhafte Freundschaft, die auf gegenseitigen Respekt beruht. Gebeutelt von privaten Problemen und gefangen im gesellschaftlichen Druckfeld, versucht Simon das Richtige zu tun und seinem Freund zu helfen. Welcome wird dabei großteils aus seiner Perspektive erzählt, was den Zuseher verstärkt in die Position rückt auch selbst die eigenen Standpunkte zur Flüchtlingspolitik zu überdenken.

 

Doch wirklich gut schafft es der Film dabei innerhalb dieser Geschichte von Freundschaft, Aufopferung und Liebe den gesellschaftlichen Kontext einzubetten und die Auswirkungen einer menschenfeindlichen Flüchtlingspolitik aufzuzeigen. Um den CO2 Sensoren bei der Grenzkontrolle zu entgehen, stülpt man sich schon einmal einen Plastiksack über den Kopf und geht damit das Risiko der Erstickung ein. Einmal aufgegriffen sieht man sich mit einem teilnahmslosen Umgang mit den Einheimischen konfrontiert, denen es verboten ist den Flüchtlingen zu helfen. Ja, Welcome hat so einiges an der französischen Immigrationspolitik zu kritisieren, hat dabei aber auch universalen Charakter und liefert Anreize das Thema zu reflektieren.

 

In all diesen großen Gefühlen und gesellschaftlichen Dramen hat es Welcome aber auch geschafft einen gewissen Unterhaltungswert einzubringen. Es ist kein spröder, langatmiger und trüber Arthousefilm der hier serviert wird, sondern im Gegenteil ein sehr warmer, tiefsinniger und fesselnder Film, den man mit gutem Herzen weiterempfehlen kann. Denn abgesehen von kräftigen Bildern und gesellschaftlicher Relevanz hat Welcome einfach das Herz am rechten Fleck und versteht es die Charaktere lebhaft zu gestalten und den Zuseher um den Finger zu wickeln.

 

Fazit:

Welcome ist ein sehr sehenswerter Film zum Thema Flüchtlingsproblematik und Immigrationspolitik, der aber nicht auf der gesellschaftlichen Ebene hängen bleibt, sondern auch eine schlicht herzerwärmende Geschichte von Freundschaft, Liebe und Selbstaufopferung erzählt. Man schafft es dabei sehr gut die Balance zu halten, sodass Welcome sowohl unterhaltsam, als auch tiefgreifend ist. Kurz: Ein Film der das Herz am rechten Fleck hat und sehr sehenswert geworden ist.

 

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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