Hadewijch (2009)

OT: Hadewijch - 120 Minuten - Drama
Hadewijch (2009)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Hadewijch

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Kurzkritik im Rahmen des Crossing Europe Festivals 2010:


Céline (Julie Sokolowski) ist eine christliche Hardlinerin. Sie lebt in einem Kloster und hält sich verbissen an alle Regeln. Doch die Leitung beschließt sie vorerst zurück in die reale Welt zu schicken – Sie nimmt ihre Sache zu genau, bzw. das Kloster dient nicht zur Selbstbestrafung. Also kehrt sie zurück in ihr bürgerliches Leben. Sie studiert Theologie und lebt wieder bei ihren wohlhabenden Eltern. Doch dann lernt sie durch Zufall Yassine (Yassine Salime) und seinen Bruder Nassir (Karl Sarafidis) kennen. Sie und Yassine kommen sich näher, doch Céline stellt von Anfang an klar, dass sie immer nur Gott lieben wird und deshalb Jungfrau bleiben will. Nassir hingegen bringt ihr den Islam näher und stellt dabei auch klar, dass er Gewalt nicht unbedingt abgelehnend gegenüber steht...

 

Bruno Dumont ist ein provozierender Filmemacher, der seine Themen gerne so wählt, dass sie sich durchaus reisserisch behandeln lassen. In Hadewijch steht das, im Augenblick hoch aktuelle Thema, der Religon im Mittelpunkt. Und für alle unschlüssigen Moralwächter hält der Film so einiges in der Hinterhand, was einem Schlag in die Magengrube gleichen könnte. Denn Hadewijch bezieht tatsächlich Stellung und geht einen durchaus radikalen Weg, der wohl noch für so einige Diskussionen sorgen könnte.

 

Eingerahmt wird Hadewijch dabei von einer allgegenwärtigen emotionalen Kälte. Egal ob in Paris oder im Kloster, Wärme spendende Stellen sucht man vergebens. Dumont inszeniert seine Geschichte in einer messerschafen aber kühlen Bildsprache, die nur so aufgeladen ist voll Symbolik (wie wenn vor dem Haus der Islamisten in einem Garten die Umrisse des christlichen Kreuzes zu sehen sind). Aber emotional hält sich der Film alles auf Distanz, schafft es aber dennoch den Zuseher in diese kalte und unwirtliche Welt zu entführen. Mit radikalem Minimalismus taktet Dumont den Film sehr präzise durch, und lässt keinen Raum für Überflüssiges.

 

Hadewijch schwelgt dabei vor allem in der Radikalisierung der Religionen, bzw. versucht darzulegen wie die allzu streng gelebte Religiösität die Menschen in den Abgrund stürzt. Das beginnt bei der manigfaltigen Religionsausübung von Céline, die selbst den Nonnen zu hart ist und endet bei den Islamisten, die auch nicht vor Mord zurückschrecken. Und hier beginnt wohl das große Skandalfilmpotential von Hadewijch. Denn es wäre allzu leicht die Radikalisierung des Islams zu verurteilen, bzw. den Film insofern auszulegen, dass das arme Christenmädchen von den Islamisten zum Bombenlegen verführt wird. Doch damit würde man dem Film unrecht tun, versucht Hadewijch doch viel eher vom allgemeinen Gewaltpotential einer zu strengen Religonsausübung zu warnen.

 

Der Film macht keinen Unterschied zwischen Christen und Islamisten, sondern gibt lediglich der Radikalisierung die Schuld. Die Konfession selbst spielt demnach keine Rolle. Und in zahlreichen Einstellungen verweist Dumont auch auf die Liebe, die der Religion in ihrer harten Ausübung längst verlorenen gegangen ist. Hadewijch wird wohl dennoch von einigen gewaltig Schelte kassieren. Trotzdem sollte man es sich nicht entgehen lassen den Film anzusehen. Auch wenn das traumwandlerische und vielleicht sogar etwas surreale Ende (inklusive einer symbolischen Jesuserscheinung) nicht jedermanns Sache ist, und noch einige Fragen aufwirft.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 8.5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 2
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Liste von naeti1
Erstellt: 12.05.2015